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Schenkung und Freibeträge bei Immobilien über 200m² optimieren: Kettenschenkung, GmbH, Eigennutzung?

2. August 2022 Thema abonnieren
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)
Schenkung und Freibeträge bei Immobilien über 200m² optimieren: Kettenschenkung, GmbH, Eigennutzung?

Hallo zusammen,

als Erbe stehen mehrere Immobilien zur Debatte (Grundstück, eine Eigentumwohnung, 2-Familienhaus, 1-Familienhaus, 3-Familienhaus, Barvermögen => in allem ca. 2Mio€.). Eltern sind 80, Kinder 50. Geplant ist eine Teilschenkung an die 2 Kinder mit Eigennutzung:

a) Einfach: 1 Familienhaus hat 130m² und sollte bei Eigennutzung bei Schenkung für Kind 1 steuerfrei bleiben
b) Komplizierter: Beim geschenkten 3 Familienhaus an Kind 2 sollen zwei Wohnungen zusammengelegt und von Kind 2+Ehefrau+Kleinkind genutzt werden (95+110m²). Man kommt kommt also über die 200m², wobei davon nur 190m² eigengenutzt werden sollen, denn in der unteren Wohnung ist ein separates Büro abgetrennt mit Mieteinnahmen existiert. Die 3 Wohnungen des 3-Familienhauses sind als Eigentumswohnungen eingetragen, wobei das Büro mit separatem Eingang dabei inkludiert ist.

Wie kann man hier am besten vorgehen um ev. Erbschaftssteuer zu vermeiden?

- Kettenschenkung von 2 Eigentumswohnungen an Kind (400T€ Freibetrag) und dessen Kind o. ev. Frau (200T€ Freibetrag), wobei das Kleinkind durch die Vollmacht der Eltern die Wohnung wieder an die Eltern schenkt?
- GmbH aufmachen, wobei hier Grundsteuer anfällt und andere unflexible Nachteile entstehen. Die GmbH hätte weiter ev. den Chrame, dass man ev. als Kind 2 mit höherem Vermögen die von der Abgeltungssteuer betroffenen Aktiengewinne als Einlage in die GmbH gleich mit ins Sondervermögen bringen könnte und dann bei Liquidierung die Abgeltungssteuer minimiert?

Sind das jetzt Hirngespinste mit zu vielen Fallstricken? Was habt Ihr für Ideen?

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16 Antworten
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#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
a) Einfach: 1 Familienhaus hat 130m² und sollte bei Eigennutzung bei Schenkung für Kind 1 steuerfrei bleiben


Nur wenn der Wert unter 400.000€ liegt. Die Steuerbefreiung für Familienheime greift nicht.

Zitat (von Ganzprivat):
b) Komplizierter: Beim geschenkten 3 Familienhaus an Kind 2


Da ist nicht kompliziert. Auch hier gilt lediglich der Freibetrag von 400.000€.

Zitat (von Ganzprivat):
Sind das jetzt Hirngespinste mit zu vielen Fallstricken?


Das sind Hirngespinste aufgrund erheblicher Wissenslücken im Steuerrecht.

Die Steuerbefreiung für Familienheime gilt nur im Erbfall, nicht jedoch bei Schenkungen. Sie gilt außerdem nur für die Immobilie, die bis zu seinem Tod vom Erblasser selbst bewohnt wurde.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antwort. Dazu nochmals ein paar Fragen:


1.) Steuerfrei mit Eigennutzung gibt es wohl direkt nur bei Ehegatten. Verstirbt aber ein Elternteil innerhalb der 10J. und bleiben die Kinder mit Eigennutzung dort wohnen sollte es doch auch steuerfrei bleiben? Gibt sowas dann auch beim 3-Familienhaus oder nur beim 1 Familienhaus unter 200qm?

2.) Welche Freibeträge werden denn verbraucht? Das 3 Familenhaus ist zum Teil vermietet 200m² fremd, 100m² vom Kind mit verminderter Miete. Ertragswert 12,5 x 17T€ =212T€ oder zu ortsüblicher Miete für 19,5T€ p.a was dann ein Ertragswert von 243T€ wären? Angesetzt werden bei vermieteten Immobilien 90% oder gibt das nur im Erbfall? Das Finanzamt hat so grob was zwischen 380-450T€ an Wert angedeutet, was ja fast das doppelte wäre und wohl eher der Vergleichswert bei der alten Immobilie wäre?

3.) Wie ist es denn beim Einfamilienhaus aus? Der Wert wird angeblich vom Finanzamt ausschließlich zum Vergleichwert bewertet, der bei >= 300T€ liegen könnte. Die letzten Mieteinnahmen des alten 70er-Hauses lagen vorm Einzug des Kindes vor 2J. bei nur 7t€ p.a. was einen Ertragswert von gerade mal 90T€ ergibt (Kaufpreis waren mal 150T€ zu diesem Zeitpunkt). Im späteren Erbfall, wenn dieser innerhalb der nächsten 10J. erfolgt ist die Frage nicht ganz uninteressant für wie viel das FA den Wert ansetzt und was damit an Freibeträgen verbraucht wurde?

4.) Wäre ein günstiger Kauf mit anschließender Schenkung der Geldsumme zum späteren Zeitpunkt durch die Eltern nicht besser oder rechnet sich dies nicht oder ist egal, weil das FA einen zu hohen Differenzbetrag als Schenkung auslegt?

5.) Welchen Ermessensspielraum hat der Notar bei seiner Kostennote bzw. woran orientiert sich dieser? Ist der Betrag fix und basiert immer auf dem FA wert der Schenkungshöhe?

Vielen Dank für Eure Antworten Euren Erfahrungsaustausch!

-- Editiert von User am 06.08.2022 22:07

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#3
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7150 Beiträge, 4285x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Wie kann man hier am besten vorgehen um ev. Erbschaftssteuer zu vermeiden?

Bei dieser Summe geht man zu einem Steuerberater. :wink:
Zitat (von Ganzprivat):
Welchen Ermessensspielraum hat der Notar bei seiner Kostennote

Keinen.
Zitat:
bzw. woran orientiert sich dieser? Ist der Betrag fix und basiert immer auf dem FA wert der Schenkungshöhe?

Die Gebühren des Notars werden anhand des Verkehrswerts berechnet.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Steuerfrei mit Eigennutzung gibt es wohl direkt nur bei Ehegatten.


Für Schenkungen ist das richtig.

Zitat (von Ganzprivat):
Verstirbt aber ein Elternteil innerhalb der 10J. und bleiben die Kinder mit Eigennutzung dort wohnen sollte es doch auch steuerfrei bleiben?


Das ist dann steuerfrei, wenn das Kind nach dem Tod des Elternteils weitere 10 Jahre dort wohnt.

Zitat (von Ganzprivat):
Gibt sowas dann auch beim 3-Familienhaus oder nur beim 1 Familienhaus unter 200qm?


Die Steuerfreiheit gilt nur für die Wohnung, die von den Eltern bis zu ihrem Tod als Hauptwohnsitz genutzt wurde, nicht jedoch für die beiden anderen Wohnungen.

Zitat (von Ganzprivat):
Ertragswert 12,5 x 17T€ =212T€ oder zu ortsüblicher Miete für 19,5T€ p.a was dann ein Ertragswert von 243T€ wären?


Der Faktor 12,5 ist aber sehr optimistisch. Nur in Gegenden mit äußerst niedrigen Immobilienpreisen gilt so ein Faktor.

Zitat (von Ganzprivat):
Das 3 Familenhaus ist zum Teil vermietet 200m² fremd, 100m² vom Kind mit verminderter Miete.


Da ist nichts über die üblichen Freibetrag von 400.000€ hinaus steuerfrei

Zitat (von Ganzprivat):
Das Finanzamt hat so grob was zwischen 380-450T€ an Wert angedeutet, was ja fast das doppelte wäre und wohl eher der Vergleichswert bei der alten Immobilie wäre?


Das FA hat wohl eher einen Faktor 25 für den Ertragswert angesetzt, was nicht ungewöhnlich wäre.

Zitat (von Ganzprivat):
Wie ist es denn beim Einfamilienhaus aus? Der Wert wird angeblich vom Finanzamt ausschließlich zum Vergleichwert bewertet, der bei >= 300T€ liegen könnte.


Davon würde ich ausgehen.

Zitat (von Ganzprivat):
Im späteren Erbfall, wenn dieser innerhalb der nächsten 10J. erfolgt ist die Frage nicht ganz uninteressant für wie viel das FA den Wert ansetzt und was damit an Freibeträgen verbraucht wurde?


Welche 10 Jahre und für die Vorhersage die Immobilienpreisentwicklung muss man wohl Hellseher sein. Auch in diesem Fall kann ich nicht erkennen, welche weiteren Freibeträge es über die üblichen 400.000€ hinaus geben sollte.

Zitat (von Ganzprivat):
Wäre ein günstiger Kauf mit anschließender Schenkung der Geldsumme zum späteren Zeitpunkt durch die Eltern nicht besser oder rechnet sich dies nicht oder ist egal, weil das FA einen zu hohen Differenzbetrag als Schenkung auslegt?


Ein Verkauf deutlich unter dem Verkehrswert gilt als Schenkung in Höhe des Differenzbetrages. Als deutlich unter dem Verkehrswert gilt ein Preis der unterhalb der üblichen Verhandlungsmarge liegt.

Ein Kauf deutlich unterhalb des Verkehrswertes mit anschließender Schenkung der Geldsumme führt daher zu keiner Steuerersparnis.

Zitat (von Ganzprivat):
Ist der Betrag fix und basiert immer auf dem FA wert der Schenkungshöhe?


Der Notar wartet natürlich nicht auf den Feststellungsbescheid des Finanzamtes, sondern legt den Wert aufgrund seiner eigenen Kenntnisse fest.

Da die Beurkundung von Immobilienkaufverträgen das Tagesgeschäft von Notaren ist, haben diese auch einen guten Marktüberblick.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

@hh: "Die Steuerfreiheit gilt nur für die Wohnung, die von den Eltern bis zu ihrem Tod als Hauptwohnsitz genutzt wurde, nicht jedoch für die beiden anderen Wohnungen."

Heißt das, dass Häuser in denen die Eltern nie selber gewohnt haben, generell nicht bei einer lebenslangen Nutzung durch die Kinder steuerfrei enden können?

@cruncc1 und @hh wieso sprecht ihr immer von 400T€. Ich dachte 400T€ je Elternteil = 800T€ alle 10Jahre, wenn beide als Eigentümer eingetragen sind? Erst wenn einer der Eltern stirbt werden es 400T€.

@hh: Festlegung nach seinem Erkenntnisstande klingt für mich schon nach einem gewisssen Spielraum oder eher nach einem Freibrief seine Erfahrung von Preisen selber zu bestimmen. Bsp: Ein Liebhaberhaus in der selben Straße geht für 380T€ ein anderes für 700T€ und das Finanzamt legt X nach Gebiet gemäß Grundstücksmarktbericht fest und der Notar kann im Vorfeld wenn er möchte 700T€ ansetzten? Wie kann man hier irgendwas im Vorfeld bestimmen lassen?

-- Editiert von User am 07.08.2022 20:45

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7150 Beiträge, 4285x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Wie kann man denn die Festlegung seines Erkenntnisstandes denn da von keinem Ermessen sprechen, insbesondere wenn der Notar scheinbar einen Freibrief dabei hat seine Erfahrung von Preisen selber zu bestimmen.

Der Notar hat keinen "Freibrief", sondern durch seine Tätigkeit ein gutes "Gespür" für den Verkehrswert. Wir sind nicht auf einem türkischen Bazar auf dem über dem Verkehrswert gefeilscht wird. :wink:

-- Editiert von User am 07.08.2022 20:57

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Heißt das, dass Häuser in denen die Eltern nie selber gewohnt haben, generell nicht bei einer lebenslangen Nutzung durch die Kinder steuerfrei enden können?


Richtig, die von Dir angesprochene Steuerfreiheit gilt nur für das Familienheim, d.h. das Haus, das der Erblasser bei seinem Tod selbst bewohnt hat oder das er zuletzt bewohnt hat, wenn er in ein Pflegeheim musste. Die 10-Jahresfrist für den Erben ist nur eine weitere Forderung.

Zitat (von Ganzprivat):
@cruncc1 und @hh wieso sprecht ihr immer von 400T€. Ich dachte 400T€ je Elternteil = 800T€ alle 10Jahre


400.000€ pro Elternteil alle 10 Jahre ist richtig.

Zitat (von Ganzprivat):
Erst wenn einer der Eltern stirbt werden es 400T€.


Schenkung und Erbschaft unterscheiden sich da nicht. Wem in den letzten 10 Jahren vor dem Tod des jeweiligen Elternteils bereits 400.000€ geschenkt wurden, der hat bei der Erbschaft keinen Freibetrag.

Zitat (von Ganzprivat):
Festlegung nach seinem Erkenntnisstande klingt für mich schon nach einem gewisssen Spielraum oder eher nach einem Freibrief seine Erfahrung von Preisen selber zu bestimmen.


Formell hat der Notar keinen Spielraum. Da der Notar auf der anderen Seite aber auch kein Verkehrswertgutachten verlangen kann, gibt es in der Realität schon eine Grauzone.

Zitat (von Ganzprivat):
und der Notar kann im Vorfeld wenn er möchte 700T€ ansetzten? Wie kann man hier irgendwas im Vorfeld bestimmen lassen?


Nach meiner Erfahrung sind die meisten Notare bei der Schätzung fair und setzen den Wert eher im unteren Bereich an.

Zitat (von Ganzprivat):
Wie kann man hier irgendwas im Vorfeld bestimmen lassen?


Den Wert kann man vom Notar festlegen lassen, bevor man ihn mit der Erstellung des Vertrages beauftragt. Es steht dem Mandanten dabei frei, einen Wert vorzuschlagen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Laufen die 10J. vom Freibetrag gestaffelt ab, dass heißt wenn ich 400T€ ausgeschöpft habe verringert sich dann dei Ausschöpfung des Betrages jährlich um 10% wie bei der Rückforderungsmöglichkeit?

Wie hoch der Spielraum sein kann ist ist enorm (s.Link). Aus der ursprünglichen Steuerfestsetzung wurden aus 30T€ gerade mal 3T€. Welches Interesse sollte der Notar haben einen geringen Wert und fairen Wert anzusetzen?
https://www.wert-von-immobilien.de/Finanzamtgutachten

Wir hatten heute einen Kontakt mit einem Notar der gar nicht schnell genug handeln konnte. Er meinte es wäre egal, wo man das macht, denn die Kostennote wird auf der Festsetzung vom Finanzamt aufgesetzt, also er würde da nichts bestimmen. Wenn dem so ist wäre es in der Tat egal.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
dass heißt wenn ich 400T€ ausgeschöpft habe verringert sich dann dei Ausschöpfung des Betrages jährlich um 10% wie bei der Rückforderungsmöglichkeit?


Nein, wenn 9 Jahre und 11 Monate nach einer Schenkung in Höhe von 400T€ der Erbfall eintritt, dann gilt der Freibetrag durch die Schenkung als verbraucht.

Zitat (von Ganzprivat):
Wie hoch der Spielraum sein kann ist ist enorm (s.Link).


Es gibt keinen Spielraum. Die Differenz ergibt sich aus den Unterschieden der Bewertungsmethoden des Finanzamtes und eines Sachverständigen. Nach meiner Erfahrung fährt der Steuerpflichtige meistens mit der Bewertung des Finanzamtes ganz gut.

Zitat (von Ganzprivat):
denn die Kostennote wird auf der Festsetzung vom Finanzamt aufgesetzt, also er würde da nichts bestimmen.


Und was macht der Notar, wenn das Finanzamt gar keine Wertfeststellung vornimmt oder aber für diese Feststellung 2 Jahre benötigt?

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7150 Beiträge, 4285x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Wir hatten heute einen Kontakt mit einem Notar der gar nicht schnell genug handeln konnte. Er meinte es wäre egal, wo man das macht, denn die Kostennote wird auf der Festsetzung vom Finanzamt aufgesetzt, also er würde da nichts bestimmen. Wenn dem so ist wäre es in der Tat egal.

Da würde mich mal die gesetzliche Grundlage interessieren.

Im GNotKG steht nirgends, dass der Wert der Urkunde auf der Festsetzung des Finanzamts berechnet werden muss.

-- Editiert von User am 09.08.2022 12:54

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
spatenklopper
Status:
Unparteiischer
(9688 Beiträge, 3992x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
Im GNotKG steht nirgends, dass der Wert der Urkunde auf der Festsetzung des Finanzamts berechnet werden muss.


Hat der Notar auch nicht behauptet, sondern nur, dass er so abrechnet.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich hatte nochmal ein Gespräch direkt mit dem Notar und nicht nur mit dem Gehilfen. Gefühlt war es wie auf dem Basar. Er überlässt mir eine faire Preissetzung und meinte ich solle mich an den Steuerberater wenden und mich an die genannte Größe für das Finanzamt orientieren, da er sich da nicht so genau mit den Zahlen auskenne. Ihm käme es nicht auf die genaue Summe an, aber ich solle ihn nicht verarschen sonst wäre er sauer, wenn er zufällig bei der angegebenen Bruchbude für 100T€ eine Villa für 700T€ vorfindet. Sehr konkrete Zahlen :-(

Gefühlt pokert er damit, dass man erfahrungsgemäß zur Vorsicht lieber höhere Werte angibt. Er wollte auch gleich ein Vermächnis und das gesamte Erbe beurkunden um in jedem Fall eine Versteuerung der Erbmasse zu vermeiden. Wieso und woher bekommt der Notar die Feststellung vom Finanzamt!?

Die Frage ist, was der Notar überhaupt machen kann, wenn ich begründbar den Verkehrswert selber über diesen Rechner festsetze und mich an diese Vorgaben halte. Da kommen wieder genau der oben ermittelte Ertragswerte raus:

https://immoprentice.de/5-sekunden-ertragswert-rechner/

Angeblich werden vermietete Immoblien nach Ertragswert zu 90% bei einer Schenkung bewertet. Der Bodenrichtwert liegt bei 80Eur, Zins würde ich jetzt mit 3% annehmen und den Rest gemäß Voreinstellung. Wenn ich jetzt noch sagen, dass das 100J. Dach Schrott ist, die 50J. alten Fenster raus müssen, könnte man den Preis nochmal argumenativ um 50-60T€ drücken, da dies kein marktüblicher Zustand ist. Ab wo ist man angreifbar? Betriebswirtschaftlich ist die Hütte in der Tat nicht mehr wert, da die Zinsen auch stark steigen. Liebhaber zahlt wegen der Lage ev. ein Vermögen!? Den Bodenrichtwert liegt 70% unter den Neubauplatzpreisen pro qm, was ich auch nicht nachvollziehen kann.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Angeblich werden vermietete Immoblien nach Ertragswert zu 90% bei einer Schenkung bewertet


Bei der Schenkungssteuer, aber nicht bei den Notargebühren.

Zitat (von Ganzprivat):
Gefühlt pokert er damit, dass man erfahrungsgemäß zur Vorsicht lieber höhere Werte angibt.


Notare sind nicht blöd. Sie wissen auch, dass ihre Mandanten sich mit der Wertangabe eher an die untere Grenze legen. Es war nur der sehr deutliche Hinweis, dass man es damit nicht übertreiben möge.

Zitat (von Ganzprivat):
Wieso und woher bekommt der Notar die Feststellung vom Finanzamt!?


Die bekommt er gar nicht, Daher war ich über die Antwort#8 auch verwundert.

Zitat (von Ganzprivat):
Die Frage ist, was der Notar überhaupt machen kann, wenn ich begründbar den Verkehrswert selber über diesen Rechner festsetze und mich an diese Vorgaben halte.


Ich habe gewisse Zweifel daran, dass Dir sämtliche erforderlichen Daten bekannt sind. Woher hast Du z.B. den Liegenschaftszins und wie hast Du die Restnutzungsdauer ermittelt?

Der Wert, der sich bei korrekter Eingabe der Werte in dem Rechner ergibt, darf natürlich nicht noch weiter z.B. mit dem Argument gedrückt werden, die Fenster seien so alt.

1x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Ganzprivat
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

... heute hatte ich ein Gespräch mit jemanden der es übertrieben und die Hütte tod gerechnet hat (Dach, Astbest, Grund und Boden verseucht usw.), aber einen alten Notar fand der damit kein Problem hatte. Ist halt die Frage wo die Grenze bzw. der Wink mit dem Zaunpfahl beim Notar erreicht ist. Ich würde die Rechnung klar auf Empfehlung des Steuerberaters vorzeigen und fragen, ob er damit ein Problem hat. Für den Notar ist das leicht verdientes Geld.

Wie und wann kommt denn das Finanzamt überhaupt ins Spiel? Interessiert die das überhaupt, wenn der Freibetrag nicht ansatzweise erreicht wird bzw. kommen die erst wenn das Erbe ansteht um die Ecke? Wer meldet die Schenkung, das bin doch ich? Was sagt das Grundbuchamt/Stadt zu Ihrer Marktberichtsstatistik wenn man die Schenkungshöhe ziemlich weit runterprügelt?

Derzeit lassen sich die Häuser sicherlich deutlich über dem Ertragswert verkaufen, weil man quasi in der Vergangenheit und auch jetzt kaum Alternativanlagen hat. Betriebswirtschaftlich haben sich die Preise seit 2015 vom Ertragswert abgekoppelt. Der Liegenschaftszins zum Ertragswert würde ich daher vereinfacht zum jetztigen Bauzins und bald erreichbaren Opportunitskosten wie vorgeschlagen auf 3% setzten. Immo-Konzerne rechnen ja jetzt schon mit dem Finanzierungszins und kaufen nicht mehr alles, da man kaum noch mit Wertsteigerung rechnet. Restnutzungsdauer ist für mich Kernsanierung alle 30-35J. Die wäre in 10-15J. fällig.

Mal eine andere Frage in dem Zusammenhang: Wenn die Schenkung jetzt bei 150T€ angesetzt wurde: Wie sieht das denn im Falle einer Scheidung mit dem Zugewinn aus? Kann man den Ansatz dann genauso gewählt argumentieren um den Zugewinn zu minimieren? Ich vermute hier dreht sich der Spieß ziemlich schnell um, vor allem wenn im Rahmen einer Scheidung ein Verkauf erzwungen wird? Kann man im Rahmen der Schenkung sich da absichern oder geht das wieder nur über einen Ehevertrag der wieder das selbe kostet?


-- Editiert von User am 10.08.2022 23:29

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(106061 Beiträge, 37856x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Ist halt die Frage wo die Grenze bzw. der Wink mit dem Zaunpfahl beim Notar erreicht ist.

Das teilt einem der Notar dann mit. In der Regel ganz offen und ohne Zaunpfahl ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(44195 Beiträge, 15758x hilfreich)

Zitat (von Ganzprivat):
Wie und wann kommt denn das Finanzamt überhaupt ins Spiel?


Irgendwann einige Monate später.

Zitat (von Ganzprivat):
Interessiert die das überhaupt, wenn der Freibetrag nicht ansatzweise erreicht wird bzw. kommen die erst wenn das Erbe ansteht um die Ecke?


Ja, aber dann wird das nur zu den Akten genommen und Du hörst nichts davon.

Zitat (von Ganzprivat):
Wer meldet die Schenkung, das bin doch ich?


Die Schenkung muss der Notar melden.

Zitat (von Ganzprivat):
Was sagt das Grundbuchamt/Stadt zu Ihrer Marktberichtsstatistik wenn man die Schenkungshöhe ziemlich weit runterprügelt?


Wenn der Notar den Wert akzeptiert hat, dann wird er vom Grundbuchamt im Regelfall auch akzeptiert.

Zitat (von Ganzprivat):
Derzeit lassen sich die Häuser sicherlich deutlich über dem Ertragswert verkaufen, weil man quasi in der Vergangenheit und auch jetzt kaum Alternativanlagen hat. Betriebswirtschaftlich haben sich die Preise seit 2015 vom Ertragswert abgekoppelt.


Also hat man keine Ahnung davon, wie der Ertragswert ermittelt wird.

Zitat (von Ganzprivat):
Der Liegenschaftszins zum Ertragswert würde ich daher vereinfacht zum jetztigen Bauzins und bald erreichbaren Opportunitskosten wie vorgeschlagen auf 3% setzten. Immo-Konzerne rechnen ja jetzt schon mit dem Finanzierungszins und kaufen nicht mehr alles, da man kaum noch mit Wertsteigerung rechnet.


Genauso wenig hat man Ahnung davon, wie der Liegenschaftszins ermittelt wird. Der Liegenschaftszins hängt übrigens sehr stark davon ab, in welcher Gegend sich die Wohnung befindet.

Zitat (von Ganzprivat):
Restnutzungsdauer ist für mich Kernsanierung alle 30-35J. Die wäre in 10-15J. fällig.


Und man hat auch keine Ahnung davon, wie die Restnutzungsdauer ermittelt wird. Wenn die letzte Kernsanierung 20 Jahre zurück liegt, dann würde ich die Restnutzungsdauer auf 40-50 Jahre schätzen. Je nachdem, was man genau unter Kernsanierung versteht, können es vielleicht auch nur 30 Jahre sein.

Eine Restnutzungsdauer von 10-15 Jahren würde bedeuten, dass die Immobilie dann unbenutzbar, also abbruchreif ist.

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