Erbausschlagung, große Familie, Erben teilweise unbekannt und im Ausland, verschuldeter Nachlass

25. Juli 2023 Thema abonnieren
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Erbausschlagung, große Familie, Erben teilweise unbekannt und im Ausland, verschuldeter Nachlass

Hallo Zusammen,

meine Lebensgefährtin (ich werde im Folgenden auch von „wir" sprechen, meine damit aus rechtlicher Sicht dann meine Lebensgefährtin) hat eine chaotische und verzwickte Erbsituation hinterlassen bekommen. Es folgt (leider Gottes) ein Textwall. Ich hoffe, dass jemand sich erbarmt und trotzdem liest. Ich brauche echt Rat.

akut betroffene Personen:

Vater V (der verstorbene Erblasser)

meine Lebensgefährtin – Tochter von V

Ehefrau (+minderjährige Tochter) – Thailändische Staatsbürgerin und lebt auch dort

weitere Tochter (kein Kontakt/unbekannter Aufenthalt, vermutlich Deutschland)

weitere Tochter (letzter Wohnort in den USA/unbekannt + unklar ob schon volljährig)

Opa (Opa meiner Lebensgefährtin und Vater von V)
+ 4 weitere Geschwister von V/Kinder von Opa

Alle Töchter von V sind von verschiedenen Frauen, verheiratet war V nur mit der aus Thailand.

Da wir ja zur Bestattung verpflichtet sind und den V in den letzten Tagen (über zwei Wochen Intensivstation) begleitet haben haben wir uns bisher natürlich um alles gekümmert und werden (müssen) dies ja auch weiter tun.

Nun steht nach Durchsicht aller Dokumente fest, dass V auf jeden Fall verschuldet ist bzw. viele Verbindlichkeiten offen hat. Gefunden haben wir mindestens 4000-5000 EURO an Schulden, aber wir sind relativ sicher, dass noch mehr bestehen, von denen wir nichts wissen und so schnell auch gar nicht erfahren können.

Es bestehen nach unserer Recherche keinerlei nennenswerte Vermögenswerte, nicht mal, um die Schulden zu begleichen.

Es gibt kein Testament, es greift also die gesetzliche Erbfolge. Erben würde dann ja die Ehefrau die Hälfte (da kein Ehevertrag) und die volljährigen Töchter zu den jeweiligen Anteilen.

Natürlich wollen wir das Erbe ausschlagen, da wir von der finanziellen Situation ja nun wissen.

Nun haben wir den Schlüssel zu der Wohnung und waren ja auch schon öfters drin, sowohl vor dem Tod als auch jetzt danach, um alles nach Unterlagen zu durchsuchen, die wir ja auch für die Beerdigung brauchen. Den Schlüssel hatte meine Lebensgefährtin schon immer, da sie einen guten Kontakt zu V hatte. Wenn er im Urlaub war haben wir uns dann auch um die Post/Blumen etc.. gekümmert.

Natürlich wissen wir, dass wir nichts aus dem Nachlass mitnehmen/verkaufen dürfen.
Die Bestatterin meinte nun sogar zu uns, wir sollten auf gar keinen Fall überhaupt mehr in die Wohnung gehen und mit dem AG/NG abklären, ob wir den Schlüssel dem Eigentümer/Vermieter übergeben sollen. Allerdings denke ich mir da, was interessiert das dass AG/NG, was mit dem Schlüssel ist.

Nun kommt hinzu, dass der Eigentümer/Vermieter von V sein Vater, der Opa, ist. Der Opa ist der Meinung, dass WIR nun schnellstmöglich die Wohnung ausräumen müssen (und auch alles verkaufen sollen, und das Geld behalten sollen) was noch irgendeinen Wert hat.

Wir haben ihm erklärt, dass das aufgrund der Erbensituation nicht so einfach geht, bzw. gar nicht so funktioniert. Der Mann ist der sturste Mensch, den ich kenne. Es interessiert ihn nicht was wir sagen, er will die Wohnung ja schnellstmöglich wieder neu vermieten.

Dazu muss man sagen, dass V und sein Vater ein sehr kompliziertes Verhältnis hatten, ebenso die Geschwister zu V. Die anderen Geschwister halten aber zusammen und stehen auch alle hinter dem Opa.

Wenn wir nun das Erbe ausschlagen ist meine Lebensgefährtin ja raus. Ich meine, komplett raus. Sie muss sich dann auch nicht mehr darum kümmern, das Auto abzumelden und ähnliches, oder?

Der Opa ist der Meinung, dass sie das alles machen soll, also auch Gas und Strom abmelden usw. Wie gesagt, trotz unserer Erklärungen sieht er das so. Dass er Unrecht hat ist klar, aber ich frage mich, wie es weitergeht, wenn meine Lebensgefährtin das Erbe nun ausgeschlagen würde.

Die Ehefrau müsste dies ja auch tun, ebenso die anderen unbekannten volljährigen Kinder, die ja vom Sterbefall nichts wissen. Meines Wissens nach haben die im Ausland auch nicht nur 6 Wochen, sondern 6 Monate dafür Zeit. Und wenn nun alle aus der 1. Ordnung das Erbe ausschlagen, wäre doch in der 2. Ordnung dann der Opa (als Vater von V) an der Reihe, und danach seine anderen Kinder, also die Geschwister von V. Und immer so weiter.

Dieser Prozess könnte doch aber wortwörtlich Jahre, oder zumindest deutlich länger als ein halbes Jahr, dauern? Und was passiert in der Zeit mit der Wohnung/dem Hausrat? Denn niemand wäre ja dann befugt, diesen anzutasten oder in die Wohnung zu gehen?

Ich weiß jetzt schon, dass das ein Riesentheater gibt. Meine Lebensgefährtin hat an sich ein gutes Verhältnis zu den Onkel/Tanten und dem Opa, aber als Tochter von V (der zu allen ein teilweise kompliziertes oder zumindest kein sehr gutes Verhältnis hatte) hat sie auch keinen leichten Stand in der Familie.

Das ganze auf ein paar Fragen runter gebrochen:

Könnte es dann wirklich so sein, dass das ganze Verfahren des Erbes sich über Jahre (oder zumindest 6 Monate +) hinzieht, bis überhaupt irgendwer (dann irgendwann ein Nachlasspfleger o.ä) die Wohnung leerräumen lässt bzw. die Nachlassinsolvenz abwickelt, da ja nichts zu holen ist?

Und müssten dann nicht auch alle Familienmitglieder nacheinander, bis hin zu Cousins/Cousinen usw. meiner Lebensgefährtin, das Erbe ausschlagen, bis niemand mehr da ist (ich meine das BGB ist da eindeutig)?

Und könnte der Opa (der ja als Eigentümer auch ein Recht aus Art 14 GG und anderen Gesetzen hat) seine Wohnung über diese ganze lange Zeit weder betreten geschweige denn neu vermieten?

Und was würde passieren, wenn die unbekannten Töchter/die Ehefrau zwar ausfindig gemacht werden können, aber nicht reagieren? Dann könnte die Erbreihenfolge bzw. „Kette" ja nicht „weitergehen"?

Und das für mich auch akut wichtigste, da ich etwas ähnliches hier im Forum bereits gelesen habe:

Könnte das AG/NG die Erbausschlagung meiner Lebensgefährtin ablehnen, da wir den Schlüssel zur Wohnung haben, uns um alles kümmern, natürlich etliche Dokumente sowohl kurz vor als auch nach dem Tod aus der Wohnung entfernt haben, da wir die Dokumente ja brauchten, die Sachen aus dem Krankenhaus abgeholt haben usw.?
Besteht berechtigter Grund, das dann als konkludente Annahme der Erbschaft auszulegen?
Wenn wir mit dem AG/NG in Verbindung treten, in wie weit sollen wir preisgeben, was bisher passiert ist bzw. das mit dem Schlüssel überhaupt erwähnen, oder einfach nur stumpf einen Termin zur Erbausschlagung vereinbaren?

Ich bin gerade etwas überfragt und hoffe auf Eure Hilfe.

Vielen lieben Dank!
Zilli0n


-- Editiert von User am 25. Juli 2023 13:11

Testament oder Erbe?

Testament oder Erbe?

Ein erfahrener Anwalt im Erbrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Erbrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7968 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Zilli0n):
Natürlich wollen wir das Erbe ausschlagen, da wir von der finanziellen Situation ja nun wissen.

Ist bekannt, dass die Ausschlagung form- und frisgerecht erfolgen muss? Wann ist V verstorben?
Zitat:
Allerdings denke ich mir da, was interessiert das dass AG/NG, was mit dem Schlüssel ist.

Richtig, das interessiert das NG nicht.
Zitat:
Nun kommt hinzu, dass der Eigentümer/Vermieter von V sein Vater, der Opa, ist. Der Opa ist der Meinung, dass WIR nun schnellstmöglich die Wohnung ausräumen müssen (und auch alles verkaufen sollen, und das Geld behalten sollen) was noch irgendeinen Wert hat.

Die Meinung des Opas spielt keine Rolle.
Zitat:
Wenn wir nun das Erbe ausschlagen ist meine Lebensgefährtin ja raus. Ich meine, komplett raus. Sie muss sich dann auch nicht mehr darum kümmern, das Auto abzumelden und ähnliches, oder?

Richtig.
Zitat:
Dass er Unrecht hat ist klar, aber ich frage mich, wie es weitergeht, wenn meine Lebensgefährtin das Erbe nun ausgeschlagen würde.

Das braucht die Tocher nicht zu interessieren. Sie ist raus!
Zitat:
Die Ehefrau müsste dies ja auch tun, ebenso die anderen unbekannten volljährigen Kinder, die ja vom Sterbefall nichts wissen. Meines Wissens nach haben die im Ausland auch nicht nur 6 Wochen, sondern 6 Monate dafür Zeit. Und wenn nun alle aus der 1. Ordnung das Erbe ausschlagen, wäre doch in der 2. Ordnung dann der Opa (als Vater von V) an der Reihe, und danach seine anderen Kinder, also die Geschwister von V. Und immer so weiter.

Wenn der Nachlass überschuldet ist, ermittelt das NG keine weiteren Erben.
Zitat:
Und was passiert in der Zeit mit der Wohnung/dem Hausrat? Denn niemand wäre ja dann befugt, diesen anzutasten oder in die Wohnung zu gehen?

Letztendlich wird der Vermieter (hier Opa) die Wohnung räumen müssen und auf den Kosten sitzen bleiben.
Zitat:
Ich weiß jetzt schon, dass das ein Riesentheater gibt. Meine Lebensgefährtin hat an sich ein gutes Verhältnis zu den Onkel/Tanten und dem Opa, aber als Tochter von V (der zu allen ein teilweise kompliziertes oder zumindest kein sehr gutes Verhältnis hatte) hat sie auch keinen leichten Stand in der Familie.

Na und? Dann ist das eben so. Es ist halt nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen.
Zitat:
Könnte es dann wirklich so sein, dass das ganze Verfahren des Erbes sich über Jahre (oder zumindest 6 Monate +) hinzieht, bis überhaupt irgendwer (dann irgendwann ein Nachlasspfleger o.ä) die Wohnung leerräumen lässt bzw. die Nachlassinsolvenz abwickelt, da ja nichts zu holen ist?

Nö. Du hast eine völlig falsche Vorstellung. Da der Nachlass überschuldet ist, macht das NG gar nichts. Da kommt niemand und räumt die Wohnung.
Zitat:
Und müssten dann nicht auch alle Familienmitglieder nacheinander, bis hin zu Cousins/Cousinen usw. meiner Lebensgefährtin, das Erbe ausschlagen, bis niemand mehr da ist (ich meine das BGB ist da eindeutig)?

Nur wenn diese vom NG angeschrieben werden würden.
Zitat:
Und könnte der Opa (der ja als Eigentümer auch ein Recht aus Art 14 GG und anderen Gesetzen hat) seine Wohnung über diese ganze lange Zeit weder betreten geschweige denn neu vermieten?

Letztendlich wird ihm nichts anderes übrigen bleiben, als die Wohnung zu räumen. Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.
Zitat:
Und was würde passieren, wenn die unbekannten Töchter/die Ehefrau zwar ausfindig gemacht werden können, aber nicht reagieren? Dann könnte die Erbreihenfolge bzw. „Kette" ja nicht „weitergehen"?

Nach Ablauf der 6 Monate hätten diese das Erbe angenommen. Der Opa als Vermieter könnte dann versuchen, die Kosten der Räumung einzufordern (was ich für ein ziemlich aussichtloses Unterfangen halte).
Zitat:
Könnte das AG/NG die Erbausschlagung meiner Lebensgefährtin ablehnen, da wir den Schlüssel zur Wohnung haben, uns um alles kümmern, natürlich etliche Dokumente sowohl kurz vor als auch nach dem Tod aus der Wohnung entfernt haben, da wir die Dokumente ja brauchten, die Sachen aus dem Krankenhaus abgeholt haben usw.?

Auch hier hat man eine falsche Vorstellung. Das NG nimmt die Ausschlagungserklärung lediglich entgegen. Ob diese "gültig" ist, wird nur in einem Erbscheinsverfahren entschieden.
Zitat:
Besteht berechtigter Grund, das dann als konkludente Annahme der Erbschaft auszulegen?

Das kommt darauf an, was man "unter sich kümmern" versteht.
Zitat:
Wenn wir mit dem AG/NG in Verbindung treten, in wie weit sollen wir preisgeben, was bisher passiert ist bzw. das mit dem Schlüssel überhaupt erwähnen, oder einfach nur stumpf einen Termin zur Erbausschlagung vereinbaren?

Ausschlagungserklärung abgeben und gut ist. Dann den Schlüssen dem Vermieter zukommen lassen.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo cruncc1,

erstmal vielen Dank für deine Antworten! Mir bleiben nur noch einige Fragen, was den Hausrat/die Wohnung angeht.

Zitat (von cruncc1):
Ist bekannt, dass die Ausschlagung form- und frisgerecht erfolgen muss? Wann ist V verstorben?


Ja, der Todesfall ist erst ein paar Tage her.

Zitat (von cruncc1):
Wenn der Nachlass überschuldet ist, ermittelt das NG keine weiteren Erben.


Dass der Nachlass überschuldet ist, haben wir ja selbst ermittelt und niemand "professionelles". Müssen wir dies dann bei der Ausschlagung angeben? Müssen wir dies belegen/nachweisen? Woher weiß das NG sonst, dass der Nachlass überschuldet ist?

Zitat (von cruncc1):
Letztendlich wird der Vermieter (hier Opa) die Wohnung räumen müssen und auf den Kosten sitzen bleiben.


Ok, aber an welchem Punkt in dem ganzen Prozess "darf" er als Eigentümer dies denn? Solange noch Erben im Raum stehen bzw. ermittelt werden/auf deren Antwort gewartet wird, doch definitiv nicht, oder?

Zitat (von cruncc1):
Nach Ablauf der 6 Monate hätten diese das Erbe angenommen. Der Opa als Vermieter könnte dann versuchen, die Kosten der Räumung einzufordern (was ich für ein ziemlich aussichtloses Unterfangen halte).


Das leuchtet ein.

Zitat (von cruncc1):
Auch hier hat man eine falsche Vorstellung. Das NG nimmt die Ausschlagungserklärung lediglich entgegen. Ob diese "gültig" ist, wird nur in einem Erbscheinsverfahren entschieden.


Nehmen wir an, die im Ausland lebenden Erben oder die andere, unbekannte, in Deutschland lebende Erbin reagieren nicht und das Erbe gilt somit durch eine oder mehrere von diesen als angenommen.

Einen Erbschein werden diese dann ja trotzdem nicht beantragen. Was passiert dann, bzw. was veranlasst danach das NG? Gar nichts? Wendet es sich dann an die nächsten Erben?

Zitat (von cruncc1):
Letztendlich wird ihm nichts anderes übrigen bleiben, als die Wohnung zu räumen. Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.


Aber was bedeutet, zeitlich gesehen, letztendlich? Nach 6 Monaten, nach noch mehr Monaten?

Ab welchem Punkt ist er denn dann befugt, den Hausrat zu entsorgen? Und wenn er das darf, dürfte er (oder irgendwer aus der Familie - auch wieder meine Lebensgefährtin) dann auch versuchen, den Hausrat zu Geld zu machen?

Wäre dies nicht solange "nicht rechtens", solange noch potenzielle Erben ermittelt werden bzw. auf Antworten von diesen gewartet wird?

Meine Partnerin kann ja nicht das Erbe ausschlagen und dann eine Woche danach mit mir, dem Opa und anderen anfangen, den Hausrat zu entsorgen und zu verkaufen?

Wenn wir jetzt was aus dem Hausrat mitnehmen und verkaufen (z.B. aus dem "Gedanken" heraus, damit die Beerdigung zu finanzieren) würden wir uns doch definitiv rechtswidrig verhalten, oder nicht?

Und was ist mit den Nachlassgläubigern. ca. 70% der oben genannten Summe fallen auf einen Gläubiger. Dieser wird doch auch tätig werden, und hätte doch z.B. auch das Recht, eine Nachlassverwaltung o.ä. beim NG zu beantragen?

Also sollen wir das Erbe ausschlagen, dem Opa den Schlüssel übergeben und ihm erklären, dass wir nicht mehr in die Wohnung dürfen und auch nicht die Wohnung ausräumen oder Sachen verkaufen werden.
Der Mann kann ja auch nichts für diese Situation und ist über 80 Jahre alt. Wir würden ihm ja auch grundsätzlich helfen. Nur ab welchem Punkt und BIS Zu welchem Zeitpunkt wären wir denn rechtlich gesehen definitiv raus aus allem? (deckt sich wieder oben mit der Frage, ab welchem Zeitpunkt er als Eigentümer die Wohnung räumen darf)

Und wenn wir (oder der Opa) dann Hausrat verkaufen würden, den aber rechtlich gesehen keiner von uns geerbt hat, könnten Nachlassgläubiger dann auf uns, den Opa, die Familie zukommen und das Geld einfordern?
Und mit Nachlass meine ich z.B. die Spülmaschine und einige neue Küchen- und andere Schränke, die vielleicht noch ein paar hundert bis tausend Euro Wert sein könnten - aber sicher nicht die Schulden decken könnten.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7968 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Zilli0n):
Dass der Nachlass überschuldet ist, haben wir ja selbst ermittelt und niemand "professionelles". Müssen wir dies dann bei der Ausschlagung angeben? Müssen wir dies belegen/nachweisen?

Nein.
Zitat:
Woher weiß das NG sonst, dass der Nachlass überschuldet ist?

Gar nicht. Es genügt, wenn angegeben wird, dass der Nachlas überschuldet ist.
Zitat:
Was passiert dann, bzw. was veranlasst danach das NG? Gar nichts?

Nichts.
Zitat:
Wendet es sich dann an die nächsten Erben?

I.d.R. nicht.
Zitat:
Ab welchem Punkt ist er denn dann befugt, den Hausrat zu entsorgen?

Da gibt es keinen eindeutige Vorgehensweise. Das ist ein Graubereich.
Lies dir mal das durch:
https://www.juraforum.de/forum/t/wird-bei-ausgeschlagenem-erbe-die-wohnung-samt-inhalt-dem-vermieter-uebergeben.737387/
Zitat:
(oder irgendwer aus der Familie - auch wieder meine Lebensgefährtin) dann auch versuchen, den Hausrat zu Geld zu machen?

Davon würde ich dringend abraten, das kann als Annahme des Erbes gewertet werden.
Zitat:
Meine Partnerin kann ja nicht das Erbe ausschlagen und dann eine Woche danach mit mir, dem Opa und anderen anfangen, den Hausrat zu entsorgen und zu verkaufen?

Nein, sie ist raus.
Zitat:
Wenn wir jetzt was aus dem Hausrat mitnehmen und verkaufen (z.B. aus dem "Gedanken" heraus, damit die Beerdigung zu finanzieren) würden wir uns doch definitiv rechtswidrig verhalten, oder nicht?

Wie schon geschrieben, könnte das als Annahme gewertet werden.
Zitat:
Und was ist mit den Nachlassgläubigern. ca. 70% der oben genannten Summe fallen auf einen Gläubiger.

Was soll damit sein. Er bleibt auf den Schulden ebenfalls sitzen.
Zitat:
Dieser wird doch auch tätig werden, und hätte doch z.B. auch das Recht, eine Nachlassverwaltung o.ä. beim NG zu beantragen?

Was soll das in der o.g. "Konstellation" bringen?
Zitat:
Also sollen wir das Erbe ausschlagen, dem Opa den Schlüssel übergeben und ihm erklären, dass wir nicht mehr in die Wohnung dürfen und auch nicht die Wohnung ausräumen oder Sachen verkaufen werden.

Richtig.
Zitat:
Der Mann kann ja auch nichts für diese Situation und ist über 80 Jahre alt.

Ja und? Er ist der Vermieter. Das Alter spielt keine Rolle.
Zitat:
Wir würden ihm ja auch grundsätzlich helfen. Nur ab welchem Punkt und BIS Zu welchem Zeitpunkt wären wir denn rechtlich gesehen definitiv raus aus allem?

Wenn man ausschlagen möchte, darf man nichts aus dem Nachlass nehmen (auch kein Fotoalbum etc.). Es gibt keinen Zeitpunkt "von bis".

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo cruncc1,

danke, du hast mir schon sehr geholfen. Danke auch für den externen Link. Sehr interessant und aufschlussreich.

Eine (vorerst) letzte Frage hätte ich noch:

Wird bei der 6-Wochen-Frist zur Ausschlagung des Erbes ab dem Zeitpunkt, wo man vom Erbfall erfahren hat, unterschieden, um welche (potenziellen) Erben (1. Ordnung, 2. Ordnung usw.) es sich handelt?

Denn falls nicht, müssten wir dem Opa und den Geschwistern von V ja auch dazu raten, das Erbe vorsorglich auszuschlagen, da für sie die Frist sonst verstreicht. Vom Erbfall wissen diese ja alle.

Leider konnte ich hierzu nichts eindeutiges finden.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7968 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Zilli0n):
Wird bei der 6-Wochen-Frist zur Ausschlagung des Erbes ab dem Zeitpunkt, wo man vom Erbfall erfahren hat, unterschieden, um welche (potenziellen) Erben (1. Ordnung, 2. Ordnung usw.) es sich handelt?

Nein.

Zitat:
Denn falls nicht, müssten wir dem Opa und den Geschwistern von V ja auch dazu raten, das Erbe vorsorglich auszuschlagen, da für sie die Frist sonst verstreicht. Vom Erbfall wissen diese ja alle.

Die Frist zur Ausschlagung beginnt erst, wenn man vom NG von der Ausschlagung des/der Erben in Kenntnis gesetzt wird (was bei Überschuldung meistens unterlassen wird).

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47286 Beiträge, 16752x hilfreich)

Zitat (von Zilli0n):
Wird bei der 6-Wochen-Frist zur Ausschlagung des Erbes ab dem Zeitpunkt, wo man vom Erbfall erfahren hat, unterschieden, um welche (potenziellen) Erben (1. Ordnung, 2. Ordnung usw.) es sich handelt?


Die 6-Wochenfrist beginnt dann, wenn der Erbe von seiner Erbenstellung erfahren hat. Bei Erben 1. Ordnung ist das im Regelfall die Kenntnis vom Tod des Erblassers.

Wenn es Erben 1. Ordnung gibt, dann beginnt die Ausschlagungsfrist für Erben 2. Ordnung erst dann, wenn sie davon erfahren, dass sie durch Ausschlagung in der Erbfolge nachgerückt sind. Im Regelfall ist das erst dann der Fall, wenn sie ein entsprechendes Schreiben vom Nachlassgericht erhalten hat, wobei im Fall der Überschuldung gar nicht sicher ist, dass sie jemals so ein Schreiben erhalten werden.

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Die Frist zur Ausschlagung beginnt erst, wenn man vom NG von der Ausschlagung des/der Erben in Kenntnis gesetzt wird (was bei Überschuldung meistens unterlassen wird).


Verstehe, nochmal danke für die Antworten!

Zitat (von hh):
Die 6-Wochenfrist beginnt dann, wenn der Erbe von seiner Erbenstellung erfahren hat. Bei Erben 1. Ordnung ist das im Regelfall die Kenntnis vom Tod des Erblassers.

Wenn es Erben 1. Ordnung gibt, dann beginnt die Ausschlagungsfrist für Erben 2. Ordnung erst dann, wenn sie davon erfahren, dass sie durch Ausschlagung in der Erbfolge nachgerückt sind. Im Regelfall ist das erst dann der Fall, wenn sie ein entsprechendes Schreiben vom Nachlassgericht erhalten hat, wobei im Fall der Überschuldung gar nicht sicher ist, dass sie jemals so ein Schreiben erhalten werden.


Danke hh!

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo,

es hat sich für uns noch eine Fragestellung ergeben:

Bevor V verstarb, hat er uns/meine Partnerin darum gebeten, uns "um alles zu kümmern", solange er im Krankenhaus ist. Dass er gut zwei Wochen später tot sein würde, haben wir ja am Anfang überhaupt nicht erwartet.

Nun hatte meine Partnerin in dem Zeitraum vor dem Versterben mehrere Gläubiger kontaktiert und um Mahnsperren/Stundungen gebeten, da ihr Vater im Krankenhaus ist. Dies wurde auch von allen akzeptiert.

Nun haben die Gläubiger ja die Kontaktdaten meiner Partnerin. Ein Gläubiger meldete sich diese Woche und fragte nach dem aktuellen Stand, meine Partnerin teilte mit, dass V verstorben ist.

Daraufhin wurde um Übersendung der Sterbeurkunde gebeten.

Kann ein Übersenden der Sterbeurkunde von den Gläubigern selbst oder in einem hypothetischen späteren nachlassgerichtlichen Verfahren/Prüfung als Annahme des Erbes ausgelegt werden?

Könnte dieses Handeln nach dem Tod des Erblassers als eine Art rechtsgeschäftliche Handlung im Namen des Verstorbenen gedeutet werden?


Leider konnte ich zu dieser konkreten Frage auch durch weitere Online-Recherche keine eindeutige Antwort finden.

Meine Partnerin würde dies natürlich (gerne) tun, auch, da die Gläubiger sich wahrscheinlich sowieso alle nochmal melden werden, wenn von ihr nichts mehr kommt.

Allerdings natürlich nicht, wenn sich dies für sie nachteilig auswirken könnte.

Ich hoffe erneut auf Hilfe,
danke!

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7968 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Zilli0n):
Kann ein Übersenden der Sterbeurkunde von den Gläubigern selbst oder in einem hypothetischen späteren nachlassgerichtlichen Verfahren/Prüfung als Annahme des Erbes ausgelegt werden?

Nein.
Zitat:
Könnte dieses Handeln nach dem Tod des Erblassers als eine Art rechtsgeschäftliche Handlung im Namen des Verstorbenen gedeutet werden?

Nein, man kann den Gläubigern ohne Weiteres mitteilen, dass der Erblasser verstorben ist und man das Erbe ausgeschlagen hat.

-- Editiert von User am 30. Juli 2023 12:41

1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Zilli0n
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke!

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.930 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.194 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen