Vereinsrecht: Gestaltung Vorstand und Haftung

25. Mai 2023 Thema abonnieren
 Von 
sloopy9022
Status:
Frischling
(34 Beiträge, 3x hilfreich)
Vereinsrecht: Gestaltung Vorstand und Haftung

Hallo,

wir haben einen fiktiven Verein A. Er hat bisher einen Vorstand aus 3 gleichberechtigten Menschen. Zukünftig will man mit 75% Mehrheit die Satzung ändern und ggf. 5 oder 7 Vorstände installieren. Können die alle 7 dann im Vereinsregister eingetragen werden oder gibt es immer 1 Person, die den Hut aufhat? Also kann man sich das Haftungsrisiko über diese 5 oder 7 Personen zu gleichen Teilen aufteilen?

Zudem: bei was wird man haftbar gemacht?
Der Verein findet keine neuen Vorstandsmitglieder, da diese verängstigt sind aufgrund der Haftungsrisiken, diese möchte man abmildern über einen Rechtsschutzbrief.

Beispiele:
Ein Kind spielt in einer Jugendgruppe und fälle von der Mauer. Die Mitarbeiter sind vom Vorstand instruiert auf ein korrektes Verhalten, haben auch Lehrgänge besucht um Gruppen leiten zu dürfen. Dennoch ist ein Gruppenteilnehmer kurz unaufmerksam und fällt von der Mauer. Der Gruppenleiter konnte dies nicht verhindern, er kann ja nicht überall sein und ggf. hört das Kind nicht auf ihn. Was muss er tun um sich abzusichern? Wäre der Vorstand damit in Haftung, wenn die Eltern ihn verklagen? Kann er sich absichern?

Beispiel 2:
Auf einem Dorffest des Vereins randaliert ein Besoffener, zerstört dabei öffentliche Gegenstände und verletzt einen anderen Teilnehmer der Veranstaltung. Haftet der Veranstalter bzw. der Vorstand des Vereins?

Ich hoffe, dass ihr mir hier ein paar Antworten geben könnt. Das wäre ja im Zweifelsfall der KO für jedwede Vereinsarbeit in Deutschland - und mich würde es nicht wundern, wenn der Vorstand so gegängelt würde, das wäre typisch deutsch.

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6205 Beiträge, 1488x hilfreich)

Zitat (von sloopy9022):
Zudem: bei was wird man haftbar gemacht?

Für Pflichtverletzungen, die Vorstandsmitglieder in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder machen.

Zitat:
Der Verein findet keine neuen Vorstandsmitglieder, da diese verängstigt sind aufgrund der Haftungsrisiken, diese möchte man abmildern über einen Rechtsschutzbrief.

Viel wichtiger als eine Rechtsschutzversicherung für den Verein ist eine Haftpflichtversicherung für den Verein.

Zitat:
Beispiele:
Ein Kind spielt in einer Jugendgruppe und fälle von der Mauer. Die Mitarbeiter sind vom Vorstand instruiert auf ein korrektes Verhalten, haben auch Lehrgänge besucht um Gruppen leiten zu dürfen. Dennoch ist ein Gruppenteilnehmer kurz unaufmerksam und fällt von der Mauer. Der Gruppenleiter konnte dies nicht verhindern, er kann ja nicht überall sein und ggf. hört das Kind nicht auf ihn. Was muss er tun um sich abzusichern?

Seinen Aufsichtspflichten genügen und keine Aktionen unternehmen, die ein unangemessenes Risiko beinhalten.
Zitat:
Wäre der Vorstand damit in Haftung, wenn die Eltern ihn verklagen?

Erstmal wäre die Aufsichtsperson ggf. in der Haftung.
Der Vorstand wäre in der Haftung, wenn er seine Pflichten verletzt hat. Also z.B. nicht ausreichend für befähigte Aufsichtspersonen gesorgt hat.
Zitat:
Kann er sich absichern?

Mit einer Haftpflichtversicherung für den Verein.

Zitat:
Beispiel 2:
Auf einem Dorffest des Vereins randaliert ein Besoffener, zerstört dabei öffentliche Gegenstände und verletzt einen anderen Teilnehmer der Veranstaltung. Haftet der Veranstalter bzw. der Vorstand des Vereins?

In der Regel: nein.

Zitat:
Ich hoffe, dass ihr mir hier ein paar Antworten geben könnt. Das wäre ja im Zweifelsfall der KO für jedwede Vereinsarbeit in Deutschland - und mich würde es nicht wundern, wenn der Vorstand so gegängelt würde, das wäre typisch deutsch.

Wenn man meint, daß man besonders gefahrgeneigte Vereinstätigkeit hat, macht man einen Termin mit einem Anwalt und lässt sich von dem beraten, welche Versicherungen anzuraten sind und welche rechtlichen Fallstricke auftauchen können.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
hiphappy
Status:
Junior-Partner
(5517 Beiträge, 2494x hilfreich)

Zitat (von sloopy9022):
Können die alle 7 dann im Vereinsregister eingetragen werden oder gibt es immer 1 Person, die den Hut aufhat?


Ja, das geht grundsätzlich.

Zitat (von sloopy9022):
Also kann man sich das Haftungsrisiko über diese 5 oder 7 Personen zu gleichen Teilen aufteilen?


Nein, das geht nicht.
Jedes der haftenden Vorstandsmitglieder haftet VOLL.
D.h. jemand, der einen Anspruch hat, hat nun 5 oder 7 Personen statt 3, die er verklagen kann.

Das Vorgehen ist also komplett Kontraproduktiv. Man muss jedes Mal 7 Personen finden, und dann ist noch die Frage der Vertretung. Entweder ist jeder einzelvertretungsberechtigt, dann haftet jeder für den Unsinn, den einer der anderen sechs macht, oder man braucht immer 2-3 Unterschriften, das gilt dann für jeden Pups, den der Verein nach außen hin tätigt.

Der "Trend" geht eher dahin, schmale (3 Personen) Vorstände gemäß BGB und dann viel über Beauftragte oder Projektbezogen zu arbeiten. Dann braucht man nicht so viele Wahlen (und nicht so viele die sich wählen lassen wollen). Die drei sollten dann halbwegs wissen, was sie tun und haben im Zweifel IMMER das letzte Wort (sollten den Beauftragen aber natürlich möglichst viel Freiheiten lassen).

Zitat (von sloopy9022):
und mich würde es nicht wundern, wenn der Vorstand so gegängelt würde, das wäre typisch deutsch.


Ich sehe im Vereinsrecht eher das Gegenteil, Vorstände haben erhebliche Freiheiten.

Grundsätzlich machen sich aber in der Tat viele Vereine / Vorstände keine großen Gedanken über das Thema Haftung.

In einer Steuerrecht-Schulung hatte ich mal eine "Hausfrau" (ohne einschlägige Berufserfahrung in Finanzen) sitzen, die hatte sich einfach so weil kein anderer wollte zum nach BGB eingetragenen Vorstand als Kassenwartin wählen lassen; in einem Sportverein mit 1700 Mitgliedern und 2 Abteilungen, die im Semi-Professionellen Bereich spielen (immerhin hat sie dann eine Schulung besucht, die 3 Stunden können bei so einem Verein aber noch nicht mal ansatzweise helfen).
Die wurde immer bleicher im Laufe des Abends.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
sloopy9022
Status:
Frischling
(34 Beiträge, 3x hilfreich)

Danke auf jeden Fall schon einmal für euer Feedback und eine grobe rechtliche Einordnung meines Beispielfalles. Ich weiß, dass viele Jugendliche oder junge Erwachsene sich scheuen, das Haftungsrisiko als Vorstand in Kauf zu nehmen. Aus Gesprächen habe ich gehört, dass sie schlicht Angst haben und so einer Vorstandstätigkeit aus dem Weg gehen. Der entsprechende Rechtsschutz + Haftpflicht ist vorhanden.
Also haftet der Vorstand nur, wenn einer der Vorstände vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt? Also beispielsweise einen Minderjährigen eine Gruppe leiten lässt und da passiert was?

Wie würdet ihr agieren um den jungen Erwachsenen die Angst vor diesem Amt zu nehmen?
Die Idee im Fallbeispiel war eben, dass man ein größeres Gremium zur Vereinsleitung bildet und so Verantwortung verteilt.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
hiphappy
Status:
Junior-Partner
(5517 Beiträge, 2494x hilfreich)

Zitat (von sloopy9022):
Also haftet der Vorstand nur, wenn einer der Vorstände vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt?


Vereinfacht gesagt, ja.

Zitat (von sloopy9022):
Also beispielsweise einen Minderjährigen eine Gruppe leiten lässt und da passiert was?


Da ist keine direkte Haftung zu erkennen. Wenn der Minderjährige objektiv geeignet ist, eine Gruppe zu leiten, ergibt sich daraus schon mal keine pauschale Haftung.

Zitat (von sloopy9022):
Wie würdet ihr agieren um den jungen Erwachsenen die Angst vor diesem Amt zu nehmen?


Auf Schulungen schicken. Es gibt jede Menge Angebote, auch online, auch teilweise sehr kurz (2 Stunden), die einem die Grundlagen vermitteln.

Zitat (von sloopy9022):
Die Idee im Fallbeispiel war eben, dass man ein größeres Gremium zur Vereinsleitung bildet und so Verantwortung verteilt.


Das kann man ja tun, aber man sollte die Haftung halt nicht verteilen. Man kann mit vielen Leuten mit relativ flachen Hierarchie die Arbeit machen, jeder arbeitet in seinem Bereich im Rahmen seines Etat/Rahmen. Der Vorstand gemäß BGB vertritt den Verein nach außen (das heißt jeder Vertrag mit anderen geht über dessen Tisch) und verwaltet die Finanzen.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.765 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.140 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen