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Fragen zu Erbengemeinschaft und evtl. Grundstücksversteigerung

 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)
Fragen zu Erbengemeinschaft und evtl. Grundstücksversteigerung

Guten Morgen,

es geht um eine Erbschaft mit vielen beteiligten Personen als Erben.
Grundbuch liegt bereits vor, darin ist die verstorbene Person A eingetragen mit einer weiteren noch lebenden Person B als Erbengemeinschaft.
Im Testament sind 4 Personen eingetragen, zwei Kinder der verstorbene Person A sind hier nicht aufgeführt, also Pflichtanteil zu 50%
Die Fragen:
1. Wie werden die im Grundbuch eingetragen Grundstücke aufgeteilt zu der eingetragen Person B, Erben und Pflichanteilsberechtigten?
2. Müssen die Pflichtanteilsberechtigten ihr Erben mit Anwalt einklagen und können diese sich zusammentun mit einem Anwalt um Kosten zu sparen?
3. Welche Anwaltskosten kommen auf einen zu und ist auch eine Provisionsbasis möglich? Wenn ja, wie hoch wäre ein seriöser Prozentsatz?
4. Erbengemeinschaft ist zerstritten. Was passiert mit den Grundstücken wenn eine Gruppe Grundstücke behalten möchte, ein Teil ausbezahlt werden möchte? Wer entscheidet hier darüber über?
5. Es muss wohl der Verkehrswert bestimmt werden. Kosten trägt vorerst die Person die Gutachter beauftragt. Werden die Kosten am Ende automatisch vom Erben aufgeteilt oder muss dies auch wieder eingeklagt werden?
6. Häuser sind vor über zehn Jahren verschenkt worden. Gibt es hier noch eine Chance an einen Ausgleich heranzukommen?

Vielen Dank im Vorfeld für Informationen!

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Kosten erben Anwalt Grundbuch


14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6598 Beiträge, 4071x hilfreich)

Zitat:
Wie werden die im Grundbuch eingetragen Grundstücke aufgeteilt zu der eingetragen Person B, Erben und Pflichanteilsberechtigten?

Jeder Erbe kann die Grundbuchberichtigung formlos ( einfaches Schteiben genügt) unter Vorlage eines Erbnachweises beim GBA beantragen. Eingetragen werden alle Erben - in Erbengemeinschaft -.
Zitat:
Müssen die Pflichtanteilsberechtigten ihr Erben mit Anwalt einklagen und können diese sich zusammentun mit einem Anwalt um Kosten zu sparen?
Pflichtteilsbetechtigte sind keine Erben.
Den Pflichtteil sollte man zunächst beim Erben geltend machen und zunächst ein Nachlassverzeichnis anfordern. Zunächst ist kein Anwalt erforderlich.
Zitat:
Was passiert mit den Grundstücken wenn eine Gruppe Grundstücke behalten möchte, ein Teil ausbezahlt werden möchte? Wer entscheidet hier darüber über?

Alle Erben müssen sich einigen (egal wie). Kommt keine Einigung zustande, muss man ggf. auf Auseinandersetzung klagen oder die Teilungsversteigerung beantragen. Einen Anspruch auf Auszahlung hat der Erbe nicht.
Zitat:
Werden die Kosten am Ende automatisch vom Erben aufgeteilt oder muss dies auch wieder eingeklagt werden?

Die Gutachterkosten werden aus dem Nachlass bezahlt.
Zitat:
Häuser sind vor über zehn Jahren verschenkt worden. Gibt es hier noch eine Chance an einen Ausgleich heranzukommen?

Welchen Ausgleich?

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#2
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Danke für die hilfreichen Antworten.

Mit Ausgleich bei den verschenkten Häusern meinte ich den Pflichtteilsergänzungsanspruch.

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#3
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6598 Beiträge, 4071x hilfreich)

Zitat:
Häuser sind vor über zehn Jahren verschenkt worden. Gibt es hier noch eine Chance an einen Ausgleich heranzukommen?

Wenn sich der Schenker keinen Nießbrauch oder ein umfassendes Wohnrecht vorbehalten hat - nein.

Übrigens kann ein Pflichtteilsergänzungsanspruch nur dann geltend gemacht werden, wenn der Nachlass gering ist und die Erben rechnerisch weniger als den Pflichtteil erhalten. Hier sind offensichtlich mehrere Immobilien vorhanden.

-- Editiert von cruncc1 am 15.07.2020 13:21

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#4
 Von 
Patience!
Status:
Beginner
(147 Beiträge, 31x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Die Gutachterkosten werden aus dem Nachlass bezahlt.
Ich dachte, nur, wenn das Gutachten im Rahmen des Nachlassverzeichnisses vom Pflichtteilsberechtigten gefordert und vom Erben beauftragt wird, ansonsten gilt wer bestellt bezahlt?
Es kann also nicht irgendeiner aus der Ebengemeinschaft oder einer der Pflichtteilsberechtigten mal eben einen Gutachter bestellen und erwarten, dass der dann aus dem Nachlass bezahlt wird?

Zitat (von hg6806):
2. Müssen die Pflichtanteilsberechtigten ihr Erben mit Anwalt einklagen
jein, Pflichtteilsberechtigte können ihr Pflichtteil ohne Anwalt einfordern. Wenn Erbe und Pflichtteilsberechtigte sich einigen, brauchts weder Anwalt, noch Gericht. Pflichtteilsberechtigte haben übrigens keinen Anspruch auf Gegenstände oder Grundstücke, sie haben Anspruch auf den anteiligen Wert in Geld. Sie haben auch keinen Anspruch darauf den Verkauf von Nachlass mitzuentscheiden.
Zitat (von hg6806):
und können diese sich zusammentun mit einem Anwalt um Kosten zu sparen?
Das ist eine Frage der Vereinbarung mit dem Anwalt.
Vorab, gemeinsamer Anwalt bedeutet, ihr müsst Euch einig sein und bleiben, letzteres ändert sich leider u.U.
Ein Anwalt hätte uns gemeinsam vertreten, hätte in unserm Fall bedeutet, die Gebühren wären nach dem berechnet worden, was uns beiden zusammen zu stand.
laut im link unten genannter tabelle wären das, bei beispielsweise zusammen 50.000€ 2.907,50€ Gebühr,
bei durch zwei Anwälte einzeln geforderten je 25.000€ jeweils 1.970,-€ Gebühr
für die außergerichtliche Tätigkeit.
dazu kommen Einigungsgebühr oder je nach Werdegang andere Gebühren. Und MWSt.

ein anderer Anwalt hatte zu mir gesagt, er vertrete grundsätzlich nur einen der Pflichtteilsberechtigten, der zweite könne dann mit dem Ergebnis sein Pflichtteil einfordern.
Auch hier müssen sich die Pflichtteilsberechtigten im Verlauf einig bleiben, damit der zweite das Ergebnis erfährt, Rechtsanspruch auf diese infos hat er nicht.

Zitat (von hg6806):
3. Welche Anwaltskosten kommen auf einen zu und ist auch eine Provisionsbasis möglich? Wenn ja, wie hoch wäre ein seriöser Prozentsatz?
wird, wie ich finde, hier gut erklärt:
https://www.kanzlei-mohr.de/gebuehren.html
beachte auch den Absatz Gebühr für eine erste Beratung ist der Höhe nach begrenzt (auf max.250Euro). Die Beratung aht mir sehr geholfen.
Die meisten Anwälte vereinbaren fürs Tätigwerden über die Beratung hinaus eine Vergütungsvereinbarung nach RVG mit Mindestvergütung. Mindestvergütung, damit wenn sich die Ansprüche im Nachhinein als gering rausstellen, sie nicht schlecht bezahlt bleiben, es spielt nämlich keine Rolle, ob sie bis zum Erreichen des Ziels einen Brief oder hunderte schreiben mussten.

was ich noch nicht verstanden habe,
ein Anwalt sagte zu mir, Grundlage (Gegenstandswert) für die Gebühren sind das, was der Pflichtteilsberechtigte am Schluss erhält.
Meiner sah als Gegenstandswert den Wert, den er als Pflichtteil berechnet hatte und zunächst als dem Pflichtteilsberechtigten zustehend einforderte (hab ich leider erst mit der Rechnung erfahren.)
Wenn Pflichtteilsberechtigter und Erbe sich schließlich auf einen geringeren Betrag einigen, z.B, weil der Erben-Anwalt einen wesentlich geringeren Anspruch vorrechnet und man sich auf den Mittelwert einigt, zahle man trotzdem nach dieser ursprünglichen Forderung.
So wurden mir vom Anwalt für Geschäftsgebühr und Einigungsgebühr nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz RVG umgerechnet ca. 7% des Anfangs eingeforderten Betrages berechnet, was ca16% des tatsächlich erhaltenen Betrages entsprach.
Ob oben genannter, zunächst beim Erben eingeforderte, Betrag jemals erreichbar gewesen wäre, erfährt man nur, wenn man auch den Klageweg, der 3 Instanzen durchlaufen kann, weitere kostenpflichtige Gutachten mit sich bringen kann, bis zum Schluss geht und der, wenn man nicht zu 100% gewinnt, ja auch mitbezahlt werden muss.
Ob die Gebühr bei dem andern Anwalt tatsächlich nach dem, was ich tatsächlich erhalten habe berechnet worden wäre, weiß ich auch nicht.

Ausgleich für verschenkte Häuser gibts nach über 10 Jahren noch, wenn der Erblasser sich bei Schenkung Nießbrauch vorbehalten hat oder der Beschenkte der Gatte ist.

PS: meine Antwort geht davon aus, dass 2 Kinder enterbt sind
Zitat:
Im Testament sind 4 Personen eingetragen, zwei Kinder der verstorbene Person A sind hier nicht aufgeführt, also Pflichtanteil zu 50%


-- Editiert von Patience! am 15.07.2020 13:54

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#5
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Genau - zwei Personen wurden enterbt.

Noch eine Frage zu der Sterbegeldversicherung.
Angeblich sind wohl mehrere Sterbegeldversicherungen vorhanden, welche lange nicht ausgeschöpft sind und sein werden, da Grabpflege fast gar nicht vorhanden ist.
Fließt der Überschuss ebenfalls in die Erbmasse? Woher bekommt man Infos über die vorhandenen Versicherungen?

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#6
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6598 Beiträge, 4071x hilfreich)

Das kommt darauf an. Wenn ein Bezugsbetechtigter benannt wurde fällt die Versicherung nicht in den Nachlass.

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#7
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Dieser müsste dann im Testament benannt sein?

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#8
 Von 
Patience!
Status:
Beginner
(147 Beiträge, 31x hilfreich)

Zitat (von hg6806):
Dieser müsste dann im Testament benannt sein?
bei einer Lebensversicherung steht der Bezugsberechtigte im Versicherungsvertrag. das muss m.W. dann nicht extra im Testament angeführt werden.
dann ist das bei einer Sterbegeldversicherung bestimmt auch so
Zitat (von hg6806):
Woher bekommt man Infos über die vorhandenen Versicherungen?
beim Erben Fragen stellen und hoffen, dass der sich verplappert, sonst erhalten
Pflichtteilsberechtigte Informationen, auch andere, m.W. nur über das Nachlassverzeichnis, dass sie nach § 2314 BGB, Auskunftspflicht des Erben beim Erben einfordern können.
https://dejure.org/gesetze/BGB/2314.html

uns hatte der Anwalt bei der Beratung zwar gesagt, wir dürften Einblick in Grundbücher nehmen, den haben wir aber nicht bekommen, ich hatte nach 2 erfolglosen Versuchen sogar eine Firma damit beauftragt...

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#9
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Hallo nochmal,

die Sache hat endlich etwas Fahrt aufgenommen.
Es war nicht einfach die Erben überhaupt zu erfassen.
Nun sind alle Erben bestimmt.
Wenn nun die Ländereien an die Erben überschrieben werden, wird doch auch der Verkehrswert davon bestimmt, oder? Ein Notar muss ja seine Gebühr bestimmen können.
Kann man dann nicht von diesem Verkehrswert seinen Pflichtanteil einfordern?

Danke nochmals für Infos.

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#10
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(40814 Beiträge, 14641x hilfreich)

Zitat:
Wenn nun die Ländereien an die Erben überschrieben werden, wird doch auch der Verkehrswert davon bestimmt, oder?


Nein

Zitat:
Ein Notar muss ja seine Gebühr bestimmen können.


Es erfolgt nur eine grobe Schätzung, die häufig zu tief ist.

Zitat:
Kann man dann nicht von diesem Verkehrswert seinen Pflichtanteil einfordern?


Wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind, dann geht das.

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#11
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Hallo noch einmal,

leider ist hier alles wieder ins Stocken geraten.
Wir hatten an alle Erbberechtigten einen Brief verfasst und um die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses gebeten mit einer Deadline (3 Monate) die wiederum verstrichen ist.
Das Problem ist, dass die Erbengemeinschaft selbst untereinander zerstritten ist, keiner tut etwas, und jeder hat selbst einen Anwalt genommen.

Wir als Plichtteilberechtigen haben auf jeden Fall ein Schreiben vom bekommen und sollen die erbrechtlichen Ansprüche und die Höhe mitteilen.

Besteht noch irgendwie eine Möglichkeit ohne Anwalte etwas einzufordern, oder geht es nur noch über einen Juristen?

Danke für Ratschläge.

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#12
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6598 Beiträge, 4071x hilfreich)

Zitat (von hg6806):
Besteht noch irgendwie eine Möglichkeit ohne Anwalte etwas einzufordern, oder geht es nur noch über einen Juristen?

Da die Sache so verfahren ist, geht es hier m.E. nur mit Anwalt weiter.

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#13
 Von 
hg6806
Status:
Beginner
(60 Beiträge, 14x hilfreich)

Noch einige Fragen zum o.g. Thema.
Der Anwalt einer der Erben hatte sich gemeldet an die wir die Forderung des Nachlassverzeichnisses gestellt haben.

U.a. hatte er geschrieben, dass noch weitere Personen existieren, die ebenso Pflichtteilanspruch haben.
Er schlägt vor dass so lange gewartet wird, bis sich die weiteren Personen melden oder der Pflichtteilsanspruch dieser Personen verjährt ist.

Fragen:
Kann man nun trotzdem darauf drängen und kann das Erbe trotzdem schon vorher aufgeteilt werden?
Was wäre dann, wenn aufgeteilt ist und sich die Person(en) die einen Pflichtteilanspruch haben, dann nach der Aufteilung melden?
Die Verjährung liegt bei 3 Jahren ab 01.01. ab Sterbedatum, ist so korrekt?

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#14
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(40814 Beiträge, 14641x hilfreich)

Zitat (von hg6806):
Er schlägt vor dass so lange gewartet wird, bis sich die weiteren Personen melden oder der Pflichtteilsanspruch dieser Personen verjährt ist.


Wozu sollte das gut sein?

Wenn der Pflichtteilsanspruch der anderen Personen verjährt ist, dann ist wahrscheinlich auch der eigene Pflichtteilsanspruch verjährt. So lange zu warten ist daher eine ziemlich dumme Idee.

Zitat (von hg6806):
Kann man nun trotzdem darauf drängen und kann das Erbe trotzdem schon vorher aufgeteilt werden?


Das kann man zwar machen, würde ich aber nicht tun.

Zitat (von hg6806):
Was wäre dann, wenn aufgeteilt ist und sich die Person(en) die einen Pflichtteilanspruch haben, dann nach der Aufteilung melden?


Dann rennt man dem Geld hinterher.

Zitat (von hg6806):
Die Verjährung liegt bei 3 Jahren ab 01.01. ab Sterbedatum, ist so korrekt?


Nein, ab Testamentseröffnung, frühestens ab der Kenntnis des Inhaltes.

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