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Erben von Fremder Person. Lohnt das?

18.6.2015 Thema abonnieren
 Von 
didirecht123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 4x hilfreich)
Erben von Fremder Person. Lohnt das?

Guten Tag,
Ich habe eine Frage.
Meine Frau soll von einer bekannten ein Haus vererbt bekommen (min. 160 Tausend wert). Nun hat diese Frau aber noch einen Sohn und einen Enkel.
Wird sich das überhaupt für meine Frau Lohnen? Sie müsste ja höhere Steuern Zahlen da sie ja nicht zur Familie gehört und zusätzlich dem Sohn und Enkel den Pflichtteil auszahlen.

Ich bin da sehr skeptisch. Ich würde ihr lieber davon abraten. Was meinen Sie?


Vielen Dank.

-- Editier von didirecht123 am 18.06.2015 10:09

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
quiddje
Status:
Master
(4117 Beiträge, 2351x hilfreich)

Was verstehst du unter "lohnen"?
Die Steuern bezahlt deine Frau natürlich nur auf den Gewinn, den sie durch die Erbschaft hat.
Existieren Pflichtteilsberechtigte, so hat sie 50% des Wertes der Erbschaft an diese auszuzahlen.
Ihr Gewinn sind die anderen 50%, nur diese müssen - abzüglich Freibetrag - versteuert werden.

Erbt sie also ein Haus im Wert von 160000€ und gehen wir davon aus, dass die Beerdigung durch den Rest der Erbschaft gerade so gezahlt werden kann, so hat sie den Pflichtteilsberechtigten, sofern diese sie dazu auffordern, 80000€ auszuzahlen. Dann sind noch 20000€ Freibetrag und die restlichen 60000€ sind mit 30% zu versteuern, macht noch mal 18000€.
Wenn die Pflichtteilsberechtigten ihren Pflichtteil nicht fordern, muss sie die 80000€ natürlich nicht auszahlen, dafür allerdings auch mit 30% versteuern - macht dann 24000€ zusätzlich.

Es bleibt also in jedem Fall ein Gewinn übrig. Problematisch könnte höchstens die Geldbeschaffung sein, denn Pflichteile und Steuern sind in Euro auszuzahlen, das Haus hingegen ist "Betongold". Man wird etwas Lauferei haben.
Ob sich die "lohnt" , muss jeder selbst wissen. Minimalgewinn (bei Pflichtteilsforderung) wären immerhin 62000€. Da muss ne Oma lange für stricken, wie man bei mir zu Hause immer sagte....

4x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
JogyB
Status:
Bachelor
(3155 Beiträge, 3132x hilfreich)

Wenn wir mal vom schlimmsten Fall ausgehen, dass Sohn und Enkel (ist für die Berechnung egal, ob das Vater und Sohn sind oder nicht) damit enterbt werden: Der Pflichtteil wäre dann 80.000 €, der in bar auszuzahlen ist. Dieser kann bei der Berechnung der Erbschaftssteuer abgezogen werden, also ist das steuerpflichtige Erbe 80.000 €. Davon gehen die 20.000 € Freibetrag weg, der Rest ist mit 30% zu versteuern, also 18.000 € Erbschaftssteuer.

Insgesamt wären das also 98.000 €, somit verbleiben Deiner Frau 62.000 €. Da sollte selbst bei einem vielleicht notwendigen Verkauf noch etwas übrig bleiben. Der evtl. notwendige Kredit um das Objekt zu behalten dürfte bei unter 2% Zinsen liegen (habe jetzt aber keine Erfahrung, wie das Banken bei der Finanzierung einer Pflichtteilszahlung rechnen).

Sind noch weitere Werte vorhanden, die an Sohn/Enkel gehen, dann reduziert sich der (dann Zusatz-)Pflichtteil entsprechend.

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
didirecht123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 4x hilfreich)

Vielen Dank für die guten Antworten.
Meine Frau wollte ja gern das wir dann dort wohnen (Deswegen die frage ob sich dies lohnt). Aber wenn ich so sehe wieviel kosten da auf Sie bzw. Uns zukommen würden bin ich da eher abgeneigt. Die bekannte ist ja auch noch nicht gestorben.

4x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(42756 Beiträge, 15277x hilfreich)

Zitat:
Aber wenn ich so sehe wieviel kosten da auf Sie bzw. Uns zukommen würden bin ich da eher abgeneigt.


Da melde ich mich freiwillig als Erbe. Jedenfalls wäre ich nicht bereit einfach so 62.000€ in den Wind zu schreiben.

Außerdem gilt die Berechnung von JogiB nur für den Fall, dass kein weiteres Erbe vorhanden ist. Nehmen wir an, die Damen hätte noch 40.000€ auf dem Sparbuch liegen, dann gilt folgendes:

Nachlasswert: 200.000€, d.h. Pflichtteil 100.000€ abzüglich Erbanspruch von Vater/Enkel 40.000€ sind 60.000€
Reinnachlass für Deine Frau: 100.000€, davon 20.000€ steuerfrei, auf den Rest 30% Steuern, d.h. 24.000€
Zu zahlender Gesamtbetrag 84.000€, d.h. verbleibender Reinnachlass 76.000€

Im besten Fall hat die Dame auf dem Sparbuch mehr als 160.000€ liegen, dann gilt:
Nachlasswert: 320.000€, d.h. Pflichtteil 160.000€ abzüglich Erbanspruch von Vater/Enkel 160.000€ sind 0€
Reinnachlass für Deine Frau: 120.000€, davon 20.000€ steuerfrei, auf den Rest 30% Steuern, d.h. 42.000€
Zu zahlender Gesamtbetrag 42.000€, d.h. verbleibender Reinnachlass 118.000€

Im Zweifel verkauft man das Haus nachdem man es geerbt hat, zahlt mit dem Verkaufserlös Vater/Enkel der Dame sowie das Finanzamt aus und steckt sich den Rest in die eigene Tasche.

Und selbst für den Fall, den JogiB dargestellt hat gilt, dass die Finanzierung von 100.000€ derzeit ca. 350€/Monat kostet und damit erheblich billiger sein dürfte als eine Miete für so ein Haus.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
JogyB
Status:
Bachelor
(3155 Beiträge, 3132x hilfreich)

Zitat (von didirecht123):
Meine Frau wollte ja gern das wir dann dort wohnen (Deswegen die frage ob sich dies lohnt). Aber wenn ich so sehe wieviel kosten da auf Sie bzw. Uns zukommen würden bin ich da eher abgeneigt.

Gehen wir mal vom Worst case aus, also ihr müsstet 100.000 € aufnehmen. Dann nehmen wir noch einen schlechten Zinssatz von 2%. Das macht dann 2.000 € Zinsen pro Jahr. Ich gehe jede Wette ein, dass Ihr deutlich mehr Miete zahlt... selbst wenn man einrechnet, dass ein eigenes Haus mehr Kosten verursacht als eine Mietwohnung.

2x Hilfreiche Antwort


#7
 Von 
Yogi1
Status:
Student
(2030 Beiträge, 914x hilfreich)

Von was willst Du denn abraten? Die offenbar noch quicklebendige Dame kann in ihr Testament schreiben, was sie will. Ob Deine Frau das Erbe dann annimmt - nun ja, das würde ich dann erst entscheiden, wenn es soweit ist.
Häufig nutzen so alte Damen ihr Häuschen auch als Druckmittel - Du erbst das dann ja mal - , damit die Nachbarn etc. im Garten helfen, Renovierungsarbeiten durchführen etc.

Daher würde ich mir darüber erst Gedanken machen, wenn die Dame wirklich gestorben ist und das Testament vorliegt und auch klar ist, ob man da vielleicht neben dem Häuschen nicht lauter Schulden erbt.

Aber jetzt müsst Ihr da doch nicht drüber nachdenken. Die Frau kann in ihr Testament schreiben, was sie will, und Deine Frau muss da sicher nicht jetzt schon zustimmen oder ablehnen.

1x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34812 Beiträge, 13226x hilfreich)

Und die quicklebendige Dame kann ihr Testament auch jederzeit ändern. Erben kommt nun mal nach sterben. Also, warum jetzt schon in Gedanken das Erbe, was man nicht hat, verschachern?

wirdwerden

2x Hilfreiche Antwort

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