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freiberuflich für alten Arbeitgeber arbeiten - Scheinselbständigkeit?

20.2.2017 Thema abonnieren
 Von 
guest-12313.09.2017 13:33:42
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
freiberuflich für alten Arbeitgeber arbeiten - Scheinselbständigkeit?

Hallo zusammen,
mein erster Post. Vielen Dank schonmal, an alle die sich die Zeit nehmen dies zu lesen.

Ein Bekannter ist freiberuflich als Designer Tätig (Grafik / Werbung)
Er arbeitete bis Juni 2016 als festangestellter Designer für Firma X.
Das Arbeitsverhältnis wurde vom Arbeitgeber gekündigt. Beide Parteien haben sich im positiven getrennt.

Mein Bekannter hat sich nach der Kündigung als freiberuflicher Designer beim Finanzamt angemeldet (Steuernummer, MwSt ausweisen usw.) und bezog Arbeitslosengeld I

In Zeiten in denen er Aufträge hatte, hat er sich bei der Agentur für Arbeit abgemeldet und auch alles brav gemeldet und auch seine Krankenversicherung bezahlt!

Im August 2016 hat dann der alte Arbeitgeber meinen Bekannten für ein Projekt gebucht. Dies war sein allererster Auftrag als Freiberufler.
Er arbeitete als freiberuflicher Designer 10 Tage zu je 400 Euro Tagessatz für den alten Arbeitgeber.
Rechnung gestellt inkl. MwSt.

Mein Bekannter hat im September dann seinen zweiten Auftrag bei einer anderen Firma gehabt (3 Tage)

Im November hat er dann für insgesamt 22 Tage wieder für den alten Arbeitgeber als freiberuflicher Designer an einem Projekt gearbeitet.

Seit Januar 2017 ist er bei einer neuen Firma auf Projektbasis gebucht.
Er bekommt nun auch Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit

Nun steht der Antrag bei der Künstlersozialkasse an.

Soweit die Rahmenbedingungen

Lange Rede kurzer Sinn:
Muss sich mein Bekannter Sorgen machen, dass seine Tätigkeit als freiberuflicher Designer bei seinem alten Arbeitgeber als Scheinselbständigkeit angesehen werden kann? Kann es Probleme für ihn geben?

Beste Grüße
Doggo

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2 Antworten
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#2
 Von 
guest-12323.02.2017 23:12:42
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 3x hilfreich)

Die Gefahr besteht tatsächlich; insbesondere überprüft die DRV bei Betriebsprüfungen die alle paar Jahre gemacht werden die Eingangsrechnungen des alten Arbeitgebers auch darauf ob Dienstleister ggfls. arbeitnehmerähnliche Selbstständige oder Scheinselbstständige sein könnten.
Die Hürden um in einem Statusfeststellungsverfahren als Solo-Selbstständiger als tatsächlich selbstständig anerkannt zu werden sind hoch. Hier kommt es auf die Gesamtschau an: wenn ihr Bekannter z.B. die EDV-Geräte seines alten Arbeitgebers benutzt statt seiner eigenen Arbeitsmittel, keine öffentlich wahrnehmbare Werbung für seine DL betreibt, einen Zeitlohn ("Tagespauschale") in Rechnung stellt, sind dies bereits einige Indizien die für eine abhängige Beschäftigung sprechen. Gewerbeanmeldung und Umsatzsteuerpflicht haben keine Aussagekraft ob selbstständig, arbeitnehmerähnlich oder illegal als Selbstständiger abhängig beschäftigt.
Bei "Scheinselbstständigkeit" (= Straftatsbestand ist hier die "Vorenthaltung von Arbeitsentgelt" da der Arbeitgeber dem Scheinselbstständigen den Bruttolohn schuldet nicht nur den Nettolohn) entsteht der DRV im Laufe der Jahre ein Schaden in Form entgangener Beiträge. Im Extremfall haftet der Scheinselbständige als Mittäter gesamtschuldnerisch mit dem Auftraggeber für die nachzuentrichteten Sozialversicherungsbeiträge, die "Arschkarte" hat also nicht der Arbeitgeber allein wenn Scheinselbstständigkeit auffliegt.
Eine Option mit der sich das Scheinselbstständigkeitsrisiko ausschliessen lässt ist die Gründung einer UG haftungsbeschränkt (ein paar Hundert EUR Gründungskkosten) so dass Ihr Bekannter gegenüber dem Arbeitgeber als Kapitalgesellschaft und eben nicht als gewerbetreibende Privatperson auftritt und somit auch kein "Scheinselbstständiger" sein kann.

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