Vorgehen bei etwaiger Form von Kindesentführung

19. August 2014 Thema abonnieren
 Von 
starcatcher
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 2x hilfreich)
Vorgehen bei etwaiger Form von Kindesentführung

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich in diesem Forum nun richtig bin oder ob ich doch eher Familienrecht hätte wählen sollen.

Meine Lebensgefährtin (seit gut 1,5 Jahren) ist Kambodschanerin bzw. Vietnamesin (sie hat beide Staatsangehörigkeiten). Mit einem Engländer hat sie einen Sohn.

Mit diesem Mann lebte sie in Kambodscha. Die Ereignisse überschlugen sich dann und es deutet einiges darauf hin, dass das Folgende geplant war. Sie wurde schwanger, aber er ging massiv fremd, was sie aber nicht mitbekam (nicht aktuell).

Nachdem der Sohn knapp zwei Jahre alt war, meinte er plötzlich, dass sein Großvater in England schwer krank sei und er seinen Sohn seinem Großvater schnell noch zeigen möchte, bevor der stirbt.

Dafür hatte sie sogar das ganze Gold verkauft (beim Gold geht es kulturell darum, dass es als eine Art Sicherheit an die Frau geht, dass diese versorgt ist, falls dem Mann was zustößt. Es war also ein Mittel, eine ernsthafte Beziehung vorzuspielen oder darzustellen), das er ihr in den Jahren zuvor gekauft hatte, weil er vermeintlich nicht einmal das Geld für das Ticket hatte. Jedenfalls war eine Vollmacht von meiner Lebensgefährtin notwendig.

Nur kann man hier nicht unser Verständnis für die Vorgehensweise nutzen. Sie hat leichtsinnig etwas unterschrieben, was sie nicht einmal lesen konnte. Wobei sie eigentlich nicht einmal schreiben kann, also nur etwas gekritzelt. Es sollte eine befristete Zustimmung sein.

Mündlich war jedenfalls ebenso vereinbart, dass ihr Sohn mit ihm nach ein paar Monaten zurückkommen solle. Doch bereits nach der Ankunft in England fing er stattdessen an, mal 50 Dollar, mal nichts, mal 100 Dollar zu schicken - als angeblichen "Unterhalt" und lies sie auch nicht mehr direkt mit ihrem Sohn reden. Für mich sieht es heute eher so aus, als ob er sie ruhig halten wolle.

Jedenfalls hat sie dann begonnen, sich umzuhören und sie fand heraus, dass er es nie ernst meinte. Stattdessen aber in sämtlichen Etablissements bestens bekannt war. Sie forderte ihn auf, ihren Sohn zurückzubringen. Aber er reagierte überhaupt nicht darauf.Gespräche und SMS drehen sich nur um ihm oder er beschimpft sie, dass es überhaupt um ein Kind geht, nicht ein Wort von ihm - als ob es keins gäbe.

Ich lernte sie bereits in dieser Zeit kennen, einige Zeit später kamen wir zusammen. Auch ich versuchte ihn damals davon zu überzeugen, dass er das regeln muss. Aber er ging überhaupt nicht darauf ein, beschimpfte stattdessen sie mit wirklich üblen Wörtern.

Letztendlich schrieb er, sie solle ihn in Ruhe lassen, weil er schwer erkrankt sei (Krebs) und womöglich sterben werde. Das war aber ein Grund mehr, dass er endlich alles regeln sollte, dass das Kind wieder zu seiner Mutter kann. Aber nach wie vor ging er nicht darauf ein. Nicht mit einem Wort.

Stattdessen stellte sich aber heraus, dass er auf einem sehr niedrigen sozialen Niveau ist. Irgendwann meinte er, dass er jetzt noch mal mit einer anderen Frau (in England) ein Kind bekomme. Wobei zu diesem Zeitpunkt schon klar war, dass er Beziehungen sehr oft wechselt. Eine dieser Frauen rief gar bei meiner Lebensgefährtin an (womögl. betrunken, ich kann es nicht anders einordnen), um in sehr vulgären Worten zum Ausdruck zu bringen, dass sie nun mit ihm schläft (wie gesagt, mit deutlich vulgärer Ausdrucksweise, die ich hier nicht wiedergeben möchte).

Ich will hier keinesfalls grundlos die sozialen Verhältnisse offenlegen. Aber das alles bringt uns natürlich zu dem Punkt, dass das wohl kein gutes Umfeld für das Kind ist. Ich hatte ihm Fristen gesetzt, die jetzt ohne Resonanz abgelaufen sind. Jetzt muss ich was unternehmen. Und zwar, weil das so nicht geplant und zugestimmt war, wegen Kindesentführung.

Nun weiß ich aber nicht genau, wie ich vorgehen soll. In England kann ich Anzeige erstatten, wenn diese Tat dort begangen wurde. Was ja wohl zutreffend ist, denn die Ausreise erfolgte ja unter der befristeten Zustimmung. Außerdem wäre die Polizei hier in Kambodscha absolut die falsche Adresse, weil die so schon nichts geregelt bekommen.

Ich habe nun in London eine NGO ausfindig gemacht, die sich mit Kindesentführung (u.a. durch Elternteile) beschäftigt. Nächstes Jahr wollen wir nach Europa gehen (zum Leben). Dabei sind ein paar Monate Aufenthalt in D geplant, in denen ich dann auch nach einem Anwalt geschaut hätte.

Ich kann aber nicht so lange warten. Ich muss irgendwas unternehmen, doch was wäre eine gute Vorgehensweise? Über eine NGO oder doch eine Online-Anzeige in der englischen Stadt (in der er laut vorhandener Passkopie zumindest damals) lebte?

Vielleicht hat jemand auch andere Adressen für mich. Wir wissen im Moment nicht einmal, wie er das in England geregelt hat. Denn auch dort ist für sämtliche Vorgänge (Kita, Kindergarten, Schule usw.) wohl die Zustimmung beider Elternteile notwendig. Wie, wen und was er dazu bei englischen Behörden angegeben haben könnte, wissen wir nicht.

Ich möchte mich schon jetzt für entsprechende Antworten bedanken. Das kreist die ganze Zeit in meinem Kopf und ich komm einfach nicht zu einer Vorgehensweise. Daher die Anfrage hier, bevor ich was "falsch" oder ungünstig mache. Dass es zeitlich so lange gezogen ist: ich musste ja auch zunächst einmal alles so rausfinden, wie es wirklich war, denn als wir uns kennenlernten, war ihr Englisch noch relativ schlecht. Alles war mit viel Fragen verbunden.



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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35985 Beiträge, 13461x hilfreich)

Eines steht fest, Deutschland ist unter keinen Umständen für irgend was zuständig. Wie wärs mit einem englischen Forum? Oder mit einem Anwalt in ihrem Heimatland, der sich auch im englischen Recht auskennt, der vielleicht auch weiss, wie die Abkommen zwischen England und Kambodscha sind?

wirdwerden

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-- Editiert wirdwerden am 19.08.2014 11:27

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
starcatcher
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo und danke für die Antwort.

Dass Deutschland oder in Deutschland selbst keine Zuständigkeit besteht, ist schon klar. Ich dachte halt, weil es Schengenraum ist, dass ich es aus organisatorischen Gründen über einen deutschen Anwalt machen könnte.

Oder dass es vielleicht Infos zu weiteren Organisationen gibt, die hier weiterhelfen könnten...

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1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35985 Beiträge, 13461x hilfreich)

Kein Land hat, was Kindesrecht angeht, seine Souveränität aufgegeben. Und kein deutscher Anwalt wird so einfach frei wissen, wie den englischen Vereinbarungen mit Kambodscha aussehen.

Und dass der Vater nicht auf ein Schreiben eines fremden Mannes reagiert, welcher Null-Rechte an dem Kind hat, das ist ja wohl nachvollziehbar.

Also, englischer oder kambodschanischer Anwalt, da ist die Mutter richtig aufgehoben. Ob sich allerdings nach so vielen Jahren der Untätigkeit noch was ändern lässt, und ob das im Interesse des Kindes ist, das können wir hier nicht abschätzen.

wirdwerden

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-- Editiert wirdwerden am 19.08.2014 11:53

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
starcatcher
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 2x hilfreich)

quote:
Und dass der Vater nicht auf ein Schreiben eines fremden Mannes reagiert, welcher Null-Rechte an dem Kind hat, das ist ja wohl nachvollziehbar.


Nein, natürlich immer im Namen der Mutter.

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1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35985 Beiträge, 13461x hilfreich)

Ändert aber nichts an meinen Ratschlägen, ein weder in England noch in Kambodscha (oder wo immer die Mutter lebt) zugelassener Anwalt wird gar nichts richten können und dürfen.


wirdwerden

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1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(107703 Beiträge, 38057x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Nein, natürlich immer im Namen der Mutter. <hr size=1 noshade>

Dazu hätte es wohl einer entsprechenden Bevollmächtigung durch die Mutter bedurft. Wurde diese dem Vater übergeben?



Ansonsten abwarten ob sich jemand hier meldet der entsprechnede Organisationen oder Anwälte kennt ...





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"Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB ."

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35985 Beiträge, 13461x hilfreich)

Die muss nicht übergeben werden. Vollmacht benötigt keine Formerfordernis. Und, der neue Lover schrieb doch selbst, er habe den Brief nur formuliert. Dies bedeutet, die Mutter hat ihn unterschrieben, und Ghostwriter benötigen nicht mal eine Vollmacht.

Hier geht es doch um ganz was anderes. Es geht doch darum, dass ein deutscher Anwalt für ein Kind, welches null Bezug zu Deutschland hat, in zwei Ländern auftreten soll, in denen er nicht auftreten darf. Es kann also in Deutschland (da dürfen deutsche Anwälte auftreten) überhaupt nichts gerichtet werden. Und woanders darf der deutsche Anwalt nicht.

wirdwerden

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