Pflichtteil vorsätzlich falsch und zu niedrig berechnet

3. November 2023 Thema abonnieren
 Von 
Bernd75123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Pflichtteil vorsätzlich falsch und zu niedrig berechnet

Ich habe ein Testament, das wohl angefochten werden muss. Es wurden nur die Werte von zwei Immobilien (Wohnungen) angesetzt, und der angegebene Wert entspricht nicht einmal dem Wert der größeren Wohnung. Weitere Wertgegenstände wie ein Auto, Motorräder, Inventar und sonstige Vermögenswerte wurden nicht berücksichtigt. Es gibt auch keine Erwähnung von Vermögen oder ähnlichem, was wahrscheinlich vor dem Tod "verschenkt" wurde.

Das geplante Vorgehen scheint wie folgt auszusehen:

- Anfechten des Testaments
- Bewertung der Immobilien und Wertgegenstände durch einen Gutachter
- Einfordern des Pflichtteils von dem anderen Erben

Meine Fragen:

- Ein Anwalt kann teuer sein. Ist die Konsultation eines Anwalts notwendig oder wird dies empfohlen?
- Gibt es mögliche Modifikationen des Vorgehens, die Sie empfehlen würden?
- Haben Sie weitere Tipps oder Hinweise zur Vorgehensweise?

Ich danke im Voraus.

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1192 Beiträge, 188x hilfreich)

Meinst du wirklich Testament, oder Nachlassverzeichnis?

In einem Testament stehen im seltensten Falle bestimmte Vermögegenstände, und wenn, dann ist das nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Testamentserstellung. Denn das Vermögen ändert sich ja im Laufe der Zeit.

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#2
 Von 
Bernd75123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Es ist das Testament.
Dort stehen die zwei Wohnungen mit dem angenommenen Wert und die weiteren vererbten Gegenstände.

Ein Nachlassverzeichnis gibt es meines Wissens nicht. Das werde ich auch noch brauchen?
Wahrscheinlich sind schon viele Wertgegenstände und das Vermögen "verschwunden".

-- Editiert von User am 3. November 2023 12:43

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#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47223 Beiträge, 16729x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Es ist das Testament.


Das Testament ist wegen der dargestellten Gründe nicht anfechtbar. Für die Höhe des Pflichtteilsanspruchs ist es auch völlig irrelevant, welche Werte im Testament genannt werden.

Zitat (von Bernd75123):
Ist die Konsultation eines Anwalts notwendig oder wird dies empfohlen?


Das hängt davon ab, wie kooperativ der Erbe ist und von den eigenen Kenntnissen der Rechtslage. Jedenfalls mit letzterem sieht es wohl eher schlecht aus, da man mit der Anfechtung des Testamentes wohl eine Bauchlandung erlebt hätte.

Als ersten Schritt kann der Pflichtteilsberechtigte die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses vom Erben fordern.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1192 Beiträge, 188x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Es ist das Testament.
Dort stehen die zwei Wohnungen mit dem angenommenen Wert und die weiteren vererbten Gegenstände.


Irrelevant
Zitat (von Bernd75123):
Ein Nachlassverzeichnis gibt es meines Wissens nicht. Das werde ich auch noch brauchen?

Wäre hilfreich. Schließlich willst du ja wissen, was im Nachlass vorhanden war um daraus den Pflichtteil zu berechnen.
Also den Erben auffordern, das Nachlassverzeichnis zu erstellen.

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118453 Beiträge, 39576x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Ist die Konsultation eines Anwalts notwendig oder wird dies empfohlen?

Angesichts der hier dargelegten Kenntnissen der Juristerei erachte ich ihn sowohl als empfehlenswert als auch als notwendig.



Zitat (von Bernd75123):
Ein Anwalt kann teuer sein.

Kein Anwalt kann erst recht teuer werden ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Bernd75123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank fuer eure Antworten.

Von der Juristerei habe ich tatsaechlich sehr wenig Ahnung.

Im Testament steht aber ein fester Betrag den ich erhalten soll.
Der ist viel geringer als der Pflichtteil. Daher dachte ich, dass das Testament angefochten werden muss.

Den Erben auffordern, das Nachlassverzeichnis zu erstellen ist wohl eine gute Idee.
Einfach wird das aber nicht, da sowohl er als auch ich im Ausland leben.

Es laeuft wohl auf einen Anwalt hinaus, wenn ich das recht verstehe.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1192 Beiträge, 188x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Im Testament steht aber ein fester Betrag den ich erhalten soll.
Der ist viel geringer als der Pflichtteil.

Bist du denn Pflichtteilsberechtigt?

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Bernd75123
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Ja, es gibt zwei erbberechtigte Kinder des Verstorbenen, mich und ein weiteres. Keine Ehefrau.
Also sollte mein Pflichtteil 1/3 des gesamten Erbes betragen, wenn ich richtig informiert bin.
Als Erbe fuer mich, wurde ein fester Betrag im Testament angesetzt, der sich aus den zwei Wohnungen ergibt (die aber viel zu niedrig bewertet wurden).

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#9
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7961 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Im Testament steht aber ein fester Betrag den ich erhalten soll.
Der ist viel geringer als der Pflichtteil. Daher dachte ich, dass das Testament angefochten werden muss.

Das Testament muss nicht angefochten werden.
Zitat:
Den Erben auffordern, das Nachlassverzeichnis zu erstellen ist wohl eine gute Idee.
Einfach wird das aber nicht, da sowohl er als auch ich im Ausland leben.

Es ist nicht dein Problem, wie er das Nachlassverzeichnis erstellt. Wenn man an den Angaben im Nachlassverzeichnis zweifelt, kann man auch verlangen, dass der Erbe die Angaben an Eides Statt versichert.
Zitat:
Es laeuft wohl auf einen Anwalt hinaus, wenn ich das recht verstehe.

Zunächst würde ich einmal abwarten, was ist dem Nachlassverzeichnis steht.
Zitat (von Bernd75123):
a, es gibt zwei erbberechtigte Kinder des Verstorbenen, mich und ein weiteres. Keine Ehefrau. Also sollte mein Pflichtteil 1/3 des gesamten Erbes betragen, wenn ich richtig informiert bin.

Nein, dein Pflichtteil beträgt 1/4 in bar.
Zitat:
Als Erbe fuer mich, wurde ein fester Betrag im Testament angesetzt, der sich aus den zwei Wohnungen ergibt (die aber viel zu niedrig bewertet wurden).

Der Wert, der im Testament "angesetz" wurde, spielt keine Rolle. Maßgeblich ist der Wert des Nachlasses zum Zeitpunk des Todes.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6196 Beiträge, 1484x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Ich habe ein Testament, das wohl angefochten werden muss.

Mit welcher Begründung?
Zitat:
Es wurden nur die Werte von zwei Immobilien (Wohnungen) angesetzt, und der angegebene Wert entspricht nicht einmal dem Wert der größeren Wohnung. Weitere Wertgegenstände wie ein Auto, Motorräder, Inventar und sonstige Vermögenswerte wurden nicht berücksichtigt. Es gibt auch keine Erwähnung von Vermögen oder ähnlichem, was wahrscheinlich vor dem Tod "verschenkt" wurde.

Das ist für die Ermittlung des Pflichtteilsanspruchs alles vollkommen irrelevant.
Der Pflichtteilsanspruch besteht gegen den/die Erben, in bar. Um ihn zu ermitteln, muss man den tatsächlichen Wert des Erbes zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers feststellen. Dazu muss der Erbe/müssen die Erben Auskunft geben.

Zitat:
Das geplante Vorgehen scheint wie folgt auszusehen:

- Anfechten des Testaments

Mit welcher Begründung will man das Testament anfechten? Kann man nachweisen, daß der Erblasser nicht testierfähig war, als er das Testament verfasst hat? (Also: nicht geschäftsfähig)
Zitat:
- Bewertung der Immobilien und Wertgegenstände durch einen Gutachter

Kann man machen, muss man dann aber auch bezahlen.
Zitat:
- Einfordern des Pflichtteils von dem anderen Erben

Wenn man das Testament anficht, kann man keinen Pflichtteil beanspruchen.

Zitat:
Meine Fragen:

- Ein Anwalt kann teuer sein. Ist die Konsultation eines Anwalts notwendig oder wird dies empfohlen?

Da hier offenkundig völlig Unkenntnis der Rechtslage und des ggf. sinnvollen Vorgehens besteht: unbedingt.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6196 Beiträge, 1484x hilfreich)

Zitat (von Bernd75123):
Ja, es gibt zwei erbberechtigte Kinder des Verstorbenen, mich und ein weiteres. Keine Ehefrau.
Also sollte mein Pflichtteil 1/3 des gesamten Erbes betragen, wenn ich richtig informiert bin.

Nein.
Wenn es keine Ehefrau gibt, sondern nur zwei Kinder, wären beide in der gesetzlichen Erbfolge mit je 1/2 Erben. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, in bar. Die Hälfte von 1/2 ist 1/4.
Zitat:
Als Erbe fuer mich, wurde ein fester Betrag im Testament angesetzt, der sich aus den zwei Wohnungen ergibt (die aber viel zu niedrig bewertet wurden).

Das muss man prüfen und ausrechnen. Von vornherein sollte man nicht sagen, daß das weniger ist als der Pflichtteilsanspruch.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

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