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Gewerbe ab 3 Artikeln?

6.3.2019 Thema abonnieren
 Von 
guest-12305.04.2019 16:40:57
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)
Gewerbe ab 3 Artikeln?

Hallo,

ich wollte jetzt bald anfangen, die Winterkleidung meiner fünf Kinder und auch von uns auszusortieren und im Internet anzubieten.

Da auch schon Mütter abgemahnt wurden, habe ich sicherheitshalber das Fiinanzamt gefragt, ab wann jemand gewerblich handelt. Antwort war, ich zitiere: "Wenn mehr als 3 mal Waren über einen Account veräußert werden ist dies gewerblich." Dann wären doch eigentlich alle Verkäufer auf Verkaufsplattformen gewerblich. Ich habe nun zurückgefragt, in welchen Abständen das gemeint ist, ob Tag, Monat, Jahr.

Kann es wirklich sein, dass nur drei Artikel z.B. im Monat verkauft werden dürfen? Wir sind 7 Personen, da dürfte ich nicht einmal von jedem von uns ein Kleidungsstück einstellen. Oder habe ich diesen Satz missverstanden? Ich dachte, man dürfte mehr verkaufen, solange es sich von den anderen Artikeln unterscheidet und nicht gleich ist bzw. mehrere Artikel in verschiedenen Größen usw.

Wie interpretiert ihr diesen Satz? Wenn es wirklich so ist, nur drei Artikel einstellen zu können, kann ich das vergessen und (fast) niemand handelt privat.

Ich möchte keinesfalls Steuerbetrug begehen, deshalb wollte ich hier mal nachfragen, bis die Antwort der Dame kommt.

Danke euch allen schon jetzt. Bin über deren Antwort sehr erstaunt.

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
cirius32832
Status:
Lehrling
(1665 Beiträge, 623x hilfreich)

Ich vermute mal, dass es sich bei der Auskunft des Finanzamtes um ein Missverständnis handelt und das Amt evtl vom Verkauf von Neuware ausgeht?!

Signatur:https://www.antispam-ev.de
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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(66735 Beiträge, 31516x hilfreich)

Ab wann es steuerrechtlich gewerblich sein könnte, am besten mal im Unterforum "Steuerrecht" nachfragen.

Diese pauschale Antwort

Zitat (von Annemarieglueck):
"Wenn mehr als 3 mal Waren über einen Account veräußert werden ist dies gewerblich."

ist jedenfalls Unfug.


Gewerberechtlich, da kommt es darauf an was genau verkauft wird. Neu- & Gebrauchtware gemischt ist schnell gerwerblich, nur Neuware ist zu 99.8% gewerblich.

Und wenn nur Gebrauchtware verkauft wird, dann einscheidet der Einzelfall, ob das gewerblich ist oder nicht. Schon eine Haushaltsauflösung kann gewerblich sein.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#3
 Von 
Lolle
Status:
Bachelor
(3000 Beiträge, 1701x hilfreich)

Ich zitiere auch mal
Der Übergang zum gewerblichen Händler kann recht schnell und fließend sein. Dabei genügt bereits die Gewinnerzielungsabsicht – auch in Fällen, in denen Sie nicht einmal einen Überschuss erzielen, können Sie daher steuerpflichtig sein. Die Gewinnerzielungsabsicht macht das Finanzamt daran fest, wie viele Sachen Sie in welchem Zeitraum verkaufen. Die Gerichte urteilen immer nur im konkreten Einzelfall – und sehr unterschiedlich. So stufte das Landgericht Berlin eine Mutter, die innerhalb eines Monats 80 Kleidungsstücke ihrer vier Kinder verkaufte, als Unternehmerin ein (Entscheidung vom 5. September 2006, Az. 103 O 75/06).
https://www.finanztip.de/steuerfolgen-onlineverkauf/

Dabei geht es um die Beurteilung, ob gewerbliches Handeln vorliegt - für den gewerblichen Händler gelten besondere Regeln - z.B. bei der Sachmängelhaftung (Gewährleistung), hinsichtlich der Umsatzsteuer, Buchhaltungspflichten etc.

Eine andere Sache ist, wann der Gewinn (Überschuss aus Einnahmen abzgl. Ausgaben) gegenüber dem Finanzamt bei der Einkomenssteuer zu erklären und zu versteuern ist - da hilft > § 23 (3) Satz 5 EStG
- wenn es sich nicht um Gegenstände des täglichen Gebrauchs handelt
- wenn die Spekulationsfrist (1 Jahr) noch nicht verstrichen ist
- wenn die Freigrenze von 599,99 Euro Gewinn je Kalenderjahr überschritten ist

hier auch ein Merkblatt
https://www.suvb.de/images/DOWNLOADS/merkblaetter/Merkblatt_Besteuerung_privater_Veraeusserungsgeschaefte-von_eBay_bis_Immobilie.pdf

Für den Fall, dass das Finanzamt mal auf einen zu kommt, wäre es sinnvoll wenn man "Buch führt" > wann angeschafft, zu welchem Preis > nach welchem Zeitraum verkauft > Einnahme aus Verkauf - um sich ggf. von Vorwürfen freiwaschen zu können.

Auch bei der direkten Vorab-Frage ans eigene Finanzamt sollte darauf hingewiesen werden, dass es sich dabei um gebrauchte Kleidung handelt, die schon vor mehr als 1 Jahr angeschafft wurdem, dass keine Gewinnerzielungsabsicht dahinter steht, dass auch tatsächlich keine Gewinne (Überschüsse aus Einnahmen minus Ausgaben/Anschaffungskosten) erzielt werden, weil die gebrauchte Kleidung natürlich nur zu einem niedrigeren Betrag verkauft werden kann als sie einmal neu gekostet hat.

Signatur:Es hilft nichts,das Recht auf seiner Seite zu haben.Man muss auch m.d. Justiz rechnen - D Hildebrand
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#4
 Von 
guest-12305.04.2019 16:40:57
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke an alle, die geantwortet haben. Das hatte ich ihr auch später dann geschrieben, dass es um 5 Kinder und 2 Erwachsene geht, deren Kleidung verkauft werden soll. Je nach Alter der Kinder sind die Kleidungsstücke 1 bis 2 Jahre alt. Unsere Kleidung noch älter, da zu- bzw. abgenommen.

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#5
 Von 
Anami
Status:
Bachelor
(3961 Beiträge, 889x hilfreich)

Zitat (von Annemarieglueck):
Da auch schon Mütter abgemahnt wurden,
Von wem wurden denn die anderen abgemahnt?

Signatur:Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Karl V.
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#6
 Von 
guest-12305.04.2019 16:40:57
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 0x hilfreich)

Was hat deine Frage mit meiner Aussage zu tun?

Abgemahnt werden sie von Gewerbetreibenden oder deren Anwälten. Das werden Sie wissen.

Mit meiner Aussage meine ich, dass Mütter mit mehreren Kindern schon abgemahnt wurden, weil dann natürlich einiges an Kleidung zusammenkommt. Genau deshalb habe ich vorher beim Finanzamt nachgefragt, weil ich nicht die nächste Mutter sein möchte, der das passiert.

Ich finde es unter aller Sau (Entschuldigung, aber das regt mich auf), dass Mütter, die von dem Geld neue Kleidung kaufen möchten oder das Geld für ein Geburstagsgeschenk o.ä. brauchen. Zack, schon wird man als Second-Hand-Shop abgemahnt wie diese oben erwähnte Frau.

Gegen solche Leute, die zig gleiche Artikel einstellen, habe auch schon fast 100 gleiche Artikel in verschiedenen Farben und Größen gesehen, bzw. über 50 gleiche Artikel, denen passiert nichts und auf die Mütter wird eingedroschen.

Hoffe, du verstehst nun meinen Satz. Gegen die Privatgewerblichen hätte ich nichts gegen eine Abmahnung, aber Mütter, die nur die Kleidung ihrer Kinder verkaufen möchten, sollen mehrere Hundert oder noch mehr Euros bezahlen. Und diejenigen, die im großen Format Neuware verkaufen und das privat, um Geld für Versandprovision, Steuer, Verpackungslizenz usw. einsparen, die machen ohne Folgen munter weiter.

Deshalb war ich erstaunt, als mir die Dame vom Finanzamt mitteilte, ich dürfe nur drei Kleidungsstücke einstellen. Das ist nicht einmal ein Kleidungsstück pro Kind.

Denke auch, dass es ein Missverständnis war und die Dame von Neuware ausgegangen ist.

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#7
 Von 
Anami
Status:
Bachelor
(3961 Beiträge, 889x hilfreich)

Zitat (von Annemarieglueck):
Mit meiner Aussage meine ich, dass Mütter mit mehreren Kindern schon abgemahnt wurden,
Und ich fragte, von wem.
Was hat das nun mit dem Finanzamt zu tun?
Vom Finanzamt wird man nicht abgemahnt--- sondern evtl. zur Kasse gebeten.
Zitat (von Annemarieglueck):
und auf die Mütter wird eingedroschen.
Kannst du bitte sachlich bleiben und deine Fragen so stellen, dass man dir eine Antwort geben kann?
Zitat (von Annemarieglueck):
Denke auch, dass es ein Missverständnis war und die Dame von Neuware ausgegangen ist.
Das hätte man durch einfach Nachfrage klären können.

Signatur:Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Karl V.
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#8
 Von 
reckoner
Status:
Richter
(8842 Beiträge, 3493x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
- wenn es sich nicht um Gegenstände des täglichen Gebrauchs handelt
- wenn die Spekulationsfrist (1 Jahr) noch nicht verstrichen ist
- wenn die Freigrenze von 599,99 Euro Gewinn je Kalenderjahr überschritten ist
Dazu eine kleine aber entscheidende Anmerkung: Es müssen alle 3 Punkte zutreffen.

Bei wirklich normal getragener Kleidung* fällt schon der erste Punkt raus, da braucht man auf mehr als ein Jahr gar nicht mehr zu achten.

*man muss natürlich immer abgrenzen, es gibt sicher auch die Mütter die Montags morgens bei Aldi feststellen, dass da ein Renner im Regal liegt, und dann einfach mal ein paar mehr für Ebay mitnehmen

Stefan

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