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Erbe Neffe ohne Info

17.3.2020 Thema abonnieren Zum Thema: Erbe ausschlagen
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Erbe Neffe ohne Info

Hallo zusammen,
Mein Onkel ist letztes Jahr gestorben. Muss ich selbst aktiv werden und das Erbe ausschlagen? Vom Nachlass Gericht habe ich noch nichts erhalten.

Danke

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Erbe ausschlagen


23 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17453 Beiträge, 7726x hilfreich)

Wenn sich jemand um das Erbe kümmert, dann sucht das Nachlassgericht keine Neffen oder andere Verwandte. Da muß man sich schon selber hinwenden, wenn man bemerkt werden will.

Signatur:Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.
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#2
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Da es sich hier um hohe Schulden handelt. Haben Kinder und Geschwister bereits das Erbe ausgeschlagen.
Ich möchte wissen, ob ich das auch tun muss? Habe aber noch keinen Brief vom Nachlassgericht erhalten. Nicht das ich das Erbe nun automatisch antrete und die ganzen Schulde Erbe.
Beachtet werden möchte ich auf garkeinen Fall

-- Editiert von Petra1984 am 17.03.2020 20:27

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#3
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Also grds. wird man Erbe mit automatisch und von selbst, in Ihrem Fall mit Ausschlagung der 1. Ordnung und Ihres Vater oder Ihrer Mutter, je nachdem wie man verwandt ist. Auf die Nachricht des Gerichts kommt es nicht an, auch wenn das Gericht die Erben vom Anfall benachrichtigt. Sie sollten also selbst aktiv werden.

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#4
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antwort.
Wissen sie welche Frist ich hier einhalten muss? Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie und gestern erst davon erfahren.
Mein Onkel ist bereits seit über 6 Monaten Tod.

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#5
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Es kommt auf die Kenntnis vom Anfall der Erbschaft an. Ab da beginnt die 6 Wochen Frist.

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#6
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Kenntnis, wie ist das hier definiert? Ich habe vom Amts wegen keine Kenntnis erhalten, sondern durch Zufall erfahren, dass mein Onkel gestorben ist und dieser hoch verschuldet war. Jetzt meinte meine Tante, dass ich das Erbe als Neffe ausschlagen muss, auch wenn ich keinerlei Schreiben von irgendeinem Amt erhalten habe... Das wäre neu... und die Frist dafür wäre 1 Jahr.
Anders ist die Frist, wenn das Nachlassgericht mich anschreibt, dann habe ich 6 Wochen Zeit.

Beim Nachlassgericht erreiche ich leider seit 2 Tagen keine Menschenseele..... sonst hätte ich da nachgefragt.

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#7
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Alles falsch!
Es kommt auf die Kenntis vom Anfall der Erbschaft an. Wenn also alle anderen ausgeschlagen haben und man am Ende "übrig" ist, muss einem klar sein, dass einem die Erbschaft angefallen ist. Ab dem Tag der Kenntnis sind es dann im Innland 6 Wochen, im ausland 6 Monate. Es kommt auf ein Schreiben des Nachlassgerichtes NICHT an!

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#8
 Von 
cruncc1
Status:
Junior-Partner
(5829 Beiträge, 3701x hilfreich)

Zitat (von AR0710):
Es kommt auf ein Schreiben des Nachlassgerichtes NICHT an!

Das sehe ich nicht so.

M.E. erhält der Neffe erst mit der Mitteilung des Nachlassgerichts Kenntnis, dass die anderen Erben ausgeschlagen haben und er als Erbe in Betracht kommt.

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1944.html

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#9
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Ich kenne die Vorschrift. Jedoch kommt es auf die Nachricht des NLG nicht an, sondern lediglich auf die Kenntnis. Richtig ist, dass das NLG grundsätzlich vom Anfall auf Grund Ausschlagung die weiteren Erben unterrichtet, sich aber lediglich auf dieses Schreiben zu berufen, kann nicht richtig sein. Davon abgesehen, betrifft § 1944 Abs. 2 S. 2 BGB den testamentarischen Erben, nicht wie im vorliegenden Fall, einen gesetzlichen Erben.

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#10
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(36247 Beiträge, 13044x hilfreich)

Ich schließe mich der Auffassung von @Cruncc1 an.

Der Neffe muss sichere Kenntnis davon haben, dass er Erbe geworden ist, damit die 6-wöchige Ausschlagungsfrist beginnt. Die einfache Mitteilung anderer Erben, sie hätten das Erbe ausgeschlagen ist keine sichere Kenntnis in diesem Sinne.

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#11
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Und ich bleibe bei meiner Ansicht. § 1944 Abs. 2 S. 2 verweist lediglich auf dei test. Erbfolge, nicht auf die gesetzliche. Verfahrenstechnisch spielt hier § 348 FamFG eine Rolle, welche sich auch nur auf Testamente bezieht. Es zählt Kenntnis des Erbfalles und der Erbenstellung, denn die Kenntnis der Erbenstellung ergibt sich regelmäßig aus Kenntnis der Verwandtschaftsverhältnisse (OLG Zweibrücken FamRZ 2006, 892) oder aus Kenntnis einer letztwilligen Verfügung. Notwendig ist die positive zuverlässige Kenntnis, die durch verständlichen Rechts- oder Tatsachenirrtum ausgeschlossen bleibt (BayObLG FamRZ 1994, 265; OLG Hamm OLGZ 1969, 288; BGH NJW-RR 2000, 1530; OLG Zweibrücken Rpfleger 2006, 407; OLG München NJW-RR 2006, 1669). Der bloßer Zugang einer Mitteilung steht einer Kenntnis nicht gleich (BayObLGZ 1968, 74; BGH Rpfleger 1968, 183).

Das Nachlassgericht soll die Ausschlagung dem nächstberufenen Erben mitzuteilen (§ 1953 Abs. 3 S. 1 BGB). Damit ist zugleich gesagt, dass das Nachlassgericht von Amts wegen Ermittlungen darüber anzustellen hat, wem nunmehr die Erbschaft angefallen ist (§ 26 FamFG). Aus dem Wort „soll" ergibt sich jedoch, dass die Mitteilung weder für die Wirkung der Ausschlagung noch für den Anfall an den jetzt berufenen Erben konstitutiv ist. Für den Nächstberufenen läuft eine neue Ausschlagungsfrist. Sie beginnt mit seiner Kenntnis von Anfall und Berufungsgrund (§ 1944 Abs. 2 S. 1). Die Mitteilung dient dem Zweck, diese Frist durch Verschaffung der Kenntnis in Lauf zu setzen, doch kann die Frist auch schon vor der Mitteilung beginnen, wenn der jetzt berufene Erbe auf andere Weise Kenntnis erlangt hat. Eine erneute Bekanntgabe i.S.v § 1944 Abs. 2 S. 2 BGB ist nicht Voraussetzung des Fristbeginns (MüKo BGB/Leipold, Verlag C.H. Beck, 8. Aufl. 2020, § 1953, Rn. 15).

-- Editiert von AR0710 am 19.03.2020 10:59

-- Editiert von AR0710 am 19.03.2020 11:00

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#12
 Von 
guyfromhamburg
Status:
Student
(2227 Beiträge, 450x hilfreich)
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#13
 Von 
Vermieterheini1
Status:
Frischling
(40 Beiträge, 3x hilfreich)

Ich an Stelle des Fragestellers würde die (mögliche) Erbschaft sofort formgerecht auszuschlagen (Niederschrift beim Nachlassgericht),
wenn die Gefahr besteht, dass das Erbe überschuldet ist.
Das würde ich auch ohne Kenntnis der exakten Rechtslage machen.

Signatur:Dies ist eine private Meinungsäußerung als Laie ohne jede Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit
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#14
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

So wirklich eindeutig scheint ja keiner zu wissen, was korrekt ist.

Danke trotzdem

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#15
 Von 
Vermieterheini1
Status:
Frischling
(40 Beiträge, 3x hilfreich)

Das Wissen um die exakte Rechtslage in dem Beispielfall sollte einem vollkommen egal sein.
In so einem Fall würde ich immer nach dem "Vorsichtsprinzip" handeln.
Lieber umsonst die potentielle Erbschaft ausschlagen als sich der Gefahr aussetzen Schulden zu erben.
Da würde ich die Kosten einer Erbschaftausschlagung in Kauf nehmen, auch wenn diese Kosten vielleicht nicht nötig gewesen wären.

Warum sollte man bewusst riskieren, dass man "aus Sturheit, da man die exakte Rechtslage nicht kennt" und daher die Erbschaft nicht fristgerecht ausgeschlagen hat, wissentlich eine überschuldete Erbschaft hat?

Signatur:Dies ist eine private Meinungsäußerung als Laie ohne jede Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit
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#16
 Von 
Petra1984
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Mein Onkel ist seit fast 11 Monaten Tod, die Frist von 6 Wochen ist demnach sowieso abgelaufen.
Ich weiß ja erst seit letzter Woche, dass er überhaupt gestorben ist, mein Vater hat bisher auch nichts davon gewusst und er kommt ja noch vor mir in der Erbreihenfolge. Mir geht es nicht um das Geld, aber es muss ein Gesetz geben, dass dass festlegt und ich habe die letzten Jahre immer ein Schreiben vom Nachlassgericht erhalten, wenn einer aus der Familie gestorben ist. Ich wollte nur wissen, ob sich da gesetzlich im letzten Jahr etwas geändert hat.

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#17
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Na also, dann ist die Frist auch noch nicht abgelaufen. Es kommt wie gesagt auf die Kenntnis an. Also ab zur Ausschlagung...

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#18
 Von 
cruncc1
Status:
Junior-Partner
(5829 Beiträge, 3701x hilfreich)

Zitat (von AR0710):
Na also, dann ist die Frist auch noch nicht abgelaufen. Es kommt wie gesagt auf die Kenntnis an. Also ab zur Ausschlagung...

Dazu gibt es hier auch andere Meinungen. ;)

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#19
 Von 
Vermieterheini1
Status:
Frischling
(40 Beiträge, 3x hilfreich)

Hallo AR0710,

meiner Meinung nach ist die Rechtslage, ab wann die Ausschlagungsfrist für die Erbschaft zu laufen beginnt ganz eindeutig.
Ab Kenntnis der Erbschaft.
Das ist bei der gesetzlichen Erbfolge, also bei allen Verwandten gleichzusetzen ab Kenntnis von Todesfall.
Mit der Kenntnis von Todesfall hat man nach dem Gesetzgeber die gesetzliche Erbfolge zu kennen.
Lauft Gesetz "schützt Unwissenheit vor Strafe nicht". In dem Beispielfall vor dem Beginn der Ausschlagungsfrist für die Erbschaft.
Grundsätzlich weiß man nie ob es ein Testament gibt,
ob das Testament, das man zu kennen meint noch aktuell ist
oder anfechtbar ist bzw. erfolgreich angefochten wird.
Man weiß auch nie, ob Verwandte, die vor einem dran sind ausschlagen
oder testamentarische Erben ausschlagen.
Ob Verwandte, die vor einem dran sind noch leben bzw. Nachkommen haben.

Solange man es nicht "amtlich" hat,
dass man auf gar keine Fall Erbe ist,
muss man aus Vorsicht immer so handeln, als ob man Erbe wäre, wenn man nicht termin- und formgerecht ausschlägt.

Im Regelfall hat man vor Ende der Ausschlagungsfrist nichts "amtliches", das sicherstellt,
dass man auf keinen Fall Erbe ist.

-- Editiert von Vermieterheini1 am 24.03.2020 18:39

-- Editiert von Vermieterheini1 am 24.03.2020 18:40

-- Editiert von Vermieterheini1 am 24.03.2020 18:40

-- Editiert von Vermieterheini1 am 24.03.2020 18:42

Signatur:Dies ist eine private Meinungsäußerung als Laie ohne jede Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit
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#20
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(36247 Beiträge, 13044x hilfreich)

Zitat:
meiner Meinung nach ist die Rechtslage, ab wann die Ausschlagungsfrist für die Erbschaft zu laufen beginnt ganz eindeutig.
Ab Kenntnis der Erbschaft.

Völlig korrekte Antwort.

Zitat:
Das ist bei der gesetzlichen Erbfolge, also bei allen Verwandten gleichzusetzen ab Kenntnis von Todesfall.

Mit einer total falschen Schlussfolgerung

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#21
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Ja, richtig hh. Das Gesetz ist genau richtig angewendet worden, allerdings beginnt die Frist mit Kenntnis der Erbschaft, was in der Konsequenz bedeutet, dass z.B. Erben weiterer Ordnungen nicht sofort zur Erbschaft berufen sind, sollte Erben näherer Ordnungen vorhanden sein. Es müssen also alle vor mir weggefallen sein, sodass ich Kenntnis von meiner Erben Stellung bekommen kann. Richtig ist aber auc, dass ich bereits ausschlagen kann, wenn ich noch nicht zur Erbschaft berufen bin.

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#22
 Von 
cruncc1
Status:
Junior-Partner
(5829 Beiträge, 3701x hilfreich)

Zitat (von AR0710):
Es müssen also alle vor mir weggefallen sein, sodass ich Kenntnis von meiner Erben Stellung bekommen kann.

... und diese Kenntnis erhält man durch die entsprechende Mitteilung vom Nachlassgericht.
Zitat:
Richtig ist aber auc, dass ich bereits ausschlagen kann, wenn ich noch nicht zur Erbschaft berufen bin.

Es hat niemand das Gegenteil behauptet.

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#23
 Von 
AR0710
Status:
Schüler
(344 Beiträge, 60x hilfreich)

Cruncc: Ich störe mich nur an die Wahl der Worte. M.A.n. kann man Nachricht vom NLG bekommen.

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