Übertragung Nachteile?

20. Oktober 2023 Thema abonnieren
 Von 
Ricarda3
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Übertragung Nachteile?

Hallo,

der Wunsch meiner Eltern ist, nach Möglichkeit bis zu ihrem Tod in ihrem Haus zu wohnen, ggf. unterstützt von einer 24-h-Pflegekraft, falls das nötig sein sollte. Einen Heimaufenthalt möchten sie vermeiden.

Aus Sorge, dass die Immobilie für entstehende Pflegekosten eingesetzt werden muss, möchten Sie das Haus vor ihrem Tod auf meinen Bruder und mich übertragen.
Wir haben uns daher anwaltlich beraten lassen. Der Anwalt schlug statt einer Schenkung eine Übertragung vor. Dabei soll dem Wert der Immobilien gegengerechnet werden, dass wir unsere Eltern unterstützen (Pflegeverpflichtung, im Rahmen, wie wir sie bisher schon leisten), dass sie das Haus wie bisher nutzen können (potentielle Miete) etc. Ein Rücktrittsrecht soll eingeräumt werden
Vorteil gegenüber einer Schenkung soll sein, dass die Übertragung nicht z. B. von einem Heimträger widerrufen werden kann.
Die Möglichkeit der Schenkung war mir bekannt, die Übertragung kannte ich noch nicht.

Gibt es irgendwelche Nachteile bei einer Übertragung?
Gibt es etwas zu bedenken?
Wer kommt für notwendige Hausrenovierungen/-sanierungen auf?
Fallen Steuern an?

Viele Grüße
Ricarda

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47263 Beiträge, 16740x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
Vorteil gegenüber einer Schenkung soll sein, dass die Übertragung nicht z. B. von einem Heimträger widerrufen werden kann.


Woraus sollte sich das ergeben?

Ein anderer Begriff für eine Übertragung ist gemischte Schenkung, d.h. es erfolgt zwar eine Gegenleistung, jedoch ist die deutlich geringer als der Wert der Immobilie.

Zitat (von Ricarda3):
Die Möglichkeit der Schenkung war mir bekannt, die Übertragung kannte ich noch nicht.


Die Übertragung ist ein Sammelbegriff. Sowohl bei einer Schenkung als auch bei einem Verkauf erfolgt eine Übertragung der Immobilie.

Zitat (von Ricarda3):
Gibt es irgendwelche Nachteile bei einer Übertragung?


Die Beantwortung dieser Frage erübrigt sich daher.

Zitat (von Ricarda3):
Wer kommt für notwendige Hausrenovierungen/-sanierungen auf?


Der Eigentümer.

Zitat (von Ricarda3):
Fallen Steuern an?


Wahrscheinlich nicht.

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#2
 Von 
gerlind
Status:
Schüler
(381 Beiträge, 29x hilfreich)

@hh
Mich interesiert das Thema auch.

Es gibt also rechtlich keinen Unterschied zwischen einer Übertragung und einer Schenkung??

Danke für erweiterte Erkärung.


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#3
 Von 
Ricarda3
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von hh):
Zitat (von Ricarda3):
Vorteil gegenüber einer Schenkung soll sein, dass die Übertragung nicht z. B. von einem Heimträger widerrufen werden kann.


Woraus sollte sich das ergeben?

Ein anderer Begriff für eine Übertragung ist gemischte Schenkung, d.h. es erfolgt zwar eine Gegenleistung, jedoch ist die deutlich geringer als der Wert der Immobilie.


Das war die Aussage des Anwalts.

Zitat (von hh):
Die Übertragung ist ein Sammelbegriff. Sowohl bei einer Schenkung als auch bei einem Verkauf erfolgt eine Übertragung der Immobilie.


Der Anwalt hat die Begriffe Schenkung und Übertragung gegenübergestellt. Nach Recherche im Internet ist mir auch klargeworden, dass in beiden Fällen eine Übertragung stattfindet. Gemeint ist also wohl eine Übertragung ohne Gegenleistung (Schenkung) und eine mit Gegenleistung (Pflegeverpflichtung ...).
Hier wüsste ich gerne, ob es Nachteile bei den Varianten gibt.

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#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47263 Beiträge, 16740x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
Das war die Aussage des Anwalts.


Das habe ich schon verstanden. Die halte ich aber in dieser Form für falsch.

Zitat (von Ricarda3):
Gemeint ist also wohl eine Übertragung ohne Gegenleistung (Schenkung) und eine mit Gegenleistung (Pflegeverpflichtung ...).


Und die Übertragung mit Gegenleistung nennt sich Kauf.

Und dann gibt es noch die Mischform, bei der die Gegenleistung deutlich geringer als der Wert der Immobilie ist. Das nennt man auch gemischte Schenkung und das ist hier gemeint. In allen Fällen erfolgt eine Übertragung.

Bei der gemischten Schenkung kann der Schenkungsanteil selbstverständlich auch nach § 528 BGB zurückgefordert werden.

Das wäre ja auch noch schöner, wenn das nicht ginge. Nehmen wir den Extremfall: Ich kaufe das Haus für 1€ und schon liegt keine (vollständige) Schenkung mehr vor und das Sozialamt kann nichts zurückfordern. Was meinst Du wohl, wie viele Häuser für 1€ von Eltern an ihre Kinder verkauft werden würden, wenn das ginge.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47263 Beiträge, 16740x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
ggf. unterstützt von einer 24-h-Pflegekraft, falls das nötig sein sollte.


Man sollte sich natürlich darüber im Klaren sein, dass die 24h-Fachkraft in jedem Fall aus eigenen Mitteln einschließlich Pflegegeld bezahlt werden muss. Das Sozialamt wird da nichts übernehmen.

Wenn man den Plan umsetzen kann und will, dann macht es somit gar keinen Sinn, das Haus zu Lebzeiten zu übertragen.

Das Sozialamt kommt erst ins Spiel, wenn es um einen Heimaufenthalt geht. Und dann haben die Eltern natürlich das Problem, dass das Sozialamt nur die notwendigen Kosten übernimmt. Wenn sie dann das Haus verkaufen könnten, hätten sie dagegen die Möglichkeit, ein höherwertiges Pflegeheim auszuwählen.

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#6
 Von 
Ricarda3
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Hinweise. Vielleicht lasse ich mich noch einmal von einem zweiten Anwalt beraten.

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#7
 Von 
cruncc1
Status:
Schlichter
(7963 Beiträge, 4488x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
Aus Sorge, dass die Immobilie für entstehende Pflegekosten eingesetzt werden muss, möchten Sie das Haus vor ihrem Tod auf meinen Bruder und mich übertragen.

So "funktioniert" das nicht. Man kann sein Vermögen nicht verschenken um dann Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Das Sozialamt kann die Schenkung 10 Jahre nach Bedürftigkeit der Eltern zurückfordern.

Das kann man natürlich vermeiden, in dem man die Pflegekosten übernimmt. :wink:

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Ricarda3
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):
So "funktioniert" das nicht. Man kann sein Vermögen nicht verschenken um dann Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Das Sozialamt kann die Schenkung 10 Jahre nach Bedürftigkeit der Eltern zurückfordern.

Das kann man natürlich vermeiden, in dem man die Pflegekosten übernimmt.


Ich weiß, das habe ich ja oben geschrieben. Der Anwalt will das mit der "Übertragung mit Gegenleistung" (so nenne ich das jetzt mal in Abgrenzung zur reinen Schenkung) eben verhindern.

Es ist jetzt auch keine Villa, mit der ein mehrjähriger Aufenthalt in einem besseren Pflegeheim realisiert werden könnte. Man kann es natürlich schxxx finden, wenn man sich Pflegekosten ersparen möchte. Man kann es aber auch genauso schxxx finden, wenn jeder Pfennig zurückgelegt wird, um ein Haus zu finanzieren (und so war es tatsächlich) und man dann nicht besser gestellt ist als jemand, der das Geld munter ausgegeben hat.

Wie auch immer, das Pflegeheim soll es ohnehin nicht werden (aber man weiß ja nie, was kommt). Und klar muss auch eine 24-Stunden-Kraft bezahlt werden. Es ist auch noch Geld vorhanden, aber meinen Eltern ist es wichtig, dass das Haus in der Familie erhalten bleibt.

Wie schon geschrieben, ich werde mir wohl eine zweite anwaltliche Meinung einholen.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47263 Beiträge, 16740x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
Es ist jetzt auch keine Villa, mit der ein mehrjähriger Aufenthalt in einem besseren Pflegeheim realisiert werden könnte.


Die Eltern bekommen Rente und Pflegegeld. Damit kann schon ein erheblicher Teil der Heimkosten bezahlt werden.

Bei einem ganz normalen Einfamilienhaus ist man schnell bei einem Wert von 200.000€, in Großstädten auch deutlich mehr.

Wenn man annimmt, dass ein Zuschuss aus eigenem Vermögen in Höhe von 2.000€ erforderlich ist, dann kommt man damit 100 Monate hin.

Die durchschnittliche Dauer eines Heimaufenthaltes beträgt jedoch nur 27 Monate.

Richtig ist, dass man mit einer gemischten Schenkung die Kostenbeteiligung begrenzen kann. Aber selbst wenn der Schenkungsanteil nur 100.000€ beträgt, so reicht er für die Zahlung durchschnittlicher Heimkosten aus.

Der Anwalt hat übrigens Recht damit, dass das Haus selbst nicht zurückgefordert werden kann. Vielmehr kann eine Geldleistung bis zur Höhe des Schenkungsanteils zurückgefordert werden.

Folgende Dinge sollte man auch bedenken:
1. Wenn ein Kind sich bereit erklärt, die Pflege in einem Umfang zu übernehmen, dass ein Heimaufenthalt vermieden wird, dann haben die Eltern keine Möglichkeit mehr, dieses Kind mit einem höheren Erbteil zu belohnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern bei entsprechender Pflegebedürftigkeit ins Heim müssen steigt nach meiner Einschätzung daher in der Praxis, wenn so ein Vertrag abgeschlossen wird.

2. Wenn das Haus nach dem Tod der Eltern von einem Kind oder einem Enkel übernommen werden soll, dann fällt Grunderwerbsteuer an, wenn das Haus zu Lebzeiten an zwei Kinder übertragen wurde. Wenn es aus einem Erbe heraus übertragen wird, dann jedoch nicht.

Zitat (von Ricarda3):
Wie schon geschrieben, ich werde mir wohl eine zweite anwaltliche Meinung einholen.


Rein juristisch betrachtet war die Antwort des Anwaltes richtig, wenn man die Frage gestellt hat, wie man die Rückforderung des Hauses.vermeiden kann.

Auch sollte man bedenken, dass man eine umfassende Beratung mit dem Abklopfen sämtlicher Vor- und Nachteile im Rahmen einer Erstberatung für 200€ nicht erwarten kann.

Zitat (von Ricarda3):
aber meinen Eltern ist es wichtig, dass das Haus in der Familie erhalten bleibt.


Das kann ich gut nachvollziehen. Dann muss man sich aber mit der Tatsache auseinandersetzen, dass eventuell anfallende Pflegekosten irgendwie aus der Familie heraus bezahlt werden müssen. Dabei kann eine lebzeitige Übertragung der Immobilie durchaus die eine oder andere Option ausschließen.

Was soll denn mit dem Haus nach dem Tod der Eltern überhaupt passieren? Gibt es dazu schon Gedanken? Die Überlegung ist nämlich wichtig für die Frage wie sinnvoll eine lebzeitige Schenkung an beide Kinder ist.




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#10
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16302 Beiträge, 9229x hilfreich)

Die ganze Diskussion ist doch halbwegs müßig.
Das Sozialamt übernimmt sowieso nicht die Kosten für eine 24h-Pflegekraft.
Deshalb wird das Sozialamt überhaupt nichts fordern, so lange die Pflege durch Angehörige erledigt wird oder durch eine von den Angehörigen finanzierten 24h-Pflegekraft.
Hauptaugenmerk sollte also nicht auf die Immobilienfrage gelegt werden, sondern auf folgende Fragen:
- wie lange kann die Pflege von Angehörigen in Eigenleistung erbracht werden?
- Wenn eine 24h-Pflegekraft nötig wird, wie viel von den Kosten wäre von Rente und Pflegeversicherung gedeckt und wie viel müssen die Eltern aus eigenen Ersparnissen "dazubuttern".
- Wie lange würden die Ersparnisse der Eltern reichen, um den Kostenanteil, der nicht von Rente und Pflegeversicherung gedeckt ist, zu finanzieren?
- Wenn die Ersparnisse der Eltern aufgebraucht sind, können die Angehörigen den Kostenanteil aufbringen?

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3443 Beiträge, 546x hilfreich)

Zitat (von Ricarda3):
Und klar muss auch eine 24-Stunden-Kraft bezahlt werden.

Und diese 24 Stunden Kraft hat eine 40 Stundenwoche, die 2 freien Tage, sowie alles was über die 8 Stunden täglich hinausgeht muss von der Familie abgedeckt werden.
Nimmt man eine deutsche Agentur, soll es einen kleinen Zuschuss geben.
Müssen beide versorgt werden, steigt der Preis und man sollte immer einkalkulieren, dass sind keine Pflegekräfte sondern eher Haushaltshilfen. Häufig muss ein Pflegedienst kommen, dann ist es eine Kombipflege und ein Großteil des Pflegegeldes bekommt man dann nicht mehr ausgezahlt.
Zitat (von hh):
Die Eltern bekommen Rente und Pflegegeld. Damit kann schon ein erheblicher Teil der Heimkosten bezahlt werden.

Bei einem Heimaufenthalt geht das Pflegegeld direkt ans Heim. Ein Pflegeheimplatz liegt zwischen 4 und 5 000 €
Der Eigenteil beträgt je nach Bundesland für eine Person zwischen 2400 und 3400 €.
Ab dem 2. Jahr reduziert sich der Eigenanteil weil dann die Pflegekasse mehr bezahlt, allerdings wenn die Heimkosten steigen, bleibt alles wie es war.
Zitat (von Ricarda3):
Dabei soll dem Wert der Immobilien gegengerechnet werden, dass wir unsere Eltern unterstützen (Pflegeverpflichtung, im Rahmen, wie wir sie bisher schon leisten)

Es kommt doch drauf, welcher Rahmen derzeit besteht.
Bei Pflegegrad 5 ist das Vollpflege.
Und bringen sich beide Geschwister gleich ein? Da könnte Streit vorprogrammiert sein.
Es kommt auf das Alter der Eltern an. Wenn sie schon sehr alt sind, könnte es mit der 10 Jahresfrist nicht klappen.
Dann könnte doch alles so bleiben wie es derzeit ist. Die Hauskosten müssen sie weitertragen wie bisher.

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