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Handwerker betritt in Abwesenheit des Bauherrn private Räume und benutzt WLAN

1.9.2020 Thema abonnieren
 Von 
guest-12303.09.2020 17:48:47
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Handwerker betritt in Abwesenheit des Bauherrn private Räume und benutzt WLAN

Hallo zusammen,

ich hoffe das Thema ist im richtigen Forum gelandet.

Zu er nachnachfolgende Fallkonstellation würde mich interessieren, ob, ggf. und welche Straftatbestände erfüllt sein könnten:

Ein Bauherr M entscheidet sich, dass er sein Bau ne gefliest haben möchte. Der hierzu beauftragte Handwerker S führt die Arbeiten aus. Die Arbeiten ziehen sich über mehrerre Tage hin. Dadurch kann der Bauherr M den Handwerker S nicht die ganze Zeit beaufsichtigen, denn der Bauherr M muss ja das Geld zur Bezahlung des Handwerks S erwirtschaften. Der Handwerker S hat einen Schlüssel zum Haus und zur Wohnung von Bauherr M ausgehändigt bekommen und kann frei kommen und gehen wie er möchte.

Gegen Ende der Arbeiten stellt nun Bauherr M, nachdem er nach Hause gekommen ist, fest, dass Handwerker S oder einer seiner Mitarbeiter die privaten Räume des Bauherrn M betreten hat. Der Handwerker S oder sein Mitarbeiter P hatten dazu keine Notwenidgkeit im Rahmen Ihrer Beauftragung. Gefragt haben Sie auch nicht. Die unberechtigt betretenen Räumen waren nicht verschlossen, da technisch nicht möglich.

Weiterhin hat sich Handwerker S und/oder sein Mitarbeiter P unerlaubt in das verschlüsselte WLAN des Bauherrn S eingeloggt. Die Zugangsdaten wurden vom Router des Bauherrn M abgelesen, während einer der privaten Räume, unberechtigt, durch den Handwerker S oder seinen Mitarbeiter P betreten wurde.
Die unbefugte Nutzung ist durch den Router aufgezeichnet worden und nachweisbar.

Weiterhin wurden Möbel (z.B. Stühle) von einem privaten Raum in einen anderen getragen, wodurch das unberechtigte betreten der privaten Räume des Bauherrn M erst aufgefallen ist.

Auch wurde von dem Handwerker S und/oder seinem Mitarbeiter P mehrfach unbefugt Werkzeug aus den privaten Räumen geholt und benutzt. Der Handwerker S hat die Einrichtung der Baustelle in Rechnung gestellt.

Meine eigentliche Frage(n) ist nun:

Werden bei der oben genannten Konstellation Straftatbestände erfüllt? Wenn ja, welche?
Wäre eine zivilrechteliche Ahndung von z.B. Schadensersatz durch Erschleichung von Leistungen denkbar?

Vielen Dank!

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82246 Beiträge, 34132x hilfreich)

Zitat (von ddrler):
Werden bei der oben genannten Konstellation Straftatbestände erfüllt?

Ich sehe da keine.



Zitat (von ddrler):
Wäre eine zivilrechteliche Ahndung von z.B. Schadensersatz durch Erschleichung von Leistungen denkbar?

Klar, nur wie will man da was genau berechnen?


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(11686 Beiträge, 7862x hilfreich)

Sehe ich ähnlich.
Keine Straftat erkennbar.
Schadensersatz scheitet daran, dass man den Wert der WLAN-Nutzung nicht beziffern kann. Der Router hat ja keinen Wertverlust erlitten und höhere Kosten haben Sie auch nicht.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#3
 Von 
nyr
Status:
Schüler
(301 Beiträge, 35x hilfreich)

Zitat (von ddrler):
Dadurch kann der Bauherr M den Handwerker S nicht die ganze Zeit beaufsichtigen, denn der Bauherr M muss ja das Geld zur Bezahlung des Handwerks S erwirtschaften.
Das könnte auch außerhalb erledigt sein, sehe ich nicht als validen Grund.

Zitat (von ddrler):
Der Handwerker S hat einen Schlüssel zum Haus und zur Wohnung von Bauherr M ausgehändigt bekommen und kann frei kommen und gehen wie er möchte.
Was wurde dabei genau ausgemacht?

Zitat (von ddrler):
Die unberechtigt betretenen Räumen waren nicht verschlossen, da technisch nicht möglich.
Technisch wäre das möglich, beispielsweise mit einem Schloss.

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#4
 Von 
guest-12303.09.2020 17:48:47
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo,

wie sieht es denn mit z.B. §202a StGB und §202c StGB aus?

Danke.

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82246 Beiträge, 34132x hilfreich)

Naja, Zugangsdatren die offen herum liegen entsprechen wohl kaum "gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert" ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#6
 Von 
guest-12303.09.2020 17:48:47
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

§202a StGB bezieht sich meiner Auffassung nach auf die Daten selbst, welche durch einen Schlüssel besonders gesichert sind.
§ 202c STGB stellt aus meiner Sicht die, wie auch immer geartete, Beschaffung des Schlüssels unter Strafe.

Davon abgesehen, kann man von einem an die Wand geschraubten Router nicht davon reden, dass Zugangsdaten offen herum liegen...

Im übrigen denke ich, dass auch ein bezifferbarer Schaden entstanden ist, denn in dem Netzwerk befindet sich eine Festplatte mit personenbezogenen Kunden-Daten, die nun alle Benachrichtigt werden müssen. Weiterhin müsste auch das gesamte Netzwerk neu gesichert werden, da die Kontrolle über den Zugangsschlüssel verloren gegangen ist.

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#7
 Von 
TidoZett
Status:
Schüler
(376 Beiträge, 66x hilfreich)

Auf dem Router stehen doch die Zugangsdaten und dieser ist nicht besonders gesichert.

Wie und wozu haben denn die Handwerker auf diese Festplatte zugegriffen?

Mit neu sichern meinen Sie, sich ein neues Passwort für den Router auszudenken?

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#8
 Von 
user08154711
Status:
Praktikant
(749 Beiträge, 101x hilfreich)

Zitat (von ddrler):
Davon abgesehen, kann man von einem an die Wand geschraubten Router nicht davon reden, dass Zugangsdaten offen herum liegen...
Der Handwerker hat also die Zugangsdaten vom Router abgelesen? Das Standardpasswort wurde also fahrlässigerweise nicht geändert?

Zitat (von ddrler):
Im übrigen denke ich, dass auch ein bezifferbarer Schaden entstanden ist, denn in dem Netzwerk befindet sich eine Festplatte mit personenbezogenen Kunden-Daten, die nun alle Benachrichtigt werden müssen.
Und die Kundendaten waren auf der Festplatte nicht verschlüsselt? Nicht gegen unerlaubten Zugriff geschützt?

Zitat (von ddrler):
Weiterhin müsste auch das gesamte Netzwerk neu gesichert werden, da die Kontrolle über den Zugangsschlüssel verloren gegangen ist.
Hätte man kein Standardpasswort genutzt ....

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#9
 Von 
hiphappy
Status:
Master
(4589 Beiträge, 2233x hilfreich)

Zitat (von ddrler):
Davon abgesehen, kann man von einem an die Wand geschraubten Router nicht davon reden, dass Zugangsdaten offen herum liegen...

Doch. Das ist genau so als wenn ich meine Bank-PIN hinten auf die Karte schreibe.

Zitat (von ddrler):
Weiterhin müsste auch das gesamte Netzwerk neu gesichert werden, da die Kontrolle über den Zugangsschlüssel verloren gegangen ist.

Ich glaube, wenn man versucht, die Änderung des Standard-Passwortes am Router im Rahmen von Schadenersatz gerichtlich geltend zu machen, lacht sich der Richter kaputt.

Zitat (von ddrler):
Im übrigen denke ich, dass auch ein bezifferbarer Schaden entstanden ist, denn in dem Netzwerk befindet sich eine Festplatte mit personenbezogenen Kunden-Daten, die nun alle Benachrichtigt werden müssen

Wenn die in der unverschlossenen Wohnung stand, und die Daten zusätzlich noch unverschlüsselt waren, muss man ja sowieso die entsprechende Mitteilung machen, da man die Handwerker ja hinein gelassen hat, und einen Zugriff nicht ausschließen kann. Das hat man aber selbst zu verantworten.
Außerdem sollte man sich das gut überlegen, wenn da nämlich nur ein Kunde den entsprechenden Datenschutzbeauftragten darauf hinweist, dürfte es für diesen grob fahrlässigen Umgang mit personenbezogenen Daten ein saftiges Bußgeld geben.

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#10
 Von 
eh1960
Status:
Bachelor
(3194 Beiträge, 932x hilfreich)

Zitat (von guest-12303.09.2020 17:48:47):

Werden bei der oben genannten Konstellation Straftatbestände erfüllt? Wenn ja, welche?

Hausfriedensbruch, §123 StGB.

Es kann dahingestellt bleiben, ob der Handwerker Räume des Auftraggebers betreten darf, die er für die Erfüllung seines Auftrages gar nicht betreten muss. Obwohl ich auch da stark zu Hausfriedensbruch tendiere, denn wenn ich jemand in mein Wohnzimmer lasse, darf er noch lange nicht ohne meine gesonderte Einwilligung auch mein Schlafzimmer betreten.

Entscheidend ist aber, daß der Zutritt zur Wohnung ausschließlich zur Durchführung der beauftragten Arbeiten erlaubt wurde. Die Nutzung des WLANs wurde nicht erlaubt, was schon daran erkennbar ist, daß der Auftraggeber den Handwerkern keinen WLAN-Zugang eingeräumt hat.

Daß die sich den dann aufgrund eines schlecht gesicherten Passwortes verschafft haben, hat wahrscheinlich Auswirkungen auf eine Strafbarkeit nach §202a StGB und §202c StGB.

Es ändert aber nichts daran, daß der zu einem bestimmten Zweck erlaubte Aufenthalt in der Wohnung zu einem völlig anderen Zweck genutzt wurde, und obendrein zu einem, bei man nun absolut nicht unterstellen kann, daß der Auftraggeber damit "konkludent" (stillschweigen) einverstanden gewesen wäre. Und damit hat er sich widerrechtlich in den Räumen aufgehalten, und obendrein kann man darüber diskutieren, ob das Verlassen der Baustelle und das "Vordringen" in andere Räume zusätzlich noch ein "widerrechtliches Eindringen" im Sinne von §123 StGB war.

Insofern könnte der Betroffene Strafantrag gem. §123 StGB stellen. (Hausfriedensbruch ist ein sog. "absolutes Antragsdelikt", es kann nur auf Antrag des Geschädigten verfolgt werden.)

Das kostet nichts, und anschließend weiß man, ob die Staatsanwaltschaft das auch als Hausfriedensbruch einstuft. Ich tendiere hier zu "ja", ein Vermögen würde ich nicht drauf wetten, aber das muß man ja auch nicht.

-- Editiert von eh1960 am 04.09.2020 12:03

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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