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Betreuung/Vorsorgevollmacht "ausnutzen"?!

 Von 
Ratlos1972
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 2x hilfreich)
Betreuung/Vorsorgevollmacht "ausnutzen"?!

Hallo,

ich habe eine Frage. Zum besseren Verständnis sollte ich vielleicht ein paar einleitende Sätze schreiben.

Ein Bekannter von mir hatte vor längerem mit seiner Mutter beim Notar ein "all-inclusive-Paket" aufsetzen lassen: Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung.

Nun ist es so, dass die Mutter vor 3 Monaten einen Schlaganfall hatte und im Koma liegt. Die Ärzte wissen nicht, ob sich dieser Zustand jemals wieder bessert.

Gestern habe ich nun diesen Bekannten besucht.

Im Verlauf meines Besuchs bemerkte ich bemerkte ich, dass vor mir auf dem Wohnzimmertisch die Kontoauszüge vom Konto seiner Mutter herumflogen. Ich wollte bestimmt nicht spionieren, es war jedoch nicht zu übersehen, dass auf diesen Auszügen im Grunde nur Belastungen zu sehen waren, die SEIN Leben betreffen:

-seine Miete
-seine div. Versicherungen
-Abbuchung seiner Stromrechnung
-Leasingrate für sein Auto
-...

Nun bin ich völlig verwirrt: so ist doch eine solche Vollmacht nicht gedacht, oder?

Ich dachte, dass die Sache mit der "Vorsorge-/Patienten-/Betreuungsvollmacht" zum Wohle des Betreuten eingerichtet wird. Dazu gehört doch nicht, dass der Sohn zu Lasten des Kontos seiner Mutter seine Lebenshaltung finanziert.

Ich habe meinen Bekannten nicht darauf angesprochen, habe allerdings meinem Lebensgefährten von meiner Beobachtung erzählt.

Dieser meinte, dass Vollmacht/Betreuung entweder ganz oder gar nicht gilt. Will heißen, man kann nicht sagen: mein Sohnemann soll mein Bevollmächtigter sein, soll mein Konto führen, aber darf nur x-, y- und z -Zahlungen darüber abwickeln.

Das kann ich nicht glauben.

Ist das so???

Ich weiß definitiv, dass die Mutter meines Bekannten immer sehr viel Wert darauf gelegt hat, dass jeder "seines Glückes Schmied" sein muss: sie hatte ihr ganzes Leben gearbeitet und genoss es all die Jahre, ihre stattliche Rente für ein komfortables Leben mit allerei Annehmlichkeiten auszugeben (Kosmetikerin, Maniküre, Reisen,...).

Nun läuft auf dem Konto weiterhin diese Rente auf und der Sohn (Hinweis: chronisch klamm) verwendet das Geld für seine Lebensführung.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das so vom Gesetz gewollt, gebilligt wird.

Weiß da jemand Näheres?

Ratlos1972

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Geld Konto Leben Mutter


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
schnee-einsiedel
Status:
Student
(2194 Beiträge, 296x hilfreich)

Ist das so???

Da kommt es wohl darauf an,wie im einzelnen formuliert wurde.
Sollte aber die Pflege der Mutter nicht mehr sichergestellt sein,könnte er Probleme bekommen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Vorsorgevollmacht


-----------------
" Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern?"

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#2
 Von 
Haselstrauch
Status:
Student
(2473 Beiträge, 343x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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#3
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7946 Beiträge, 2552x hilfreich)

Wenn du den Verdacht hast, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, kannst du dich an das Vormundschaftsgericht wenden.
Aber, du kannst dich auch in die Nesseln setzen, denn so intim bist du nicht mit den Familienverhältnissen betraut (vielleicht hat die Mutter ja noch zu "klaren Zeiten" die Daueraufträge eingerichtet, damit ihr Sohn aus seinem "klammen" Zustand herauskommt.

Rechtlich gesehen hast du Recht, der Betreuer darf das Geld nur für den Betreuten seine Belange ausgeben und nicht für seine Verbindlichkeiten. Insoweit ist die Betreuungsvollmacht schon eine Einschränkung.
Aber der Sohn könnte ja argumentieren, da er sich so um seine Mutter kümmert (vielleicht sitzt er immer am Bett und liest ihr vor), kann er nicht arbeiten.

Schwierig für dich. Sollte die Mutter wieder aufwachen und ein normales Leben führen (in meinen Augen eher unwahrscheinlich), dann würde sie sich natürlich bedanken, das ihr Geld "weg" ist. Wird sie aber nicht mehr wach und gleitet irgendwann in den Tod hinüber - wem hat der Sohn dann geschadet?

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#4
 Von 
Ratlos1972
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo,

erstmal herzlichen Dnak für die Antworten.

Ich weiß ja, dass es mich im Grunde nichts angeht; zumal mir die vollständigen Hintergrundinformationen fehlen (geschieht das im Einvernehmen mit der Mutter, war das so abgemacht,..?).

Ich habe nur einfach Angst, dass ich mich beim "Wegsehen" ertappe, dass Unrecht im wahrsten Sinne des Wortes vor meiner Nase auf dem Tisch ausgebreitet war und ich habe mich nicht gerührt.

@Haselstrauch: die Konstellation als solche hat mich nicht gewundert. Ich "bestaunte" vielmehr dieses all-in-one-Paket. Ist das denn so ungewöhnlich?

@sika: im Erbfalle würde er schon schaden: es sind da noch 3 weitere Geschwister, die allerdings samt und sondern auf der halben Welt verstreut leben und nicht "mal eben" nach der Mutter schauen können.

Bleibt natürlich die -wohl eher moralische denn juristische- Frage offen: auch wenn der eine Sohn ja all die Scherereien mit dem Krankenhaus "alleine" hat... In meinen Augen dürfte doch auch das keinesfalls "Entschädigungszahlungen" z.L. des mütterlichen Kontos rechtfertigen...

Ob diese Geldgeschichte wirklich gewollt und wissentlich eingetreten ist (Sohn zahlt seine Lebenshaltungskosten vom Konto der Mutter) oder ob es sich um Gedankenlosigkeit handelt, oder ob es sich um das unbestimmte Gefühl handelt, es stünde ihm ja zu (schließlich kümmere er sich ja um die Mutter), oder oder oder...

Ich vermag es nicht zu sagen...

Mir ist es halt wichtig zu wissen, ob ich mich mit "Wegschauen" sozusagen mit-schuldig mache, wenn da etwas an Recht und Gesetz vorbei schlittert.

Man liest und hört doch gerade in der letzten Zeit so viel darüber, dass Betreute/Vollmachtsgeber nach ihrer Genesung plötzlich mittellos dastehen, weil die Gelder auf wundersame Weise abhanden gekommen sind.

An einem solchen Schicksal möchte ich mich nicht verschulden.

@sika: ggf. könnte das Vormundschaftsgericht ein Auge riskieren? Habe ich Dich richtig verstanden? Muss ich da anrufen oder hinschreiben? Ich meine, die werden mir doch bestimmt einen Vogel zeigen: ich habe doch gar keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu dieser Familie. Da heißt es doch bestimmt, ich sei gar nicht befugt, mich in die Angelegenheiten einzumischen, oder?

Grüße
Ratlos1972

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#5
 Von 
Haselstrauch
Status:
Student
(2473 Beiträge, 343x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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