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Urkunden für Erbschein?

11.10.2021 Thema abonnieren
 Von 
Isoldium
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)
Urkunden für Erbschein?

Hallo alle!

Eine ferne Verwandte ist gestorben und ich stehe jetzt als Alleinerbin da. Welche Urkunden müsste ich für den Erbschein vorlegen, wenn meine Verwandte die Cousine meines Vaters war?

So wie ich § 352 FamFG verstanden habe, muss ich folgende Geburtsurkunden vorlegen: ich, mein Vater, mein Opa, sein Bruder, mein Ur-Opa, und von der Erblasserin selbst. Todesurkunde von der Erblasserin liegt schon vor.


Das Nachlassgericht hat mir aber eine Liste gegeben mit den Namen von 20 weiteren Verwandten, deren Urkunden ich beschaffen muss, sonst wird mir den Erbschein nicht ausgestellt. lnsgesamt wäre es über 30 Geburts- und Sterbeurkunden, die ich beim Standesamt oder Stadtsarchiv beantragen müsste, u.a. auch einigen aus dem 19. Jahrhundert. Jede Urkunde kostet 12 Euro, was zusammen ca. 360 Euro kosten würde (mehr als der Nachlasswert!). Als ich die Erbschaft angenommen hatte, hat mir keiner gesagt, dass ich solche Urkunden beschaffen muss. Sonst hätte ich wahrscheinlich ausgeschlagen.

Meine finanzielle Lage ist knapp zur Zeit. Auch wenn ich es wollte, könnte ich mir nicht leisten, alle Urkunden auf einmal zu beschaffen. Das Nachlassgericht sagt, ich darf den Antrag gegen eine 20 Euro Gebühr zurückziehen. Wenn ich weder zurückziehe noch die Urkunden vorlege, werden Gebühren wegen Nichtbeibringung anfallen (wie hoch sie sind wurde mir nicht gesagt -- nur, dass sie die Rücknahmegebühren übersteigen würden). 20 Euro ist jetzt nicht viel, aber den Erbschein müsste ich vermutlich irgendwann beantragen.


Ist diese Liste von Namen rechtens? Auf der Liste stehen zum Beispiel meine Tanten, die Geschwister meiner Groß- und Ur-Großeltern, die Ur-Ur-Großeltern der Erblasserin mütterlichseits und die Tanten und Onkels der Erblasserin. Auf dem Antrag selbst, den ich unterzeichnet habe, steht nur, dass ich die "notwendigen Urkunden" vorlegen muss. Die Liste wurde mir separat ausgehändigt.

Wenn ich mir die Urkunden nicht leisten kann und auch nicht anderweitig beschaffen kann, was für weitere Beweismittel könnte man dann verwenden? Oder würdet ihr einfach die Rücknahme des Antrags empfehlen?

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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Ballivus
Status:
Praktikant
(934 Beiträge, 232x hilfreich)

Man muss die Existenz (Geburtsurkunden) und den Wegfall (Sterbeurkunden) all derjenigen Personen nachweisen, die einem in der Erbfolge vorgehen bzw. den eigenen Erbteil mindern würden.
Bei weit entfernt Verwandten sind 20 Urkunden nicht selten. Hatte auch schon Fälle mit über 50.

Zitat (von Isoldium):
Als ich die Erbschaft angenommen hatte, hat mir keiner gesagt, dass ich solche Urkunden beschaffen muss. Sonst hätte ich wahrscheinlich ausgeschlagen.

Du musst die auch nicht beschaffen. Außer du willst den Erbschein. Aber das ist deine freie Abwägung.

Zitat (von Isoldium):
aber den Erbschein müsste ich vermutlich irgendwann beantragen.

Warum müssen? Wofür?

Zitat (von Isoldium):
Ist diese Liste von Namen rechtens?

:???:
Zitat (von Isoldium):
Auf der Liste stehen zum Beispiel meine Tanten, die Geschwister meiner Groß- und Ur-Großeltern, die Ur-Ur-Großeltern der Erblasserin mütterlichseits und die Tanten und Onkels der Erblasserin. Auf dem Antrag selbst, den ich unterzeichnet habe, steht nur, dass ich die "notwendigen Urkunden" vorlegen muss. Die Liste wurde mir separat ausgehändigt.

Das ist dann ein netter Gefallen vom Sachbearbeiter. Er könnte auch einfach warten bis du wiederkommst und dann sagen, dass noch was fehlt und immer so weiter. Jetzt weisst du wenigestens was verlangt wird,

Bei den ganz alten Personen, die wenn sie noch leben würden, sagen wir mal 110 Jahre aufwärts wären kann man versuchen auf die Urkunden zu verzichten, da der Wegfall offenkundig sein dürfte.

Zitat (von Isoldium):
Wenn ich mir die Urkunden nicht leisten kann und auch nicht anderweitig beschaffen kann, was für weitere Beweismittel könnte man dann verwenden?

Keine, es ist ein Urkundsverfahren.

Zitat (von Isoldium):
Oder würdet ihr einfach die Rücknahme des Antrags empfehlen?

Wenn die Kosten der Urkunden den Wert des Nachlasses übersteigen, ja.

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#2
 Von 
Isoldium
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Gut zu wissen dass ich da nicht alleine bin mit +20 Urkunden! xD Bei +50 Urkunden, da würde ich ganz schön ins Schwitzen kommen lol alleine vom Arbeitsaufwand her.

Mit der Frage, ob die Liste rechtens ist, meinte ich ob das Nachlassgericht wirklich so viele Geburts- und Sterbeurkunden auffordern darf -- und scheinbar ist die Antwort "ja", wenn die Verwandten, wie du sagst, Vorrang in der Erbfolge hätten, aber ausgeschlagen haben bzw. schon gestorben sind.

Es sind zwei dabei, die vor 110 Jahren geboren sind (nämlich in den 1890er), und mehrere, die vor mehr als 30 Jahre gestorben sind. Ich kann nochmals nachfragen, ob das Gericht wirklich ihre Urkunden noch braucht, denn beim Nachfragen beim Stadtsarchiv heute wurde mir gesagt, dass die Beschaffung eine Weile dauern könnte.

Den Erbschein bräuchte ich wegen einem Grundstück. Meine verstorbene Verwandte besass ein Anteil eines Grundstück, der irgendwann in Zukunft verkauft wird. Ich hatte deshalb den Erbschein überhaupt beantragt, weil die Miteigentümer des Grundstücks mir gesagt hatten, dass sie einen Käufer gefunden haben. Dann hat der Käufer sich zurückgezogen und seitdem bewegt sich nichts mehr. Das Grundstück ist auch in einer schlechter Lage und hat einen sehr niedrigen Wert. Einen neuen Käufer zu finden wird schwierig sein.

Meine Freunde meinten, ich sollte ausschlagen, aber soweit ich weiß darf man nur bis zum Ausschlagfrist die Erbschaft ausschlagen; wenn man die Erbschaft schon angenommen hat, darf man nicht mehr zurücktreten.

Ich erwäge es echt, den Antrag zurückzunehmen. Wenn es um den vielen Urkunden nicht drumherum geht, dann würde mich den Erbschein mehr kosten als den Erlös ausm Grundstücksverkauf. Wird in Zukunft doch ein Verkauf oder Schenkung des Grundstücks stattfinden, kann ich dann einen neuen Antrag machen. Die Urkunden werden bis dahin nicht leichter zu beschaffen sein, aber ich muss dann zumindest keine 200-300 Euro jetzt ausgeben für etwas, was ich gerade nicht brauche.

(ich werde bis dahin trotzdem aus Neugier Infos über einigen Vorfahren herausfinden, zumindest wo sie geboren bzw verstorben sind; ich könnte nach und nach Urkunden beschaffen, und dann wenn ich den Antrag nochmals stellen will, habe ich dann die ganzen Urkunden parat. Da würde sich sicherlich das Nachlassgericht dann freuen nicht mehr warten zu müssen lol)

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