Pflichtteil bei Sparbuch, welches aber vorher aufgelöst wurde

4. Dezember 2023 Thema abonnieren
 Von 
guest-12314.12.2023 19:49:18
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Pflichtteil bei Sparbuch, welches aber vorher aufgelöst wurde

Hallo,

ich habe folgende frage bzgl. Pflicht-Erbanteile.

Meine Mutter hat vor ca. 5 Jahren ein Sparbuch (lief nur auf ihren Namen) aufgelöst. Das angesparte Sparbuch-Vermögen wurde damals auf das Girogemeinschaftskonto meiner Eltern als Guthaben gebucht. Nun ist meine Mutter vor kurzem verstorben; mein Vater lebt noch. Ehevertrag gibt es nicht, beide leben/lebten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft.
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand sagen kann, wie die Erbschafts-Pflichtanteile aufzuteilen sind. Besonders interessiert mich, ob dieses Sparbuchgeld zu 100% als Erbmasse meiner Mutter anzusehen ist.

Vielen Dank schon mal für eure Mühe und Zeit.

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38665 Beiträge, 14045x hilfreich)

Mal ganz platt formuliert: erben kommt nach sterben. Nur in Ausnahmefällen sind Vermögensverfügungen des Erblassers rückgängig zu machen. In Deinem Fall ist das nicht der Fall, soweit ich das einschätzen kann. Dann ist der Stichtag letztlich der Todestag der Mutter, und zwar sowohl für Erbteile als auch für Pflichtteilsansprüche. Ohne Testament seid Ihr als Kinder eine Erbengemeinschaft mit dem Vater (Witwer). Wenn Ihr eine Erbengemeinschaft seid, bekommt der Witwer die Hälfte des Nachlasses der Mutter, die Kinder teilen sich die andere Hälfte auf. Sind die Kinder "nur" pflichtteilsberechtigt, dann steht ihnen die Hälfte von ihrem fiktiven Erbteil zu.

Einerlei ist, auf welchem Konto das Geld gebunkert war. Allerdings ist bei einem gemeinsamen Konto mit dem Ehemann davon auszugehen, dass ihm die Hälfte ohnehin gehört; die andere Hälfte ist nach dem Schlüssel aufzuteilen, den ich angeführt habe: Achtung: Kosten für die Beerdigung sind aus dem Nachlass zu begleichen; auch Schulden sind bei der Berechnung der Höhe des Anspruchs zu berücksichtigen.

TK

-- Editiert von Moderator am 4. Dezember 2023 19:20

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#2
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33007 Beiträge, 17308x hilfreich)

Allerdings ist bei einem gemeinsamen Konto mit dem Ehemann davon auszugehen, dass ihm die Hälfte ohnehin gehört; die andere Hälfte ist nach dem Schlüssel aufzuteilen, den ich angeführt habe Und zwar von dem Geld, was da am Todestag drauf war - das kann auch weniger oder mehr als vor 5 Jahren...

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
guest-12314.12.2023 19:49:18
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo wirdwerden,

vielen Dank erstmal für Dein eingebrachtes Wissen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann ist das Sparbuch vor 5 Jahren nicht relevant, sondern was zum Zeitpunkt des Todes an Vermögen vorhanden war. Ich mache mal eine Beispielrechnung, damit ich es besser nachvollziehen kann:
- Zum Zeitpunkt des Todes waren bspw. 20.000 € (inkl. 5.000 € aus dem Sparbuch) auf dem Girokonto.
- Damit würde der Pflichtanteil für den Ehemann bei 10.000 € liegen.
- Der Rest, die anderen 10.000 €, müssten sich dann die Kinder teilen.
Hast du das so gemeint (mir ist klar, dass das keine Rechtsgrundlage ist)?

VG

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#4
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6297 Beiträge, 1505x hilfreich)

Zitat (von FMitglied0815):
- Zum Zeitpunkt des Todes waren bspw. 20.000 € (inkl. 5.000 € aus dem Sparbuch) auf dem Girokonto.
- Damit würde der Pflichtanteil für den Ehemann bei 10.000 € liegen.

Nein. Der gesetzliche Erbteil würde 10.000 € betragen. (50% von 20.000 € vererbten Vermögen.)
Der Pflichtteil würde 5.000 € betragen, nämlich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.
Zitat:
- Der Rest, die anderen 10.000 €, müssten sich dann die Kinder teilen.

Ja. 50% der überlebende Ehegatte des Verstorbenen, 50% die Kinder des Verstorbenen, wenn es Kinder gibt.

(Gibt's keine Kinder, ist das gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten 100%. Gibt es keine Kinder, aber die Eltern des Verstorbenen leben noch, bekommen die 25% und der überlebende Ehegatte bekommt 75%.)

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47741 Beiträge, 16866x hilfreich)

Zitat (von FMitglied0815):
Damit würde der Pflichtanteil für den Ehemann bei 10.000 € liegen.


Zunächst einmal wird hier Pflichtteil und gesetzlicher Erbteil durcheinander geworfen. Wenn es kein Testament gibt, dann kann niemand enterbt worden sein und somit gibt es keinen Pflichteil. Es geht hier somit um den gesetzlichen Erbteil.

Dann kommt hinzu, dass das Guthaben auf einem gemeinschaftlichen Konto im Regelfall beiden Ehegatten je zur Hälfte gehört. Somit fallen nur 10.000€ in die Erbmasse. Davon beträgt der gesetzliche Erbteil des Ehemannes 5.000€ und die übrigen 5.000€ teilen sich die Kinder.

Hinzu kommt, dass die Beerdigungskosten vor der Verteilung aus dem Nachlass zu zahlen sind. Wenn die Beerdigungskosten z.B. 4.000€ betragen, dann bleibt als zu verteilendes Erbe nur 6.000€ übrig, d.h. der Ehemann bekommt 3.000€ und die Kinder zusammen ebenfalls 3.000€.

Nun kann man noch prüfen, ob das Guthaben auf dem Gemeinschaftskonto tatsächlich 50/50 beiden Ehegatten gehört. Wer eine abweichende Aufteilung behauptet, muss diese beweisen. Die Kinder müssten somit beweisen, dass die Mutter trotz der Zahlung auf das gemeinschaftliche Girokonto eine Überführung in das gemeinschaftliche Vermögen nicht gewollt hat. Das dürfte nur in seltenen Ausnahmefällen gelingen.

Wenn aber eine Überführung in das gemeinschaftliche Vermögen gewollt war, dann liegt eine Schenkung in Höhe von 2.500€ an den Ehemann vor. So eine Schenkung kann im Prinzip einen Pflichtteilergänzugnsanspruch für die Kinder auslösen. So ein Pflichtteilergänzugnsanspruch entsteht in diesem Fall aber nicht, da die Schenkung geringer war als das verbliebene Vermögen.

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