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In einer Zeitarbeitsfirma mit eigener Gewerbe

15.9.2018 Thema abonnieren
 Von 
OS92
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)
In einer Zeitarbeitsfirma mit eigener Gewerbe

Guten Tag,

Meine Frage betrifft eigentlich nicht genau die Arbeitsrecht, es geht mehr um Finanz bzw. Steuer Bereich.
Ich habe aber keine richtige Forum gefunden, wo ich die Frage stellen könnte, deswegen versuche hier.

Ich arbeite Vollzeit in einer Zeitarbeitsfirma, für die ich in einer Fabrik als Krafthilfe tätig bin.
Mein Vertrag ist unbefristet. Ich habe überlegt, ob ich mich als Selbständig anmelden kann, also quasi eine Gewerbe eröffnet und nicht mehr als Arbeitsnehmer sondern als quasi Subunternehmer/Scheinselbständiger arbeiten. Ich habe gehört viele Kurierdiestfirmen wie Hermes oder DPD so funktionieren.
Deswegen wollte ich mich beraten und evlt. alle Pro und Kontra anhören.

Mir interresiert erst, ob:
- wäre es überhaupt möglich für eine Zeitarbeitsfirma als Subfirma arbeiten, habt ihr Erfahrungen ?
- ich vermute der Arbeitsvertag gilt nicht mehr, also wir schliessen zwischen uns anderes Vertragsform an.
wie ist es dann zB mit Urlaubstagen, Bezahlung bei Krankheit, Kundigungsfrist ?
- was muss man beachten, welche sind weitere Nach und Vorteile
- meint ihr ist das der Mühe wert ?




PS. Der Grund warum ich sowas machen würde ist erstens, dass ich nebenbei was anders machen kann (ich mache sporadisch Internetverkauf, der mit meinem Hobby zu tun hat, wenn ich eine Gewerbe hätte, kann ich es "mit vollem Gang" weiter treiben versuchen)
Und zweitens so wie ich gelesen habe, als Selbständig kann ich mich deutlich günstiger versichern, wenn um Krankenversicherung geht (heutzutage zahle ich monatlich 280 EUR und mein Arbeitsgeber das zweite Teil, also 560 EUR) und als selbständig bin ich nicht verpflichtet die Rentenversicherung zu haben.

Ich freue mich auf ihre Meinungen.


-- Editiert von Moderator am 15.09.2018 22:29

-- Thema wurde verschoben am 15.09.2018 22:29

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11412 Beiträge, 4778x hilfreich)

Diese Idee dürfte dich eher ziemlich unglücklich machen.
- Scheinselbständigkeit ist verboten, kann also über kurz oder lang auffliegen
- als Subunternehmer bist du der letzte A_rsch in der Kette
- das mit dem günstigen Versichern dürfte auch eine Milchmädchenrechnung sein, denn du zahlst z.B. die KK zu hundert Prozent, weil es keinen AG mehr gibt, der seinen Teil trägt.
- nicht in die Rentenversicherung einzahlen zu müssen, hört sich evtl. heute und morgen gut an, aber auch nur dann, wenn du konsequent und diszipliniert eine andere Form der Altersvorsorge bedient. Und da kann eingesetztes Kapital auch schon Mal verloren gehen.
Also mit nix im Kreuz und ohne wirklich überzeugende Geschäftsidee .... willkommen bei den künftigen Hartzern.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(79602 Beiträge, 33731x hilfreich)

Zitat (von OS92):
und nicht mehr als Arbeitsnehmer sondern als quasi Subunternehmer

Fraglich ob die Zeitarbeitsfirma daran Interesse hat.



Zitat (von OS92):
/Scheinselbständiger arbeiten.

Man sollte keine ilegalen Vertragsverhältnisse anstreben.



Zitat (von OS92):
- ich vermute der Arbeitsvertag gilt nicht mehr, also wir schliessen zwischen uns anderes Vertragsform an.

Korrekt



Zitat (von OS92):
wie ist es dann zB mit Urlaubstagen, Bezahlung bei Krankheit, Kundigungsfrist ?

Alles Dein Problem.



Zitat (von OS92):
- meint ihr ist das der Mühe wert ?

So wie man es jetzt vor hat? Nein.



Zitat (von OS92):
Und zweitens so wie ich gelesen habe, als Selbständig kann ich mich deutlich günstiger versichern, wenn um Krankenversicherung geht (heutzutage zahle ich monatlich 280 EUR und mein Arbeitsgeber das zweite Teil, also 560 EUR)

Künftig zahlst Du dann beide Anteile alleine.



Zitat (von OS92):
und als selbständig bin ich nicht verpflichtet die Rentenversicherung zu haben.

Stimmt. Solange Du vor Eintritt der Rente stirbst ist das auch ein guter Plan.
Ansonsten hat man nichts zum leben in der Rente. Keine Wohnung, nichts zu essen, ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#3
 Von 
cirius32832
Status:
Student
(2486 Beiträge, 794x hilfreich)

Zitat:
Scheinselbständiger

Zitat:
Ich freue mich auf ihre Meinungen.

Meine Meinung: Mach das nicht, es sei denn du möchtest dich mit den Prüfern der Rentenkasse rumplagen. Im übrigen prüfen viele Firmen im vorhinein ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Kann also auch sein, dass du gar keine oder nur ganz wenig Arbeit bekommst.

Signatur:https://www.antispam-ev.de
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#4
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2862 Beiträge, 876x hilfreich)

Zitat (von OS92):

Ich arbeite Vollzeit in einer Zeitarbeitsfirma, für die ich in einer Fabrik als Krafthilfe tätig bin.

Also als Angestellter.
Zitat:
Mein Vertrag ist unbefristet. Ich habe überlegt, ob ich mich als Selbständig anmelden kann, also quasi eine Gewerbe eröffnet und nicht mehr als Arbeitsnehmer sondern als quasi Subunternehmer/Scheinselbständiger arbeiten.

"Scheinselbständig" ist etwas, das unzulässig ist.

"Scheinselbständig" ist jemand, der rechtlich gesehen ein sozialversicherungspflichtiger Angestellter ist, aber fälschlich so tut, als sei er Selbständiger.

Das ist also nichts, das man anstrebt, sondern etwas, das man unter allen Umständen vermeidet.

Weil: die Scheinselbständigkeit führt dazu, daß Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern nachgezahlt werden müssen. Die Sozialversicherungsbeiträge für bis zu 4 Jahre rückwirkend vom Arbeitgeber, oder wenn der pleite ist, für bis zu 4 Monate rückwirkend vom Arbeitnehmer. Die Steuern ggf. vom Arbeitnehmer.

Zitat:

Ich habe gehört viele Kurierdiestfirmen wie Hermes oder DPD so funktionieren.

Das wollen wir nicht hoffen...;-)

Zum Teil ist es richtig, da läuft es so - und ist rechtswidrig, und seitens des Arbeitgebers unter Umständen sogar eine Straftat.

Zitat:
Deswegen wollte ich mich beraten und evlt. alle Pro und Kontra anhören.

Es gibt da kein "Pro und Contra".

Eine Tätigkeit ist entweder eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit (also eine angestellte), oder sie ist eine selbständige Tätigkeit. Das kann man sich nicht aussuchen, es ergibt sich aus den Gesamtumständen der Tätigkeit.

Man kann 1000mal sagen "Ich bin doch selbständig!" - wenn die Deutsche Rentenversicherung sagt "Nee - das ist eine sozialversicherungspflichtige angestellte Tätigkeit!", dann ist das so. (In Grenzfällen kann man es von den Gerichten klären lassen.)

Zitat:
- wäre es überhaupt möglich für eine Zeitarbeitsfirma als Subfirma arbeiten

Klar kann man als Subunternehmer für ein Zeitarbeitsunternehmen arbeiten. Man muss nur eben aufpassen, daß man dabei nicht zum Scheinselbständigen wird.
Zitat:

- ich vermute der Arbeitsvertag gilt nicht mehr, also wir schliessen zwischen uns anderes Vertragsform an.

Wenn es ein scheinselbständiges Arbeitsverhältnis ist, gilt der Arbeitsvertrag weiter.
Zitat:
wie ist es dann zB mit Urlaubstagen, Bezahlung bei Krankheit, Kundigungsfrist ?

Selbständige haben weder bezahlten Urlaub noch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und auch keine Kündigungsfrist.
Sie können aber natürlich im Rahmen ihres Dienstleistungsvertrages alles mögliche vereinbaren. Nur muss der Vertragspartner eben auch mitspielen.
Zitat:
- was muss man beachten

Daß man es sich nicht aussuchen kann, sondern daß es darum geht, was es objektiv ist.
Zitat:

mache sporadisch Internetverkauf, der mit meinem Hobby zu tun hat, wenn ich eine Gewerbe hätte, kann ich es "mit vollem Gang" weiter treiben versuchen)

Ein Angestellter kann parallel zu seiner angestellten Tätigkeit ein Gewerbe betreiben.
Zitat:
Und zweitens so wie ich gelesen habe, als Selbständig kann ich mich deutlich günstiger versichern, wenn um Krankenversicherung geht (heutzutage zahle ich monatlich 280 EUR und mein Arbeitsgeber das zweite Teil, also 560 EUR)

Als Selbständiger bezahlen Sie die ganzen 560 Euro... Da haben Sie nämlich keinen Arbeitgeberanteil. Logisch, oder?
Ob das, z.B. über eine private Krankenversicherung, günstiger ist, das kann man nur im konkreten Einzelfall beurteilen.
Zitat:

und als selbständig bin ich nicht verpflichtet die Rentenversicherung zu haben.

Haben später dann aber auch keine Rente...

Kurierfahrer noch mit 82...???

Zum Thema "Scheinselbständigkeit" können Sie sich hier einlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinselbständigkeit

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#5
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2862 Beiträge, 876x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Diese Idee dürfte dich eher ziemlich unglücklich machen.
- Scheinselbständigkeit ist verboten

"Verboten" ist sie nicht, sie funktioniert nur eben nicht, weil sie in Wirklichkeit eine sozialversicherungspflichtige angestellte Beschäftigung ist, und die entsprechenden Beiträge nachgezahlt werden müssen, wenn die Rentenversicherung oder die Gesetzliche Krankenversicherung darüber stolpert.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#6
 Von 
OS92
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für alle Antworten.
Wenn um das Wort "Scheinselbständig" geht, wusste ich sogar nicht, dass es illegall ist.
Dachte ist nur so ein Begriff, für ein-Person-Firma ;)

WIll nix gegen Recht machen...

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#7
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(28015 Beiträge, 15274x hilfreich)

und die entsprechenden Beiträge nachgezahlt werden müssen, wenn die Rentenversicherung oder die Gesetzliche Krankenversicherung darüber stolpert. Man sollte aber auch darauf hinweisen, daß das im Wesentlichen das Risiko des Arbeitgebers ist und nur in sehr geringem Umfang das des Arbeitnehmers. Insofern riskiert man eher wenig, wenn man sich als "Auftragnehmer" auf Scheinselbständigkeit einläßt.

Signatur:Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).
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#8
 Von 
eh1960
Status:
Student
(2862 Beiträge, 876x hilfreich)

Zitat (von muemmel):
und die entsprechenden Beiträge nachgezahlt werden müssen, wenn die Rentenversicherung oder die Gesetzliche Krankenversicherung darüber stolpert. Man sollte aber auch darauf hinweisen, daß das im Wesentlichen das Risiko des Arbeitgebers ist und nur in sehr geringem Umfang das des Arbeitnehmers. Insofern riskiert man eher wenig, wenn man sich als "Auftragnehmer" auf Scheinselbständigkeit einläßt.


Das Risiko liegt beim Arbeitgeber, solange der zahlungsfähig ist.
Der Arbeitgeber muss die Sozialabgaben für den Arbeitnehmer abführen.
Für die korrekte Abführung der Sozialabgaben seiner Angestellten haftet er vier Jahre lang. So lange können die Sozialversicherungsträger noch nachträglich kassieren.

Gibt es den Arbeitgeber nicht mehr oder ist er zahlungsunfähig, muss der Arbeitnehmer zahlen. Der allerdings nur für maximal die letzten vier Monate.

Ein Risiko besteht für den scheinselbständigen Arbeitnehmer in der Tat nur dann, wenn sein Arbeitgeber nicht zahlungsfähig ist, wenn die Rentenversicherung, die GKV usw. vor der Tür stehen und nachträglich die Beiträge haben wollen. Vereinfacht gesagt - es gibt noch ein bißchen mehr Arbeitnehmerhaftung, wenn die Entrichtung von Sozialversicherungsbeiträgen ohne Verschulden des Arbeitgebers unterbleibt. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn …

… der Arbeitgeber unzutreffende Auskünfte des Versicherungsträgers erhält,

… der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber vorsätzlich oder grob fahrlässig falsche Angaben zu seiner Situation macht,

… es sich um Beiträge handelt, die der Arbeitnehmer alleine entrichtet (freiwillige Krankenversicherung)

… es sich um Sachbezüge handelt.

Strafrechtliche Konsequenzen drohen in der Tat nur dem Arbeitgeber (§266 StGB ).

Der hat in jedem Fall den weitaus größeren Ärger - beschäftigt er einen "Scheinselbständigen", dann entsteht nämlich automatisch ein unbefristeter sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertrag...

Wenn der Paketdienst also so blöd ist, sich sowas ans Knie zu nageln, dann hat er ganz fix einen Angestellten mehr. Und den wird er nicht so leicht wieder los. (Betriebsbedingte Kündigung - "wir haben nicht genug Arbeit für den Mann!" - wird daran scheitern, daß ja offenkundig genug Arbeit da ist, man beschäftigte ihn ja bisher als Selbständigen...)

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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