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Jugendamt drängt zur Familienhilfe - Bitte um Rat

 Von 
Malebo
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)
Jugendamt drängt zur Familienhilfe - Bitte um Rat

Hallo liebe Fachleute,

ich habe folgendes Problem:

Wir (ich, meine Frau und unsere Tochter, 12 Jahre) stehen vor der Entscheidung eine vom Jugendamt uns nahe gelegte Familienhilfe anzunehmen oder abzulehnen.

Zunächst einmal die Vorgeschichte:

Vor ca. einem Jahr hatte meine Tochter sich an ihre Lehrerin in der Schule gewandt und geklagt, dass sie von ihrer Mutter des öfteren geschlagen werden würde. Meistens ging es dabei darum, dass sich unsere Tochter all zu freizügig gekleidet (auch im Winter mit kurzem Rock und nur mit T-Shirt.....)in die Schule begeben wollte und meine Frau (und auch ich) dies so natürlich nicht zugelassen haben. Dabei ist ihr gelegentlich schon mal die Hand ausgerutscht. Prompt hatte sich gleich das Jugendamt bei uns gemeldet. Es wurde uns nahegelegt eine Erziehungsberatung aufzusuchen. Dies haben wir auch getan und es hat sich auch gebessert. D.h. seit dem ist meiner Frau bei schwierigen erzieherischen Situationen die Hand nicht mehr ausgerutscht.

Nun haben wir aber das andere Extrem: Unsere Tochter hielt sich nicht mehr an Regeln, kam nach der Schule nicht mehr nach Hause und kreuzte erst abends gegen 19:00 Uhr wieder zuhause auf. Sie sagte dann immer sie wäre mit Freunden zusammengewesen, jedoch konnte ich nichts detailiertes über das was sie den gesamten nachmittag gemacht hatte herausfinden. Dies war für uns alle natüclich eine unbefriedigende Situation.

Ich muss dazu sagen, daß ich beruflich häufig im Ausland bin und in dieser Zeit natürlich nur wenig Einfluss darauf habe was zuhause passiert.

Es hat sich nun herausgestellt, dass unsere Tochter mit den falschen Freunden (alle in ihren Alter)
zusammen war, die sie fianziell und auch psychisch unter Druck gesetzt haben. Dabei ging es auch um kriminelle Dinge wie Ladendiebstähle, zu denen unsere Tochter von diesen sog. Freundinnen angestiftet wurde etc.

Nachdem ich dies erfahren habe bin ich sofort zur Polizei und habe die gesamte S**bande angezeigt. Es gab Ermittlungsverfahren und die Hauptanstifterin wurde erkennungsdienstlich erfasst (mit 13 leider noch strafunmündig), ich selbst habe ein sher deutliches und keine Fragen offen lassendes Gespräch mit den Eltern und der sog. Freundin geführt.

Seit unsere Tochter keinen Kontakt mit diesen Leuten mehr hat ist sie wie gelöst, hält sich wieder an Regeln, kommt nach der Schule pünktlich nach Hause und ist wieder sie selbst.

Nun hatten wir in der letzten Woche wieder einen termin beim Jugendamt, wobei es um eine Familienhilfe ging, die uns von Jugendamt nahegelegt wurde. Wir hatten vor einiger zeit den Antrag hierzu gestellt, da wir zu diesem Schritt von JA fast schon genötigt wurden. Bei dem Termin letzte Woche und nachdem ich die gesamte Vorgeschichte erzählt hatte fiel allerdings auch dem JA-Sacharbeiter auf, daß sich die Situation deutlich entschärft hat. Aber er wollte trotzdem daß wir uns für eine solche Familienhilfe entscheiden. Man´sagte uns, daß eine Familienhilfe bis zu 30 Monaten dauern kann und es kommt jede Woche eine Ansprechpartnerin ein oder zweimal zu uns nach Hause um hier zu beraten. Sicher ist unsere Tochter gerade mitten in der Pubertät und demenstsprechend verhält sie sich. Aber dies ist doch ein tiefer Einschnitt in die persönliche Privatshäre wobei ich die Befürchtung habe, dass wir dadurch immer tiefer in den Sog des JA hineingezogen werden bis als letzen Schritt das JA uns dann noch das Kind wegnimmt. Wie ich leider aus diversen Quellen erfahren habe hat man als Familie in Deutschland wohl nicht viel Möglichkeiten sich gegen ein solches Vorgehen des JA erfolgreich zu wehren.

Nach dieser langen Vorgeschichte nun meine Frage:

Das Annehmen der Familienhilfe ist ja unsere Entscheidung, die das JA zunächst so zur kenntnis nehmen muss. Was kann aber dann die Konsequenz einer Ablehnung seitens des JA sein? Würde man uns dann das Kind wegnehmen z.B. mit der Begründung dass wir uns verweigern? Dürfen die das so einfach?

Ich habe dem JA den Vorschlag gemacht, das ganze erstmal auf sich ruhen zu lassen und bei einem Folgetermin die Notwendigkeit der Familienhilfe erneut zu prüfen. Das JA meinte jedoch dass es besser sei jetzt sofort damit anzufangen. Daraufhin habe ich die Frage gestellt ob wir die Fanilienhilfe auch jederzeit beenden können wenn wir dies nicht mehr wollen. Ich habe daraufhin aber nur ausweichende Antworten erhalten (man könne z.B. die Kontaktperson austauchen etc.).

Kann die Familienhilfe von den Eltern beendet werden wenn diese es nicht mehr wollen? Sind dann Konsequenzen vom JA zu erwarten? Was würde Ihr uns raten: Familienhilfe annehmen oder zunächst einmal aussetzen lassen und zu einem späteren Zeitpunkt neu entscheiden? Welche Risiken bestehen bei Annahme, welche bei Ablehnung?

Vielen dank vorab für Eure sachlichen Antworten

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Eltern Tochter Jugendamt Familie


29 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17765 Beiträge, 7967x hilfreich)

Eine Familienhilfe wird nur eingerichtet, wenn Sie das wollen und einen Antrag auf Hilfe unterschreiben.
Sie können den Familienhelfer ablehnen und um einen anderen bitten, wenn Sie mit ihm nicht klarkommen. Es gibt keine festgelegte Dauer einer Familienhilfe, diese kann jederzeit beendet werden.
Sollte die Familienhilfe feststellen, dass alles im Lot ist und Sie mit Ihrer Tochter alleine klarkommen, wird sie sowieso anregen, die Hilfe wieder zu beenden.
Wenn Sie die Hilfe ablehnen, kann es zu einem Gerichtsverfahren kommen, bei dem das Ergebnis die Herausnahme der Tochter aus der Familie ist. Sowas passiert aber eher selten.
Ich würde raten das Hilfsangebot anzunehmen und zu gucken, ob Ihnen das nicht wirklich weiterhilft. Beim Umgang mit Pupertierenden kann das wirklich nicht schaden.


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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Der Grundsatz, der sich aus dem SGB VIII herleiten lässt, ist, dass zunächst einmal alles freiwillig ist, bzw. im Nachhinein von den Eltern gebilligt werden sollte (etwa die Herausnahme eines Kindes aus der Familie). Läuft das so ab, so ist kein Gericht involviert. Hält das Jugendamt eine Maßnahme für erforderlich, die Eltern verweigern diese Maßnahme, so hat das Jugendamt zwei Möglichkeiten:

Entweder es beläßt es dabei, oder aber, wenn die Maßnahme dringend erforderlich ist, dann muss das Familiengericht angerufen werden. Das entscheidet dann, wie weiter verfahren wird. Einmal gibt es ja die Möglichkeit, dass das Gericht die Maßnahme wie die Eltern auch für nicht erforderlich hält, oder aber es ordnet die Maßnahme an.

Hier müssen also die Eltern abwägen, wie weiter vorgegangen werden soll.

wirdwerden

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#3
 Von 
edy
Status:
Junior-Partner
(5614 Beiträge, 2346x hilfreich)

Hallo Malebo,

Mein Sohn hatte auch so seine Schwierigkeiten.

Mehrere Termine bei einer Familienberatungsstelle zu der
er freiwillig alleine hin ging,( möglich auch bei z.B.Caritas) haben sehr gute Wirkung gezeigt.

Evtl.kann das JA dieser Möglichkeit zustimmen.

lg
edy

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"Mein Motto:
irgendwie geht's schon"

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#4
 Von 
Anny
Status:
Junior-Partner
(5531 Beiträge, 455x hilfreich)

Malebo hallo.
ich sehe das so, dass ihr euch viel zu viel von einer familienhilfe vorstellt.
im prinzip ist es so, als sitze ein vermittler oder ein freund/ bekannter bei euch, der die lage aus verschiedenen perspektiven beleuchtet.
nicht wirklich dramatisch.

eine vertraute ansprechperson kann nie schaden, vor allem kann es dem kind gut tun. es gibt immer etwas mitzuteilen, was man den eltern nicht so rüber bringen kann.
keiner nimmt euch das kind weg.

so eine familienhilfe ist kostenlos, da wird geschaut, wie der bedarf ist. ein angebot.

ich würde diese familienhilfe annehmen, warum nicht?
ok, das muss nicht zwangsläufig bei euch zuhause stattfinden.
es ist mehr eine begleitung, miteinander reden.
sich zeit dafür nehmen.
ich finds gut.

danach habt ihr mehr sicherheit, ob das kind stabil ist oder merkt vielleicht, wenn es abdreht.
alles gute ;)

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"Die Welt ist mir ein kaltes Haus ohne die gleichmäßige Wärme jenes Ofens,den man Liebe nennt.LGAnny"

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#5
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

@ Malebo


Das ist ja alles sehr unglücklich gelaufen.

Die Frage ist, ob sich die Lehrerin überhaupt richtig verhalten hat, denn spinne den Film mal weiter....

Deine Tochter kann jetzt jederzeit zur Lehrerin gehen und auch Sachen erfinden.

Deswegen halte ich das Jugendamt für den falschen Schritt.
Dann eher eine Familienberatungsstelle, Caritas ist da sehr gut. Wollen die dann mit dem Jugendamt reden, mußt du die Caritas dafür der Schweigepflicht entbinden....

Jugendamt sehe ich als letzten Ausweg und da würde es in Richtung Betreutes Wohnen gehen (vorher noch Aufenthalt in der Psychiatrie), was ihr ja nicht wollt.

Ich bezweifel auch stark, daß deine Tochter Respekt vor einer Familienhilfe hat und überhaupt dabeisein will, also nicht da auch einfach weg bleibt. Das kann schnell nach hinten losgehen.
Den Termin bei der Caritas kannste an "etwas" binden, ein Versprechen oder eine Pflicht und es bleibt in der Familie.

Dazu würde ich einen Verstärkerplan empfehlen, einfach ganz normale Sachen "verdienen" lassen.... Dann kommt auch der Respekt eher wieder.

Ja und auch mal nach den Ursachen forschen, die Tochter ist noch 6 Jahre zu Hause, Schläge sind keine Lösung. ;)

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#6
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

@ tigerkind: das Problem ist doch, dass das Jugendamt bei Verweigerung der Mitarbeit ohne weiteres eine gerichtliche Entscheidung mit ungewissem Ausgang herbeiführen kann. Da wäre es doch besser, den Versuch mit der Familienhilfe zu starten. Einfach, um da nichts zu riskieren.

Ich weiss nicht, wie ein Richter reagiert, wenn dann so festgestellt wird, dass die Mutter aus Überforderung das Kind geschlagen hat, dass das Kind teilweise ausser Kontrolle war. Und dass jetzt jedwede Ausübung des "Wächteramtes", und das hat nun mal der Staat, abgeblockt wird.

Einerlei, welche Einrichtung man einschaltet, es gibt m.E. keine guten oder schlechten Einrichtungen. Es gibt nur gute oder schlechte Mitarbeiter. Oder auch, Mitarbeiter, die zu einem passen, und solche, die es nicht tun.

wirdwerden

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#7
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

@ wirdwerden


quote:
Ich habe dem JA den Vorschlag gemacht, das ganze erstmal auf sich ruhen zu lassen und bei einem Folgetermin die Notwendigkeit der Familienhilfe erneut zu prüfen. Das JA meinte jedoch dass es besser sei jetzt sofort damit anzufangen. Daraufhin habe ich die Frage gestellt ob wir die Fanilienhilfe auch jederzeit beenden können wenn wir dies nicht mehr wollen. Ich habe daraufhin aber nur ausweichende Antworten erhalten (man könne z.B. die Kontaktperson austauchen etc.).


Da gab es schon eine ausweichende Antwort, da ist also schon einmal keine Vertrauensbasis da. So würde ich das als Elternteil auch dem Jugendamt schriftlich per Einschreiben zuschicken.

Die Eltern müssen ja auch mitmachen, nicht nur die Tochter.
Außerdem was will denn eine Familienhilfe mit einem Teenie machen? Eis essen gehen? Da ist doch eine Therapie im sicheren Rahmen viel besser, gekoppelt mit z.B. nem Verstärkerplan.

Das Jugendamt muß sich da schon mächtig anstrengen, um die Familienhilfe durchzubekommen. Glaube nicht, daß sowas vor Gericht geht.

Deswegen ja auch mein Rat, eigene Hilfe aufzusuchen. Und mal der Tochter klar machen, was es für Konsequenzen haben kann, wenn sie nicht mitmacht. Und einen strafferen Zeitplan einbauen, mit Verstärkerplan.

Ich habe halt mitbekommen, wie sich ein Träger in Familien festsetzen kann, die wollen ihren Job nicht verlieren....

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#8
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Sowas geht ohne weiteres vor Gericht, einfach, weil es gesetzlich vorgesehen ist. Hier geht es nicht um Glauben, sondern auch um Taktik. Und ich habe so meine Zweifel, dass ohne Taktik die Sache erledigt ist. Nach der Vorgeschichte. Denn kein Jugendamtsmitarbeiter will sich strafbar machen, nur, weil der die Problematik Wächteramt/Garantenstellung nicht kannte.

wirdwerden

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#9
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

Man kann doch als Eltern sich mal vorantasten.

Mit dem Einschreiben und sehen, wie die reagieren. Sie müssen ja auch begründen, warum Familienhilfe wichtig ist. Das würde ich anfordern.

Und wenn ja eine andere "Fachkraft" - bei der Caritas arbeiten auch Pädagogen - involviert ist, kann das Jugendamt nix.

Und daß das Jugendamt auf Verdacht hin "einschreiten" kann, tja da würde ich es als Eltern aufs Gericht drauf ankommen lassen. Denn eines ist klar, das Mädel ist 12 und soll 3 Jahre Familienhilfe bekommen. Das Mädel hat dann nen Knax weg.....

So sehe ich das. :)

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#10
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Die Frage ist doch, wann der Knax kommt. Der ist doch wahrscheinlich schon wegen der körperlichen Misshandlungen da (so würde ich als Jugendamt argumentieren). Und da hilft auch kein Brief, ob mit oder ohne Einschreiben. Und das Jugendamt kann nicht auf Verdacht einschreiten, es muss. Deshalb ja mein Vorschlag,zunächst einmal zu kooperieren. Und dann sieht man weiter.

wirdwerden

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#11
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

Die Tochter ist aber in der Pubertät und durch den Freundeskreis kam es zu Problemen. Genauso das freizügige Anziehn... Da kann eine Mutter auch mal sauer werden. Ich entschuldige kein Schlagen. Vielleicht hat die Tochter sich ja auch was getan?

Alles das, was eine pädagogische Kraft oder eine psychologische Kraft erreichen kann - ist das selbe wie die Familienhilfe.
Denn den Freundeskreis und die Pubertät kann auch das Jugendamt durch Familienhilfe nicht ändern.

Von daher kann es auch eine andere Fachkraft machen.

Aber wichtig ist doch vor allem, daß Struktur reinkommt und die Mutter auch mitmacht.

Außerdem gibt es auch noch Selbsthilfegruppen, Jugendtreffs, Vereine.... Das Jugendamt muß da nicht involviert sein.
Es will es oft, klar. Aber letzte Instanz ist das Familiengericht.

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#12
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

nur, wenn die Eltern mit dem Jugendamt nicht zusammen arbeiten, dann geht die Kiste an das Familiengericht. Und da ist es wurscht, ob es andere Möglichkeiten gibt. Der richtige Weg wäre doch, die Familienhilfe anzunehmen, und dann die Helferin als Verbündete ins Boot zu holen.

wirdwerden

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#13
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

Es gibt Fälle, da gabs keine Familienhilfe mehr, weil es z.B. eine stationäre Aufnahme in der Psych gab.
Von daher ist es sehr wohl möglich, andere Kompetenzen in Anspruch zu nehmen!

Die Eltern können doch mit dem Jugendamt reden, aber Familienhilfe können sie auch durch andere Hilfe ersetzen.

Aber vielleicht meinst du ja, daß das Jugendamt mehr Chancen vor Gericht hätte, weil das Mädel sich Hilfe holte und es nicht andersherum lief. Das kann evtl. sein, daß das Jugendamt sich dann dadurch "verbeißen" will....
Nur hatte das Mädel sich die Hilfe vom Lehrerpersonal erhofft und nicht vom Jugendamt...

Naja, mal abwarten, vielleicht werden wir ja aufgeklärt.

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#14
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Wenn das Jugendamt schon drängt, dann ist es auch in der Pflicht. Natürlich können die Eltern es drauf ankommen lassen, hab ich schon ganz am Anfang geschrieben. Nur das Risiko würde ich nicht eingehen. Und die Caritas ist nun mal keine staatliche Institution. So ganz und gar nicht. Hier wäre ein Blick ins SGB VIII sehr hilfreich, mit den Verpflichtungen, die das Jugendamt hat, wenn freiwillige Hilfen nicht angenommen werden.

wirdwerden



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#15
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

Familienhilfe wird über TRÄGER "engagiert", die arbeiten freiberuflich. Sind also auch kein Staat!

Ein Threapeut muß auch kein "Staat" sein....

Die Caritas arbeitet eng mit dem Jugendamt zusammen, wenn es um Schweigepflichtentbindung geht, bieten auch "Programme" an, die das Jugendamt bezahlen.

Das Jugendamt läßt sich nur ungerne in die Karten blicken -fordert man eine Akteneinsicht an, dann sind dort geschwärzte Stellen, subjektive Eindrücke....
Und wer sich mit dem Jugendamt anlegt, kann auch ganz schnell Probleme mit anderen staatlichen Institutionen bekommen...

Muß jeder selber wissen!

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#16
 Von 
Malebo
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo und vielen dank für Eure Antworten. Es ist in der Tat schwierig die richtige Entscheidung zu treffen, es gibt genug plausible Argument pro, aber auch contra.

Ich habe nochmals per E-Mail beim JA Sachbearbeiter nachgefragt und der hat mir nun schriftlich bestätigt, daß wir jederzeit die Therapie abbrechen können wenn wir dies nicht mehr wollen. Er betonte nochmal die Freiwilligkeit des ganzen und meinte, daß er uns zu nichts zwingen möchte.

Was ich noch vergessen habe zu erwähnen:

Seit letztem Jahr ist meine Tochter und meine Frau bei der Caritas zur Beratung/Therapie. Mit mäßigem Erfolg. Das JA hat im Februar ein Gespräch mit uns und der Beraterin der Caritas angeordnet. Dies war genau zu der Zeit, als meine Tochter massiv unter Druck stand. Und dabei entstand bei beiden (Caritas und JA) der Eindruck, dass dringend etwas getan werden müsse und haben die Familienhilfe auf den Plan gebracht.....

Außerdem habe ich mich schon um eine private Therapie bei einer Jugendpsychotherapeutin bemüht. Morgen hat meine Tochter ihren ersten Termin. Das ist dem JA auch bekannt. Es kann also niemand sagen, dass wir uns nicht um eine Therapie bemühen würden. Trotzdem hält das JA an der Familienhilfe fest.

Wir haben uns nun dazu entschieden, die Familienhilfe erst einmal anzunehmen, denn bei einem pubertierenden Mädel kann es einerseits kein Fehler sein, wenn noch jemand drittes auf dei Entwicklung des Kindes schaut um evtl. Entgleisungen vorzubeugen. Sollte sich das ganze aber gegen uns entwicklen dann werden wir die Hilfe sofort beenden.

Ich denke auch, daß es zunächst besser ist mit dem JA zu kooperieren, da die letztendlich mit Hilfe der Gerichte das letzte Wort haben (dachte immer es würde da im GG einen Paragraphen geben, der besagt dass die Familie den besonderen Schutz das Staates geniesst...). Sich gegen eine solche Mammutbehörde aufzulehnen bringt nicht viel und mir sind keine Fälle bekannt bei denen das Erfolg gehabt hätte.

Dabei ist mir völlig klar, daß diese Behörde quasi von der Quote lebt um eine Daseinsberechtigung zu haben.

Das Problem bei uns in Deutschland ist, daß hier nichts normal laufen kann - wir bewegen uns nur zwischen Extremen. So gesehen ist Kindererziehung in Deutschland schon eine Gratwanderung bei der man nur hoffen kann, dass meine seine Kinder ohne Einmischung von außen großziehen kann.

Ich werde Euch auf dem laufenden halten.

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#17
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

.....und wenn Du diesen Artikel des Grundgesetzes zu Ende liest, dann steht da was vom Wächteramt des Staates.

Und ich wehre mich dagegen, dass das Jugendamt bei Euch nur vorstellig wurde, um seine Quoten zu erfüllen. Die Verpflichtungen des Einschreitens ergeben sich aus Art. 6 GG und dann aus dem SGB VIII iVm § 1666 ff BGB . Das Jugendamt muss einschreiten, wenn es Kenntnis von Unregelmäßigkeiten erhält. Und Gewalt in der Familie ist nun mal eine Unregelmäßigkeit, ebenso wie das Verhalten Eurer pupertierenden Tochter. Also hier alles auf andere schieben, das ist nicht der richtige Weg. Nehmt die Hilfestellungen an, die Euch geboten werden. Und wenn Ihr sie nicht mehr benötigt, wird das Jugendamt sich auch gerne wieder ausklinken. Die haben nämlich genug zu tun.

wirdwerden



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-- Editiert am 05.04.2011 08:21

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#18
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

@ Malebo

danke erst einmal für die Rückmeldung. Vielleicht hilft es ja auch anderen Eltern, denn es ist wirklich alles sehr schwammig was heutzutage als "richtig" angesehen wird.

Ich habe wirklich viele Berichte gelesen und grad lief auch auf 3Sat was über Kinder, die nicht mehr zurückkamen, wenn sie mal weg waren.

Deswegen glaube ich auch dem Jugendamt nix, wenn es sagt, daß man die Hilfe jederzeit ablehnen kann. Denn es DARF auf VERDACHT einer Gefährdung eingreifen. Das Kind braucht nur nen blauen Fleck haben - das heißt dann schon: Verdacht auf Mißhandlung.

Diese Fälle haben emmens zugenommen.

Das heißt in der Praxis, daß das JA das Kind einfach mitnimmt und man selber einen Eilantrag bei Gericht stellen muß. Das dauert bis zu 1 Monat - Gerichte sind deswegen überlastet.
Viele Betroffene sehen dann ihr Kind MIND. 1 Monat nicht! Nur wegen eines VERDACHTS. Die weiteren möglichen Wege erspare ich hier mal. Letzendlich kann es dann so sein, daß aus einer Kindesrausnahme eine Langzeitpflege wird, was das JA gerne nach 2 Jahren macht! Also wehret den Anfängen!

Naja, ich wollts nur nochmals kurz aufgreifen.

PS: Das Jugendamt wird vor Gericht angehört, richtig, aber es ist nicht ausschlaggebend. Zum Glück, denn die lügen gerne vor Gericht!

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#19
 Von 
hpunkt
Status:
Schüler
(245 Beiträge, 131x hilfreich)

Bei Eltern, die meinen ihrer Tochter die Pubertät wegtherapieren zu können, ist die Familienhilfe wohl tatsächlich nicht am falschen Ort. Und wenn ihr an fähige Leute geratet, wird man euch vielleicht sogar klar machen, dass Streitigkeiten über freizügige Klamotten, zu spätes Nachhausekommen und ja, auch die Ladendiebstähle zum normalen alterstypischen Programm gehören, mit denen sehr viele Eltern leben müssen.

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#20
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Hier sind doch die körperlichen Misshandlungen eingeräumt worden. Es geht nicht, wie Tigerkind meint, um ein paar haltlose Vermutungen. Und hinterher gab es auch Störungen. Das kann man nicht wegdiskutieren. Ich finde es mutig vom Vater (und gut!), dass er das eingeräumt hat. Nur ob die Probleme hinterher nicht ihre Ursache eben in diesen Mißhandlungen haben, dass weiss hier niemand.

Dass man selbst einen Eilantrag bei Gericht stellen muss, liebes Tigerkind, ist definitiv falsch. Wenn binnen drei Tagen das Jugendamt das nicht tut, bei fehlender Zustimmung, dann ist das Kind zurückzuführen. Ohne wenn und aber, ergibt sich alles aus dem SGB VIII!

wirdwerden

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#21
 Von 
einzige!-kleine-koenigin..
Status:
Beginner
(65 Beiträge, 19x hilfreich)

Also ich bin ebenfalls der Meinung, dass man sich mit dem JA nicht anlegen sollte.

Hier wurden Schläge eingeräumt (die heute verboten sind und Ausreden akzeptiere ich da auch nicht ;-) ). Das JA ist verpflichtet, zunächst alle Versuche zu unternehmen, das Kind zu unterstützen und in der Familie zu belassen. Eine Herausnahme aus der Familie ist der letzte Weg, es sei denn, es gibt von Anfang an keine andere Lösung.

Unkooperativ zu sein, erscheint mir hier auch der schlechteste Weg zu sein. Denn ein familienrechtliches Verfahren hat ungewissen Ausgang. Hier kann auch mal schnell die Vormundschaft auf das JA übertragen werden. ;-)

Und gerade bei der Vorgeschichte (Schläge, Ladendiebstahl) würde ich das Risiko, ein solches Verfahren durch das JA zu riskieren, nicht eingehen.

Kooperativ zu sein, ist hier der richtige Weg. Dieser wurde ja jetzt scheinbar auch gewählt.

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#22
 Von 
Malebo
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

@ hpunkt

>Bei Eltern, die meinen ihrer Tochter die Pubertät wegtherapieren zu können, ist die Familienhilfe wohl tatsächlich nicht am falschen Ort. Und wenn ihr an fähige Leute geratet, wird man euch vielleicht sogar klar machen, dass Streitigkeiten über freizügige Klamotten, zu spätes Nachhausekommen und ja, auch die Ladendiebstähle zum normalen alterstypischen Programm gehören, mit denen sehr viele Eltern leben müssen.
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#23
 Von 
Malebo
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

@ hpunkt

So schlau bin ich auch, daß die Pubertät eine schwierige Phase ist und die von dir genannten Dinge da auftreten können. Darum geht es doch gar nicht. Es geht um die Vehemenz wie sich unsere Tochter aufführt und in der Wohnung herumschreit, daß man es zwei Straßen weiter noch hört.

Wir haben die Familienhilfe erstmal angenommen, denn eine richtige Wahl haben wir wohl nicht.....Und jetzt muss man sehen, ob das vielleicht nicht doch etwas bringt. Vor allem vor dem Hintergrund, daß die Familienhelferin nicht vom JA sondern von der Diakonie ist.



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#24
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

quote:
Hier sind doch die körperlichen Misshandlungen eingeräumt worden. Es geht nicht, wie Tigerkind meint, um ein paar haltlose Vermutungen. Und hinterher gab es auch Störungen. Das kann man nicht wegdiskutieren. Ich finde es mutig vom Vater (und gut!), dass er das eingeräumt hat. Nur ob die Probleme hinterher nicht ihre Ursache eben in diesen Mißhandlungen haben, dass weiss hier niemand.



Das Problem, was das Jugendamt immer wieder "ausnutzt" ist der Faktor der Zeitspielung!!! Das kann man nicht wegdiskutieren.

Du sagst, es kam zu Handgreiflichkeiten, richtig.
Dann sagst du aber im gleichen Atemzug, es mußte ja eh so kommen, denn danach passierte auch was.

Nur kannst du das doch nicht in einen Kontexkt stellen! Das Mädel ist in der Pubertät und war es nie gewohnt angebunden zu werden. Kinder sollen heute schon kurz nach der Einschulung den Weg alleine schaffen.

Das heißt für mich, daß es ein zwischenmenschliches Problem ist, was da herrscht und das kann eine Familienhilfe nicht beheben. Deswegen will es ja auch ständig Familien voneinander trennen!
Familienhilfe geht Eis essen und geht wenn Zeit ist mit zu Terminen, ansonsten is Smalltalk angesagt! Vertiefen geht da nicht, weil einfach keine Zeit und keine Kompetenz vorhanden ist. Theorie und Praxis klaffen da gewaltig!

Das hängt auch damit zusammen, daß das Jugendamt einfach anderen die Verantwortung überträgt (TRÄGER), ihnen aber später nie die Schuld geben wird bei Problemen.
Und dann kommt noch das Prinzip der stillen Post hinzu.
Familienhilfe - Kunden + Familienhilfe - Jugendamt + Kunden - Jugendamt.

Heißt: Familienhilfe ist in der Familie, aber fürs Jugendamt außen vor, trotzdem entscheidet Familienhilfe und übergibt Jugendamt subjektive Informationen und Jugendamt kann entscheiden, was damit wird.

Die Kette geht dann so weiter, daß es beim Jugendamt Teamgespräche gibt, wo dann die stille Post verfestigt wird und im Team werden dann nochmals Entscheidungen getroffen.
Dann gehts da weiter zum Chef und das wars. Das Jugendamt hat keinen über sich.

Die "Kunden" sitzen also ganz unten und haben nix zu melden, auch wenn Akteneinsicht oder andere Schreiben nachverlangt werden (Hilfeplangespräch usw.) muß das JA nix tun! Das kann alles nur ein Anwalt und auch der wird geschwärzte Akten vorfinden und subjektive Eindrücke....

quote:
Dass man selbst einen Eilantrag bei Gericht stellen muss, liebes Tigerkind, ist definitiv falsch. Wenn binnen drei Tagen das Jugendamt das nicht tut, bei fehlender Zustimmung, dann ist das Kind zurückzuführen. Ohne wenn und aber, ergibt sich alles aus dem SGB VIII!

wirdwerden


Das Jugendamt spielt immer auf Zeit, wenn ein Kind draußen ist. Genauso erlaubt es sich, ein Kind wegen eines Verdachtes SOFORT rauszuholen aus der Familie!
Es will Unterschriften und klärt nicht auf. Es arbeitet mit Druck, Angstmache und dringt sehr schnell in die Privatsphäre ein mit einem Lächeln. JA ist in Rhetorik ausgebildet !!!

Wir viele kennen sich denn mit dem Gesetz aus? Und wer kommt auf die Idee, daß das Jugendamt schnell zum Gericht rennt? Wenn es einen doch anlächelt und Hilfe anbietet?

Lese endlich mal die ganzen Leiden und schau dir die Videos an. Wir leben in einem Land des Kinderklaus!

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#25
 Von 
tigerkind
Status:
Beginner
(76 Beiträge, 29x hilfreich)

@ malebo

Wer bezahlt die Familienhilfe von der Diakonie?

Also mal ganz ehrlich, die Polizei muß ständig ausrücken wegen Erwachsenen die Ruhestörung begehen und sich kloppen.

Bei Jugendlichen ist es ansich das selbe. Nur leben die noch zu Hause. Deswegen war da ja auch meine Idee mit dem Verstärkerplan.

Es kann sein, daß deine Tochter, wenn sie mal stationär in der Psych war, daß sie sich dann ändert. Bei einigen hilft es als Abschreckung.
Es gibt aber auch Kinder, die einfach nicht mehr zu handeln sind und dann in eine Einrichtung kommen wie in eine antroprosophische Einrichtung z.B....

Klar sollte sein, daß die Familienhilfe mehr schaden könnte, anstatt nutzen, wenn das Kind sich von einem zum anderen geschoben fühlt. Und wenn eine Bindungsstörung vorliegt wirds eh schwer.

Viel Glück :-)

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#26
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(33746 Beiträge, 12996x hilfreich)

Natürlich wird es für die Eltern schwer. Und ganz ehrlich, ich würde eine Mutter, der permanent die Hand ausrutscht, oder der es permanent über Jahre passiert ist, auch nicht ernst nehmen. Das würde ich meine Eltern büßen lassen, ehrlich! Die eine prügelt, der andere schaut zu.

Hier will das JA offensichtlich helfen. Aber abgesehen davon, das Jugendamt kann sich bei dieser Ausgangssituation nicht raushalten. Es hat ein Wächteramt, dem muss es nachkommen.

wirdwerden

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