Ist das Kindesentführung ?

4. April 2016 Thema abonnieren
 Von 
Neustart 2016
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Ist das Kindesentführung ?

Hallo, ich schreibe für einen Freund da dieser zur Zeit kein Internet hat. Ich versuche so knapp wie möglich zu schreiben . Folgende Situation :
Ein nicht verheiratete Paar ende 30 hat eine 2 Jahre alte Tochter, für die gemeinsames Sorgerecht besteht. Beide Elternteile sind mit psychischen Erkrankungen vorbelastet. Der Vater ist seit 2 Jahren stabil mit Medikamenten eingestellt und versorgt zu 95% seine Tochter. Die Kindesmutter ist nicht in der Lage das Kind zu versorgen. Nachts schläft das Mädchen schon seit es 6 Monate alt ist bei den Großeltern, aus Angst die Kindesmutter könnte ihr etwas antun. Tagsüber ist sie nur unter Aufsicht des Kindesvaters mit der Tochter in Kontakt. Teilweise sogar tagelang garnicht, aus ihrem eigenen Wunsch heraus.
Die Kindesmutter neigt zu Gewalt und ist auch schon polizeilich "bekannt" aus Vorbeziehungen.
Der Kindesvater hat sich jetzt endgültig aus dieser Beziehung verabschiedet, was zur Folge hatte das die Kindesmutter mit Suizid und Gewalt gedroht hat. Er hat sofort seine Tochter in Sicherheit gebracht und ist bei seinen Eltern 200 Meter entfernt von seiner Wohnung.
Jetzt hat er aber erst nächste Woche einen Anwaltstermin bekommen. Nun ist seine Sorge saß die Polizei evtl. die kleine bei ihm/seinen Eltern abholt und zur Kindesmutter bringt, was fatal wäre da sie sich ja garnicht um sie kümmern kann und zudem die Angst besteht sie tut sich oder der kleinen etwas an. Was kann/ soll er tun bis dahin?
Vielen Dank im voraus Mfg

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38179 Beiträge, 13942x hilfreich)

Schau mal ins StGB. Da ergibt sich auch den einschägigen Strafbestimmungen eigentlich alles, sowohl was Entführung als auch Kindsentzug angeht.

wirdwerden

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#2
 Von 
Marcus2009
Status:
Lehrling
(1723 Beiträge, 1092x hilfreich)

Ich nehme mal an, dass die Kindesmutter das ABR (Aufenthaltsbestimmungsrecht) hat.

Zitat (von Neustart 2016):
was zur Folge hatte das die Kindesmutter mit Suizid und Gewalt gedroht hat.


Wenn der Kindesvater das Kind unter diesen Umständen einfach entführt - und darum handelt es sich auch wenn es nur 200 Meter sind - dann kann die Polizei tatsächlich das Kind wieder "einsammeln" und der Kindesvater kommt in Teufels Küche. Auch wenn er nur in bester Absicht gehandelt hat.

Der Kindesvater sollte sich möglichst umgehend mit dem Jugendamt in Verbindung setzen. Also möglichst gleich morgen früh! Wenn er nachweisen oder wenigstens glaubhaft machen kann, dass die Kindesmutter Suizid gefährdet ist, dann müsste das Jugendamt sofort aktiv werden. Denn es besteht in diesem Fall tatsächlich unmittelbare Gefahr für das Kind. Die Psychologie lehrt nämlich, dass Selbstmörder potientielle Mörder sein können.

Das Jugendamt kann bei Gefahr im Verzug von sich aus tätig werden und das Kind etwa dem Vater in Obhut geben. Oder das Kind bei einer Pflegefamilie oder in einem Heim unterbringen. Das Familiengericht wird dann umgehend eingeschaltet und muss kurzfristig entscheiden wie der Aufenthalt des Kindes weiter geregelt wird. Solange die Mutter Suizid gefährdet ist, dürfte sie das Kind nicht mehr unbegleitet betreuen dürfen.


-- Editiert von Marcus2009 am 04.04.2016 19:45

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#3
 Von 
Neustart 2016
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antwort Marcus2009 , nein das ABR haben beide, sowie das Sorgerecht auch, sie lebten zusammen bis vor 3 Tagen. Ich kann nur nicht verstehen wieso das Entführung ist, er ist ihr leiblicher Vater und hat auch das Sorgerecht. Wäre es nicht schon Vernachlässigung wenn er das Kind zu ihr gibt in ihrem Zustand ? Sie hat das Kind noch nie versorgt (kochen, einkaufen, wickeln usw.) Er ist ja gegangen weil sie gedroht hat sich und dem kind was an zu tun wenn er sie verlässt. Der Anwalt gab ihm leider erst nächste woche den Termin.
Hm ...

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#4
 Von 
JogyB
Status:
Bachelor
(3155 Beiträge, 3146x hilfreich)

Zitat (von Marcus2009):
Wenn der Kindesvater das Kind unter diesen Umständen einfach entführt - und darum handelt es sich auch wenn es nur 200 Meter sind - dann kann die Polizei tatsächlich das Kind wieder "einsammeln" und der Kindesvater kommt in Teufels Küche

Aha, und dann ruft der Vater die Polizei und die Mutter kommt dann in Teufels Küche, weil der Vater ja auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat und nicht will dass das Kind bei Ihr ist?

Das liest sich für wie der klassische Fall, dass ein Partner auszieht und das Kind mitnimmt - nur dass es ausnahmsweise mal der Ehemann ist. Hatten wir hier schon zigfach und das scheint mir in der Regel nach dem Motto "wer zuerst kommt mahlt zuerst" zu laufen. Schließlich haben beide das Aufenthaltsbestimmungsrecht und wenn sie sich nicht einig sind, dann muss das Familiengericht entscheiden. Und nicht die Polizei ad hoc vor Ort, schon gar nicht wenn die Suizidgefährdung der Mutter angesprochen wird - das Risiko tut sich kein Polizist an.

Dass das eigenmächtige Handeln vor dem Familiengericht unter Umständen nicht gut ankommt, mag durchaus sein, nur ist das nur ein Faktor bei der Entscheidung über das Sorge- oder Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Und strafrechtlich ist das aufgrund von §35 StGB ohnehin nicht relevant.

-- Editiert von JogyB am 04.04.2016 20:43

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#5
 Von 
nero070
Status:
Bachelor
(3590 Beiträge, 1263x hilfreich)

Guten Abend!

Kindesentziehung kann zwischen sorgeberechtigten Eltern nicht statt finden. Dass kann nur durch Dritte passieren. Das ist hier nicht der Fall.

Hier ist der Vater mit dem Kind zusammen aus der ehelichen Wohnung ausgezogen. ABR liegt wohl bei beiden Elternteilen. Wenn sich die Eltern jetzt nicht auf den gewöhnlichen Aufenthaltsort des Kindes einigen können, muss das Familiengericht entscheiden.

Dem Vater wäre zu raten, dass er sofort, mit Hilfe eines Fachanwalts für Familienrecht, die Übertragung des alleinigen ABR auf sich beantragt. Und mit sofort meine ich morgen.

Natürlich könnte man hier auch das JA mit einbeziehen, allerdings sich die oft sehr mutterlastig eingestellt. Da kommt dann oft, dass man der Mutter ja eine Familienhilfe an die Hand geben könnte oder Ähnliches. Ich würde es nicht machen. Ich würde auf den Eilantrag beim Familiengericht setzen.

LG nero

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Marcus2009
Status:
Lehrling
(1723 Beiträge, 1092x hilfreich)

Ich darf mich mal ausnahmensweise selbst zitieren.

Zitat (von Marcus2009):
Ich nehme mal an, dass die Kindesmutter das ABR (Aufenthaltsbestimmungsrecht) hat.


In diesem Fall haben aber beide das ABR. Und deshalb liegen die Verhältnisse völlig anders. Hier sind beide Elternteile entscheidungsberechtigt. Und deshalb kann der Kindesvater das Kind erst mal zu sich nehmen.

Unter diesem Umständen würde ich auch eher dazu raten, unter Hinweis auf die Suizid Gefährdung das alleinige ABR zu beantragen und das Kind bis dahin nicht unbegleitet zur Kindesmutter zu lassen.

Wichtig ist, dass die Sachlage auch BEWIESEN werden kann. Denn sonst könnte im dümmsten Fall die Kindesmutter den Spieß umdrehen und wegen Umgangsvereitelung das alleinige ABR beantragen und auch erhalten.

Der Kindesvater wird einen guten Fachanwalt für Familienrecht benötigen.



-- Editiert von Marcus2009 am 04.04.2016 21:18

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38179 Beiträge, 13942x hilfreich)

@ Neustart: wenn Du mal ins StGB geschaut hättest, wie von mir empfohlen, dann hättest Du gesehen, dass es sich weder um Kindsentzug noch um Entführung handelt. Und strafrechtlich gesehen ist es wurscht, ob Du das Sorgerecht oder Aufenthaltsbestimmungsrecht hast.

wirdwerden

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