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Ü18 Ausziehen. Was kann ich noch tun?

 Von 
YorimuXc
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Ü18 Ausziehen. Was kann ich noch tun?

Hallo,

Ich weiß das derartige Fragen schon öfter gestellt worden, allerdings haben sie nie auf meine Situation richtig gepasst. Ich werde bald 19 Jahre alt und fange nun das zweite Jahr meines Abitur's an. Ich bin mit 17 Jahren bei meinem Vater Zuhause ausgezogen, da die emotionale und seelische Gewalt immer unerträglicher wurde und physische Gewalt auch nicht vollkommen abwesend war (Er hat mich nie verprügelt aber Schubsen, Ohrfeigen und Drohungen mir die 'Fresse einzuschlagen" wurden irgendwann schon normal in unseren Streiten). Ich habe mich ans Jugendamt gewendet und bin erstmal in der Wohnung meines Bruders untergekommen, der verreist war. Ich erklärte dem Jugendamt meine Situation und die Zuständige für meinen Fall schrieb mir ebenfalls einen Brief für's Jobcenter, in dem sie bestätigt das es Kindesgefährdung wäre, wenn ich weiterhin bei meinem Vater leben würde. Das Jobcenter wandte sich jedoch mit den Worten ,,Unter 18 Jahren ist das Jugendamt zuständig" an mich. Das Jugendamt wiederum schickte mich wieder zum Jobcenter. Am Ende, lehnte der Chef des Jugendamt's meinen Fall ab und sagte mir, ich solle es wenn ich 18 bin nochmal beim Jobcenter versuchen. Mein beiden Eltern bekommen Hart 4, daher war Unterhaltszahlung nicht möglich. Ich konnte ebenfalls nicht zu meiner Mutter ziehen, da sie zu Miete in einem Haus wohnte das kein Platz für eine 3 Person hatte. Ich hätte mir ein Zimmer mit meiner Mutter von 8 qm (durch eine Dachschräge) teilen müssen und ich habe ebenfalls nicht das beste Verhältnis zu ihr. Ich hatte das Glück das Jemand, der sein Haus zu Verkaufen versuchte, mir das Haus zur Miete zur Verfügung stellte (Mit einer geringen Miete, so das ich es mit dem Geld, was meine Mutter vom Arbeitsamt bekommt, bezahlen kann), so hielt ich mich dann bis jetzt mit meinem Kindergeld über Wasser. Als ich 18 geworden bin, versuchte ich es wieder beim Arbeitsamt, die jedoch nahmen mir allen Mut, als sie mir erklärte, ich müsste eine Familientherapie machen, umzusehen, ob man das nicht wieder regeln könnte, ich hätte mit einem Therapeuten separat alleine reden müssen, hätte meine Therapeutin von der Schweigepflicht entbinden müssen und es würde geguckt werden, ob ich nicht in eine WG für Heimkinder komme. Ich hätte somit die ganze Trennungsgeschichte von vor 9 Jahren meiner Eltern, noch aufwühlen müssen und mir war klar das ich niemals zurück zu meinem Vater ziehen würde und auch nicht zu meiner Mutter, da unsere Beziehung seit der Trennung, sehr schlecht war und wir uns kaum noch verstanden. Über Schülerbafög habe ich es auch schon versucht, allerdings wohne ich zu nah bei meinen Eltern um es zu bekommen. Am Ende nun, wohne ich jetzt noch immer in dem Haus und ich möchte unbedingt dort ausziehen, da ich weder Internet, eine Waschmaschine, noch eine funktionierende Dusche habe. Meine Stromheizungen, verbrauchen soviel Strom, das ich es mir nicht leisten kann im Winter zu heizen, was dazu führt das ich im Winter mit Jacke schlafen muss, da es durch die schlechte Isolierung des alten Haus, in die Minus Grade geht). Die Frage nach dem langen Text ist also. Wie kann ich nun offiziell Ausziehen? Meine beiden Eltern bekommen wie gesagt Hartz 4, also kann ich mir auch keinen Nebenjob suchen, da es mir sofort wieder abgezogen wird und ich lebe in einem sehr kleinen Dorf, wo die Chancen auf Nebenjobs, sehr gering sind.

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Mutter Haus Eltern Jahr


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
smogman
Status:
Praktikant
(683 Beiträge, 193x hilfreich)

Zitat (von YorimuXc):
Das Jobcenter wandte sich jedoch mit den Worten ,,Unter 18 Jahren ist das Jugendamt zuständig" an mich. Das Jugendamt wiederum schickte mich wieder zum Jobcenter. Am Ende, lehnte der Chef des Jugendamt's meinen Fall ab und sagte mir, ich solle es wenn ich 18 bin nochmal beim Jobcenter versuchen.

Hier liegt und lag vermutlich der Fehler in deiner Geschichte. Die Begründung der Ablehnung des Jugendamtes würde ich nur allzu gerne lesen und vermutlich lässt sie sich problemlos in der Luft zerpflücken. Aber woher solltest du das schon wissen in deinem Alter. Dein richtiger Ansprechpartner war und ist auch noch immer das Jugendamt. Dein Vorteil jetzt ist, dass du bei Hilfe nach § 41 SGB VIII deinen Antrag selbst stellen und bei Ablehnung rechtlich dagegen vorgehen kannst. Für die Hinzuziehung eines Anwaltes gibt es im Zweifel Beratungshilfe vom Amtsgericht. Das Jugendamt hat dir entsprechende Hilfeangebote zu machen, die auf deine Situation passen. Die können von ambulanter Betreuung bis hin zu einer stationären Wohngruppe gehen. In den meisten Städten und Landkreises kooperieren Jugendamt und Jobcenter relativ problemlos. Einfach nur ein Schreiben ausstellen und dich an eine andere Behörde zu verweisen war das tatsächlich kindeswohlgefährdende Verhalten.

Beim Bundesnetzwerk der Ombudsstellen für Jugendhilfe solltest du dir unbedingt tatkräftige Unterstützung suchen. Die bieten dir ggf. Hilfe von Juristen und Sozialarbeitern an.
https://ombudschaft-jugendhilfe.de/ombudsstellen/

Die korrekte Hilfe für dich könnte ein ambulant betreutes Wohnen, entweder im eigenen Haushalt oder in Räumlichkeiten eines Trägers sein. Da hast du deine eigene Wohnung, erhältst ambulante Unterstützung von einer Fachkraft und den Lebensunterhalt zahlt im Regelfall das Jobcenter.

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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(28589 Beiträge, 11839x hilfreich)

Ich verweise in diesem Zusammenhang immer gerne auf das "Duisburger Modell," welches sich inzwischen wohl bundesweit etabliert hat. Ich erkläre es mal: bis 25 ist das Jugendamt dann zuständig, wenn es um die Überprüfung der Berechtigung des Auszugs von zu Hause geht. Schreibt das JA dann eine Empfehlung, so wird der Auszug von zu Hause bewilligt, auch beim Job Center durchgewunken. Damit ist dann die erste Weiche gestellt. Ob der junge Mensch dann eine eigene Wohnung findet, einen WG Platz oder was auch immer, das ist eine ganz andere Frage.

wirdwerden

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#3
 Von 
smogman
Status:
Praktikant
(683 Beiträge, 193x hilfreich)

Von diesem Modell habe ich noch nie im Leben etwas gehört. :-)
Eine Google-Suche spuckt mir dazu lediglich Flyer für Langzeitarbeitslose o. ä. aus. Meinst du das?

Für die genannten Dinge (Prüfung sozialer Schwierigkeiten in elterlichen Haushalten) und die sodann entsprechend zu bewilligenden ALG II Leistungen gibt es Rechtsgrundlagen im SGB II und VIII. Was sagt dieses Modell und wo kann ich das nachlesen?

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#4
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6636 Beiträge, 2739x hilfreich)

Sie sind ü18, ergo "dürfen" Ihre Eltern Sie ganz offiziell vor die Türe setzen. Lassen Sie sich von beiden Elternteilen schriftlich bestätigen, daß Sie keine Möglichkeit mehr haben, bei einem von beiden zu bleiben. Ihre Eltern "müssen" Sie nämlich nicht mehr weiter beherbergen. Mit dem Schrieb geht's dann zum Jugendamt. So wie Smogman es schon geraten hat.

Es kann natürlich sein, daß Sie keine Wohnung kriegen, sondern tatsächlich in eine betreute Wg oder ähnliches ziehen müssen - aber das Leben ist halt kein Ponyhof und nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Abgesehen davon ist Unterstützung immer etwas, das man brauchen kann.

Viel Erfolg!

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#5
 Von 
Anami
Status:
Schlichter
(7870 Beiträge, 1386x hilfreich)

Zitat (von YorimuXc):
Ich hatte das Glück das Jemand, der sein Haus zu Verkaufen versuchte, mir das Haus zur Miete zur Verfügung stellte (Mit einer geringen Miete, so das ich es mit dem Geld, was meine Mutter vom Arbeitsamt bekommt, bezahlen kann),
Das verstehe ich nicht. Kannst du das erklären? Welches Geld nimmst du für die Miete und weitere Kosten des Hauses?
Zitat (von YorimuXc):
versuchte ich es wieder beim Arbeitsamt,
Meinst du das JC ?
Familientherapie? WER hat das ---verlangt?--
Zitat (von YorimuXc):
Wie kann ich nun offiziell Ausziehen?
In dem du dir ein WG-Zimmer suchst. Vom Vermieter ein Mietangebot geben lässt und diese dem JC vorlegst.
Dort die Zustimmung zur Erforderlichkeit des Umzugs und die Kostenübernahme der zukünftigen Wohnkosten beantragst.

Du müsstest auch Leistungen vom JC bekommen (für 18-24jährige, die ohne Zustimmung des JC ausgezogen sind.
Das ist die RB-Stufe 3 mit derzeit 339,- (incl. KiG von 204,-).
------------------------------------------

Zitat (von fb367463-2):
Mit dem Schrieb geht's dann zum Jugendamt.
Und was soll das Jugendamt damit machen?
---------------------------------------
Übrigens kenne ich das mit dem Duisburger Modell auch nicht.
Und ich weiß, dass Jugendliche um die 18 ewig lange Zeiten auf Termine beim Jugendamt warten, wenn es um diese Thematik geht.
Betroffene finden dann selbst eine Unterkunft und erhalten die *Straf*-RBstufe 3 von 339,- statt regulär (nach Monaten oder gar Jahren) von 424,-

Ich kenne das Hin-und Herschieben zwischen JA und JC auch zur Genüge.

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#6
 Von 
schneechen
Status:
Beginner
(139 Beiträge, 47x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Zitat (von Zitat (von YorimuXc)):
Ich hatte das Glück das Jemand, der sein Haus zu Verkaufen versuchte, mir das Haus zur Miete zur Verfügung stellte (Mit einer geringen Miete, so das ich es mit dem Geld, was meine Mutter vom Arbeitsamt bekommt, bezahlen kann), so hielt ich mich dann bis jetzt mit meinem Kindergeld über Wasser.

Das verstehe ich nicht. Kannst du das erklären? Welches Geld nimmst du für die Miete und weitere Kosten des Hauses?

Ich habe es so verstanden, dass Yori offiziell bei seiner Mutter lebt, diese für ihn ALG II erhält und an ihn weitergibt. Davon bezahlt er die Miete.

Allerdings beträgt der Regelsatz für ihn nur 339 € inkl. Kindergeld. Die Miete für das Haus scheint wirklich sehr gering zu sein.
Fraglich ist auch, ob diese Konstellation legal ist. Liege ich richtig, bezieht die Mutter ALG II für ein Kind, welche in den letzten Jahren nicht bei ihr gelebt hat.

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#7
 Von 
schneechen
Status:
Beginner
(139 Beiträge, 47x hilfreich)

Zitat (von YorimuXc):
Über Schülerbafög habe ich es auch schon versucht, allerdings wohne ich zu nah bei meinen Eltern um es zu bekommen.

Das Problem ist nicht, dass du zu nah bei deinen Eltern wohnst, sondern du ein Gymnasium besuchst und von der Wohnung der Eltern aus eine entsprechende zumutbare Ausbildungsstätte erreichbar ist" (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1a BAföG).

Die schnellste und einfachste Lösung für einen Auszug dürfte sein, wenn du die Schulform wechselst. Besuchst du eine zweijährige Berufsfachschule oder Fachschule, die neben der (Fach-)Hochschulreife einen berufsqualifizierenden Abschluss vermittelt, kannst du nach § 2 Abs. 1 Nr. 2 BAföG Schüler-BAföG beziehen.
Die Voraussetzung aus § 2 Abs. 1a BAföG spielen dann keine Rolle mehr. Du brauchst weder einen Grund für den Auszug, noch die Zustimmung vom Jugendamt und/oder Jobcenter.

Das BAföG wäre grunsätzlich abhängig vom Einkommen deiner Eltern, da beide ALG II beziehen, kann dieser Punkt vernachlässigt werden.

Zum BAföG kannst du das Kindergeld auf dich abzweigen.

-- Editiert von schneechen am 10.08.2019 12:19

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#8
 Von 
YorimuXc
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

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-- Editiert von YorimuXc am 10.08.2019 20:18

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