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Google-Bewertung auf persönlicher Eben?

15.11.2018 Thema abonnieren
 Von 
Afg001
Status:
Beginner
(84 Beiträge, 9x hilfreich)
Google-Bewertung auf persönlicher Eben?

Hallo!
Ich bräuchte Rat bei folgendem Fall:
Auf Google bewertet jemand mein Unternehmen mit 2 Sternen. Er ist kein Kunde und führt nur an „Ist mir nicht sympathisch". Kann ich dagegen vorgehen, bspw. da das Persönlichkeitsrecht verletzt wurde? Oder ist hier nichts zu machen und ich muss eine Bewertung hinnehmen, die nichts mit der Firma zu tun hat?

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6962 Beiträge, 3039x hilfreich)



siehe hier ein paar Infos:

https://www.kanzlei-wirtschaftsrecht.berlin/aktuelles/vorgehen-gegen-negative-bewertungen-im-internet/#B-I

Zitat:
C. Kann ich mich auch gegen eine 1-Sterne-Bewertung ohne weiteren Inhalt wehren?

Häufig kommt es vor, dass Bewertungen auf Google, Facebook & Co. ohne weiteren Inhalt abgegeben werden und der Betroffene lediglich mit 1 von 5 Sternen bewertet wird. Es handelt sich dann um eine bloße Meinungsäußerung, welche grds. von Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG geschützt ist. Dies gilt allerdings dann nicht, wenn der Bewertende tatsächlich kein Kunde des betroffenen Unternehmens bzw. Gewerbetreibenden war. Es handelt sich dann wiederum um eine Fake-Bewertung, welche keine geschützte Meinungsäußerung darstellt, so dass in solchen Fällen mit Erfolg auch gegen eine bloße Sternen-Bewertung vorgegangen werden kann.


Fake-Bewertungen s. Punkt B I

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#2
 Von 
Afg001
Status:
Beginner
(84 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von HeHe):
siehe hier ein paar Infos:

https://www.kanzlei-wirtschaftsrecht.berlin/aktuelles/vorgehen-gegen-negative-bewertungen-im-internet/#B-I

Zitat:
C. Kann ich mich auch gegen eine 1-Sterne-Bewertung ohne weiteren Inhalt wehren?

Häufig kommt es vor, dass Bewertungen auf Google, Facebook & Co. ohne weiteren Inhalt abgegeben werden und der Betroffene lediglich mit 1 von 5 Sternen bewertet wird. Es handelt sich dann um eine bloße Meinungsäußerung, welche grds. von Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG geschützt ist. Dies gilt allerdings dann nicht, wenn der Bewertende tatsächlich kein Kunde des betroffenen Unternehmens bzw. Gewerbetreibenden war. Es handelt sich dann wiederum um eine Fake-Bewertung, welche keine geschützte Meinungsäußerung darstellt, so dass in solchen Fällen mit Erfolg auch gegen eine bloße Sternen-Bewertung vorgegangen werden kann.

Fake-Bewertungen s. Punkt B I

Zuerst mal danke!
Allersdings ist es in meinem Fall ja keine „Fake-Bewertung" da er/sie ja das Unternehmen nicht schlechtredet oder sich beschwert. Er oder Sie sagt lediglich, dass er eine Person, die in dem Unternehmen ist, nicht sympathisch findet. Finden die Grundsätze hier trotzdem Anwendung?

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62890 Beiträge, 30734x hilfreich)

Zitat (von Afg001):
Kann ich dagegen vorgehen, bspw. da das Persönlichkeitsrecht verletzt wurde?

Ein Unternehmen hat keine Persönlichkeitsrechte.



Zitat (von Afg001):
die nichts mit der Firma zu tun hat?

Wieso hat die nichts mit der Firma zu tun? Man hat mitgeteilt, man findet die Firma nicht sympatisch.



Zitat (von HeHe):
Dies gilt allerdings dann nicht, wenn der Bewertende tatsächlich kein Kunde des betroffenen Unternehmens bzw. Gewerbetreibenden war. Es handelt sich dann wiederum um eine Fake-Bewertung

Nö, denn auch Nichtkunden können Unternehmen bewerten, auch das wäre eine freie Meinungsäußerung. Hat man schon immer gemacht, ist weder illegal noch eine "Fake-Bewertung".

Aber es spricht nichts dagegen, diese Anwälte zu beauftragen dagegen vorzugehen.
Ich wäre am Ausgang des Verfahrens sehr interessiert.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#4
 Von 
reckoner
Status:
Richter
(8427 Beiträge, 3424x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Nö, denn auch Nichtkunden können Unternehmen bewerten, auch das wäre eine freie Meinungsäußerung.
Sehe ich auch so.

Es kann ja sein, dass man gerade wegen der in der Bewertung geschilderten Aspekte kein Kunde ist (geworden ist). Außerdem kann man auch im Namen eines anderen Kunden sprechen.

Stefan

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#5
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6962 Beiträge, 3039x hilfreich)

@Harry u. reckoner: Ich sehe das anders, bin aber der Meinung, dass rechtlicher Aufwand hier nichts bringt.

Unterm Strich zeigt das aber die Unbrauchbarkeit solcher Bewertungen.



Zitat:
Dies gilt allerdings dann nicht, wenn der Bewertende tatsächlich kein Kunde des betroffenen Unternehmens bzw. Gewerbetreibenden war. Es handelt sich dann wiederum um eine Fake-Bewertung, welche keine geschützte Meinungsäußerung darstellt,


Zitat Afg001:
Allersdings ist es in meinem Fall ja keine „Fake-Bewertung" da er/sie ja das Unternehmen nicht schlechtredet oder sich beschwert.

Weil er aber kein Kunde ist, ist es rechtlich zu werten WIE eine Fake-Wertung!

Zitat Afg001:
Zitat:
Er oder Sie sagt lediglich, dass er eine Person, die in dem Unternehmen ist, nicht sympathisch findet.


Moment mal: Der Nicht-Kunde hat eine bestimmte Person benannt???

-- Editiert von HeHe am 16.11.2018 13:09

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#6
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Praktikant
(516 Beiträge, 443x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Afg001):
Kann ich dagegen vorgehen, bspw. da das Persönlichkeitsrecht verletzt wurde?

Ein Unternehmen hat keine Persönlichkeitsrechte.

Beleidigten Unternehme(r)n scheint die Findigkeit kostspieligster Fürsprecher beim Aushecken eines "Unternehmenspersönlichkeitsrechts" einen immensen Aufwand wert gewesen zu sein.

"Zum Unternehmenspersönlichkeitsrecht"
https://www.ferner-alsdorf.de/datenschutzrecht/persoenlichkeitsrecht__zum-unternehmenspersonlichkeitsrecht__rechtsanwalt-alsdorf__4766/#Rechtsprechung_zum_Unternehmenspersoenlichkeitsrecht

"Im Fazit ist einverfassungsrechtlich abgesegnetes und verfestigtes Unternehmenspersönlichkeitsrecht zu erkennen."

RK

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#7
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Student
(2908 Beiträge, 1269x hilfreich)

Zitat:
Weil er aber kein Kunde ist, ist es rechtlich zu werten WIE eine Fake-Wertung!

Wenn der betreffende nicht vortäuscht, Kunde zu sein, ist dagegen erst mal nichts einzuwenden.
Und wenn die Bewertung auch nicht vortäuscht, für eine erbrachte Leistung vorgenommen worden zu sein, ist dagegen auch nichts einzuwenden.
Das ist so wie der Glaube, Monsanto könne gegen eine Bewertung "1 Stern - tun mir nicht genug für die Umwelt" vorgehen mit der Begründung, solche Bewertungen dürften nur Kunden abgeben, oder man täusche damit vor, Kunde zu sein.

Ich sehe hier keine Erfolgsaussichten. Es handelt sich nicht um eine falsche Tatsachenbehauptung und auch nicht um einen Boykott-Aufruf.

Im übrigen gilt, mit schlechten Bewertungen muß man als Unternehmer leben können. Mir graust vor der Offline-Analogie, ein Laden würde mich mit Unterlassungsklagen überziehen, weil ich zu meinen Freunden sage "da kaufe ich nicht, die sind mir zu doof". Oder würde glauben, schon ein unzufriedener Kunde, der seine Meinung sagt, würde dem Unternehmen schaden. Im Gegenteil würde es dem Ruf eines Ladens schwer schaden, wenn bekannt wird, daß er gegen solche nachvollziehbaren Bewertungen vorgeht (eine Art Variante des Streisand-Effektes).


-- Editiert von BigiBigiBigi am 20.11.2018 11:57

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#8
 Von 
einKaeufer
Status:
Beginner
(63 Beiträge, 13x hilfreich)

Ich häng mich mal dran. Ist die Aussage:

"Katastrophe, hier gehe ich nie wieder hin. Musste sogar den Paypal Käuferschutz in Anspruch nehmen - zum Glück per Paypal bezahlt. In 15 Jahren Internet-Shopping habe ich sowas nicht erlebt.
Innerhalb von 2 Tagen mehrere 5-Sterne Bewertungen. Interessant. Ein Schelm der sich Böses bei denkt ;) "

geeignet dagegen gerichtlich vor zu gehen, oder handelt es sich dabei um eine Meinungsäusserung und man braucht keine Angst vor einer Abmahnung zu haben?

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#9
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Student
(2908 Beiträge, 1269x hilfreich)

Zitat (von einKaeufer):
oder handelt es sich dabei um eine Meinungsäusserung

Auch die "Meinung", es werde gezielt getäuscht (durch falsche Bewertungen), darf nicht ohne Konsequenzen geäußert werden. Denn es handelt sich dann ja lediglich um eine umlackierte Tatsachenbehauptung. Ob man nun schreibt "meiner Meinung nach ist das ein Betrüger" oder "das ist ein Betrüger", nimmt sich da nicht viel.

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#10
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62890 Beiträge, 30734x hilfreich)

Zitat (von einKaeufer):
Innerhalb von 2 Tagen mehrere 5-Sterne Bewertungen. Interessant. Ein Schelm der sich Böses bei denkt "

Der Satz ist durchaus problembehaftet.


Die Abwandlung
Ist mir ein Rätsel, wie der innerhalb von 2 Tagen mehrere 5-Sterne Bewertungen bekommen hat.
Ist zwar milder, aber kann immer noch Probleme verursachen.


Ein
Das der innerhalb von 2 Tagen mehrere 5-Sterne Bewertungen bekommen hat, kann ich nicht nachvollziehen.
dürfte wohl am ungefährlichsten sein.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#11
 Von 
einKaeufer
Status:
Beginner
(63 Beiträge, 13x hilfreich)

Dort steht nirgends, dass behauptet werden würde, der Händler würde betrügen.
Was dort steht ist m.M.n. gleichlautend wie: "dubios".
Und wenn ich mir überlege dass der Händler seit Jahren im Internet vertreten ist, keine einzige Bewertung auf google hatte, und just nach meiner negativen Bewertung 4 positive, frage ich mich schon (-> was nicht bedeutet, dass ich ihm Betrug unterstelle, sondern eher vermute dass er seine Kunden explizit gebeten hat, positiv zu bewerten, etc.).
Auch, dass plötzlich alle Bewertungen (sehr viele negative) auf geizhals verschwunden sind... nunja.

Dort ist noch ein Urteil. Ich bin zwar kein Mitbewerber, aber glaube das könnte im grossen und ganzen auch auf mich angewendet werden: https://www.ratgeberrecht.eu/internetrecht-aktuell/sachliche-kritik-an-mitbewerber-nicht-wettbewerbswidrig.html

Ich habe nämlich eine Abmahnung erhalten ;)
Allerdings wegen der Paypal-Formulierung. Angeblich weil ich ja gar nicht den Paypal Käuferschutz in Anspruch hätte nehmen müssen.
Aber das ist ein anderes Thema...

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