Ehescheidung mit spanischem Staatsbürger

3. Juni 2021 Thema abonnieren
 Von 
Arielle_die_Meerjungfrau
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Ehescheidung mit spanischem Staatsbürger

Hallo Zusammen,

mein Mann und ich haben uns vor einiger Zeit getrennt und nach einigem hin und her bin ich auch überzeugt, dass die Beziehung endgültig vorbei ist.

Wir hatten uns auch darauf geeinigt, dass wir eine einvernehmliche Scheidung machen wollen, um nach Möglichkeit ein wenig die Kosten zu senken.

Nun habe ich allerdings Sorge, dass eine Scheidung in Deutschland problematisch sein könnte, denn mein Mann hat die spanische Staatsbürgerschaft und wir haben damals auch in Spanien geheiratet und sind dann gemeinsam nach Deutschland gegangen.

Kann ich mich dann überhaupt in Deutschland scheiden lassen? Oder muss ich dafür nach Spanien gehen?

Vielleicht hat ja einer von euch schon Erfahrungen mit diesem Thema und kann mir weiterhelfen bevor ich mich kostspielig bei einem Anwalt beraten lasse, nur damit dieser mir sagt, dass das in Deutschland gar nicht geht, denn dann würde mein Mann direkt nach einem Anwalt in Spanien suchen........

Ich würde mich sehr freuen,

ganz liebe Grüße

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31663 Beiträge, 5589x hilfreich)

Hast du schon gegoogelt?
Und das hier wieder vergessen?
https://www.123recht.de/Forum-__f584941.html

Ehepaare, die zwar im EU-Ausland geheiratet haben, aber hier in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt und gewöhnlichen Aufenthalt haben, können sich auch hier in Deutschland scheiden lassen.
Die EU hat das mal vor längerer Zeit verordnet.

Der Scheidungsantrag ist dann beim örtlich zuständigen Familiengericht einzureichen. Vorher tut ein Gericht gar nichts.
Einer ist der Antragsteller und erhält die Rechnung für den Antrag, aber beide können sich die Kosten dann auch teilen.
Vermutlich wirst du das sein, also dann dort, wo du wohnst...

Weiterhin können beide VKH beantragen. Das ist die frühere Prozesskostenhilfe.
Zur Zeit (noch wegen der Pandemie) werden *unkomplizierte* Scheidungen durchaus auch per Videokonferenz verhandelt/geschieden, vor allem, wenn die Getrennten auch räumlich weit getrennt sind.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#2
 Von 
smogman
Status:
Student
(2764 Beiträge, 908x hilfreich)

Zuständigkeit dürfte beim lokalen Amtsgericht in Deutschland liegen.

Bei einer in Spanien geschlossenen Ehe zwischen einer Deutschem und einem Spanier könnte man mMn aber auch beim deutschen Gericht die Anwendung des spanischen Rechts über Art. 17 EGBGB i.V.m. der Rom-III-Verordnung EU/1259/2010 verlangen.

Für einen Einstieg empfehle ich die Seite Internationales Scheidungsrecht des Auswärtigen Amtes.

Ob nun spanisches oder deutsches Recht für euch besser geeignet ist, werdet ihr wohl selbst, ggf. mit anwaltlicher Hilfe, herausfinden müssen. Internationales Privatrecht ist sehr komplex.

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#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38204 Beiträge, 13950x hilfreich)

Letztlich dürften wir hier den Fall einer mehrfachen Zuständigkeit haben. Davon ausgehend, dass zumindest Du in Deutschland lebst, bietet sich die Scheidung beim räumlich zuständigen Amtsgericht hier in Deutschland an. Das ist in jedem Fall zuständig. Allerdings, wenn auch nach spanischem Recht in Spanien scheidbar sein könnte, dann greift das Prinzip, dass die Scheidung dort durchzuziehen ist, wo sie als erstes rechtshängig ist. Sollte also der Noch-Ehemann in Spanien fixer sein, dann könnte wegen doppelter Rechtshängigkeit auch ausschließlich Spanien zuständig sein. Es ist also in Deinem Interesse, die Sache schnell in Deutschland anhängig zu machen. Denn wenn Du in Spanien geschieden wirst, muss die Scheidung ja noch in Deutschland implementiert werden (ist bis dahin eine sog. "hinkende Scheidung), was ja auch wieder kostet. Wir hätten dann eine Regelungsebene mehr.

Welches Recht ist anzuwenden? Seit Reform des EGBGB ist es wesentlich einfacher, nach deutschem Recht zu scheiden, als vorher. Du bist deutsche Staatsangehörige, ich vermute mal, Ihr habt in einer von deutschem Recht geprägten Ehe gelebt, dann wird nach deutschem Recht geschieden. Da wird auch nicht mehr groß nachgeforscht, es sei denn, der Ehemann würde auf der Anwendung von spanischem Recht bestehen. Seit der Reform wird doch sehr selten nach ausländischem Recht geschieden.

Grundsätzlich hat ein deutscher Staatsbürger das Recht, in Deutschland geschieden zu werden. Wenn sich kein zuständiges deutsches Gericht finden lässt, also keiner in Deutschland lebt, man auch nie gemeinsam hier gelebt hat, dann gibt es noch ein deutsches Gericht, was zuständig für dieses Fälle ist - sofern nicht vorher im Ausland ein Scheidungsverfahren anhängig gemacht worden ist: das Amtsgericht Berlin Schöneberg. Beispiel aus der Praxis: zwei Deutsche haben nie in Deutschland gelebt, in Canada geheiratet, sind dann nach Australien ausgewandert. Die hat Schöneberg geschieden.

Und noch etwas: man kann durch ausländisches Recht, welches für einen vielleicht günstiger ist, nicht zwingend deutsches Recht aushebeln. Auch hier ein Beispiel: in Texas ist kein Unterhalt für Geschiedene vorgesehen. Deshalb bemühen sich viele möglicherweise Unterhaltspflichtige, einen Wohnsitz in Texas zu konstruieren, um dort geschieden zu werden. Wenn das funktioniert, die deutsche Frau hinterher mit den Kindern nach Deutschland zieht, dann kann sie hier ergänzend Unterhalt bei Gericht einklagen und wird den auch, wenn die deutschen Voraussetzungen vorliegen, auch bekommen. Und diesen Unterhaltstitel kann sie auch in Texas vollstrecken lassen, obwohl ihr dort eben kein Unterhalt zugesprochen worden wäre, weil es das da nicht gibt.

So, ich hoffe, jetzt ist das alles etwas klarer.

wirdwerden

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#4
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31663 Beiträge, 5589x hilfreich)

Vielleicht noch nicht erwähnt oder gewusst?
Das Trennungsjahr=1 Jahr getrennt ----solltet ihr einhalten. Dann erst den Scheidungsantrag bei Gericht einreichen.
Vor 3 Monaten hattest du erstmals gefragt---dann ist die Trennung evtl. grad vor 3 Monaten gewesen?
Jetzt schon kann man vereinbaren, wo die Scheidung stattfinden soll.
Deutschland bietet sich an, wenn ihr nach der Eheschließung auch zusammen in D gelebt habt und bis jetzt beide in D. leben/bleiben werden.

In diesem Trennungsjahr müssen beide Ehepartner nicht dauerhaft in Deutschland hocken.
In diesem Trennungsjahr kann man eine Vereinbarung mit seinem Partner treffen. Oder nach mehreren Anläufen dann eine Einigung finden.
In diesem Trennungsjahr kann quasi jeder Ehepartner *seins* machen, so, wie man es vereinbart hat.

Da es weder Kinder noch Vermögen noch lange Ehezeit gibt, vereinfacht sich hier das meiste, was sonst Trennungen/Scheidungen verkompliziert und teuer macht.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#5
 Von 
Fischer324
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 6x hilfreich)

Hallo,

ganz richtig wurde von meinen Vorsprechern angemerkt, dass ihr euch grundsätzlich in Deutschland scheiden lassen könnt. Das wäre in dem Gerichtsbezirk, in dem ihr euren letzten gemeinsamen Wohnsitz hattet.

Nun besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass ihr euch in Spanien scheiden lasst. Bedenkt, dass Scheidungskosten in Deutschland deutlich höher sind als in Spanien. Im Grunde genommen ist eine Scheidung in Spanien vergleichbar mit einer Express-Scheidung, die es hierzulande nicht gibt. Diese findet nicht vor einem ordentlichen Gericht, sondern dem Standesamt statt. Also an dem Ort, wo auch die Ehe geschlossen wird.

Selbst abzüglich der Reisekosten könntet ihr damit also am Ende besser dastehen. Aus der Beratungsperspektive sehe ich hier lediglich ein logistisches Problem (Terminfindung etc.). Außerdem seid ihr bei einem spanischen Gericht grundsätzlich einem höheren Risiko ausgesetzt, dass etwas schief geht, zumal ihr euch ja beide derzeit in Deutschland befindet.

Herzliche Grüße und alles Gute für die Entscheidungsfindung. Hier einmal zu fragen, bevor man Erstberatungskosten zahlt - dafür sind wir hier.

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#6
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38204 Beiträge, 13950x hilfreich)

Fischer, Du hast allerdings vergessen, dass die spanische Scheidung "hinkt," es also hier in Deutschland noch einer Implementierung bedarf, die gar nicht so preiswert ist. Und - so teuer ist die deutsche Scheidung doch auch nicht, wenn man sich in allem einig ist, das Gericht also nur scheidet, gegebenenfalls noch den Versorgungsausgleich durchführt. Und, nur eine Partei benötigt einen Anwalt, also, auch hier die Kosten sehr überschaubar. Wenn man sich natürlich um alles, wirklich alles streitet, dann benötigt halt jede Seite einen Anwalt, dann kann es teuer werden.

wirdwerden

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#7
 Von 
smogman
Status:
Student
(2764 Beiträge, 908x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Du hast allerdings vergessen, dass die spanische Scheidung "hinkt," es also hier in Deutschland noch einer Implementierung bedarf, die gar nicht so preiswert ist.
Das gilt nicht für die EU (außer Dänemark). Die in einem Mitgliedstaat ergangenen Entscheidungen werden in den anderen Mitgliedstaaten anerkannt, ohne dass es hierfür eines besonderen Verfahrens bedarf. (§ 107 FamFG i.V.m. Art. 21 VO (EG) 2201/2003 Brüssel IIa)

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#8
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38204 Beiträge, 13950x hilfreich)

smogman, ein klares "jein" als Antwort. Die Implementierung ist einfacher als die eines Nicht-EU-Staates. Gleichwohl bedarf es der Übersetzung durch eine entsprechend vereidigten Dolmetscherin, die bei uns am OLG angesiedelt ist. In der Praxis gestaltet es sich dann eben doch etwas anders. Unproblematisch sind die Finanzämter, die Sozialämter u.s.w. Aber wenn es um eine Neuheirat geht, um Testamente, dann sind da eben doch andere Voraussetzungen.

wirdwerden

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#9
 Von 
smogman
Status:
Student
(2764 Beiträge, 908x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Gleichwohl bedarf es der Übersetzung durch eine entsprechend vereidigten Dolmetscherin, die bei uns am OLG angesiedelt ist.
Die Anerkennung einer EU-Scheidung in Deutschland bedarf lediglich der ausländischen Scheidungsurkunde nach Art. 37 Brüssel IIa-VO sowie der Bescheinigung nach Art. 39 i.V.m. Anhang I Brüssel IIa-VO. Dabei handelt es sich um europaweit einheitliche Bescheinigungen. Es ist noch nicht mal mehr eine Legalisation oder Apostille erforderlich.

Eine Übersetzung bräuchte man (wahrscheinlich) nur, wenn man unsinnigerweise bei einer EU-Scheidung das kostenpflichtige und nicht notwendige (aber mögliche) förmliche Anerkennungsverfahren bei der Landesjustizverwaltung beantragen würde. Warum sollte man das tun, wenn keine Behörde das abverlangen darf?

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#10
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31663 Beiträge, 5589x hilfreich)

Vielleicht sollte man erstmal die Trennungszeit dieses Ehepaares abwarten?
Falls die TE dann noch Fragen zum Ort der Scheidung oder zu Sparvarianten usw. hat, kann man gern weiter klar oder breit oder verkompliziert alle Varianten vorstellen, die das Juristenherz begehrt...und die einen Scheidungswilligen evtl. mehr verwirrt...

Jetzt stellt sich die Frage nach der Scheidung in D oder E doch vermutlich noch gar nicht.
Es könnten auch noch andere Komponenten auftauchen... im März war schließlich von einer Eheschließung in E mit einem Spanier noch gar keine Rede.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#11
 Von 
smogman
Status:
Student
(2764 Beiträge, 908x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Vielleicht sollte man erstmal die Trennungszeit dieses Ehepaares abwarten?
Genau hier wirst du erkennen, wie interessant das Ganze ist. Das spanische Recht kennt nämlich gar keine Trennungszeit. Während man bei der Wahl des deutschen Rechts also tatsächlich warten müsste, könnte man sich nach spanischem Recht sofort scheiden. Ohne Kinder ist das dort sogar per einvernehmlicher notarieller Erklärung möglich.

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#12
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31663 Beiträge, 5589x hilfreich)

Zitat (von smogman):
Das spanische Recht kennt nämlich gar keine Trennungszeit.
Danke für den Hinweis.

Dann also... entscheiden Sie sich, Frau Meerfrau... :)
Viel Glück!

Signatur:

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#13
 Von 
Arielle_die_Meerjungfrau
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Zusammen,

erstmal vielen vielen vielen Dank für diese Vielzahl an informativen Beiträgen! Ich bin gerade noch etwas überwältigt und muss mir das alles noch mal ganz in Ruhe und strukturiert durchlesen und sicher das ein oder andere noch mal vertiefter googlen um eure Argumente und Informationen überhaupt richtig zu verstehen.

Ja, im März hatte ich mir da noch gar keine Gedanken zu gemacht, erst im Rahmen der weiteren "Planung" mit meinem Noch-Ehemann ist mir irgendwann wie Schuppen von den Augen gefallen, dass die unterschiedliche Staatsbürgerschaft durchaus problematisch sein könnte... Aber ich bin jetzt jedenfalls soweit beruhigt, als dass es für mich beim ersten lesen so klang, als hätten wir damit eher mehr Möglichkeiten anstatt ernsthafter Probleme.

Ic werde mich auf jeden Fall auf der Grundlage eurer Infos weiter informieren und dann gemeinsam mit meinem Noch-Mann besprechen ob wir den deutschen oder spanischen Weg gehen wollen :-)

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