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Scheinselbstständigkeit vs. arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger bei nebenberuflicher Tätigkeit

 Von 
Cheeseman
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Scheinselbstständigkeit vs. arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger bei nebenberuflicher Tätigkeit

Liebes Schwarmwissen,

zu meiner Situation: ich arbeite zur Zeit auf einer 50%-Stelle und würde nebenberuflich gerne noch als Unternehmensberater tätig werden. Ich habe BWL studiert und bereits einige Jahre Berufserfahrung. Die beratende Tätigkeit soll maximal die zweiten 50% der Arbeitszeit ausfüllen und bewegt sich im Managementbereich.

Daraus resultierende Fragen:
* Ist hierfür grundsätzlich ein Gewerbe notwendig oder reicht eine freiberufliche Tätigkeit (/Anmeldung)?
* Ich werde für die beratende Tätigkeit vor allem von einer etablierten Beratung (läuft als GmbH) engagiert und voraussichtlich (sofern nichts dagegen spricht) in deren Namen beraten. Was gilt es dabei zu beachten?
=> Bspw. muss hier in der Außenkommunikation auf etwas geachtet werden? Wie sieht es aus mit Versicherungsschutz?
* Gibt es weitere Punkte, die es bei einer solchen Konstellation zu beachten gilt?
* Besteht in dieser Konstellation (vor allem wg. der <50%) die Gefahr der Scheinselbstständigkeit? Auch wenn es nur lose Aufträge sind und ich den Großteil meiner Arbeitszeit einer geregelten Anstellung nachgehe?
* Oder gilt dies dann als "Arbeitnehmerähnlicher Selbständiger"? Es gibt keine Weisungsbefugnis bzgl. Arbeitsort, -zeit o. ä. - natürlich wird man mal gemeinsame Termine wahrnehmen müssen. Aber ansonsten agiere ich räumlich und zeitlich frei.

Vielen Dank im Voraus.

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Gewerbe Tätigkeit Anmeldung


7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Anami
Status:
Gelehrter
(10842 Beiträge, 1739x hilfreich)

zu 1. Unternehmensberatung ist kein Gewerbe. Das ist eine freiberufliche Erwerbstätigkeit.
zu 2. Zu beachten ist, dass man nicht dauerhaft nur für diesen einen Auftraggeber tätig wird.
zu 3. Freiberufler sind selbständig Tätige. Die haben sich selbst zu versichern.
zu 4. Jede Menge.
zu 5. Nicht wegen der 50% , sondern bei *nur 1 Auftraggeber* setzt man sich uU dem Verdacht der Scheinselbständigkeit aus. Es gibt keine *losen Aufträge*. Es gibt Aufträge. Zeitlich und inhaltlich unterschiedliche.
zu 6. Eine freiberufliche Tätigkeit ist eine geregelte Erwerbstätigkeit. Deine jetzige Anstellung ist auch eine geregelte Erwerbstätigkeit.
zu 7. Nein. Freiberufler agieren nun mal zeitlich und räumlich frei, sofern ihr Auftraggeber das im Auftrag nicht anders festlegt.

Meine Empfehlung: Bevor du beginnst, buche einen 100%-Existenzgründerkurs bei der IHK. Der hilft dir auch bei nur 50% freiberuflicher Existenzgründung.
BWL hast du studiert?...ich sag mal dazu nix.

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#2
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2513 Beiträge, 813x hilfreich)

Zitat:
ich arbeite zur Zeit auf einer 50%-Stelle und würde nebenberuflich gerne noch als Unternehmensberater tätig werden. Ich habe BWL studiert und bereits einige Jahre Berufserfahrung.

Und dann braucht man ein WWW-Laien-Forum für die rechtliche Beurteilung der absoluten Basics?

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#3
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2513 Beiträge, 813x hilfreich)

Zitat (von Anami):
zu 1. Unternehmensberatung ist kein Gewerbe. Das ist eine freiberufliche Erwerbstätigkeit.

Das ist so pauschal nicht richtig.

Der Unternehmensberater ist den rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen ähnlich und somit tendenziell eher freiberuflicher Natur (Urteil des Bundesfinanzhofes vom 26.6.2002/ IV R 56/00). Ein Hochschulstudium ist kein zwingendes Muss: Fachkenntnisse können auch als Autodidakt oder durch eine einschlägige Berufserfahrung nachgewiesen werden. Finanzämter entscheiden hier sehr mit Blick auf jeden Einzelfall. Allerdings: Sobald die berufliche Beratungstätigkeit sich nur auf einen Teilbereich der Betriebswirtschaftslehre erstreckt, handelt es sich nicht um eine freiberufliche Tätigkeit. Personalberater, PR-Berater oder Werbeberater sind demnach keine Freiberufler. Sobald die Tätigkeit mit einer Rechtsform ausgeübt wird, handelt es sich bereits formal um ein Gewerbe.

Zitat:
zu 3. Freiberufler sind selbständig Tätige. Die haben sich selbst zu versichern.

In diesem Fall ja, generell aber gibt es für viele Freiberufler auch Pflichtversicherungen (z.B. für Künstler und Publizisten in der KSK, für Architekten über deren Versorgungswerk usw.)

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#4
 Von 
Anami
Status:
Gelehrter
(10842 Beiträge, 1739x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Der Unternehmensberater ist den rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen ähnlich und somit tendenziell eher freiberuflicher Natur
Eben. Haupttendenz Freiberufler. Dein Link zum BFH passt hier gar nicht.
Der TE kann aber gern zum zuständigen Gewerbeamt gehen und sich als Unternehmensberater anmelden. Das Gewerbeamt wird ihn höchstwahrscheinlich nicht als gewerblich Tätigen *reinnehmen*. Die Gewerbeämter arbeiten nach Landesrecht.
Das Finanzamt nimmt zunächst seine Meldung als selbständiger Unternehmer an.
Zitat (von eh1960):
Ein Hochschulstudium ist kein zwingendes Muss:
Behauptet hier niemand. Niemand weiß hier, was als UB getan werden soll.
Zitat (von Cheeseman):
bewegt sich im Managementbereich.
ist ja umfassender als der Äquator.

Zitat (von eh1960):
In diesem Fall ja, generell aber gibt es für viele Freiberufler auch Pflichtversicherungen
Freiberufler haben sich in jedem Falle selbst zu versichern. Ich meinte ausschließlich Pflichtversicherungen.

Da wir beide an den BWL-Kenntnissen in Bezug auf Existenzgründung zweifeln...
Ich weise hier mal auf die Pflicht-Kranken-/Pflegeversicherung hin, das wird spaßig bei 50/50 und bei der Einkommenshöhe...
aber auch das hört der TE im *Gründer-Workshop der IHK* ;)

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#6
 Von 
Anami
Status:
Gelehrter
(10842 Beiträge, 1739x hilfreich)

Zitat (von Eugenie):
egal ob gewerblich oder selbständig
gilt steuerlich nicht eher:
Egal, ob gewerblich oder freiberuflich...?

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#7
 Von 
taxpert
Status:
Lehrling
(1086 Beiträge, 266x hilfreich)

Zitat (von Anami):
gilt steuerlich nicht eher:
Egal, ob gewerblich oder freiberuflich...?
Jein!

Zitat (von §18 EStG):
(1) Einkünfte aus selbständiger Arbeit sind
1. Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit.

Zitat (von eh1960):
Sobald die berufliche Beratungstätigkeit sich nur auf einen Teilbereich der Betriebswirtschaftslehre erstreckt, handelt es sich nicht um eine freiberufliche Tätigkeit.
Wobei das natürlich nur gilt, wenn der Stpfl. Autodidakt ist, denn der Autodidakt muss durch die Tätigkeit das Wissen des gesamten Studienstoffes nachweisen. DerStpfl. mit abgeschlossenen Studium hat das mit der Abschlussklausur bewiesen und kann daher auch nur in Teilbereichen tätig werden!

Zitat (von eh1960):
Sobald die Tätigkeit mit einer Rechtsform ausgeübt wird, handelt es sich bereits formal um ein Gewerbe.
Soll heißen was? Eine GmbH hat sicherlich qua Definition gewerbliche EInkünfte. Eine PersGes kann ohne weiteres Einkünfte im Sinne §18 EStG haben, es müssen halt nur alle Gesellschafter z.B. entsprechende Rechtsträger sein. Sonst greift die Abfärbetheorie.

taxpert

Signatur:"Yeah, I'm the taxman and you're working for no one but me!" The Beatles, Taxman
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