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Hinterlassene Gegenstaende bei ploetzlich abgebrochenem Werkvertrag?

3.4.2016 Thema abonnieren Zum Thema: Handwerker Schaden
 Von 
beppi
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Hinterlassene Gegenstaende bei ploetzlich abgebrochenem Werkvertrag?

Angenommen ein Handwerker mit Werkvertrag setzt sich in der Mitte der Ausfuehrung des Auftrags ins Ausland ab und ist nicht mehr kontaktierbar (z.B. wegen einer Steuerstrafsache o.ae.), hinterlaesst aber auf der Baustelle groessere Mengen Materialien, Werkzeuge und Hilfsmittel.
Darf der geschaedigte Bauherr die Dinge weiter verwenden oder gar verkaufen, um seinen Schaden zu minimieren?
Was ist wenn einige der Dinge z.B. von Dritten an den Handwerker geliefert (z.B. noch unbezahlte Materialien) oder vom Handwerker von Dritten gemietet wurden (z.B. Werkzeuge und Hilfsmittel). Koennen diese Dritten die Dinge dann vom Bauherrn herausverlangen, obwohl sie kein Vertragsverhaeltnis mit diesem haben (und dieser evtl. gar nicht weiss welche Vertraege der Handwerker mit den Dritten abgeschlossen hatte). Oder haben die Dritten nur Rechte gegenueber dem verschwundenen Handwerker? Gibt es eine Verjaehrungsfrist fuer solche Forderungen (schliesslich kann man nicht erwarten, dass der Bauherr die Dinge jahrelang einlagert)?

-- Editier von beppi am 03.04.2016 23:53

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Handwerker Schaden


3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(83284 Beiträge, 34317x hilfreich)

Zitat:
Darf der geschaedigte Bauherr die Dinge weiter verwenden oder gar verkaufen, um seinen Schaden zu minimieren?

Nein, der Bauherr muss den Rechtsweg einhalten.



Zitat:
Koennen diese Dritten die Dinge dann vom Bauherrn herausverlangen, obwohl sie kein Vertragsverhaeltnis mit diesem haben

Ja,können sie.

Eventuell wäre es günstig das vorhandensein der Gegenstände erstmal mit Nichtwissen zu bestreiten und an den Vertragspartner zu verweisen.

Der Bauherr sollte vor Aushändigung
A) auf einem entsprechenden Nachweis bestehen, das dem Dritten ein Anspruch auf diese Sachen zusteht.
B) diese Nachweise entsprechend archivieren.


Eine andere Idee wäre, die Sachen dem Fundbüro zu übergeben.
Ob das funktioniert, weis ich aber nicht.




Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
Frank Berauer
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank, das hilft mir schon mal weiter!

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#3
 Von 
beppi
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich habe gerade diesen alten Thread wiederentdeckt - und möchte mich ausdrücklich bei Harry van Sell bedanken: Der Tip mit dem Fundbüro war super!
Die Geschichte war so:
Ein Handwerker sollte bei uns die Fassade renovieren. Er nahm eine Anzahlung, stellte ein Gerüst auf, lieferte Material und begann mit den Arbeiten. Dann verschwand er. Andere Kunden und die Steuerfahndung suchten auch nach ihm, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, da der Schuldige nicht ermittelt werden konnte (die angebliche Firma existierte nicht und der angegebene Name des Handwerkers war falsch!).
Kurz darauf meldete sich ein anderer Handwerker und forderte das Material heraus (inkl. der schon eingebauten Fenster!), da der erste Handwerker es ihm noch nicht bezahlt hatte und er einen Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Bezahlung hatte. Ich schlug das mit Hinweis auf meine Anzahlung für das Material ab (ich hatte es also schon bezahlt!) und, da er drohte es sich selbst zu holen (inkl. der schon eingebauten Fenster!), gab ihm Hausverbot. Ich habe dann nicht mehr von ihm gehört - und im weiteren Verlauf der Renovierung (durch einen eilends gesuchten dritten Handwerker) das Material sowie das Gerüst verwendet.
Nach drei Monaten meldete sich ein Gerüstbauer und fragte, wann er sein Gerüst wiederhaben könne. Ich bat ihn, mir seinen Eigentumsnachweis sowie den Mietvertrag mit dem verschwundenen Handwerker zuzuschicken, was er aber nie tat (er drohte nur mit Rechtsanwalt, aber der meldete sich auch nie).
Als wir mit den Arbeiten fertig waren, ließ ich das Gerüst sehr schnell abbauen, einlagern und informierte das lokale Fundbüro, dass ich an meinem Haus ein herrenloses Gerüst gefunden habe. Die waren sehr erstaunt, bestätigten aber dass sie Meldung annehmen und veröffentlichen würden und nach ich 6 Monaten Eigentümer würde.
Wenige Tage später kam wieder ein Anruf vom Gerüstbauer, der meine Baustelle offenbar regelmäßig beobachtete. Der wollte fast panisch wissen "Wo ist mein Gerüst?" Ich sagte ihm er soll sich bitte an seinen Vertragspartner wenden oder alles weitere vom Rechtsanwalt machen lassen. Das war das letzte Mal, dass ich von ihm gehört habe.
Nach sechs Monaten, mit dem Schreiben des Fundbüros, habe ich das Gerüst für über €5000 verkauft (es gibt Händler von Gebrauchtgerüsten!) und damit meinen Verlust in der Sache gemindert.
Also, wie gesagt, super Idee - und es tut mir leid dass ich mich erst so spät dafür bedanke!

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