Schenkung der Schwiegereltern annehmen?

9. Februar 2022 Thema abonnieren
 Von 
rolla23
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Schenkung der Schwiegereltern annehmen?

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich und mein Mann planen in naher Zukunft zusammen ein Einfamilienhaus zu bauen, welches wir gemeinsam bewohnen wollen.

Meine Schwiegereltern haben nun angeboten uns bzw. meinem Mann ein unbebautes Grundstück + Geld + Arbeitsleistung beim Bau zu schenken, dies jedoch (verständlicherweise!) auch an Bedingungen zu knüpfen.

Rückforderung:
- Falls mein Mann versterben sollte bevor wir gemeinsame Kinder haben
- Im Scheidungsfall
- Im Falle groben Undanks
- Im Falle der Verarmung

Weitere Bestimmungen:
- Beleihen des Grundstücks nur unter vorheriger Zustimmung der Schwiegereltern
- Rückfallklausel an Schwiegereltern im Grundbuch
- Vererbung ausschließlich an leibliche Abkömmlinge

Die Schenkung beläuft sich in etwa auf 50-60% der Gesamtkosten dieses Projekts.

Prinzipiell kann ich die Forderung sehr gut nachvollziehen und würde diese wohl selber in ähnlicher weise aufstellen. Letztlich möchte ich aber auch vermeiden, über Gebühr benachteiligt zu werden und auch gerne vorsorgen, falls das Verhältnis zu den Schwiegereltern mal kippen sollte.

Wir werden beide im Grundbuch stehen und zusammen (50/50) den Restbetrag aufbringen. Im Ehevertrag haben wir eine Gütertrennung vereinbart. Ich und auch meine Eltern und Verwandten (Elektriker, Maurer im Ruhestand) werden ebenfalls einen ganz erheblichen Teil an Arbeitsleistung in das Projekt einfließen lassen.

Wie würde nun in der Praxis so eine "Rückforderung" aussehen und was würde diese genau bewirken?

- Kann ich die Arbeitsleistung von mir und der Verwandschaft dann ebenfalls "gegenrechnen"?
- Wie ist die Arbeitsleistung überhaupt nachweisbar? Reicht hier eine Excel-Liste als Nachweis aus?
- Was zählt dann überhaupt genau als "Arbeitsleistung"? Meine Investierten Stunden in die Planung oder nur direkte Arbeiten am Gebäude?
- Wäre die Rückforderung der Arbeitsleistung in Geld letztlich nicht Schwarzarbeit bzw. steuerpflichtig?
- Das Grundstück wurde in der Zwischenzeit bebaut, ist eine Rückforderung überhaupt möglich oder kann/muss diese in Geld erfolgen?
- Mein Mann möchte, das ich im Haus weiter wohnen kann falls er versterben sollte, auch wenn wir keine Kinder haben sollten. Kann er das im Testament entgegen dem Wunsch seiner Eltern verfügen?
- Wie verhält es sich mit der Veränderung der Werte? Zählt der Wert zum Zeitpunkt der Schenkung müsste man bei Rückforderung gar mit Zinsen zurückzahlen?
- Sind derartige Aufstellungen im Schenkungsvertrag auch ohne zeitliche Begrenzung zulässig?

Letztlich frage ich mich, ob uns die Annahme der Schenkung in der Praxis nicht mehr Probleme schafft als sie Entlastung bringt. Wenn ich das richtig verstehe, lastet die "Schuld" der Schenkung für immer und ewig auf dem Haus und die Schwiegereltern behalten bis an ihr Lebensende einen Hebel in der Hand um in unser Familienleben einzuwirken. Außerdem lässt sich diese praktisch kaum in Geld beziffern bevor die Rückforderung ausgesprochen wurde. Gerade der Posten "Arbeitsleistung" scheint mir praktisch nicht kalkulierbar? Ein Bankdarlehen wäre wenigstens kalkulierbar und irgendwann auch mal abgezahlt.

Viele Punkte habe ich in dieser Situation wohl auch noch gar nicht bedacht und ich würde mich daher sehr freuen, falls jemand mit praktischer Erfahrung ein paar Tipps für mich da lassen könnte :)




-- Editiert von rolla23 am 09.02.2022 11:25

-- Editiert von rolla23 am 09.02.2022 11:29

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47304 Beiträge, 16759x hilfreich)

Zitat (von rolla23):
Beleihen des Grundstücks nur unter vorheriger Zustimmung der Schwiegereltern


Üblich ist, dass bereits im Vertrag vereinbart wird, dass X€ als Grundschuld vorrangig vor der Rückauflassungsvormerkung eingetragen werden können.

Zitat (von rolla23):
Vererbung ausschließlich an leibliche Abkömmlinge


Vererbung an Deinen Mann ist also nicht zulässig?

Zitat (von rolla23):
Wie würde nun in der Praxis so eine "Rückforderung" aussehen und was würde diese genau bewirken?


Es sollte direkt vereinbart werden, dass Du für die von Dir eingebrachten Leistungen einen Anspruch auf eine angemessene Entschädigung hast.

Zitat (von rolla23):
Letztlich frage ich mich, ob uns die Annahme der Schenkung in der Praxis nicht mehr Probleme schafft als sie Entlastung bringt.


Naja, Du solltest wissen, dass eine Rückforderung bei Scheidung, wegen grobem Undank und bei Verarmung auch ohne ausdrückliche Vereinbarung greift, bei Verarmung jedoch nur für einenZeitraum von 10 Jahren nach der Schenkung.

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
guest-12325.11.2022 10:42:04
Status:
Praktikant
(696 Beiträge, 109x hilfreich)

Rückforderung bedeutet, dass sie das "geschenkte" Geld eben zurückzahlen müssen.



Ob dies ihnen mehr Probleme bereitet als ein Bankkredit muss jeder selbst wissen.

-- Editiert von TidoZett am 09.02.2022 12:08

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47304 Beiträge, 16759x hilfreich)

Zitat (von TidoZett):
Rückforderung bedeutet, dass sie das "geschenkte" Geld eben zurückzahlen müssen.


Es wird ja kein Geld geschenkt, sondern ein Grundstück.

Wenn ein unbebautes Grundstück verschenkt wird und aufgrund der Rückforderungsklausel ein bebautes Grundstück zurückgefordert wird, dann wirft das schon einige rechtlichen Fragen auf.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
rolla23
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank erstmal an die bisherigen Antworten!

Zitat (von hh):
Vererbung an Deinen Mann ist also nicht zulässig?

Entschuldige bitte, das ist eine unklare Formulierung meinerseits.
Gemeint ist, im Falle eines versterben meines Mannes solle die Schenkung an die (noch geplanten) Kinder und nicht an mich vererbt werden.

Zitat (von TidoZett):
Rückforderung bedeutet, dass sie das "geschenkte" Geld eben zurückzahlen müssen.
Ob dies ihnen mehr Probleme bereitet als ein Bankkredit muss jeder selbst wissen.

Da gebe ich Ihnen grundsätzlich Recht. Für mich leider noch schwer abzuwägen. Gerade der unbestimmte zeitliche Horizont ist für mich so schwer zu kalkulieren.

Zitat (von hh):
Es wird ja kein Geld geschenkt, sondern ein Grundstück.

Wenn ein unbebautes Grundstück verschenkt wird und aufgrund der Rückforderungsklausel ein bebautes Grundstück zurückgefordert wird, dann wirft das schon einige rechtlichen Fragen auf.


So ist es. Wenn ich also ebenfalls im Grundbuch stehe und selbst einen 6 stelligen Betrag eingebracht habe, fällt im Rückforderungsfall alles zurück an die Schwiegereltern oder nur der entsprechende Geldwert der Schenkung?
Fällt das Grundbuch bzw. das vollständige Eigentum an die Schwiegereltern und es wurde eine angemessene Entschädigung für meine Leistungen vereinbart, wodurch sind diese gesichert?
Kann der Übergang des Eigentums nur nach Zahlung der Entschädigung erfolgen oder müsste ich das nachgelagert einklagen?
Wäre vorab eine Festlegung möglich, das eine Rückforderung ausschließlich in Form von Betrag X möglich ist?



-- Editiert von rolla23 am 09.02.2022 13:44

-- Editiert von rolla23 am 09.02.2022 13:47

0x Hilfreiche Antwort

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