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Wohnung geerbt, muss ich jetzt schon die Steuern zahlen? (Sonderfall)

 Von 
erbfrage9999
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Wohnung geerbt, muss ich jetzt schon die Steuern zahlen? (Sonderfall)

Hallo,

ich habe als Alleinstehende Lebensgefährtin von meinen ehemaligen Freund geerbt.
Es war ein sehr hohes fünfstelliges Vermögen. Die Steuern hierzu habe ich direkt nach den Bescheid auch an das Finanzamt überwiesen.

Nun hat mich das Finanzamt jedoch noch einmal angeschrieben. Ich habe wohl auch eine Wohnung geerbt. Nach ganz langen Suchen haben wir auch das Grundbuch dazu gefunden. Jedoch steht mein verstorbener Freund dort nur als "vorgemerkt" drin. Wir wissen wo die Eigentumswohnung sich befindet. Jedoch wissen wir nicht wer da wohnt, wo jahrelang die Miete hin überwiesen wurde, wer die Hausverwaltung ist. Wir haben absolut keine Informationen über diese Wohnung. Ich weiß von meinen Freund, das die Wohnung bezahlt ist- vollständig. Ich weiß auch, das er sich nie darum gekümmert hat. Ich weiß auch nicht woher er die Wohnung hat. Was uns stutzig macht, das er im Grundbuch nur als "Vorgemerkt" drin steht. Sonst niemand. Nun will das Finanzamt die Wohnung schätzen lassen (wie wissen wir nicht, da wir selbst wie gesagt nichts von dieser Wohnung wissen) und ich soll dann Steuern darauf zahlen. Wir haben den Finanzamt bereits mitgeteilt das wir nichts von dieser Wohnung wissen und mein verstorbener Freund nur als vorgemerkt im Grundbuch drin steht. Das ist dem Finanzamt aber egal. Die wollen die Wohnung nun schätzen lassen und ihr Geld.

Wie würdet ihr in dieser Situation vorgehen bzw. euch verhalten? Mir kommt das alles sehr komisch vor.
Der Notar der damals mit unterschrieben hat, weiß laut seiner Aussage absolut nichts mehr von der Wohnung und der ganzen Sache. Im Internet ist er leider auch nicht gut bewertet. Wir vermuten da nichts gutes.

Wir waren auch schon einmal bei der Wohnung. Ich weiß das widerspricht sich mit der Aussage, das wir nicht wissen ob dort noch jemand wohnt, aber es hängt tatsächlich ein Klingelschild. Nur sind die Fenster nicht mit z.B. Gardinen bedeckt und die Tür öffnet auch niemand. Wir wollten nun als nächstes die Nachbarschaft fragen, wer die Hausverwaltung des Gebäudes ist. Ein Schild hing leider nirgendwo aus. Jedoch haben wir dann wiederum angst, das die Hausverwaltung die Miete "verschwinden" lässt (falls diese die Miete überhaupt empfangen hat). Denn: mein verstorbener Freund hat definitiv kein anderes Konto mehr. Wir sind alle Kontoauszüge durch gegangen, Miete hat er auch nie empfangen. Und wir wissen ja, das er sich nie um diese Wohnung gekümmert hat. Das ganze ist einfach alles sehr unschlüssig.

Wir wollen nun aber auch nicht unbedingt Steuern zahlen bevor wir wissen ob uns bzw. mir die Wohnung überhaupt gehört. Wir wissen auch nicht, wie das Finanzamt den Wert schätzen möchte. Wenn die mehr schätzen als die Wohnung wert ist, müssen wir ja auch automatisch mehr Steuern zahlen.

Wir (Freunde die mir helfen) und ich, benötigen wirklich Tipps und Hilfe. Da die ganze Sache einfach so untransparent ist, bin ich damit leicht überfordert da ich nicht weiß was richtig oder falsch wäre.

Vielen Dank für Eure Hilfe. Ich beantworte Eure Fragen für eine genauere Antwort zeitnah.

Liebe Grüße
R.

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Wohnung Grundbuch Geld


6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
essey
Status:
Schüler
(220 Beiträge, 57x hilfreich)

Normalerweise bedeutet dieses "vormerken" z.b das es einen Vertrag gibt über einen Kauf.
Wenn man ein Grundstück oder Haus kauft, wird man ja nicht sofort und direkt nach unterschreiben des Kaufvertrages ins Grundbuch eingetragen.

In dem Falle z.b wird man als Eigentümer eingetragen, sobald die Kaufsumme geflossen ist.
Die Vormerkung dient z.b. das jeder der reinschaut weiss, das sich alles in der Abwicklung befindet.

Nach Zahlung des Kaufpreise ( oder anderweitiger Absprachen, die der Grund für den Eigentümerwechsel ist ), wird die Vormerkung gelöscht und der neue Eigentümer eingetragen.

Wenn ihr den Notarvertrag habt, müsstet ihr ja alles aus den entnehmen können.
Und wenn alles bezahlt wurde dann steht der Eintragungs in Grundbuch nichts im Wege.

Da allerdings der Freund verstorben ist, kann er nicht mehr ins Grundbuch geschrieben werden.
An diese Stelle treten sie nun als Erbe.

Merkwürdig finde ich nur, das weder Miete auf das Konto gegangen ist, noch sogenanntes Hausgeld und weitere Kosten dort ersichtlich sind.

Wohnt dort evtl. jemand, der laut Notarvertrag Niessbrauchsrecht oder ähnliches hat und auch sämtliche anfallenden Kosten zahlt und dafür im Gegenzug keine Miete zahlt?

Dies würde es evtl. erklären.
Da ja nur vorgemerkt im Grundbuch steht, kann auch das Niessbrauchsrecht auch dort noch nicht drin stehen.

Dies müsste wie gesagt alles im Notarvertrag stehen.

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#2
 Von 
erbfrage9999
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von essey):
Normalerweise bedeutet dieses "vormerken" z.b das es einen Vertrag gibt über einen Kauf.
Wenn man ein Grundstück oder Haus kauft, wird man ja nicht sofort und direkt nach unterschreiben des Kaufvertrages ins Grundbuch eingetragen.

In dem Falle z.b wird man als Eigentümer eingetragen, sobald die Kaufsumme geflossen ist.
Die Vormerkung dient z.b. das jeder der reinschaut weiss, das sich alles in der Abwicklung befindet.

Nach Zahlung des Kaufpreise ( oder anderweitiger Absprachen, die der Grund für den Eigentümerwechsel ist ), wird die Vormerkung gelöscht und der neue Eigentümer eingetragen.

Wenn ihr den Notarvertrag habt, müsstet ihr ja alles aus den entnehmen können.
Und wenn alles bezahlt wurde dann steht der Eintragungs in Grundbuch nichts im Wege.

Da allerdings der Freund verstorben ist, kann er nicht mehr ins Grundbuch geschrieben werden.
An diese Stelle treten sie nun als Erbe.

Merkwürdig finde ich nur, das weder Miete auf das Konto gegangen ist, noch sogenanntes Hausgeld und weitere Kosten dort ersichtlich sind.

Wohnt dort evtl. jemand, der laut Notarvertrag Niessbrauchsrecht oder ähnliches hat und auch sämtliche anfallenden Kosten zahlt und dafür im Gegenzug keine Miete zahlt?

Dies würde es evtl. erklären.
Da ja nur vorgemerkt im Grundbuch steht, kann auch das Niessbrauchsrecht auch dort noch nicht drin stehen.

Dies müsste wie gesagt alles im Notarvertrag stehen.

Hallo,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Genau, er steht nur als vorgemerkt im Grundbuch drin. Wir wissen mittlerweile, das es auch drei kleine Kredite auf die Wohnung gab. Diese hat er aber schon abgelöst. Das haben wir von der Bank schriftlich.

Ok, vermutlich werde ich als Erbin dann ins Grundbuch vollständig eingetragen.
Den Kaufvertrag haben wir bisher noch nicht gefunden. Das ganze Grundbuch ist m.M.n. sehr mysteriös.

Würde es sich lohnen evtl. mal die Hausverwaltung aufzusuchen? Aber was wäre wenn diese nicht kooperieren?

Und vor allem, wie möchte das Finanzamt der Wohnung überprüfen? Wir kommen ja selbst nicht mal rein.
Wir haben mittlerweile angst, das mein Freund einfach betrogen wurde und er einfach gar nicht der Inhaber dieser Wohnung ist. Über den Notar findet man nur schlechtes im Internet. Die Auszüge die wir vom Grundbuch gefunden haben, sehen unvollständig aus.

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#3
 Von 
Ballivus
Status:
Schüler
(257 Beiträge, 66x hilfreich)

Zitat (von erbfrage9999):
Das ganze Grundbuch ist m.M.n. sehr mysteriös.

Inwieweit soll denn das Grundbuch mysteriös sein?
In Abteilung I wird ein Eigentümer drinstehen und Ihr verstorbener Lebensgefährte als Vormerkungsberechtigter in Abteilung II.

Zitat (von erbfrage9999):
Würde es sich lohnen evtl. mal die Hausverwaltung aufzusuchen?

Welche Informationen versprechen Sie sich davon? Die Hausverwaltung ist i.d.R. nur für die Verwaltung zuständig. Eigentümer wird wohl jemand anderes sein. Das erfahren Sie jedoch aus dem Grundbuch.
Im Zweifel weiss die Hausverwaltung gar nicht, dass der Erblasser einen Kaufvertrag hinsichtlich der Wohnung abgeschlossen hat.

Zitat (von erbfrage9999):
Und vor allem, wie möchte das Finanzamt der Wohnung überprüfen? Wir kommen ja selbst nicht mal rein.

Das Finanzamt sucht natürlich nicht die Wohnung auf. Es wird wahrscheinlich ein Vergleich mit anderen Wohnungen in der Gegend vorgenommen.

Zitat (von erbfrage9999):
Wir haben mittlerweile angst, das mein Freund einfach betrogen wurde und er einfach gar nicht der Inhaber dieser Wohnung ist.

Es steht gar nicht zur Debatte, dass Ihr Lebensgefährte Eigentümer der Wohnung geworden ist.
Zum Erwerb von Grundeigentum bedarf es einer Einigung und einer Eintragung in das Grundbuch. An letzterem fehlt es offensichtlich.
Der Erblasser könnte allenfalls den Anspruch auf Übertragung des Eigentums an Sie vererbt haben. Diesen können Sie dann geltend machen.

Zitat (von erbfrage9999):
Die Auszüge die wir vom Grundbuch gefunden haben, sehen unvollständig aus.

Dann fordern Sie eine vollständigen Auszug beim zuständigen Grundbuchamt an.
Edit: Fügen Sie eine Abschrift Ihres Erbscheins anbei bzw. wenn vorhanden eine Abschrift des öffentlichen Testaments nebst Eröffnungsprotokoll.

-- Editiert von Ballivus am 21.08.2020 15:21

-- Editiert von Ballivus am 21.08.2020 15:31

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#4
 Von 
erbfrage9999
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Ballivus):
Zitat (von erbfrage9999):
Das ganze Grundbuch ist m.M.n. sehr mysteriös.

Inwieweit soll denn das Grundbuch mysteriös sein?
In Abteilung I wird ein Eigentümer drinstehen und Ihr verstorbener Lebensgefährte als Vormerkungsberechtigter in Abteilung II.

Hallo, es steht nur mein Freund drin und auch nur als vorgemerkt. Sonst steht dort absolut kein anderer Name oder Eigentümer. Auch nicht von wem die Wohnung gekauft wurde.

Zitat (von erbfrage9999):
Würde es sich lohnen evtl. mal die Hausverwaltung aufzusuchen?

Welche Informationen versprechen Sie sich davon? Die Hausverwaltung ist i.d.R. nur für die Verwaltung zuständig. Eigentümer wird wohl jemand anderes sein. Das erfahren Sie jedoch aus dem Grundbuch.
Im Zweifel weiss die Hausverwaltung gar nicht, dass der Erblasser einen Kaufvertrag hinsichtlich der Wohnung abgeschlossen hat.

Ich erhoffe mir, das evtl. die die Hausverwaltung einen Mietvertrag o.ä. hat, worin zumindest die IBAN vermerkt ist und der Empfänger.

Zitat (von erbfrage9999):
Und vor allem, wie möchte das Finanzamt der Wohnung überprüfen? Wir kommen ja selbst nicht mal rein.

Das Finanzamt sucht natürlich nicht die Wohnung auf. Es wird wahrscheinlich ein Vergleich mit anderen Wohnungen in der Gegend vorgenommen.

Ohje. Das schwankt dort sehr stark.

Zitat (von erbfrage9999):
Wir haben mittlerweile angst, das mein Freund einfach betrogen wurde und er einfach gar nicht der Inhaber dieser Wohnung ist.

Es steht gar nicht zur Debatte, dass Ihr Lebensgefährte Eigentümer der Wohnung geworden ist.
Zum Erwerb von Grundeigentum bedarf es einer Einigung und einer Eintragung in das Grundbuch. An letzterem fehlt es offensichtlich.
Der Erblasser könnte allenfalls den Anspruch auf Übertragung des Eigentums an Sie vererbt haben. Diesen können Sie dann geltend machen.

Zitat (von erbfrage9999):
Die Auszüge die wir vom Grundbuch gefunden haben, sehen unvollständig aus.

Dann fordern Sie eine vollständigen Auszug beim zuständigen Grundbuchamt an.
Edit: Fügen Sie eine Abschrift Ihres Erbscheins anbei bzw. wenn vorhanden eine Abschrift des öffentlichen Testaments nebst Eröffnungsprotokoll.

Danke, was werden wir als nächstes versuchen.

-- Editiert von Ballivus am 21.08.2020 15:21

-- Editiert von Ballivus am 21.08.2020 15:31

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#5
 Von 
cruncc1
Status:
Senior-Partner
(6124 Beiträge, 3858x hilfreich)

Zitat:
Hallo, es steht nur mein Freund drin und auch nur als vorgemerkt. Sonst steht dort absolut kein anderer Name oder Eigentümer.

In einem Grundbuch steht immer der Eigentümer. Man sollte sich mal einen aktuellen Grundbuchauszug besorgen.

P.S: Bitte nicht auf "zitieren" klicken, sondern nur auf "antworten".

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#6
 Von 
Loni12
Status:
Praktikant
(914 Beiträge, 164x hilfreich)

Zitat (von cruncc1):

In einem Grundbuch steht immer der Eigentümer. Man sollte sich mal einen aktuellen Grundbuchauszug besorgen.

Wir hatten den Fall in der Familie, da wurde ein falscher Name ins Grundbuch eingetragen. Das Haus gehörte 2 Personen, als eine starb wurde einfach der Name welcher die andere Hälfte gehörte eingetragen.

Durch Zufall wollte der nicht eingetragene Eigentümer einen Grundbuchauszug und sah den Fehler, selbiger wurde rasch vom Grundbuchamt bereinigt.

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