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Schlüsseldienst Angebot ohne MwSt. und viel zu hoch - Schon bezahlter Betrag anfechtbar?

17.3.2019 Thema abonnieren
 Von 
Neku
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Schlüsseldienst Angebot ohne MwSt. und viel zu hoch - Schon bezahlter Betrag anfechtbar?

Guten Abend liebes Forum,

mir ist heute passiert, wovon ich nie dachte, dass es mich treffen würde und ich habe mich aus meiner Wohnung ausgesperrt, als ich Wäsche aus dem Keller holen wollte. Die Tür war nur zugefallen und nicht abgeschlossen, aber rein kam ich trotzdem nicht und ich hatte nichts weiter bei mir als meine Anziehsachen. Da ich hier in meiner direkten Umgebung keine Bekannten oder Verwandte habe bin ich erstmal von Tür zu Tür gegangen, bis ich einen Nachbarn fand, der mich telefonieren ließ, damit ich einen Schlüsseldienst erreichen konnte.

Nachdem ich die ersten paar seriös wirkenden Dienste nicht erreichen konnte, erreichte ich einen, bei dem es hieß, die Anfahrt werde 15€ kosten und über die restlichen Kosten müsse man dann sprechen - Ich hatte zwar kein allzu gutes Gefühl dabei, doch der Nachbar, bei dem ich telefonierte, war bereits sehr ungeduldig und setzte mich dann direkt nach dem Gespräch auch wieder vor die Tür. Ich wartete also auf den Schlüsseldienst und als er dann ankam, klärte er mich über die Kosten auf: 159€ für die Öffnung der Tür, aus 15€ für die Anfahrt waren nun 30€ geworden (Da Hin+Rückfahrt) und dazu nochmal 50% Samstags-Aufschlag. Ich habe echt mit mir gehadert, aber mir war kalt, ich hatte Hunger und wusste nicht, ob ich überhaupt einen anderen Dienst erreichen könnte (Da kein Handy und so), habe also zähneknirschend unterzeichnet...

Das Öffnen hat keine 30 Sekunden gedauert und als ich dann direkt per EC-Karte zahlen sollte war die Rechnung nochmal deutlich höher, da in den bisher ausgewiesenen, auf dem Zettel auch schriftlich festgehaltenen Preisen noch keine MwSt. enthalten gewesen war. Ich habe gesagt, dass das noch nicht geht, aber es wurde darauf bestanden, dass das üblich ist und ich den Betrag sofort zu zahlen habe.

Insgesamt betrugen die Kosten somit 319,59€ und ich war danach echt kurz vorm Heulen, aber ich wusste auch nicht, was ich sonst hätte tun sollen...Klar, alle sagen immer, man soll die Polizei rufen oder einfach nicht zahlen aber in der Situation selbst ist das dann doch nicht so leicht - Und ohne Handy auch keine Polizei...

Was mich nun interessiert:

- Am Telefon war ganz klar von 15€ Anfahrt die Rede, wofür ich eventuell mit dem Nachbarn auch einen Zeugen habe. Ist es in Ordnung, dass daraus dann 30€ wurden, da Hin- und Rückfahrt?
- Ist es in Ordnung, erst nachträglich auf die schriftlich ausgewiesenen Preise noch MwSt. draufzuschlagen? Widerspricht das nicht der PAngV? Insbesondere beim Anfahrtspreis, der sowieso deutlich erhöht wurde?
- Ist der Betrag so hoch, dass man von Wucher sprechen kann? Nachdem ich wieder bei mir war und wieder das Internet nutzen konnte, stellte ich fest, dass die Preise hier in der Region für gewöhnlich DEUTLICH niedriger sind, auch am Samstag.
- Kann man auch bei einer bereits bezahlten Rechnung noch etwas machen? Ich habe mich schon ein wenig hier durchs Forum gelesen und scheinbar ja?

Und ja, ich weiß, dass ich in der Situation bestimmt vieles hätte besser machen können und verfluche mich auch selbst dafür, aber jetzt gerade versuche ich nur noch, irgendwie zu retten, was möglicherweise zu retten ist, da mir manches hierbei absolut nicht rechtens erscheint...

Vielen Dank an jeden, der mir hier vielleicht irgendwie weiterhelfen kann - Und danke ganz allgemein für dieses tolle, informative Forum! (Auch, wenn ich nie gedacht hätte, mal selber hier posten zu müssen...)

Liebe Grüße

Neku

P.S. Ich habe auch direkt daraus gelernt und dafür gesorgt, dass sich an einem sicheren Ort ein Zweitschlüssel befindet - Eine Lektion, die ich scheinbar auf die harte Tour habe lernen müssen...

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6186 Beiträge, 2646x hilfreich)

Zitat (von Neku):
Am Telefon war ganz klar von 15€ Anfahrt die Rede, wofür ich eventuell mit dem Nachbarn auch einen Zeugen habe. Ist es in Ordnung, dass daraus dann 30€ wurden, da Hin- und Rückfahrt?
Sie hatten das Gespräch also auf Lautsprecher? Denn anders kann der Nachbar nicht als Zeuge dienen, denn dann wüsste er auch nur, was Sie ihm erzählen. (Und wenn der Knabe Sie in dieser Situation umgehend wieder vor die Türe setzt - glauben Sie, daß der sich in einen Rechtsstreit hineinziehen lässt?)

Zitat (von Neku):
Ist es in Ordnung, erst nachträglich auf die schriftlich ausgewiesenen Preise noch MwSt. draufzuschlagen? Widerspricht das nicht der PAngV? Insbesondere beim Anfahrtspreis, der sowieso deutlich erhöht wurde?
Ausgewiesene Preise müssen Endpreise sein in Deutschland. Haben Sie den Zettel, wo die Preise drauf sind, noch? Wenn nicht, wie wollen Sie das beweisen?

Zitat (von Neku):
Ist der Betrag so hoch, dass man von Wucher sprechen kann? Nachdem ich wieder bei mir war und wieder das Internet nutzen konnte, stellte ich fest, dass die Preise hier in der Region für gewöhnlich DEUTLICH niedriger sind, auch am Samstag.
bei 350 € glaube ich das ehrlich gesagt nicht. Die Grenzen für Wucher sind leider recht weit gesteckt. Bei um die 1000 € kann man von Wucher sprechen. https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/freizeit-alltag/schluesseldienst-geld-zurueck-bei-abzocke



Zitat (von Neku):
Kann man auch bei einer bereits bezahlten Rechnung noch etwas machen? Ich habe mich schon ein wenig hier durchs Forum gelesen und scheinbar ja?

Kann man - gerichtlich. Also klagen und hoffen, daß das Gericht der Klage folgt. Also erst mal die oben genannten Punkte abklären.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#2
 Von 
Neku
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Zunächst einmal: Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort! :) Ich bin leider gerade am Handy und muss daher wohl auf die schöne Formatierung verzichten, aber ich versuche mich trotzdem mal daran, die offenen Fragen zu klären...

1) Diesen Punkt hatte ich in der Tat nicht bedacht, das stimmt. Wäre es auch möglich, nochmal dort anzurufen, auf Lautsprecher und mit anderen Anwesenden? Vermutlich werden sie dann ja den gleichen Betrag nennen, oder? Oder wäre das völlig wirkungslos?

2) Doch, den Zettel habe ich natürlich noch. Soll ich mal ein Foto davon hochladen?

3) Ja, von diesen Fällen mit jenseits der 1000€ habe ich auch schon gehört, aber sind das dann nicht Fälle, wo dann auch Zylinder ausgetauscht und Türne aufgebrochen wurden? In meinem Fall ist es wirklich nur der reine Arbeitslohn gewesen, der so hoch war.

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(69649 Beiträge, 32092x hilfreich)

Zitat (von Neku):
Doch, den Zettel habe ich natürlich noch. Soll ich mal ein Foto davon hochladen?

Ja gerne.

Personenbezogene Daten, Firmennamen Aktenzeichen etc. bitte unkenntlich machen.

Mit einem der Bilderdienste wie z.B. https://imgbb.com/ oder https://imgur.com/upload das Foto ins Internet stellen.

Den Link dann einfach hier posten oder aus der Symbolleiste das Dritte Symbol von rechts auswählen und den Link dort eintragen.

Bitte darauf achten, das man nicht den Thumbnail- / Vorschau-Link postet.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#4
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(26283 Beiträge, 14442x hilfreich)
Signatur:Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).
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