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Haus geerbt mit Grundschuld

 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)
Haus geerbt mit Grundschuld

Hallo. Ich habe ein Haus mit Gründstück geerbt. Im Grundbuch steht eine Grundschuld von der Lebensgefährtin meines Vaters drin. Sie möchte das Haus jetzt zur Zwangsversteigerung geben. Darf sie das?

Lg

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Vater Geld Grundstück Haus


21 Antworten
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#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(40408 Beiträge, 14507x hilfreich)

Wie ist das zu verstehen?

a) Die Grundschuld sichert Ansprüche der Lebensgefährtin ab, z.B. weil sie eigenes Geld in das Haus gesteckt hat oder
b) Die Lebensgefährtin hat ein Darlehen aufgenommen und zu essen Absicherung wurde die Grundschuld eingetragen

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#2
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Sie hat meinem Vater vor 16 Jahren 375000 € geliehen und dafür die Grundschuld eintragen lassen. Sie versucht mich zu überzeugen das Erbe auszuschlagen. Das Grundstück allein übersteigt den Wert der Grundschuld. Da ich überlege das Erbe anzutreten droht sie nun das Haus unter Wert zwangsversteigern zu lassen damit ich Schulden habe.

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#3
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
Sie hat meinem Vater vor 16 Jahren 375000 € geliehen und dafür die Grundschuld eintragen lassen.


Grundschuld eintragen lassen kann nur der Grundstückseigentümer. Das war dann der verstorbene Vater, falls alleiniger Grundstückseigentümer.

Sind die 375.000 € ganz oder teilweise zurückbezahlt? Wie hoch ist die Grundschuld? Höher als die "Leihsumme"? Die Höhe der Grundschuld sagt nichts aus über den tatsächlich noch offenen Restbetrag. Kann die Grundschuld einfach fällig gestellt werden oder gibt es hierzu besondere Vereinbarungen, z.B. wenn mit Rückzahlraten Verzug eintritt?

Brief- oder Buchgrundschuld? Brief heißt: da gibt es ein Stück Papier, das kann weitergeben werden. Buch heißt: nur im Grundbuch eingetragen. Was genau steht in der Sicherungsvereinbarung zur Grundschuld oder der Grundschuldurkunde bzw. der notariellen Urkunde selbst?

Zitat (von Sammy Maalik ):

Sie versucht mich zu überzeugen das Erbe auszuschlagen.


Ja, und? Damit wird sie auch nicht Eigentümerin des Grundstücks.

Zitat (von Sammy Maalik ):

Das Grundstück allein übersteigt den Wert der Grundschuld. Da ich überlege das Erbe anzutreten droht sie nun das Haus unter Wert zwangsversteigern zu lassen damit ich Schulden habe.


Mit Antritt des Erbes haben Sie die Schulden und zugehörige Rückzahlverpflichtungen "übernommen".

Von der Lebensgefährtin des verstorbenen Vaters eine Restschuldaufstellung verlangen, Finanzierung über eine Bank abklären und der Dame den (Rest)darlehensbetrag auszahlen Zug um Zug gegen Rückgabe der Grundschuld bzw. Löschungsbewilligung.

Gibt es irgendwelche grundbuchlich eingetragenen Wohnrechte oder vertragliche Absprachen zur "Wohnraumgewährung" etc. zugunsten der Dame, evtl. auch testamentarisch verfügt? Falls nein, dann die Dame sofort vor die Tür setzen, fertig. Schon mal daran gedacht, Miete zu verlangen?

Hat sie dort seit 16 Jahren für lau gewohnt wegen Gewährung dieses Darlehens? Dann die "ersparten" Lebenshaltungskosten der Dame in Abzug bringen.

Das sind nur grundsätzliche Überlegungen zur ersten Orientierung. Anwalt scheint dringend angeraten.


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#4
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Mein Vater verstarb sehr plötzlich. Laut Aussage der Lebensgefährtin bestehe die Grundschuld in voller Höhe da mein Vater nichts davon zurück gezahlt habe. Es ist eine Buchgrundschuld. Über etwaige Rückzahlungsvereinbarung bin ich nicht informiert. Ein Anwalt ist eingeschaltet da sie alle Sachen meines Vater weggegeben hat. Seine Autowerkstatt ist fast ausgeräumt.
Sie will das Haus nun zur Zwangsversteigerung geben da sie der Meinung ist ihr stehen die 375000€ zu.

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#5
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
da sie der Meinung ist ihr stehen die 375000€ zu.


Grundsätzlich steht ihr das Geld zu. Sie steht ja nun auch vor "dem Nichts" und braucht dieses Geld womöglich für ein "neues Zuhause".

Bleibt nur eins: freihändig verkaufen und vom Verkaufserlös die 375.000 zurückbezahlen oder irgendwie Geld beschaffen um Grundschuld auslösen zu können.

Wenn sie das Geld nicht bekommt, kann sie ZV in das Grundstück betreiben. Grundschuld "klebt" am Grundstück, d.h. bei der ZV geht die Verpflichtung aus der Grundschuld auf den neuen Eigentümer über. Der müßte dann die Grundschuld begleichen.

Jeder potentielle Bieter wird also die Grundschuld als "Zusatzbelastung" mit einkalkulieren und damit geht der Versteigerungspreis deutlich nach unten. ZV bringt meistens nicht den tatsächlichen Verkehrswert. Sie wird also mitbieten und so das Grundstück für relativ kleines Geld ersteigern wollen - sie braucht nämlich die 375.000 nicht mit reinrechnen.

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#6
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Erstmal muss ich doch klären ob ihr das in voller Höhe noch zu steht? Oder hab ich das falsch verstanden?

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#7
 Von 
Sir Berry
Status:
Unparteiischer
(9338 Beiträge, 2947x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
Erstmal muss ich doch klären ob ihr das in voller Höhe noch zu steht? Oder hab ich das falsch verstanden?


Nein. Im Grunde schon richtig verstanden.

Sie fordert die volle Summe, Du musst den Gegenbeweis erbringen, dass ihr die volle Summe nicht zusteht.

Berry

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#8
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Kann man einfach eine Grundschuld eintragen lassen ohne eine Rückzahlungsvereinbarung?

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#9
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
Kann man einfach eine Grundschuld eintragen lassen ohne eine Rückzahlungsvereinbarung?


Ja. Eine Grundschuld hat nichts mit Rückzahlvereinbarungen zu tun. Die Grundschuld dient der Absicherung. Hier "haftet" das Grundstück für irgendetwas.

Man kann sogar eine Grundschuld als "Briefgrundschuld" eintragen lassen ohne konkreten Darlehnshintergrund. Wenn dann eines Tages ein Sicherungsmittel für ein Darlehen gebraucht wird, kann man diesen Grundschuldbrief quasi als "Sicherheit" an den Gläubiger geben. Wenn das Darlehen nicht zurückbezahlt wird, kann der sich am "Grundstück" befriedigen.

Eine Grundschuld ist "abstrakt", erst durch die Sicherungsabrede wird eine Forderung mit der Grundschuld "verknüpft".

Einfach mal die Begriffe "Grundschuld" und "Sicherungsabrede" gurgeln, das Thema ist relativ komplex und läßt sich nicht mit wenigen Worten erklären (ich kann es zumindest nicht).

Der Grundschuldinhaber kann zwar die volle Summe verlangen, sobald aber die "Einrede" erhoben wird daß die Grundschuld nicht oder nicht mehr in voller Höhe besteht, muß der Grundschuldinhaber beweisen, was ihm noch zusteht. Mal eben so eine Versteigerung anleiern geht also auch nicht.

Nochmal: hier ist ein Anwalt gefragt!

Mal eine andere Frage:

Da stand zuvor was von "Werkstatt aufgelöst". War das eine Werkstatt mit angeschlossenem Wohngebäude oder Werkstatt und Wohngebäude auf einem Grundstück? Gibt es deswegen womöglich Einschränkungen dahingehend, daß dort nur ein Gewerbetreibender wohnen darf?

Dann dürfte eine "Verwertung" schwierig werden, ob durch freihändigen Verkauf oder ZV. Ein möglicher Käufer- oder Bieterkreis wäre überschaubar. Und ob dann mind. 375.000 EUR erzielbar wären, dürfte fraglich sein.

Wenn der verstorbene Vater Schulden bei der Lebensgefährtin hatte, gehen die auf den Erben über. Das heißt, die Lebensgefährtin als Gläubiger kann sowohl durch die Grundschuld als auch durch Vollstreckung in das eigene Vermögen des Erben ihr Geld "zurückholen". Die Grundschuld sichert zwar das Darlehen ab, aber der Gläubiger kann sich auch an den oder die "Rechtsnachfolger" halten und Rückzahlung verlangen. Die Grundschuld wäre insofern nur ein "zweites Standbein".

Wenn ich 375.000 EUR Schulden nicht bedienen kann, und auch ein Verkauf des Grundstücks (mit einem Verkaufspreis über 375.000 EUR) nicht oder nur schwer möglich wäre, wäre insofern tatsächlich das Erbe ausschlagen eine "Option". Geht das noch (Fristablauf)?

Was will die Lebensgefährtin genau? Geld zurück oder dort wohnen bleiben? Das wäre doch eine Verhandlungsbasis. Die sitzt am längeren Hebel, ist leider so. Ansonsten auch mal mit dem Säbel rasseln, wie schon bei #3 aufgezeigt.




-- Editiert von BudWiser am 25.12.2016 13:19

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#10
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6549 Beiträge, 4045x hilfreich)

Zitat:
Grundschuld "klebt" am Grundstück, d.h. bei der ZV geht die Verpflichtung aus der Grundschuld auf den neuen Eigentümer über. Der müßte dann die Grundschuld begleichen.

Die Grundschuld "klebt" nicht nur auf dem Grundstück; der Erbe hat die Schulden "geerbt" und haftet hierfür mit seinem gesamten Vermögen.

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#11
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Werkstatt ist nicht ans Grundstück gebunden.
Die Lebensgefährtin hat mir Geld geboten um das Erbe auszuschlagen. Sie ist der Meinung mich vor Schulden zu bewahren.

Widerrum hat sie alle persönlichen Dinge meines Vaters weggegeben und vieles aus seiner Werkstatt verkauft. Z.b Hebebühne und Ersatzteile.

Ich habe das Gefühl man will mich hintergehen.
Das Grundstück (1900m/2) allein hat einen Wert von 380000€

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#12
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Zitat:
Grundschuld "klebt" am Grundstück, d.h. bei der ZV geht die Verpflichtung aus der Grundschuld auf den neuen Eigentümer über. Der müßte dann die Grundschuld begleichen.

Die Grundschuld "klebt" nicht nur auf dem Grundstück; der Erbe hat die Schulden "geerbt" und haftet hierfür mit seinem gesamten Vermögen.


?????????

Was haben geerbte Schulden zu tun mit der Verpflichtung eines neuen Grundstückseigentümers, die Grundschuld zu begleichen?

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#13
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
Die Werkstatt ist nicht ans Grundstück gebunden.
Die Lebensgefährtin hat mir Geld geboten um das Erbe auszuschlagen. Sie ist der Meinung mich vor Schulden zu bewahren.


So ganz unrecht hat sie nicht. Und wenn sie schon Geld geboten hat, muß man die Summe betrachten.

Zitat (von Sammy Maalik ):

Widerrum hat sie alle persönlichen Dinge meines Vaters weggegeben und vieles aus seiner Werkstatt verkauft. Z.b Hebebühne und Ersatzteile.


OK, darüber muß man reden. Was hat sie als Verkaufserlös erhalten? Läßt sich das nicht verrechnen?

Zitat (von Sammy Maalik ):

Ich habe das Gefühl man will mich hintergehen.
Das Grundstück (1900m/2) allein hat einen Wert von 380000€


Ein "Wert" von 380.000 EUR heißt nicht, daß man das Grundstück für diesen Preis auch verkaufen könnte.

Das hört sich jetzt aber etwas anders an als im Ausgangsbeitrag. Die Frau bekommt noch 375.000 EUR, möchte das Hausgrundstück zum "Grundschuldwert" übernehmen und hat noch einen Betrag XXXX zusätzlich angeboten. Ich glaube nicht, daß sie angeboten hat, das Erbe an sich auszuschlagen gegen einen "Abfindungsbetrag".

Hört sich doch erstmal vernünftig an. Der Erbe ist aber mit Betrag XXXX nicht einverstanden, die Lebensgefährtin hält den aber für angemessen. Und wenn der Erbe sich nicht darauf einläßt, könnte sie auch die ZV betreiben.

Und zwar nicht nur in das Grundstück, sondern auch in das sonstige Vermögen des Erben.

Über den Betrag XXXX müßte man doch nochmal sprechen, und wenn da Einigung erzielt werden kann, wäre die Kuh doch vom Eis.

Man muß ja auch überlegen, was Gerichte und Anwalt kosten und wie lange das hin- und hergehen soll.

Nochmal: freihändig verkaufen und sehen, was an Verkaufserlös zu erzielen wäre.

Die Frau möchte wohl nicht hintergehen, sie ist nur "geschäftstüchtig".

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#14
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Ist schwierig die ganzen Umstände kurz zuhalten.
Sie hat keinen festen Betrag genannt.
Sie möchte das Haus definitiv nicht behalten.

Vieles wurde ja nur so am Telefon besprochen. Ich bekomme nie genaue Aussagen. Nur die Drohung wenn ich nicht ausschlage gibt sie das Haus zur ZV und ich würde nur Schulden erben.

Mein Anwalt hat sie erstmal aufgefordert alles offenzulegen.

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#15
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(40408 Beiträge, 14507x hilfreich)

Wenn Du das Erbe ausschlägst, dann bekommt sie das Haus ja auch nicht. Das geht dann an einen Erben 2. Ordnung Deines Vaters, also seine Geschwister, Nichten, Neffen usw. Die Lebensgefährtin erbt in keinem Fall.

Daher ist es besonders schräg, wenn sie Dir für die Ausschlagung auch noch Geld bietet. Das Geld ist für sie dann verloren.

Das Ergebnis der Zwangsversteigerung kann die Lebensgefährtin auch nicht einfach festlegen. Aktuell gibt es zahlreiche Fälle, bei denen Immobilien im Rahmen einer Zwangsversteigerung auch über den gutachterlich festgelegten Verkehrswert weggehen. Wenn alleine das Grundstück schon 380.000€ wert ist, dann ist nicht davon auszugehen, dass weniger als die 375.000€ bei der Versteigerung herauskommen.

Da die Lebensgefährtin nicht Erbin geworden ist, durfte sie auch nicht die Werkstatt ausräumen und das Inventar verkaufen. Der Verkaufserlös steht Dir zu.

Auf der anderen Seite dürfte die Lebensgefährtin einen Anspruch auf Auszahlung der 375.000€ haben und bei Annahme des Erbes ist es dann Dein Problem, woher Du das Geld bekommst, sei es durch Aufnahme eines Darlehens oder durch Verkauf des Hauses.

Zitat:
Jeder potentielle Bieter wird also die Grundschuld als "Zusatzbelastung" mit einkalkulieren


Diese Aussage ist falsch. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung wird die Grundschuld gelöscht, muss also nicht vom Bieter übernommen werden.

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#16
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von hh):

Zitat:
Jeder potentielle Bieter wird also die Grundschuld als "Zusatzbelastung" mit einkalkulieren


Diese Aussage ist falsch. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung wird die Grundschuld gelöscht, muss also nicht vom Bieter übernommen werden.


Richtig, das Grundbuch wird "gesäubert" bis auf bestimmte vorrangige Rechte . Das passiert aber erst nach Zuschlag.

In der ZV selbst gibt es dann die Begrifflichkeiten "geringstes Gebot", 7/10 und 5/10-Grenze des Verkehrswertes, und ein die ZV betreibender Gläubiger hat bei jedem Meistgebot Möglichkeiten, einen Zuschlag zu verhindern. Das kann er sogar bis zu dreimal machen. Ein Gläubiger wird also bis zu einer bestimmten Schmerzgrenze nicht zulassen, daß ein Grundstück in einer ZV "verschleudert" wird.

Insofern müßte ein Bietinteressent schon die "Grundschuld als Zusatzbelastung" in sein Gebot mit einkalkulieren, wenn er nicht Spaßbieter oder Taktierer ist. Richtige Schnäppchen in der ZV gibt es selten. Entweder geht die Immobilie zu einem realen Preis weg, oder nicht.

(Bedingt) falsch ist diese Aussage:

Grundschuld "klebt" am Grundstück, d.h. bei der ZV geht die Verpflichtung aus der Grundschuld auf den neuen Eigentümer über. Der müßte dann die Grundschuld begleichen.

Hier kommt es auf den Rang der Grundschuld an.

-- Editiert von BudWiser am 26.12.2016 08:47

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#17
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Wichtig für mich ist, kann sie morgen direkt zum Anwalt gehen und das Haus zur ZV geben? Ich habe erstmal den Erbschein beantragt. Sie wohnt zur Zeit noch da drin. Muss eine Grundschuld nicht abbezahlt werden? Kann sie nach 16 Jahren die volle Summe verlangen? Muss sie diese nicht erst titulieren lassen?

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#18
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von Sammy Maalik ):
Wichtig für mich ist, kann sie morgen direkt zum Anwalt gehen und das Haus zur ZV geben? Ich habe erstmal den Erbschein beantragt. Sie wohnt zur Zeit noch da drin. Muss eine Grundschuld nicht abbezahlt werden? Kann sie nach 16 Jahren die volle Summe verlangen? Muss sie diese nicht erst titulieren lassen?


Ja, sie kann sofort zum Anwalt gehen, und ja, auch die sofortige Zwangsvollstreckung betreiben (§ 800 ZPO ), wenn dies so in der Grundschuldurkunde vermerkt ist. Ist dann auch im Grundbuch eingetragen. Die Summe ist bereits tituliert - und zwar über die Grundschuldurkunde i.V. mit der Unterwerfung in die sofortige Zwangsvollstreckung.

ZV geht aber nicht von heute auf morgen, da sind noch ein paar Formalien abzuarbeiten - u.a. gerichtliches Verkehrswertgutachten.

Nochmal: eine Grundschuld kann nie abgetragen werden, sie ist bloß das "Sicherungsmittel" für ein Darlehen oder was auch immer. Wenn das Darlehen dann zurückgezahlt wurde, kann man die "Herausgabe" der Grundschuld verlangen.

Das Darlehen und die Grundschuld müssen nicht zwangsläufig über den gleichen Betrag lauten. Grundschuld funktioniert in etwa so:

"Bitte leih mir 100.000 EUR und als Sicherheit bekommst du mein ganzes Grundstück oder einen Teil meines Grundstücks" - und zwar in Form einer Grundschuld über z.B. 375.000 EUR. Es kann auch sein, daß das Grundstück 500.000 EUR Wert ist, und eben nur anteilig mit 375.000 EUR belastet wird.

Anstelle der 100.000 EUR kannst du jeden Betrag einsetzen, selbst 1 Mio. EUR oder eben genau 375.000 EUR. Oftmals ist die Grundschuld aber höher als der eigentliche Darlehensbetrag.

Ist wie "ich leihe mir 100 EUR und gebe als Sicherheit den Goldring im Wert von 2000 EUR. Und wenn ich die 100 EUR zurückbezahlt habe, bekomme ich den Ring zurück. Falls nicht, verkauf den Goldring und nimm die 100 EUR. Wenn der Verkaufspreis vom Ring höher ist, gib mir den Rest heraus. Wenn der Ring nur für 99 EUR zu verkaufen wäre, hätte ich immer noch 1 EUR Schulden.

Im Prinzip läuft es bei der Grundschuld und dem zugehörigen Darlehen / Sicherungsabrede / ZV wie im Ringbeispiel.

Nicht nur den Erbschein beantragen. Kann man persönlich beim Nachlaßgericht beantragen und gleich mitnehmen im Regelfall, es gibt ja oft Dinge zu klären die ohne Erbschein nicht klärbar sind - Bankkonten z.B.

Dann noch gleich einen Grundbuchauszug beantragen (ist auch beim Amtsgericht angesiedelt) und sehen was da überhaupt drin steht. Und genauso wichtig: die Sicherungsabrede zur Grundschuld! Den Notar, der das seinerzeit gemacht hat, müßte man über das Grundbuchamt herausbekommen können. Und der Notar hat dann eine Kopie dieser Unterlagen - und da kommt man nur mit Erbschein ran.

Und ganz dringend: Anwalt, Anwalt, Anwalt! Der weiß was zu machen ist.

Oder aber zunächst ein persönliches Gespräch suchen mit der Lebensgefährtin und versuchen, herauszufinden, was die überhaupt will. Vielleicht läßt sich ja eine gemeinsame Lösung finden, die Frau hat immerhin 16 Jahre mit dem Verstorbenen zusammengelebt.

Signatur:

Komme gleich wieder. Godot

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#19
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(40408 Beiträge, 14507x hilfreich)

Zitat:
Insofern müßte ein Bietinteressent schon die "Grundschuld als Zusatzbelastung" in sein Gebot mit einkalkulieren, wenn er nicht Spaßbieter oder Taktierer ist.


Die Aussage ist falsch.

Zitat:
Ja, sie kann sofort zum Anwalt gehen, und ja, auch die sofortige Zwangsvollstreckung betreiben (§ 800 ZPO ), wenn dies so in der Grundschuldurkunde vermerkt ist.


Theoretisch ja, das macht aber keinen Sinn. Praktisch muss zunächst das Darlehen zur Rückzahlung fällig sein. Wenn nichts zur Rückzahlung vereinbart wurde, dann muss das Darlehen dafür zuerst von der Lebensgefährtin gekündigt werden.

Zitat:
Nicht nur den Erbschein beantragen. Kann man persönlich beim Nachlaßgericht beantragen und gleich mitnehmen im Regelfall


Einen Erbschein kann man natürlich nicht gleich mitnehmen und bei einem notariellen Testament braucht man gar keinen Erbschein.

Zitat:
Den Notar, der das seinerzeit gemacht hat,...


Das wäre aber ungewöhnlich, wenn die Sicherungsabrede vom Notar gemacht wurde. Im konkreten Fall würde es mich nicht überraschen, wenn es gar keine Sicherungsabrede gibt. Das ist aber auch nicht relevant, da die Grundschuld ja nicht weitergegeben wurde.

Zitat:
Oder aber zunächst ein persönliches Gespräch suchen mit der Lebensgefährtin und versuchen, herauszufinden, was die überhaupt will.


Das würde ich auch empfehlen. Scheinbar ist der Lebensgefährtin nicht klar, dass es ihr kein Stück weiter hilft, wenn Du das Erbe ausschlägst.

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#20
 Von 
BudWiser
Status:
Praktikant
(770 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von hh):


Theoretisch ja, das macht aber keinen Sinn. Praktisch muss zunächst das Darlehen zur Rückzahlung fällig sein. Wenn nichts zur Rückzahlung vereinbart wurde, dann muss das Darlehen dafür zuerst von der Lebensgefährtin gekündigt werden.


Die Grundschuld muß fällig sein - über die Bedingung, wann sie fällig ist, ist aber nichts bekannt, genauso wenig, wie über die Darlehns- und Rückzahlkonditionen.

Bei einer Grundschuld besteht die Kreditsicherheit unabhängig von der konkreten Forderung fort - das ist ja das Üble daran.

Nicht akzessorische Kreditsicherheiten sind gesetzlich nicht festgelegt und können frei vereinbart werden, da ist noch nicht einmal die Schriftform erforderlich. Dann hätte der TE aber ziemlich schlechte Karten, wenn es keine schriftlichen Vereinbarungen gibt oder er diese nicht vorliegen hat.

Zurückbezahlt hat der Verstorbene augenscheinlich auch nichts. Soll die Grundschuld fällig sein beim Ableben des Sicherungsgebers? Dann bräuchte es keine Kündigung eines Darlehnsvertrages.


Zitat (von hh):

Einen Erbschein kann man natürlich nicht gleich mitnehmen und bei einem notariellen Testament braucht man gar keinen Erbschein.


Einen Erbschein braucht man natürlich nicht bei einem öffentlichen (notariellem) Testament in Verbindung mit dem Eröffnungsprotokoll. Was schneller geht, Erbschein oder Testament mit Eröffnungsprotokoll? Keine Ahnung.

Ich konnte den Erbschein jedenfalls gleich mitnehmen. Sterbeurkunde, Personalausweis und Abstammungsurkunde vorlegen, Gebühren zahlen und der Rechtspfleger hatte mir den Erbschein ausgehändigt. Mag sein, daß das je nach Nachlaßgericht oder der aktuellen Arbeitsbelastung unterschiedlich gehandhabt wird.

Zitat (von hh):

Das wäre aber ungewöhnlich, wenn die Sicherungsabrede vom Notar gemacht wurde. Im konkreten Fall würde es mich nicht überraschen, wenn es gar keine Sicherungsabrede gibt. Das ist aber auch nicht relevant, da die Grundschuld ja nicht weitergegeben wurde.



Die Sicherungsabrede ist an keine Form gebunden und wird sicherlich nicht vom Notar beglaubigt sein.

Vorliegend ist aber wenig bis nichts bekannt, insofern wäre für mich der Notar erste Anlaufstelle für Nachforschungen. Man muß aber nicht zum Notar gehen und nachfragen, man kann auch an den Kreditgeber herantreten und Auskunft verlangen über eine "Sicherungsabrede".

Die Grundschuld ist nicht weitergegeben, es gibt schlimmstenfalls keine schriftlichen, sondern nur mündliche Vereinbarungen, die der TE nicht widerlegen könnte, und somit könnte die Grundschuld fällig gestellt werden mit den Folgen aus § 800 ZPO .

Zitat (von hh):

Scheinbar ist der Lebensgefährtin nicht klar, dass es ihr kein Stück weiter hilft, wenn Du das Erbe ausschlägst.



Der TE hat Schulden (geerbt), unabhängig vom Versteigerungserlös. Auf den hat die Lebensgefährtin aber nur begrenzten Einfluß. Geht das Haus für unter 375.000 EUR weg, kann sie einen Teil ihrer Forderungen damit abdecken. Den Rest wird sie dann vom Erben einfordern.

Die nächste Frage wäre doch: gibt es noch weitere Verbindlichkeiten des Verstorbenen bei z.B. Lieferanten (Autowerkstatt), Strom- und Heizkosten für eine Werkstatt (das sind nicht 100 EUR/Monat), gehörten Hebebühne etc. dem Verstorbenen oder gab es Leasingverträge dazu? Der TE sieht nur, das Material und Werkstatteinrichtung verkauft wurde - vielleicht sind hiervon ja Verbindlichkeiten des Verstorbenen beglichen worden. Da hat die Frau aber eigentlich gar nichts mit zu tun.

Die Lebensgefährtin kümmert sich um die "Abwicklung", und das wäre eigentlich Aufgabe des Erben! Der hat aber noch nicht einmal einen Erbschein.

Den TE treffen nun ja auch andere "Erbfolgen" bezüglich des Hausgrundstücks: er muß die öffentlichen Lasten des Grundstücks tragen (Grundsteuern, Müllabfuhr, Wasser und so weiter), Verkehrssicherungspflichten, Gebäudeversicherung und was sonst noch denkbar ist.. Da können auch schnell Rückstände auftreten, wenn er sich nicht bald kümmert.

Insofern würde ich nicht vermuten, die Frau will den TE über den Tisch ziehen! Also schnellstmöglich mit der Frau in Verbindung setzten, es geht vielleicht nicht nur um eine Grundschuld an sich.


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#21
 Von 
guest-12317.01.2017 20:30:38
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Ein Frohes neues Jahr an alle.

Danke für eure hilfreichen Antworten auch wenns sie manchmal unterschiedlich sind.

Die Lebensgefährtin hat momentan keinerlei Möglichkeiten, da erstmal geklärt werden muss wer nun Eigentümer des Grundstücks ist/wird.
Sie wurde aufgefordert alle Verbindlichkeiten ,die an die Grundschuld gebunden sind , vorzulegen.

Ein Gespräch ist ausgeschlossen. Ich werde beschimpft etc... Nur weil ich erstmal einsehen möchte was denn überhaupt vorhanden ist.

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