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Hohe Schlussrechnung v.s. geringer Angebotssumme

 Von 
Zahlmeister2
Status:
Beginner
(98 Beiträge, 22x hilfreich)
Hohe Schlussrechnung v.s. geringer Angebotssumme

Mal angenommen, ein Bauträger hat einen Jahresvertrag mit einem Fliesenleger für einfache Standardfliesen und Nebenleistungen. In der Baubeschreibung sind die im Standard gefliesten Flächen beschrieben. Ein Erwerber kauft ein Haus vom Bauträger und lässt sich vom Fliesenleger ein Sonderwunschangebot machen.

Bad.
Bezogen auf die Baubeschreibung wären im Bad an den Wänden im Standard 20 qm zu fliesen gewesen. Der Erwerber möchte und bekommt ein Angebot für den Verlegemehrpreis von nur 10 qm extravaganten Wandfliesen die der Erwerber selbst liefern will. Im Angebot steht "Verlegung nach Vorgabe durch Erwerber". Im Zuge des Baufortschrittes liefert der Erwerber 33 qm Wandfliesen und lässt damit 25 qm fliesen. Zusätzlich lässt der Erwerber Natursteinfliesen in die Fläche der extravaganten Fliesen einarbeiten. Für Arbeiten nach Aufwand ist eine allgemeine Position nach Aufwand im Angebot enthalten. Es ergeht kein Hinweis über Mehrkosten an den Erwerber.
Der Fliesenleger stellt dem Erwerber für 20 qm den Verlegemehrpreis in Rechnung. Für 5 qm stellt der Fliesenleger zusätzlich die Standardverlegekosten in Rechnung. Die Einlegearbeiten für den Naturstein werden nach Aufwand abgerechnet.

Wohnzimmer.
In der Baubeschreibung ist ein Holzboden vorgesehen.
Inoffiziell kann sich ein Erwerber auch Standardfliesen preisneutral einbauen lassen. Der Erwerber möchte und erhält ein Angebot für den Verlegemehrpreis von anderen extravaganten Fliesen die der Erwerber liefern will.
Einen Tag nach Auftragserteilung des Erwerbers an den Fliesenleger macht der Erwerber eine Teilkündigung beim Bauträger und lässt sich die Bodenverlegearbeiten rückvergüten. Der Fliesenleger erhält hierzu erst 4 Wochen nach Ausführung eher per Zufall eine Information vom Bauträger.
Der Fliesenleger stellt dem Erwerber zusätzlich die Grundkosten für die Standardverlegung in Rechnung.


Nach Abschluss aller Arbeiten zahlt der Erwerber die Angebotssumme, lehnt die Zahlung über den im Angebot genannten Preis ab und nennt als Begründung die fehlende Ankündigung von Mehrkosten. In der Summe lag die Schlussrechnung beim 2 1/2-fachen der Angebotssumme.

Der Fliesenleger sieht sich im Recht, weil der Erwerber über die anfallenden Mehrkosten gewusst haben musste.

Wie seht Ihr das?

Hätte der Bauträger den Fliesenleger über die Teilkündigung des Wohnzimmerbodens sofort informieren müssen, obwohl der Bauträger nichts über eventuelle Fliesenarbeiten im Wohnzimmer wusste?

Hätte der Fliesenleger dem Bauträger die Kosten für den Standard (Wohnzimmerboden) in Rechnung stellen sollen?

Im Voraus danke für eure Meinungen.










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Kosten Angebot Rechnung


2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Blaki
Status:
Praktikant
(868 Beiträge, 745x hilfreich)

Guten Abend,

Teufel auch, eine verzwickte Angelegenheit.

Im Grunde liegen für den Fiesenleger zwei Aufträge vor:

der erste durch den Bauträger, für Standartarbeiten
der zweite über eine Ergänzung durch den Bauherrn

Zieht sich der Bauherr gegenüber dem Bauträger zurück, hat er den Fliesenleger mit der Gesamtleistung beauftragt.

Der Fliesenlger stellt seine Rechnung dem Leistungsempfänger (Bauherrn), der auch die Leistung beauftragt hat. Was der Bauherr mit dem Bauträger an Abzügen vereinbart oder auszumachen hat, ist nicht Sache des Fliesenlgers.

Ich würde mich an dem Leitsatz entlanghangeln: Wer die Musik bestellt, der bezahlt.



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#2
 Von 
Zahlmeister2
Status:
Beginner
(98 Beiträge, 22x hilfreich)

Vielen Dank für den Beitrag! So sehe ich das auch.
Begründung für das Bad:
Die Kostenerhöhung war auf Veranlassung des Kunden zurück zu führen, der während der Ausführung der Arbeiten große Änderungs-/Ergänzungswünsche einbrachte.

Begründung für den Wohnzimmerboden:
Als Begründung sehe ich zum einen - die gesamtschuldnerische Haftung -

"Schulden mehrere eine Leistung in der Weise, dass jeder die ganze Leistung zu bewirken verpflichtet, der Gläubiger aber die Leistung nur einmal zu fordern berechtigt ist (Gesamtschuldner), so kann der Gläubiger die Leistung nach seinem Belieben von jedem der Schuldner ganz oder zu einem Teil fordern. Bis zur Bewirkung der ganzen Leistung bleiben sämtliche Schuldner verpflichtet."

Zum Anderen den Vorteilausgleich für "Sowieso-Kosten"

Im Falle des Wohnzimmerbodens schuldete Anfangs der Bauträger und der Fliesenleger gemeinsam die Gesamtleistung.
Der Bauträger wurde jedoch durch die Rückvergütung seines Anteils an der Gesamtleistung aus seiner Teilschuld entlassen. Dadurch hatte der Fliesenleger die Gesamtleistung alleine zu erbringen.
Den Grundkostenanteil des Bauträgers, für liefern und verlegen von Standardfliesen, darf der Fliesenleger als Vorteilausgleich für "Sowieso-Kosten" vom Erwerber verlangen, zumal der Grundkostenanteil der Höhe nach dem Erwerber bekannt war. Ohne Vorteilausgleich würde es zu einer ungerechtfertigten Bereicherung des Erwerbers führen.

Um sicherer zu werden, bitte um weitere Pro- und Kontra- Meinungen.

Vielen Dank im Voraus.



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