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Berechnung Kindesunterhalt mit pkw

 Von 
Leddy
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Berechnung Kindesunterhalt mit pkw

Abend,

Nach der Trennung von der Lebensgefährtin wurde durch das Jugendamt der Kindesunterhalt berechnet. Im Vorfeld habe ich mich selbst schlau gemacht und gerechnet und komme auf komplett abweichende Ergebnisse.

Kurz die Fakten.

Kind 1 - aktuell 7 Jahre
Kind 2 - aktuell 3 Jahre
Mutter Nettogehalt ca. 1350€
Vater Nettogehalt seit 03/2018 1700€ (davor ca. 1350€ ;)

Kindergeld und wohnhaft sind bei der Mutter.

Durch hin und wieder ausgezahlte Überstunden schwankt mein Gehlat ein wenig, woraus sich lt. Jugendamt ein bereinigtes Einkommen von 1892,59 ergibt. Auf dessen Grundlage wird für die große ein Unterhalt von 302€ und für den kurzen 251€.
Die 1892€ errechnen sich aus dem Durchschnitt der letzten 3 Monate.

Ich bin gern gewillt Unterhalt für meine Kinder zuzahlen, nur ist das Leben in Berlin definitiv nicht einfach in Berlin.

Nun meine Fragen die mir durch den Kopf schwirren.

Wird der Durchschnitt nicht der letzten 12 Monate genommen ?

Wir haben weit vor der Trennung ein Auto zusammen gekauft und nur über mich finanziert. Meine damalige Partnerin steht im Kreditvertrag nicht mit drin. Laut vieler Meinungen muss die Kreditrate mit angerechnet werden (240€ ;) . Das Jugendamt schreibt aber, dass dies nicht mit angerechnet wird, da ich ein Firmen PKW (ohne privat Nutzung oder Mitnahme nach Hause) beruflich fahre.

Wie schaut es da aus?

Vielen Dank für die Antworten

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Trennung Jugendamt Kind Euro


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
smogman
Status:
Schüler
(279 Beiträge, 67x hilfreich)

Zitat (von Leddy):
Wird der Durchschnitt nicht der letzten 12 Monate genommen ?

Wenn du seit 03/2018 ein verändertes Gehalt hast, macht eine Berechnung aus 12 Monaten eben keinen Sinn.


Zitat (von Leddy):
Wir haben weit vor der Trennung ein Auto zusammen gekauft und nur über mich finanziert. Meine damalige Partnerin steht im Kreditvertrag nicht mit drin. Laut vieler Meinungen muss die Kreditrate mit angerechnet werden (240€ ;) . Das Jugendamt schreibt aber, dass dies nicht mit angerechnet wird, da ich ein Firmen PKW (ohne privat Nutzung oder Mitnahme nach Hause) beruflich fahre.

Wie schaut es da aus?

Wenn als berufsbedingte Aufwendungen eine Pauschale oder die tatsächlichen Kilometer abgezogen werden, kann eine Kreditrate im Regelfall nicht zusätzlich anerkannt werden, da der Finanzierungsaufwand damit abgedeckt ist. Im Mangelfall und insbesondere in der Großstadt und bei vorhandenem Firmenfahrzeug könnte man dich im Streitverfahren außerdem auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel verweisen.

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#2
 Von 
Marcus2009
Status:
Lehrling
(1560 Beiträge, 893x hilfreich)

Zitat (von Leddy):
Im Vorfeld habe ich mich selbst schlau gemacht und gerechnet und komme auf komplett abweichende Ergebnisse.

Dein aktuelles bereinigtes Nettoeinkommen setzt das Jugendamt mit 1.892,59 Euro pro Monat an. Bis zu einem Betrag von 1.900 Euro zahlst du nach der 1. Stufe der Düsseldorfer Tabelle. Das ist die unterste Stufe.

Du bist für zwei Personen unterhaltspflichtig, deshalb bleibt es bei dieser Einstufung.

Für das kleine Kind zahlst du nach der Gruppe der 0-5 Jährigen 348 Euro - 97 Euro hälftiges Kindergeld = 251 Euro pro Monat.

Für das große Kind sind nach der Gruppe der 6-11 Jährigen 399 - 97 = 302 Euro pro Monat zu zahlen.

Danach verbleiben dir 1.893 - 251 - 302 = 1.340 Euro pro Monat. Das liegt weit über deinem Selbstbehalt gegenüber minderjährigen Kindern in Höhe von 1.080 Euro.

Selbst wenn man den Autokredit in Höhe von 240 Euro rein hypothetisch einmal ansetzt, würde sich am Zahlbetrag nichts ändern. Mit der Frage nach dem Autokredit muss man sich also gar nicht erst beschäftigen.


-- Editiert von Marcus2009 am 31.07.2018 20:44

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#3
 Von 
quiddje
Status:
Bachelor
(3379 Beiträge, 2018x hilfreich)

Das hat @Marcus2009 gut zusammengefasst.
Es ist der Mindestunterhalt, den du zahlen sollst.

Wenn du noch weniger zahlst, gilt das als Mangelfall.
Damit bist du laut Gesetz gehalten, alles zumutbare zu unternehmen, um den Mindestunterhalt zu erwirtschaften. Das hieße gegebenenfalls Jobwechsel, Nebenjob, ... oder alternativ würde dir ein fiktives Einkommen zugerechnet werden (nach dem Motte "er könnte ja aber er will nicht - wir nehmen das, was er erwirtschaften könnte")
Ganz ehrlich: sei froh, dass kein Mangelfall vorliegt!

Zum PKW: wer behält den denn nach der Trennung? Wenn du den behältst: warum sollte diene Ex oder diene Kinder den denn mit finanzieren?
Wenn sie den behält, wäre es nur angemessen, dass sie auch die Kreditraten übernimmt.
In jedem Fall haben die Kinder nichts von dem Wagen und dementsprechend wüsste ich gerade gar nicht, warum der ihren Unterhalt schmälern sollte - wobei, wie Marcus2009 oben ausgeführt hat, das sowieso nicht zur Debatte steht.

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#4
 Von 
Sir Berry
Status:
Junior-Partner
(5563 Beiträge, 2179x hilfreich)

Ich teile die Einschätzung der sehr guten Erklärung.

Nur mit diesem Satz gehe ich nicht einig.

Zitat (von Marcus2009):
Mit der Frage nach dem Autokredit muss man sich also gar nicht erst beschäftigen.

Auch wenn sich am Ergebnis nichts ändert, sollten gerade bei der Erstberechnung alle vorhanden unterhaltsrelevanten Faktoren berücksichtigt werden. Für die Zukunft wärst du ansonsten mit der Kreditanrechnung präkludiert.

Bei erstmaliger Unterhaltsforderung können auch Privatkredite, die vorher abgeschlossen wurden, in die Berechnung eingang finden. Sie müssen allerdings zu einem Zeitpunkt eingegangen worden sein, als die Zahlungspflicht noch nicht erkennbar war.

Berry

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#5
 Von 
smogman
Status:
Schüler
(279 Beiträge, 67x hilfreich)

Dafür wäre beim Fahrzeugkredit doch aber erstmal zu klären, ob denn berufsbedingte Aufwendungen - und wenn ja, welche genau - bei der Ermittlung des Nettoeinkommens berücksichtigt werden. Wenn dies mittels Kilometer-Pauschale für den Fahrtweg erfolgte, kann kein zusätzlicher Finanzierungskredit anerkannt werden. Der BGH hat im Urteil vom 01.03.2006 - XII ZR 157/03 die überwiegende Praxis bestätigt, wonach bei Ansatz der km-Pauschale sämtliche Pkw-Kosten abgedeckt sind, also auch solche für Abnutzung und Finanzierungsaufwand.

Eine Anerkennung im Rahmen von Schuldverpflichtungen würde meiner Meinung nach an einer Interessenabwägung scheitern. Aus der geschilderten Konstellation kann ich zumindest keinen Grund erkennen einen Fahrzeugkredit ggf. unterhaltsmindernd anzuerkennen.

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