Ohrringe & Fussballverein Unterschrift erforderlich?

11. November 2022 Thema abonnieren
 Von 
go610796-11
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)
Ohrringe & Fussballverein Unterschrift erforderlich?

Braucht die Kindsmutter (gemeinsames Sorgerecht) Lebensmittelpunkt der Kinder bei der KM eine Unterschrift wenn die Tochter mit 9 Jahren Ohrringe will und der Sohn mit 6 in den Fußballverein möchte?

Kann sie das alleine Entscheiden wenn beide Elternteile JA sagen aber der Vater nicht unterschreiben will?

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10 Antworten
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#1
 Von 
eh1960
Status:
Junior-Partner
(5472 Beiträge, 1359x hilfreich)

Die Eltern vertreten das Kind gemeinschaftlich; ist eine Willenserklärung gegenüber dem Kind abzugeben, so genügt die Abgabe gegenüber einem Elternteil. Ein Elternteil vertritt das Kind allein, soweit er die elterliche Sorge allein ausübt oder ihm die Entscheidung nach § 1628 übertragen ist. Bei Gefahr im Verzug ist jeder Elternteil dazu berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes notwendig sind; der andere Elternteil ist unverzüglich zu unterrichten. (§1629 BGB)

Weder der Wunsch nach Ohrlöchern (für Ohrringe) noch der Wunsch nach Mitgliedschaft in einem Fußballverein sind "Gefahr im Verzug".

Es ist hier die Einwilligung von beiden Eltern erforderlich, da beide das gemeinsame Sorgerecht haben.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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#2
 Von 
kalledelhaie
Status:
Lehrling
(1424 Beiträge, 227x hilfreich)

Zitat (von go610796-11):
Kann sie das alleine Entscheiden wenn beide Elternteile JA sagen aber der Vater nicht unterschreiben will?


Die Frage zielt ja darauf ab, ob es ein Formerfordernis in der Zustimmung gibt.

Ich meine nein, das wäre auch vollkommen lebensfremd, allerdings empfiehlt es sich hier bei getrennt lebenden eine Form der Dokumentation zu wählen, die ja kein Vertrag sein muss.

ZB eine Nachricht die lautet "wie besprochen melde ich Karl nächste Woche beim Fußball an. Willst du beim ersten Training dabei sein?"

Grüße

Signatur:

Die von mir vertretenen Meinungen sind rein private Einschätzungen und ersetzen keine professionelle

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#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(36316 Beiträge, 13528x hilfreich)

Zunächst muss man schauen, welche Beitrittsbedingungen der Verein hat. Erst, wenn da nur die Unterschrift eines Elternteils (nicht von beiden) erforderlich ist, kommen wir zu der Frage, ob das Umgangselternteil eine Genehmigung zu erteilen hat, dasselbe gilt bei dem Ohrring.

Alltagsentscheidungen des täglichen Lebens trifft das Elternteil, bei dem sich das Kind gerade aufhält. Gefühlt sind 99% aller Entscheidungen Alltagsentscheidungen, nur für den Rest bedarf es der Zustimmung. Da das Stechen für Schmuck ohne Einwilligung durchaus eine Körperverletzung darstellen kann, außerdem bleibt ja ein schwarzer dauerhaftes Loch da, würde ich sie insoweit als erforderlich halten. Der Fußballverein ist für mich grenzwertig. Da müsste man auf den Einzelfall schauen. Wenn es in der Familie üblich ist, dass die Kinder sich in der Freizeit sportlich betätigen, würde ich bei einem Sport wie Fußball sagen, es ist eine Alltagsentscheidung. Wenn das Kind allerdings völlig unsportlich ist, vielleicht noch eine soziale Phobie hat, die dort wegtrainiert werden soll, dann sähe das für mich anders aus. Oder, wenn die Vereinsmitgliedschaft bei einem sportlich begabten Kind praktisch tägliches Training beinhaltet.

Bleibt noch die Frage, in welcher Form die Zustimmung erteilt werden muss. Da langt das mündliche okay aus. Kritisch wird es, wenn dann später diese Zustimmung widerrufen wird, etwa weil das Umgangselternteil merkt, dass der Sportverein dem Kind einfach nicht gut tut. Oder, wenn die Freizeit des Kindes so durchgeplant wird, dass keine Zeit zum freien Spielen mehr da ist.

wirdwerden

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#4
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14564 Beiträge, 8700x hilfreich)

Fußballverein für ein 6jähriges Kind ist eine klare Alltagsentscheidung. Ich wüsste nicht, weshalb da die Zustimmung des Elternteils erforderlich sein sollte, bei dem das Kind nicht lebt.
(Interessant wäre die die Frage, ob sich der andere Elternteil an den Kosten beteiligen muss, wenn er nicht zugestimmt hat - m.E. nein. Aber darum geht es hier nicht.)

Ohrloch für ein 9jähriges Kind ist durchaus interessant.
Denn die Frage ist, ob überhaupt die Zustimmung der Eltern erforderlich ist.
Im Prinzip geht es (a) um die Zustimmung zur "Verletzungshandlung" und (b) um die Zustimmung zum Dienstleistungsvertrag (also der Bezahlung).
Für die Bezahlung wäre die Zustimmung der Eltern erforderlich, da ein 9jähriges Kind nur eingeschränkt geschäftsfähig ist.
Die Zustimmung, am Ohr durchlöchert zu werden, kann ein 9jähriges Kind möglicherweise aber schon selbst geben. D.h. auf die Zustimmung des Elternteils kommt es gar nicht an, wenn das Kind selbst aus freien Stücken den Wunsch nach einem Ohrloch äußert - und das Kind in einem Alter ist, in dem es die Tragweite des Wunsches überblicken kann. Angesichts der Tatsache, dass "Ohrloch stechen" ein sehr überschaubarer Eingriff ist, vertritt hier ein Anwalt die Ansicht, dass auch ein Kind im Grundschulalter schon selbst wirksam einwilligen kann.
https://www.ferner-alsdorf.de/ohrloecher-strafbare-koerperverletzung-rechtsanwalt-minderjaehrige-einwilligung/
(Interessant wird es, wenn das Kind selbst wirksam dem Stechen des Ohrlochs zugestimmt hat, aber die Eltern die Zustimmung zum Bezahlvorgang verweigern ...)

-- Editiert von User am 12. November 2022 11:21

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

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#5
 Von 
eh1960
Status:
Junior-Partner
(5472 Beiträge, 1359x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Alltagsentscheidungen des täglichen Lebens trifft das Elternteil, bei dem sich das Kind gerade aufhält. Gefühlt sind 99% aller Entscheidungen Alltagsentscheidungen, nur für den Rest bedarf es der Zustimmung.

Es handelt sich eindeutig nicht um Alltagsentscheidungen.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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#6
 Von 
eh1960
Status:
Junior-Partner
(5472 Beiträge, 1359x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Fußballverein für ein 6jähriges Kind ist eine klare Alltagsentscheidung. Ich wüsste nicht, weshalb da die Zustimmung des Elternteils erforderlich sein sollte, bei dem das Kind nicht lebt.

Es entsteht eine Zahlungspflicht, und es entsteht ein Verletzungsrisiko.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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#7
 Von 
go610796-11
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Es entsteht eine Zahlungspflicht, und es entsteht ein Verletzungsrisiko.

Zahlungspflicht ja.
Wie sieht es aus mit dem Elternteil der Barunterhaltspflichtig ist und beide Elternteile unterschreiben. Muss der Barunterhaltspflichtige Elternteil für die Kosten aufkommen?

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#8
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1747 Beiträge, 1109x hilfreich)

Zitat:
Es handelt sich eindeutig nicht um Alltagsentscheidungen.
Was den Fußballverein betrifft ist das doch sehr zweifelhaft.

Zitat:
Es entsteht eine Zahlungspflicht, und es entsteht ein Verletzungsrisiko.
Zahlungspflicht ja, aber für das Kind? Wohl eher für die das Kind anmeldende Mutter. DIese braucht nicht die Zustimmung des Vaters. Verletzungsrisiko, ja klar. Jeder Schritt vor die Haustür birgt aber auch ein Verletzungsrisiko. Dasselbe gilt für einfaches Fußballspielen mit Freunden. Alles verboten ohne Zustimmung des Vaters? Dabei ist das Spiel im Verein vermutlich noch harmloser, da es unter Aufsicht, mit Erster Hilfe und ggf. mit Versicherungsschutz stattfindet.

Zitat:
Wie sieht es aus mit dem Elternteil der Barunterhaltspflichtig ist und beide Elternteile unterschreiben. Muss der Barunterhaltspflichtige Elternteil für die Kosten aufkommen?
Das kommt darauf an, was genau unterschrieben wird und was noch so an Absprachen zwischen den Eltern besteht.

Zitat:
Für die Bezahlung wäre die Zustimmung der Eltern erforderlich, da ein 9jähriges Kind nur eingeschränkt geschäftsfähig ist.
Ja, wenn die Tochter die Vertragspartnerin werden soll. Aber nicht dann, wenn die Tochter nur Begünstigtes des Vertrages zwischen Mutter und Ohrlochstecher ist.

Zitat:
Die Zustimmung, am Ohr durchlöchert zu werden, kann ein 9jähriges Kind möglicherweise aber schon selbst geben. D.h. auf die Zustimmung des Elternteils kommt es gar nicht an, wenn das Kind selbst aus freien Stücken den Wunsch nach einem Ohrloch äußert - und das Kind in einem Alter ist, in dem es die Tragweite des Wunsches überblicken kann. Angesichts der Tatsache, dass "Ohrloch stechen" ein sehr überschaubarer Eingriff ist, vertritt hier ein Anwalt die Ansicht, dass auch ein Kind im Grundschulalter schon selbst wirksam einwilligen kann.
Da tendiere ich in die andere Richtung. Der Anwalt ebtrachtet auch nur die strafrechtliche Seite. Das hat den Ohrlochstecher zu interessieren. Die Mutter hingegen könnte darüber hinaus aus sorgerechtlichen Gründen gehalten sein, dafür Sorge zu tragen, dass die Tochter sich nicht ohne Zustimmung des Vaters die Ohren löchern lässt.

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14564 Beiträge, 8700x hilfreich)

Zitat (von go610796-11):
Wie sieht es aus mit dem Elternteil der Barunterhaltspflichtig ist und beide Elternteile unterschreiben. Muss der Barunterhaltspflichtige Elternteil für die Kosten aufkommen?

Tendenz nein:
Beiträge für Sportvereine sind weder Sonderbedarf noch Mehrbedarf, sondern muss von der Mutter aus dem normalen Unterhalt bezahlt werden. Das ändert sich m.E. auch nicht dadurch, dass der Vater die Anmeldung zum Sportverein mit unterschreibt.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

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#10
 Von 
smogman
Status:
Student
(2384 Beiträge, 762x hilfreich)

Hier kommen verschiedene Rechtsebenen zusammen, die nicht übereinstimmen müssen.

Zitat (von wirdwerden):
Wenn es in der Familie üblich ist, dass die Kinder sich in der Freizeit sportlich betätigen, würde ich bei einem Sport wie Fußball sagen, es ist eine Alltagsentscheidung. Wenn das Kind allerdings völlig unsportlich ist, vielleicht noch eine soziale Phobie hat, die dort wegtrainiert werden soll, dann sähe das für mich anders aus. Oder, wenn die Vereinsmitgliedschaft bei einem sportlich begabten Kind praktisch tägliches Training beinhaltet.
Genau das dürfte aus familienrechtlicher Sicht entscheidend sein. Handelt es sich um einen x-beliebigen Fußballverein in der Nähe, ist das Kind für Mannschaftssport geeignet und ist der zeitliche Aufwand überschaubar, so benötigt ein alleinerziehender Elternteil auch keine Einwilligung des anderen Elternteils. Das nützt einem aber auch nichts, denn....

Zitat (von eh1960):
Die Eltern vertreten das Kind gemeinschaftlich
....hinsichtlich der Unterschrift auf dem Mitgliedsvertrag kann der Verein dennoch aus diesem Grund die Einwilligung beider Elternteile verlangen.

Das Ohrlochstechen sollte dagegen unstreitig eine aus jeglicher Hinsicht gemeinsame Entscheidung der Beteiligten sein.

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