Aufgabe der elterlichen Rechte für einen Erwachsenen im Drittland

31. Dezember 2023 Thema abonnieren
 Von 
go353057-82
Status:
Beginner
(149 Beiträge, 17x hilfreich)
Aufgabe der elterlichen Rechte für einen Erwachsenen im Drittland

Hallo!

Gibt es in Deutschland etwas Ähnliches wie die Aufgabe der elterlichen Rechte, wenn das Kind bereits erwachsen ist und in einem Drittland wie Russland lebt?

Oder kann dieses Kind im Gegenzug auf seine Eltern verzichten, um nicht verpflichtet zu sein, an ihrer finanziellen Unterstützung teilzunehmen und die Kosten für die Beerdigung zu übernehmen?

Wie ist die Situation, wenn der Elternteil in Deutschland lebt und dann stirbt, während das Kind in Russland lebt? Werden deutsche Behörden versuchen, es zu finden und die Beerdigungskosten zu fordern?

Und eine weitere mögliche Ergänzung zur Situation:

Ein anderes Kind lebt in Deutschland. Muss dieses Kind dann die Beerdigung vollständig bezahlen, und ist es seine Verpflichtung, den Bruder in Russland zu finden und von ihm einen Teil der Mittel zu fordern, wenn es möchte, dass der Bruder ebenfalls an den Kosten beteiligt ist? Wenn ihm dies nicht gelingt, wird der Staat dann die vollständige Zahlung von diesem in Deutschland lebenden Kind verlangen?

Was passiert überhaupt, wenn diesem in Deutschland lebenden Kind die Mittel für die Beerdigung fehlen und es das Sozialamt bittet, zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen? Wird das Sozialamt nichts bezahlen, da es noch ein weiteres Kind gibt, und das in Deutschland lebende Kind muss dieses finden und die Mittel fordern oder eine Bescheinigung vorlegen, dass es selbst nicht genug Mittel hat?

Was passiert, wenn das in Deutschland lebende Kind in seiner Erklärung an das Sozialamt angibt, dass es das einzige Kind ist?

Vielen Dank

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3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6324 Beiträge, 1511x hilfreich)

Zitat (von go353057-82):
Gibt es in Deutschland etwas Ähnliches wie die Aufgabe der elterlichen Rechte, wenn das Kind bereits erwachsen ist

Wenn das erwachsene Kind sich von einem anderen Erwachsenen adoptieren lässt. Dafür gibt es aber sehr strenge Voraussetzungen.

Voraussetzung für die Adoption eines Volljährigen ist nach § 1767 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ein bestehendes, enges Familienverhältnis. Dieses sogenannte Eltern-Kind-Verhältnis setzt voraus, dass zwischen den Adoptiveltern und dem erwachsenen Adoptivkind eine enge familiäre Verbindung besteht. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Adoptiveltern den Volljährigen oder die Volljährige bereits seit Kindheit an gepflegt hätten. Oder wenn beispielsweise der Stiefvater, der seit vielen Jahren in einem familiären Verhältnis mit den Kindern seiner Ehepartnerin zusammenwohnt, diese volljährigen Kinder adoptieren möchte (Stiefkinderadoption). Das Gesetz spricht hier von einer sittlichen Rechtfertigung der Adoption.

Familiengerichte stimmen einer Adoption Volljähriger nur dann zu, wenn:

- zwischen dem Volljährigen und den Adoptiveltern ein ausreichender Altersabstand von etwa 15 Jahren besteht.
- keine sexuelle Beziehung zwischen dem Volljährigen und den Adoptiveltern vorangegangen ist (Oberlandesgericht München, Beschluss vom 16.11.2005, Az.31 Wx 082/05).
- die Adoption nicht ausschließlich der Fortführung eines Adelsnamens dient (Bayerisches Oberlandesgericht, Beschluss vom 31.7.1992, Az. 1Z BR 69/92).
- Steuerliche oder erbschaftssteuerliche Motive nicht der Hauptgrund für die Adoption sind (Oberlandesgericht Karlsruhe, Beschluss vom 22.7.2005, Az. 14 Wx 31/05 sowie Oberlandesgericht München, Beschluss vom 19.12.2008, Az. 31 Wx 49/08).
- sie nicht dazu dient, einen Aufenthaltstitel oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu erhalten oder einer drohenden Ausweisung zu entgehen.

Zitat:
Oder kann dieses Kind im Gegenzug auf seine Eltern verzichten, um nicht verpflichtet zu sein, an ihrer finanziellen Unterstützung teilzunehmen und die Kosten für die Beerdigung zu übernehmen?

Nein.

Zitat:
Wie ist die Situation, wenn der Elternteil in Deutschland lebt und dann stirbt, während das Kind in Russland lebt? Werden deutsche Behörden versuchen, es zu finden

Grundsätzlich: ja. Im Moment vermutlich eher beschränkt.
Zitat:
und die Beerdigungskosten zu fordern?

Zunächst mal sind für die Bestattungskosten die Erben zuständig.

Wenn es keinen Ehegatten gibt, ist das Kind - zusammen mit eventuell vorhandenen Geschwistern - an zweiter Stelle der Kostentragungspflichtigen.

Zitat:
Ein anderes Kind lebt in Deutschland. Muss dieses Kind dann die Beerdigung vollständig bezahlen

Nein.
Zitat:
, und ist es seine Verpflichtung, den Bruder in Russland zu finden und von ihm einen Teil der Mittel zu fordern, wenn es möchte, dass der Bruder ebenfalls an den Kosten beteiligt ist?

Das wird dieses andere Kind letztlich machen müssen.
Zitat:
Wenn ihm dies nicht gelingt, wird der Staat dann die vollständige Zahlung von diesem in Deutschland lebenden Kind verlangen?

Der Staat wird erstmal gar nichts verlangen, da die Kinder - jedes einzelne von ihnen - "bestattungspflichtig" sind, wenn es keinen überlebenden Ehegatten gibt. D.h.: die Kinder müssen die Bestattung organisieren, bezahlt wird sie aus dem Erbe. Reicht das nicht, sind diejenigen kostentragungspflichtig, die dem Verstorbenen gegenüber unterhaltspflichtig gewesen sind/gewesen wären. Das sind natürlich in erster Reihe die Kinder. Nur wenn die nicht ausreichend wirtschaftlich leistungsfähig sind, kommen die nächsten in der Reihe dran. Die Eltern, die Enkel. Und dann irgendwann die Gemeinde, in der der Verstorbene zuletzt gewohnt hat.

Zitat:
Was passiert überhaupt, wenn diesem in Deutschland lebenden Kind die Mittel für die Beerdigung fehlen und es das Sozialamt bittet, zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen?

Dann wird erstmal geguckt, ob es andere Zahlungspflichtige gibt.
Zitat:
Wird das Sozialamt nichts bezahlen, da es noch ein weiteres Kind gibt, und das in Deutschland lebende Kind muss dieses finden

Nein.
Zitat:
oder eine Bescheinigung vorlegen, dass es selbst nicht genug Mittel hat?

Es muss seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenlegen. Ist es wirtschaftlich nicht ausreichend leistungsfähig: siehe oben.

Was passiert, wenn das in Deutschland lebende Kind in seiner Erklärung an das Sozialamt angibt, dass es das einzige Kind ist?

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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#2
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(32951 Beiträge, 5764x hilfreich)

Zitat (von go353057-82):
Gibt es in Deutschland etwas Ähnliches wie die Aufgabe der elterlichen Rechte,
Wenn ein Kind volljährig ist (18 Jahre), kann es zB auch selbst entscheiden, wo es leben möchte.
Die Eltern geben keine Rechte an ihrem Kind auf, denn das Kind ist weder Besitz noch Ware.
Zitat (von go353057-82):
Oder kann dieses Kind im Gegenzug auf seine Eltern verzichten,
Ein Kind kann nicht auf seine Eltern verzichten. Eltern bleiben Eltern. Das Kind kann unter Umständen aber verpflichtet sein, für die Eltern finanziell einzustehen.
Zitat (von go353057-82):
Werden deutsche Behörden versuchen, es zu finden und die Beerdigungskosten zu fordern?
Vermutlich nicht, sie halten sich an das bekannte Kind, an Erben und Angehörige.
Zitat (von go353057-82):
Muss dieses Kind dann die Beerdigung vollständig bezahlen,
Könnte durchaus möglich sein.
Zitat (von go353057-82):
wird der Staat dann die vollständige Zahlung von diesem in Deutschland lebenden Kind verlangen?
Der Staat? Vermutlich wird eine Behörde tätig.
Zitat (von go353057-82):
Was passiert überhaupt
Dann wird nach Prüfung zunächst die Sozialbehörde dem Bestattungsinstitut ein Sozialbegräbnis bezahlen.
Zitat (von go353057-82):
Was passiert, wenn das in Deutschland lebende Kind in seiner Erklärung an das Sozialamt angibt, dass es das einzige Kind ist?
Dann werden vermutlich andere Behörden tätig, die schnell eine Lüge feststellen.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47939 Beiträge, 16938x hilfreich)

Zitat (von go353057-82):
Ein anderes Kind lebt in Deutschland. Muss dieses Kind dann die Beerdigung vollständig bezahlen,

Ja

Zitat (von go353057-82):
und ist es seine Verpflichtung, den Bruder in Russland zu finden und von ihm einen Teil der Mittel zu fordern, wenn es möchte, dass der Bruder ebenfalls an den Kosten beteiligt ist?


Eine solche Rechtspflicht gibt es nicht.

Zitat (von go353057-82):
Was passiert, wenn das in Deutschland lebende Kind in seiner Erklärung an das Sozialamt angibt, dass es das einzige Kind ist?


Dann könnte auf dieses Kind ein Strafverfahren wegen Betruges zukommen.


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