Großeltern gestorben, 6 Wochen First, was wäre in diesem Fall sinnvoll zu beantragen?

20. Juni 2023 Thema abonnieren
 Von 
petr777
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Großeltern gestorben, 6 Wochen First, was wäre in diesem Fall sinnvoll zu beantragen?

Hi Leute,

Ich (30) habe vorgestern einen Brief vom Amtsgericht/Nachlassgericht bekommen, dass mein Opa gestorben ist (bereits im April) und ich zum kraft Gesetzes zum Alleinerben berufen bin.
Ich bin nicht sein leiblicher Enkel, er hat aber mit meiner leiblichen Großmutter zusammengewohnt und war seit meiner Geburt ihr Lebensgefährte, sie haben 2018 geheiratet.
Letzter Kontakt zu beiden ist schon ein paar Jahre her.
Da ich die Oma telefonisch nicht erreichen kann, war ich gestern und heute bei ihr, es hat niemand aufgemacht, aber da sie schon lange krank war, denke ich, dass auch sie schon verstorben ist. Der Name am BK wurde entfernt.
Ich gehe ich davon aus, dass zuerst sie gestorben ist, der Opa aber nicht Bescheid gegeben hat.

Als ich vor 10 Jahren mal bei ihnen waren, haben diese mir alte VHS Kassetten (Erinnerungen) angeboten, auch einen VHS-Player haben sie mir angeboten, aber damals habe ich abgelehnt.

Nun meine Fragen
1: Wie bekomme ich Bescheid, ob und was sie mir laut Testament vermachen? Oder wie bekomme ich heraus, ob eins existiert? Ich weiß auch nicht, ob Schulden existieren. Ich habe nur das Schreiben vom Amtsgericht.

2: Falls ich mich nicht innerhalb von 6 Wochen nicht melde, muss ich evtl. die anfallenden Kosten für Miete, etc. zahlen, wenn es keine Eigentumswohnung ist?

3: Kann ich, falls ich die Erbschaft nicht anerkenne, trotzdem in den Besitz der VHS Kassetten gelangen?
Diese haben keinen finanziellen Wert und es wäre zu schade, wenn die wegkommen würden.

4: Wäre es ratsam erstmal eine Sterbeurkunde / beglaubigte Abschrift aus dem Sterberegister zu beantragen?

5: Erfahre ich selber noch den genauen Todestag, wo sie begraben sind, woran sie gestorben sind, oder muss ich da selber bei diversen Ämtern nachforschen?

6: Auf der Brief steht, dass der Opa bereits am 24.04. gestorben ist, ist es möglich, dass das Amts/Nachlassgericht zuerst einen anderen Verwandten kontaktiert hat und abgelehnt wurde?

Blöde Fragen, ich weiß, aber ich ganz überrumpelt mit der Situation.
Danke jedenfalls für eure Antworten.



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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12307.11.2023 17:45:27
Status:
Beginner
(61 Beiträge, 11x hilfreich)

Leben Deine Eltern noch? Nimm erstmal Kontakt mit dem Gericht auf und frag die warum die meinen das Du Erbe bist. Kann gut sein, dass die denken, Du wärst ein leiblicher Abkömmling.

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#2
 Von 
Kalanndok
Status:
Student
(2071 Beiträge, 317x hilfreich)

Also "kraft Gesetzes" sehe ich keine Möglichkeit, wie der TE mit den geschilderten Fakten zum Alleinerben des Opas geworden sein könnte. Wäre es ein testamentarisches Erbe, wäre er nicht "kraft Gesetzes" sondern aufgrund des Testaments Erbe geworden.

Ich würde da auch mal nachfragen, wie man dazu kommt überhaupt eine Erbenberufung anzunehmen. Das wahrscheinlichste, was mir dazu einfällt ist, wenn Vater/Mutter vom verstorbenen Opa adoptiert worden wären. Aber ohne Adoption wäre schon die Berufung von Vater/Mutter fragwürdig gewesen.

Was auch sein kann ist, dass man testamentarisch zum Erben wurde (beispielsweise ein Berliner Testament, welches jetzt nach dem Tod des Opas greift) und nur der falsche Textbaustein verwendet wurde.

Zur Sache an sich:
Du kannst ausschlagen, dann bekommst Du gar nichts. Kein Geld, keine Schulden, keine Verträge und keine VHS-Kassetten.
Oder Du schlägst nicht aus, dann bleibt alles an Dir hängen (sofern Du überhaupt gesetzlich zum Erben berufen bist, was ich aktuell noch bezweifle).
Wichtig ist nur, wenn Du ausschlagen willst reicht nicht ein einfacher Brief. Die Unterschrift unter der Erbausschlagung muss öffentlich beglaubigt sein (Notar) oder zur Niederschrift abgegeben werden. Dazu gibt es noch bundeslandspezifische Regelungen, wer öffentlich beglaubigen darf.

Und am wichtigsten:
Fang am besten gestern mit allem an. Sechs Wochen hört sich viel an, ist es aber nicht. Die sind schneller um als man denkt. Und wenn Du dann in der 5. Woche bei den Notaren anrufst und Dir überall gesagt wird "oh...öffentliche Beglaubigung...ja, können wir, Termin in 4 Wochen", wird Dir die Düse gehen :)

-- Editiert von User am 21. Juni 2023 12:36

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7867 Beiträge, 4454x hilfreich)

Zitat (von petr777):
ch (30) habe vorgestern einen Brief vom Amtsgericht/Nachlassgericht bekommen, dass mein Opa gestorben ist (bereits im April) und ich zum kraft Gesetzes zum Alleinerben berufen bin.
Ich bin nicht sein leiblicher Enkel, er hat aber mit meiner leiblichen Großmutter zusammengewohnt und war seit meiner Geburt ihr Lebensgefährte, sie haben 2018 geheiratet.

Dass du Alleinerbe geworden bist, geht nur mit einem entsprechenden Testament. Du bist kein Erbe gemäß gesetzlicher Erbfolge.
Zitat:
Wie bekomme ich Bescheid, ob und was sie mir laut Testament vermachen? Oder wie bekomme ich heraus, ob eins existiert? Ich weiß auch nicht, ob Schulden existieren.

Das bekommst du gar nicht heraus - bzw. Auskünfte (z.B. bei Banken) erhält man nur mit einem Erbschein. Dann hast man allerdings auch das Erbe angenommen.

Sollte sich nach Annahme der Erbschaft herausstellen, dass der Nachlass überschuldet ist, gibt es Mittel und Wege, die Schulden auf den Nachlass zu begrenzen. Hierzu gelten allerdings enge Fristen. Hier sollte man dann zeitnah handeln und sich informieren.
Zitat:
Falls ich mich nicht innerhalb von 6 Wochen nicht melde, muss ich evtl. die anfallenden Kosten für Miete, etc. zahlen, wenn es keine Eigentumswohnung ist?

Wenn man das Erbe nicht form- und fristgerecht ausschlägt, hat man das Erbe angenommen. Man "erbt" auch etwaige Schulden.
Zitat:
Kann ich, falls ich die Erbschaft nicht anerkenne, trotzdem in den Besitz der VHS Kassetten gelangen?

Nein.
Zitat:
Wäre es ratsam erstmal eine Sterbeurkunde / beglaubigte Abschrift aus dem Sterberegister zu beantragen?

Ja.
Zitat:
Erfahre ich selber noch den genauen Todestag, wo sie begraben sind, woran sie gestorben sind, oder muss ich da selber bei diversen Ämtern nachforschen?

Da musst du selbst nachforschen.
Zitat:
Auf der Brief steht, dass der Opa bereits am 24.04. gestorben ist, ist es möglich, dass das Amts/Nachlassgericht zuerst einen anderen Verwandten kontaktiert hat und abgelehnt wurde?

Das würde in dem Schreiben stehen.

Das NG hat wohl einige Zeit gebraucht, deine aktuelle Anschrift zu ermitteln.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10552 Beiträge, 4180x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Zitat:
Wäre es ratsam erstmal eine Sterbeurkunde / beglaubigte Abschrift aus dem Sterberegister zu beantragen?


Ja.


Die dürfte der TE doch eigentlich nicht bekommen, oder irre ich mich?

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7867 Beiträge, 4454x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Die dürfte der TE doch eigentlich nicht bekommen, oder irre ich mich?

Warum sollte der Alleinerbe keine Sterbeurkunde beantragen können?

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10552 Beiträge, 4180x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Warum sollte der Alleinerbe keine Sterbeurkunde beantragen können?

Weil aktuell gar nicht gesichert ist, dass der TE überhaupt Erbe ist.

Denn das hier funktioniert nicht. ->
Zitat:
und ich zum kraft Gesetzes zum Alleinerben berufen bin


Existiert ein Testament -> Erbe
Existiert kein Testament -> kein Erbe, da der TE mit dem Verstorbenen in keinerlei Hinsicht verwandt ist.

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
petr777
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank an alle für die hilfreichen Antworten.



Es stimmt, dass ich eigentlich nicht wirklich verwandt mit dem Verstorbenen "Opa" bin.
Der genaue Wortlaut lautet: "Nach Aktenlage sind Sie kraft Gesetzes zum Alleinerben berufen. Von Ihrem Erbrecht erhalten Sie hiermit Kenntnis."

Der Verstorbene ist, wie beschrieben, der Lebensgefährte und spätere Ehemann meiner leiblichen Oma, Väterlicherseits (leibliche Mutter meines Vaters). Ich bin also nicht direkt verwand mit ihm.

Mein Vater ist bereits 2006 gestorben, da er nicht den besten Umgang pflegte (Drogen), war auch vor seinem Tod der Kontakt eher gering und ich bin bei meiner Mutter und ihrer Mutter groß geworden.
Der "Opa" hatte, da er nicht wirklich mit meinem Vater verwandt war, immer ein eher neutrales Verhältnis und gab meiner Mutter öfters den Tipp "Ihr Leben zu leben".

Als mein Vater gestorben ist, haben die beiden auch nicht angerufen und meine Mutter hat er damals ein paar Wochen später von einem Friedhofsarbeiter erfahren, deswegen würde es mich nicht wundern, wenn die Oma schon vor einiger Zeit verstorben ist und der verstorbene "Opa" nicht Bescheid gegeben hat.

Meine Mutter wohnt 20 Jahre an derselben Adresse und hat 30 Jahre dieselbe Nummer und die beiden wussten das.
Was sie allerdings nicht wissen konnten, war, dass ich selber vor ein paar Jahren ausgezogen bin und der Brief vom Amtsgericht kam an meine Adresse. Sie hatten meine Adresse nicht, heißt diese wurde sicher irgendwie vom Amtsgericht ermittelt. Edit: Ich, der "Opa" und Oma haben alle andere Nachnamen.

Zitat (von Kalanndok):
Das wahrscheinlichste, was mir dazu einfällt ist, wenn Vater/Mutter vom verstorbenen Opa adoptiert worden wären. Aber ohne Adoption wäre schon die Berufung von Vater/Mutter fragwürdig gewesen.

nein war nicht adoptiert.
Zitat (von Kalanndok):
Sechs Wochen hört sich viel an, ist es aber nicht. Die sind schneller um als man denkt.
Ja, die zeit vergeht schnell. Da bleibe ich am Ball.

Zitat (von cruncc1):
Sollte sich nach Annahme der Erbschaft herausstellen, dass der Nachlass überschuldet ist
Ich nehme an, es gibt kaum einen Weg, das vorher herauszufinden.
Zitat (von cruncc1):
Mittel und Wege, die Schulden auf den Nachlass zu begrenzen.
Da ich so gut wie mittellos bin, bleibt mir außer Ausschlagung keine Wahl.

Zitat (von cruncc1):
Zitat:
Wäre es ratsam erstmal eine Sterbeurkunde / beglaubigte Abschrift aus dem Sterberegister zu beantragen?


Ja.
Habe mal angefragt, ob die Urkunden verfügbar sind.



Zitat (von spatenklopper):
Existiert ein Testament -> Erbe
Existiert kein Testament -> kein Erbe, da der TE mit dem Verstorbenen in keinerlei Hinsicht verwandt ist.

Heißt das, auch wenn ich 6 Wochen nichts tue, habe ich nichts zu befürchten, weil es wahrscheinlich kein Testament gibt?

Danke für alles an alle.

-- Editiert von User am 21. Juni 2023 20:17

-- Editiert von User am 21. Juni 2023 20:21

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Nana71
Status:
Praktikant
(797 Beiträge, 85x hilfreich)

Zitat (von petr777):
Der Verstorbene ist, wie beschrieben, der Lebensgefährte und spätere Ehemann meiner leiblichen Oma, Väterlicherseits (leibliche Mutter meines Vaters). Ich bin also nicht direkt verwand mit ihm.


Es bleibt dabei, dass kein gesetzlicher Erbanspruch besteht...jedenfalls nicht vom Mann der Oma.

Zitat (von petr777):
Heißt das, auch wenn ich 6 Wochen nichts tue, habe ich nichts zu befürchten, weil es wahrscheinlich kein Testament gibt?


Wer nicht erbberechtigt ist, kann/muss auch nix ausschlagen.

Ich würde dem Nachlassgericht schriftlich mitteilen, dass ich nicht der leibliche Enkel des Verstorbenen bin und mein Vater auch nicht von diesem Mann adoptiert wurde.

Signatur:

Ich gebe lediglich meine Meinung wieder - Rechtsberatung gibt es gegen Bezahlung beim Anwalt.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Tehlak
Status:
Praktikant
(880 Beiträge, 260x hilfreich)

Zitat (von Nana71):
Es bleibt dabei, dass kein gesetzlicher Erbanspruch besteht...jedenfalls nicht vom Mann der Oma.


Auch nicht über die Oma? Wenn keine anderen Erben da sind wäre die Oma als Ehefrau Alleinerbin geworden. Und deren Erbansprüche vererben sich ja an ihre Abkömmlinge...

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7867 Beiträge, 4454x hilfreich)

Zitat (von Tehlak):
Auch nicht über die Oma? Wenn keine anderen Erben da sind wäre die Oma als Ehefrau Alleinerbin geworden. Und deren Erbansprüche vererben sich ja an ihre Abkömmlinge...

... aber nicht, wenn die Oma bereits vorverstorben ist.

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
StefanDU
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Zitat (von Tehlak):
Auch nicht über die Oma? Wenn keine anderen Erben da sind wäre die Oma als Ehefrau Alleinerbin geworden. Und deren Erbansprüche vererben sich ja an ihre Abkömmlinge...


... aber nicht, wenn die Oma bereits vorverstorben ist.


Das die Oma bereits versorben ist wird aktuell ja nur vermutet. Es wäre ebenfalls möglich das die Oma in ein Pflegeheim umgezogen ist und hier dann das Erbe ausgeschlagen wurde.

Nichts tun ist meiner Meinung nach hier keine Lösung und man sollte hier versuchen weitere Infos in Erfahrung zu bekommen.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Nana71
Status:
Praktikant
(797 Beiträge, 85x hilfreich)

Zitat (von StefanDU):
Es wäre ebenfalls möglich das die Oma in ein Pflegeheim umgezogen ist und hier dann das Erbe ausgeschlagen wurde.


Klar, das kann sein...aber wenn die Oma noch lebt, gibt es von ihr auch nix zu erben. ;)

Signatur:

Ich gebe lediglich meine Meinung wieder - Rechtsberatung gibt es gegen Bezahlung beim Anwalt.

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