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Falsche Diagnose Zahnarzt

 Von 
brause123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 3x hilfreich)
Falsche Diagnose Zahnarzt

Hallo liebe Community,

erstmal Sorry für den langen Text, aber mir fiel es beim Schreiben schwer, mich kürzer zu fassen. Aufgrund eines Umzuges musste ich den Zahnarzt wechseln. Ich bin Kassenpatient und zum nächstbesten Zahnarzt in meinem neuen Wohnort, der Kassenpatienten akzeptiert, gegangen. Die Praxis befindet sich in einem Dorf und kam mich ganz normal vor (keine Luxus-Praxis, außer mir war nie jemand im Wartezimmer). Der neue Zahnarzt stellte die Diagnose, ich hätte an 7 Zähnen Karies. Er war dabei sehr bemüht (was Zahnärzte nach meiner Erfahrung normalerweise nicht sind) mir den Befund zu erklären. Zunächst machte er mich darauf aufmerksam, dass es auf den Röntgenbildern kleinste (kaum erkennbar) hellere Stellen in der Nähe von Zahnwurzeln gibt. Dies würde auf Karies hindeuten. Ich konnte auf den Bildern nicht erkennen, dass es dunklere Stellen gibt (was bei Karies nach meinem Kenntnisstand normalerweise der Fall ist). Ein Zahn bildete eine Ausnahme: Hier war deutlich eine größere dunkle Stelle zu erkennen (vom Rand bis in das Innere des Zahns hinein) und es war sogar für mich ersichtlich, dass bei diesem einen Zahn etwas getan werden musste. Ich musste extra nachfragen, an wie vielen Zähnen diese hellen Schatten sind (also Karies vorliegt). Und als er mir die Zahl 7 dann nannte, war ich erst einmal geschockt. Ich muss einräumen, dass ich länger nicht beim Zahnarzt war (3-4 Jahre) und dies konnte man sicherlich sehr gut an der Menge des vorhandenen Plaque erkennen. Ich bin 29 Jahre alt und habe bis jetzt erst eine Füllung, also nie Probleme mit den Zähnen gehabt. Vermutlich war ich deswegen auch so unvorsichtig. Am Ende des Gesprächs meinte der Zahnarzt dann, er würde mir Heil- und Kostenpläne zusenden in zwei Varianten: Keramik und Kunststofffüllungen.

Den offensichtlich karitösen Zahn ließ ich in der darauffolgenden Woche von ihm behandeln. Er hat sehr viel gebohrt und meinte, es könnte auch noch eine Wurzelbehandlung erforderlich sein. Außerdem hat er erstmal eine provisorische Füllung rein gemacht.

Schließlich kamen die Kostenvoranschläge. Ich habe eine Weile gebraucht bis ich durchgeblickt habe. Für den Zahn, den er bereits behandelt hat will er ein Keramik-Inlay machen. Kosten: 811 €. Für die Füllung („mehr als 2-flächig, besonders aufwendige provisorische Kunststoff-Inlay-Versorgung,…, zusätzlich Teilrekonstruktion der Kaufläche") verlangt er beispielsweise den Höchstsatz (3.5-fach). Die Kunststoff-Füllungen für die restlichen 6 Zähne sollen zusammen 599 € kosten. Alternativ Keramik-Inlays für die 6 Zähne kämen auf zusammen auf 3135 € (inkl. geschätzten Laborkosten)! Insgesamt kämen damit im Minimum 1500,- € Kosten auf mich zu (Ein Keramik-Inlay + 6 Kunststoff-Füllungen).

Außerdem soll ich eine Vereinbarung nach §4 BMV-Z bzw. §8 EKV-Z (Vereinbarung einer Privatbehandlung) unterschreiben. Es hatte zuvor kein Gespräch stattgefunden, in dem ich mitgeteilt hatte, dass ich eine private Behandlung wünsche. Und soweit ich weiß, wird normalerweise bei Kassenpatienten und privaten Zuzahlungen ein Vertrag über Mehrkosten geschlossen.

Nun habe ich noch nie gehört, dass irgendwer für Zahnfüllungen so viel zuzahlen musste. Mir war bekannt, dass man für Kunststoff pro Zahn ca. 30,- € - 80,- € zuzahlt, je nach Größe der Füllung. Und mein Vertrauen in diesen Arzt war nicht so groß, als das ich mir 7 Zähne von ihm hätte behandeln lassen ohne vorher eine Zweitmeinung einzuholen.
Für die Zweitmeinung bin ich dann absichtlich in eine renommierte Praxis gegangen, bei der ich beispielsweise mit hohen Preisen rechnen würde (Praxis von Arzt aus der Focus-Ärzteliste). Wenn ich schon selbst so viel zuzahlen soll, dann kann ich auch gleich zu einem renommierten Arzt gehen. Da weiß ich wenigstens, was ich zu erwarten habe. Untersucht wurde ich von einem seiner Kollegen aus seiner Gemeinschaftspraxis. Dieser Arzt hat mir nun zunächst empfohlen den Zahn mit der provisorischen Füllung wurzelbehandeln zu lassen und anschließend zu verkronen, weil die Füllung sehr groß ist. Was meiner Meinung nach Sinn macht, weil der Zahn ansonsten irgendwann brechen könnte (Füllung wirkt wie ein Keil auf den Zahn). Weiterhin konnte er anhand der Röntgenbildern keinen weiteren tiefen Karies irgendwo entdecken. Er meinte man könnte diese anderen Zähne beobachten, weil sie Verfärbungen hätten (in den Frisuren, nicht darüber hinaus). Es kann sein, dass hier tatsächlich eine Karies entsteht oder in Zukunft entsteht. Dies leuchtet mir auch alles ein.

Es sieht für mich also danach aus, als ob man hier zunächst nicht definitiv sagen kann, ob eine weitere Karies vorliegt, oder nicht. Es könnten nur Verfärbungen sein. Genauso gut kann es sein, dass es Karies im Erststadium ist, die auf Röntgenbildern noch nicht sichtbar ist. Ich glaube im Übrigen allerdings nicht, dass es eine Karies ist, denn ich habe diese Verfärbungen schon bestimmt 2 Jahre und denke es hat etwas damit zu tun, dass ich ein starker Kaffeetrinker bin. Normalerweise müsste der Karies doch dann auch schon längst größer geworden sein? In keinem Fall können die 6 Zähne eine große Karies haben, denn sonst hätte der zweite Zahnarzt dies auf den Röntgenbildern sehen müssen. Also frage ich mich, wie es kommt, dass diese Füllungen bei dem ersten Arzt überhaupt so viel kosten sollen, wenn sie noch nichtmals besonders groß sind. Ich frage mich auch, wieso er bei dem karitösen Zahn eine Füllung machen will, obwohl das Risiko besteht, dass der Zahn dann irgendwann auseinanderbricht. Wenn dies geschieht, dann muss der Zahn gezogen werden und dann muss Zahnersatz her, sprich ein Implantat (Er ist natürlich Implantologe).

Im Übrigen finde ich es überhaupt nicht komisch, dass mir dieser erste Zahnarzt quasi auf Verdacht gesunde Zahnsubstanz weggebohrt hätte. Der Zahn wird dadurch ja auch geschwächt und man kann es nicht mehr rückgängig machen. Ich empfinde dies als Raubbau an meinem Körper und eigentlich auch als Körperverletzung. Ich frage mich, wie dies rechtens sein kann. Dieser erste Zahnarzt hätte mir auch empfehlen können die Zähne zu beobachten. In diesem Fall hätte man dann eine entstehende Karies immer noch in einem frühen Stadium erkennen können und kleine Füllungen machen können. Ich finde auch die Art und Weise, wie hier offensichtlich versucht wird, mich in eine Behandlung als Privatpatient zu nötigen unverschämt. Über die alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die ich als Kassenpatient habe und die möglicherweise mit keinen so großen Kosten verbunden wären, wurde überhaupt nicht gesprochen.

Was mich im Nachhinein auch noch stutzig gemacht hat ist, dass er auf den Kostenvoranschlägen für die 6 „karitösen" Zähne keinen Befund angegeben hat. Dies hat er bei dem anderen Zahn mit der größeren Karies nämlich getan. Welche Rechte habe ich als Verbraucher nun? Man kann doch so keine Patienten behandeln. Kann ich mich über diesen Arzt irgendwo beschweren? Oder habe ich hier ein falsches Rechtsempfinden?

Über jeden Hinweis wäre ich dankbar!

MfG


-- Editiert am 30.06.2011 22:19

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Arzt Frage Zahnarzt Zahnersatz


7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
HeHe
Status:
Schlichter
(7551 Beiträge, 3333x hilfreich)


Du kannst dich an die Zahnärztekammer wenden, wenn du Beschwerden über die Behandlungsweise hast. Aber ich sehe hier nicht mehr, als dass sich die Meinungen zweier Zahnärzte gegenüber stehen; du hast das selbst in einem Satz gut zusammengefasst:

Es könnten nur Verfärbungen sein. Genauso gut kann es sein, dass es Karies im Erststadium ist, die auf Röntgenbildern noch nicht sichtbar ist.

Welcher ZA richtig gehandelt hat/hätte, stellt sich u. U. erst in einigen Jahren raus.

-- Editiert am 01.07.2011 13:01

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#2
 Von 
go300335-39
Status:
Frischling
(24 Beiträge, 10x hilfreich)

außerdem kann ich dir empfehlen den heil und kostenplan welchen du ja zuhause hast mit ner guten schilderung bei
www.2te-zahnarztmeinung.de zu posten. das läuft dort circa wie ne rückwärtsauktion ab und man spart wirklich viel viel geld. habe mir für drei veneers circa 50 prozent der kosten gespart: kannst ein radius zu deinem wohnort eingeben und dir am ende einen unter 3 ärzten aussuchen oder es ganz bleiben lassen. nur hast du dann mal ne vorstellung was der tatsächliche marktpreis ist im vergelich zu dem was dir dein arzt antun will.
formulier dein anliegen aber genau und als gegeben und nicht so schwamming wie hier. " könnte sein das an 6 zähnen was ist" ist schlecht. schreib besser den schlechtesten fall " es ist an 6 zähnen das und das und das"

und wenn du um nochmal zu deinem zweiten arztbesuch zurück zu kommen noch mehr klarheit haben willst geh einfach zu nem dritten arzt und lass dir von dem nochmal seine meinugn sagen. die 10 euro haste ja schließlich schon bezahlt für das quartal dann kannste dir auch noch mehr meinungen einholen. gruß

-----------------
""

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#3
 Von 
skeptiker123
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 5x hilfreich)

Hallo!

Zahnärzte machen oft falsch positive Diagnosen, weil sie dadurch mehr verdienen! Sie werden für das Bohren bezahlt. RTL hat eine Testpatientin mit einwandfreien Zähnen (unter notarieller Aufsicht ermittelt) zu 10 Zahnärzten geschickt. Es waren 7 Zahnärzte die der Patientin sagten sie hätte Karies und es müsste gebohrt werden. Dieser Test wurde bei RTL ausgestrahlt und nach 1 Jahr mit gleichem Ergebnis wiederholt.

Gruß
Skeptiker123

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#4
 Von 
guest-12311.06.2018 09:37:31
Status:
Bachelor
(3694 Beiträge, 1380x hilfreich)

Aha, der Notar hat also vorher einwandfreie Zähne festgestellt... da muß man einen Thread nach 2,5 Jahren sicher unbedingt wieder hervorholen, mit solcher RTL-Weisheit.

-----------------
"Morgenstund ist ungesund."

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#5
 Von 
kontrolleur
Status:
Frischling
(19 Beiträge, 22x hilfreich)

Mir gefällt diese Weisheit egal wie alt diese ist und ich glaube mir gefällt auch rtl.
Au man oh man ist das so geil:
http://blog.justizfreund.de
Warum sollen Menschen schlechte Zähne haben bevor diese sterben?

-- Editiert kontrolleur am 01.01.2014 04:29

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#6
 Von 
brause123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 3x hilfreich)

Für den Fall, dass andere vielleicht ähnliche Erfahrungen machen, wollte ich nach ca. fünf Jahren noch einmal schreiben, wie es für mich weiter gegangen ist. Ich war mittlerweile noch bei zwei weiteren Zahnärzten und KEINER dieser Zahnärzte konnte einen Befund an den anderen sechs Zähnen feststellen! Keiner dieser Zähne musste bis dato behandelt werden. Ich würde jedem raten beim Zahnarzt vorsichtig zu sein und im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen. An der Reportage von RTL scheint was dran zu sein. Vielen Dank nochmal auch an alle, die versucht haben mir konstruktiv weiter zu helfen!

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#7
 Von 
anja-w
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 3x hilfreich)

Die Berichte über "Schwarze Schafe" unter den Zahnärzten haben sicher auch einen gewissen Wahrheitsteil, wobei ich mir bei RTL nicht sicher bin, ob da viel Wahrheit übrig bleibt. Doch auch ARD oder ZDF berichteten ja in der Vergangenheit darüber. Ich fühlte mich nicht wirklich aufgeklärt von den Kosten mal ganz abgesehen und hatte auch meine Zweifel an einer Therapie- und Heilplanung meines damaligen Zahnarztes. Meine Schwägerin ist zum Glück Zahnarzthelferin und hatte mir https://www.zahnarzt-preisvergleich.com empfohlen. Es stellte sich zwar heraus, dass mein Zahn wirklich gezogen werden musste, aber so konnte ich wenigstens eine Entscheidung treffen, wo ich mich nicht nur auf die Aussage meines eher wortkargen Zahnarztes verlassen musste.

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