Rechnung für erfolglose Reparatur

18. Juni 2024 Thema abonnieren
 Von 
Lichtgestalt
Status:
Schüler
(435 Beiträge, 203x hilfreich)
Rechnung für erfolglose Reparatur

Hallo zusammen,
folgender fiktiver Fall:

A hat seit 2021 einen Pool mit Salzelektrolyse zur Desinfektion des Wassers. Der Pool wurde von einer Poolfirma errichtet.

Die Poolanlage zeigt nun im Herbst 2022 einen Fehler „A17", noch innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist. A meldet diese Fehlermeldung bei der Poolfirma per E-Mail. Die Poolfirma teilt telefonisch mit, die Badesaison sei ohnehin vorbei und es liege eventuell am Salzgehalt. Man prüfe das im nächsten Jahr.

In 2023 nach Wiederinbetriebnahme des Pools erscheint die Fehlermeldung wieder. Trotz mehrmaliger Aufforderung erscheint die Poolfirma nicht zur Behebung.

Im April 2024 kommt die Firma dann. Der Servicemitarbeiter meint, die Zelle der Anlage sei verkalkt. Er versucht sie unter klarem Wasser zu reinigen und behauptet, das Problem sei nun erledigt.

Kaum ist der Servicemitarbeiter fort, erscheint wieder der Fehler „A17". Aufforderung des A, nachzubessern.

Einen Monat später Ende Mai 2024 kommt der Servicemitarbeiter wieder. Erneut heißt es, Zelle sei verkalkt. Was ja dagegen spricht, dass die Reinigung im April erfolgreich war, denn in so kurzer Zeit verkalkt die Zelle nicht nochmal.

Der Servicetechniker versucht nun die Entkalkung der Zelle in einem Wasserkocher, den er sich von A leiht. Dabei beschädigt er auch den Wasserkocher. Der Techniker behauptet anschließend, die Zelle sei zu alt und nicht mehr zu retten. Dies lässt er sich auch so abzeichnen. Fehler „A17" bleibt bestehen. Der Techniker kündigt an, kurzfristig eine neue Zelle verbauen zu kommen – und meldet sich danach wie gewohnt nicht mehr zurück.

Dem A wird es zu bunt, er baut die Zelle selbst aus und entkalkt auf eigene Faust. Siehe da: die Zelle produziert wieder Chlor! Fehlermeldung „A17" bleibt zwar bestehen, aber die Anlage tut wieder ihren Dienst.

Nun schickt die Poolfirma zwei Rechnungen:
Eine für das (stümperhafte) „Reinigen" unter klarem Wasser im April, 90 EUR.
Eine für das vermeintliche Entkalken im Wasserkocher im Mai, 200 EUR.

A sieht nicht ein, hierfür zu zahlen: die beiden Versuche des Servicetechnikers zeigten keinen Erfolg. Die Fehlermeldung „A17" erscheint weiterhin. Der Servicetechniker sagt selbst, das "sein" Entkalken nichts gebracht hätte, die Zelle müsse ausgetauscht werden.

Darf A den Rechnungen widersprechen und die Zahlung verweigern? Die Reparaturversuche waren ja offenbar erfolglos. Muss seitens A gezahlt werden, auch für erfolglose und offenbar ungeeignete Anläufe der Poolfirma?

Kann sich A eventuell auf einen Gewährleistungsfall berufen, weil die Fehlermeldung ja schon 2022 erschien und an die Firma gemeldet wurde? Oder ist das nicht mehr möglich, weil sich die Firma erstmals 2024 zu A bequemt hat, als die Gewährleistungsfrist schon abgelaufen war?

Vielen Dank vorab!


Probleme mit dem Gewerbe?

Probleme mit dem Gewerbe?

Ein erfahrener Anwalt im Handwerksrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Handwerksrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
-Laie-
Status:
Weiser
(17245 Beiträge, 5931x hilfreich)

Zitat (von Lichtgestalt):
A hat seit 2021 einen Pool
Seit wann genau in 2021?
Zitat (von Lichtgestalt):
Kann sich A eventuell auf einen Gewährleistungsfall berufen
Das kommt auf die Beantwortung meiner Frage an.

Aber davon abgesehen: Verkalkung ist kein Gewährleistungsfall solange nicht vereinbart wurde, dass das System automatisch entkalken würde.... wovon ich nicht ausgehe, das wäre eher ungewöhnlich.

Meine persönliche Meinung: Ich sehe hier keinen Gewährleistungsfall in Bezug auf die Verkalkung. Bezüglich der Rechnungen kommt es darauf an, was denn mit dem Servicetechniker vereinbart wurde.

Signatur:

Folgende Nutzer werden blockiert, ich kann deren Beiträge nicht lesen: AR377, Xipolis, Jule28

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(122525 Beiträge, 40148x hilfreich)

Zitat (von Lichtgestalt):
Darf A den Rechnungen widersprechen und die Zahlung verweigern?

Selbstverständlich.
Allerdings besteht die Gefahr, das dies unangenehme Konsequenzen haben könnte.



Zitat (von Lichtgestalt):
Die Reparaturversuche waren ja offenbar erfolglos.

Was nicht automatisch dazu führt, das die Rechnungen nicht zu bezahlen wären.
Wurde denn der Erfolg der Reparatur überhaupt vertraglich vereinbart? Oder nur der Versuch?



Zitat (von Lichtgestalt):
Kann sich A eventuell auf einen Gewährleistungsfall berufen

Dafür ist man etwas spät dran, denn Gewährleistung wurde vor gut 20 Jahren abgeschafft und durch die „gesetzliche Mängelhaftung" (genauer „Rechte des Käufers bei Mängeln gemäß BGB") ersetzt.



Zitat (von Lichtgestalt):
Oder ist das nicht mehr möglich, weil sich die Firma erstmals 2024 zu A bequemt hat, als die Gewährleistungsfrist schon abgelaufen war?

Da wäre zu prüfen, ob seitens des Käufers etwas unternommen wurde, das den Fristablauf gehemmt hat oder ob es seitens des Verkäufers etwas gibt, das den Fristablauf gehemmt hat.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(122525 Beiträge, 40148x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Aber davon abgesehen: Verkalkung ist kein Gewährleistungsfall solange nicht vereinbart wurde, dass das System automatisch entkalken würde...

Dank der "IKEA-Klausel" kann des sehr wohl ein Fall der Mangelhaftung sein.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
cirius32832
Status:
Schlichter
(7631 Beiträge, 1585x hilfreich)

Was steht denn zum Thema Verkalkung in der Gebrauchsanleitung bzw. den Wartungsdokumenten

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Lichtgestalt
Status:
Schüler
(435 Beiträge, 203x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Zitat (von Lichtgestalt):
A hat seit 2021 einen Pool
Seit wann genau in 2021?


Antwort: Kommt auch drauf an.

Vertragsschluss Dezember 2020, Start Bau im Februar 2021, Inbetriebnahme Juli 2021, Fertigstellung November 2021. Fehlermeldung seit September 2022.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Lichtgestalt
Status:
Schüler
(435 Beiträge, 203x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Wurde denn der Erfolg der Reparatur überhaupt vertraglich vereinbart? Oder nur der Versuch?


A hat der Poolfirma das Problem geschildert um um Lösung gebeten. Poolfirma kam nach langem Hinterherlaufen dann vorbei.

Wenn A der Poolfirma was von schriftlichem Reparaturauftrag mit konkret vereinbarten Schritten und Zielen erzählt hätte, also auf einen detaillierten Vertrag gedrängt hätte, hätte die Poolfirma drauf gepfiffen und wär einfach nicht gekommen. Deren Geschäft brummt, sie haben Exklusivrechte im PLZ-Gebiet.

Aus Juristensicht nicht klug, aber leider Lebenspraxis...

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Lichtgestalt
Status:
Schüler
(435 Beiträge, 203x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Da wäre zu prüfen, ob seitens des Käufers etwas unternommen wurde, das den Fristablauf gehemmt hat oder ob es seitens des Verkäufers etwas gibt, das den Fristablauf gehemmt hat.


Nachdem der Fehler im September 2022 auftrat, hat A der Firma eine E-Mail geschrieben, mit der Frage, was nun zu tun sei. Damals noch in der naiven Hoffnung, die Firma antworte "einmal Knopf XY drücken und einen Sack Salz ins Wasser nachfüllen". Es kam infolgedessen erst mal nur zu Telefonaten und dann vor Ort Gesprächen.

Reicht die E-Mail oder hätte A zwingend etwas von "Mangel" und "Nachbesserung" und "Frist" schreiben müssen? Dass das besser gewesen wäre, leuchtet ein, aber nun ist das der Sachverhalt.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Lichtgestalt
Status:
Schüler
(435 Beiträge, 203x hilfreich)

Zitat (von cirius32832):
Was steht denn zum Thema Verkalkung in der Gebrauchsanleitung bzw. den Wartungsdokumenten


In der Anleitung steht, durch die eingebaute Funktion der Polaritätsumkehr würde Verkalkung vorgebeugt, genauen Wortlaut müsste ich nochmal heraussuchen, falls das ein Ansatzpunkt wäre.

Geworben wird u.a. mit "Automatische Polaritätsumkehrung gegen Kalkablagerungen".

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
-Laie-
Status:
Weiser
(17245 Beiträge, 5931x hilfreich)

Zitat (von Lichtgestalt):
In der Anleitung steht, durch die eingebaute Funktion der Polaritätsumkehr würde Verkalkung vorgebeugt
Ja, das wäre dann doch tatsächlich ein Ansatzpunkt!
Zitat (von Lichtgestalt):
Inbetriebnahme Juli 2021,
Meiner Meinung nach wäre das der hier relevante Zeitpunkt. Somit wäre die Gewährleistung dann hinfällig, da du beweisen müsstest, dass das System der Entkalkungsvorbeugung von Anfang an mangelhaft war. Solltest du das können, dann ja, dann könnte man hier auf Gewährleistung pochen.
Ansonsten sehe ich deine Karten eher als schlecht an um die Zahlung der Rechnungen herum zu kommen.

Signatur:

Folgende Nutzer werden blockiert, ich kann deren Beiträge nicht lesen: AR377, Xipolis, Jule28

1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
cirius32832
Status:
Schlichter
(7631 Beiträge, 1585x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Ja, das wäre dann doch tatsächlich ein Ansatzpunkt!


Jein. Vorbeugen heisst ja nicht -selbstreinigend- oder -wartungsfrei-

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
-Laie-
Status:
Weiser
(17245 Beiträge, 5931x hilfreich)

Stimmt schon aber meine Erwartung wäre dann, dass nicht bereits 1 Jahre später das Teil, aufgrund Verkalkung, unbrauchbar wäre. Vorbeugend würde ich eher so verstehen wollen, dass erst gar keine Kalkablagerung entstehen kann.

Signatur:

Folgende Nutzer werden blockiert, ich kann deren Beiträge nicht lesen: AR377, Xipolis, Jule28

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Kalanndok
Status:
Student
(2375 Beiträge, 367x hilfreich)

Was sagt denn die Anleitung zu "A17"?
ist das überhaupt der Fehlercode für Verkalkung oder etwas ganz anderes?
Spätestens wenn nach dem Entkalken direkt schon wieder A17 kommt, müsste ein auch nur halbwegs kompetenter Techniker meiner Meinung nach den Sensor auf korrekte Funktion überprüfen.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 273.016 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
110.261 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen