Kindesunterhalt volljähriges Kind, bei der Mutter lebend

22. November 2015 Thema abonnieren
 Von 
salkavalka
Status:
Lehrling
(1530 Beiträge, 951x hilfreich)
Kindesunterhalt volljähriges Kind, bei der Mutter lebend

Hallo liebes Forum,
ich habe eine Verständnisfrage zum Volljährigenunterhalt.
Beispiel: Das minderjährige Kind (Schüler) lebt bei der Mutter, die auch das Kindergeld bezieht. Der Vater zahlt Unterhalt nach Tabellenstufe 1 der Düsseldorfer Tabelle. Das sind 440 € abzüglich hälftiges Kindergeld, verbleiben 348 € Unterhalt.
Das Kind wird volljährig, lebt weiterhin bei der Mutter. Der Unterhaltsanspruch des Kindes beträgt nun 504 €, abgezogen wird das gesamte Kindergeld, es verbleibt ein Betrag von 320 €.
Was bedeutet das ?
Heißt das, das die Mutter nun weniger Unterhalt für das volljährige Kind bekommt? Wenn ja, warum ist das so? An ihren Ausgaben für das Kind ändert sich doch nichts.
Oder ist der Unterhaltsanspruch von 504 € der gesamte Anspruch des Kindes gegenüber beiden Eltern, abzüglich volles Kindergeld, die verbleibenden 320 € verteilen sich auf beide Eltern, verbleiben 160 € für den Vater, die Mutter leistet ihren Anteil weiterhin durch Kost und Logis?
Steht der Unterhalt des Vaters eigentlich noch der Mutter zu?
Angenommen das Kind (mittlerweile Student) zieht aus. Bafög oder Mangelfall sind nicht gegeben. Der Unterhaltsanspruch gegen beide Eltern beträgt dann 680 €, wenn ich das richtig verstanden habe. Abzüglich Kindergeld verbleiben 496 €.
Wird dieser Betrag zwischen den Eltern hälftig (248 €) geteilt oder muss derjenige mit dem höheren Einkommen einen höheren Anteil zahlen (beide sind leistungsfähig)?
Falls der Unterhaltsanspruch gegenüber dem Vater bei einem bei der Mutter lebenden Kind 320 € beträgt, ist es für den Vater ja deutlich günstiger, wenn das Kind auszieht.
Kommt mir völlig unlogisch vor, da zu Hause wohnen doch eigentlich billiger ist.
Kann mir jemand beim Grundverständnis helfen? Vielen Dank.

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt im Familienrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Familienrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14309 Beiträge, 8618x hilfreich)

Zitat:
Das Kind wird volljährig, lebt weiterhin bei der Mutter. Der Unterhaltsanspruch des Kindes beträgt nun 504 €, abgezogen wird das gesamte Kindergeld, es verbleibt ein Betrag von 320 €.

Nein. Bei volljährigen Kindern richtet sich der Unterhalt nach der Stufe des zusammengerechneten Einkommens beider Elternteile. Wenn das zusammengerechnete Einkommen beider Elternteile beispielsweise zwischen 3100 und 3500e liegen würde, dann wäre der Unterhaltsanspruch des Kindes nach der Stufe 6 zu berechnen, also 646€ minus volles Kindergeld.

Zitat:
Oder ist der Unterhaltsanspruch von 504 € der gesamte Anspruch des Kindes gegenüber beiden Eltern, abzüglich volles Kindergeld, die verbleibenden 320 € verteilen sich auf beide Eltern, verbleiben 160 € für den Vater, die Mutter leistet ihren Anteil weiterhin durch Kost und Logis?

Der Unterhaltsanspruch ist der gesamte Anspruch gegen beide Eltern, der aufgeteilt wird. Aber nicht hälftig, sondern im Verhältnis der jeweiligen Einkommen, die über dem Selbstbehalt liegen.
D.h. beide Eltern schulden den Unterhalt in Geld, wobei der Elternteil bei dem das Kind lebt, natürlich Miete und Kostgeld vom Kind verlangen kann bzw. das mit dem Unterhalt verrechnen kann.

Es ist aber in der Tat so, dass der Elternteil bei dem das Kind bislang gewohnt hat, sich durch die Volljährigkeit des Kindes finanziell verschlechtert. Bis zur Volljährigkeit zahlt der Unterhaltsplichtige alleine und er Elternteil, bei dem das Kind lebt, erbringt die Betreuung. Ab Volljährigkeit ist die Betreuung nicht mehr nötig, so dass der bisherige Betreuungselternteil auch zahlen muss. Das verringert den Anteil des bisher allein zahlungspflichtigen Elternteils.

Zitat:
Angenommen das Kind (mittlerweile Student) zieht aus. Bafög oder Mangelfall sind nicht gegeben. Der Unterhaltsanspruch gegen beide Eltern beträgt dann 680 €, wenn ich das richtig verstanden habe. Abzüglich Kindergeld verbleiben 496 €.
Wird dieser Betrag zwischen den Eltern hälftig (248 €) geteilt oder muss derjenige mit dem höheren Einkommen einen höheren Anteil zahlen (beide sind leistungsfähig)?

Auch hier würde letzters gelten.

Zitat:
Falls der Unterhaltsanspruch gegenüber dem Vater bei einem bei der Mutter lebenden Kind 320 € beträgt, ist es für den Vater ja deutlich günstiger, wenn das Kind auszieht.
Kommt mir völlig unlogisch vor, da zu Hause wohnen doch eigentlich billiger ist.

So lange das volljährige Kind zu Hause lebt (= bei einem Elternteil) dann richtet sich der Unterhaltsanspruch nach dem zusammengerechneten Einkommen der Eltern (siehe oben). D.h. das Kind profitiert vom Lebensstandard der Eltern (hohes Einkommen = hoher Unterhalt).
Zieht das Kind aus, gilt der einheitliche Bedarf von 670€ minus Kindergeld. Bei Kindern mit eigenem Haushalt spielt das Einkommen der Eltern für den Bedarf keine Rolle mehr. (Ist auch logisch, bei eigenem Haushalt hat das Kind reicher Eltern ja nicht automatisch mehr Kosten als ein Kind weniger reicher Eltern. Im Gegensatz dazu darf ein noch zu Hause lebendes Kind am Luxus der Eltern teilhaben und den gleichen Lebensstandard halten, wie die Eltern). Das führt in der Tat dazu, dass es für den Unterhaltszahler gelegentlich billiger kommt, wenn das Kind auszieht - ganz besonders dann wenn beide Elternteile Einkommen (deutlich) über dem Selbstbehalt haben.

Man erkennt übrigens, dass die Unterhaltsberechnung für volljährige voraussetzt, dass man das bereinigte Einkommen beider Elternteile kennt. Und dass es einen Unterschied macht, ob das Kind noch zur allegemeinbildenden Schule geht oder schon studiert (letzteres wiklt sich auf den Selbstbehalt aus und damit auf die Aufteilung zwischen beiden Elternteilen).

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

3x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Rechtschreibung
Status:
Lehrling
(1107 Beiträge, 1200x hilfreich)

Zitat:
Heißt das, das die Mutter nun weniger Unterhalt für das volljährige Kind bekommt?
Das bedeutet, dass die Mutter überhaupt kein Geld mehr bekommt. Warum auch? Das Kind ist volljährig, kann in die weite Welt hinaus und sich selber versorgen. Es kann eine eigene Wohnung mieten, selber Kaufverträge schließen, usw. Die Mutter braucht es dazu nicht (mehr).

Zitat:
Wenn ja, warum ist das so? An ihren Ausgaben für das Kind ändert sich doch nichts.
Es sind IMMER beide Elternteile zu Unterhalt verpflichtet. Bei der das Kind betreuenden Mutter wird (in der Regel) aber davon ausgegangen, dass diese das Kind in Form von tatsächlicher Versorgung (Betreuung, Pflege) mit unterhält und nicht zusätzlich noch von ihr das Aufbringen von Bargeld verlangt werden kann. Das folgt dem Jahrzehnte alten Gedanken, dass der Vater die Familie finanziell versorgt und die Mutter zu Hause die Kinder betreut, was auch nach einer Trennung so beibehalten werden soll.

Jetzt ist das "Kindchen" aber schon stolze 18 Jahre. Da muss es nicht mehr von der Schule abgeholt werden, nicht nehr gebadet werden, nicht mehr zum Kinderarzt gebracht werden. Also wüsste ich nicht, was dagegen spricht, dass die Mutter so langsam mal selber anfängt, etwas Bargeld für die Versorgung des "Kindes" aufbringt. Nur von Luft und Liebe kann es nicht leben. In weiten Teilen der Bevölkerung hält sich zwar beharrlich die Vorstellung, dass allein Väter für die Versorgung von Kindern verantwortlich wären. Das ist aber nicht so, jedenfalls steht es so nicht im Gesetz.

Die Mutter erhält hier aldo gsr kein Geld mehr, zumindest nicht vom Vater. Das Kind hat jetzt einen offenen Anspruch von xxx€ (in diesem Fall wohl 320). Diese kann es sich sowohl bei Mutter als auch beim Vater holen und notfalls über den Gerichtsweg. Dir Faustregel ist eine hälftige Teilung, demnach könnte das Kind von jedem 160€ verlangen. Praktisch hat der Vater aber zumeist ein (deutlich) höheres Einkommen als die Mutter, eventuell kann von dem also mer verlangt werden. Ebenso kann aber die Zahl sonstiger Unterhaltsberechtigter (Halbgeschwister, Stiefelternteile) die Rechnung kaputtmachen. Allerdings ist das Kind seit der Volljährigkeit nicht mehr (unbedingt) privilegiert. Der Vater hätte dann nun einen höheren Selbstbehalt und eventuell bekommt das Kind von diesem überhaupt nichts. Dann müsste entweder die Mutter den ganzen Unterhalt decken oder ersatzweise Sozialleistungen (Bafög, BAB, Hartz4) beantragt werden.

Natürlich steht es dem Kind frei, sich mit der Mutter auch anders zu einigen und das Geld nicht in Barform von dieser zu verlangen. Ebenso steht es der Mutter frei, das Kind ausbdem Haus zu werfen, wenn sie mit der vom Kind gebotenen Lösung nicht einverstanden ist. Nur hat es nichts mit der Unterhaltspflicht/-höhe des Vaters zu tun, wie Mutter und Kind sich einigen.

Zitat:
Falls der Unterhaltsanspruch gegenüber dem Vater bei einem bei der Mutter lebenden Kind 320 € beträgt, ist es für den Vater ja deutlich günstiger, wenn das Kind auszieht.
Bei einem minderjährigen Kind (das etwa bei der Oma oder Pflegeeltern untergebracht wird) vielleicht schon. Das ware mit der meines Erachtens nur sehr schlecht durchdachten Gesetzgebung und Rechtsprechung in diesem Bereich zu erklären.
Bei einem volljährigen Kind aber wohl eher nicht. Egal wo das Kind lebt, es kann/muss das Kindergeld zur Deckung des Lebensunterhalt verwenden. Der restliche Betrag wird auf die Eltern verteilt. Und dieser Restbetrag wird in aller Regel eher höher, wenn das Kind alleine wohnt. Denn dann muss eigene Miete gezahlt werden, esnwird nicht mehr vin den "Synergieffekten" des Zusammenlebens mit der Mutter profitiert usw.
Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass die Tabellenbeträge nur Richtwerte sind. Im Einzelfall bestimmt das Gericht einen billigenden Betrag. Und jedenfalls bei volljährigen Kindern wüsste ich nicht, wie der Richter eine höhere Zahlungspflicht des Vaters begründen wollte, wenn das Kind bei der Mutter lebt.

Zitat:
Kommt mir völlig unlogisch vor, da zu Hause wohnen doch eigentlich billiger ist.
Mir kommt das Unterhaltsrecht ganz allgemein unlogisch vor. In diesem Rechenbeispiel sehe ich aber das Problem nicht. Lebt das Kind bei der Mutter, müssen Vater und Mutter 320€ zahlen, also grob gerechnet jeder 160€. Zieht das Kind aus, wären es schätzungsweise schon 500€, also für jeden etwa 250€. Damit zahlt der Vater doch weniger, wenn das Kind bei der Mutter lebt.

2x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
salkavalka
Status:
Lehrling
(1530 Beiträge, 951x hilfreich)

Vielen lieben Dank, das hat mir sehr geholfen.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Steinchen74
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 44x hilfreich)

Hallo,

wird das Kind volljährig, steht ihm numal das entsprechende Kindergeld zu, nicht mehr den Eltern - die betreuung sollte ja wohl wegfallen ;)

Steinchen

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17785 Beiträge, 8025x hilfreich)

Zitat:
die betreuung sollte ja wohl wegfallen

Es erscheint mir doch weltfremd anzunehmen, dass ein volljähriges Kind, welches im Elternhaus wohnt, sich plötzlich ab dem 18. Geburtstag komplett selbst versorgt. Eher ist es ja wohl so, dass sich gar nichts ändert in der Betreuung. Wer kauft ein, wäscht die Wäsche, kocht das Essen, zahlt die Miete? Natürlich kann die Mutter hier die Kosten gegenüber Ihrem Kind geltend machen, die nicht vom eigenen Anteil des zu leistenden Unterhalts gedeckt sind. Es ist ja kaum anzunehmen, dass 320,-€ kostendeckend sind. Sollte das Kind meinen, es dürfe den Unterhalt des Vaters für sich aufwenden, dann bleibt der Mutter, eben ihre Sachleistungen bis auf 320,-€ zu kürzen. Das Kind kann sich ja mit dem Geld gut selber versorgen (Essen, Kleidung etc...).

5x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 240.971 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
98.574 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen