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Hauptforderung schon lange bezahlt. Inkasso besteht auf Inkassokosten

9. Dezember 2020 Thema abonnieren
 Von 
kingtoe2
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Hauptforderung schon lange bezahlt. Inkasso besteht auf Inkassokosten

Hallo zusammen,

erst einmal ein Hallo und ein herzliches Danke für all die Beratung, die ihr hier schon über all die Jahre gebt. Ich bin seit ein paar Jahren stiller Mitleser und es wurde mir schon indirekt mehrfach geholfen.

Nun zu meinem Problem, ich fasse kurz zusammen:

- telefonica war mein Hauptgläubiger und Ex-Anbieter, es ging um eine Summe von 100 Euro. Ich hatte erst nicht gezahlt, da ich nicht wusste, woher diese Forderung überhaupt kommt, denn meine Verträge waren gekündigt und alle Rechnungen beglichen. Nun hatte ich keinen Zugriff mehr auf die Rechnungen online um zu überprüfen, worum es eigentlich ging.
- paigo wurde eingeschaltet. Durch deren Rechnung konnte ich darauf schließen, dass die Hauptforderung berechtigt sein könnte. Ich konnte es aber nicht verifizieren, sondern nahm an, dass es sich um einen noch nicht zurückgesendeten Router handelte.
- Ich zahlte die Hauptforderung im vollen Umfang an meinen Hauptgläubiger. Jegliche Art von "Verzugszinsen", die mir das Inkasso in Rechnung stellen wollte habe ich ignoriert.
- Das Inkassounternehmen schreibt mir mehrere Briefe, da ich deren unrechtmäßig hohen Inkassogebühren (mehr als 70 Euro bei weniger als 100 Euro Hauptforderung meines Gläubigers) nicht gezahlt habe. Ich reagiere nicht.
- Das Inkassounternehmen bietet mir eine Vergleichszahlung von etwa 50 Euro an. Ich reagiere nicht, da ich denen diese Gebühren nicht schulde und sie mir nicht in Rechnung gestellt werden dürfen (oder?). Übliche Drohungen mit Anwalt, Gericht und Schufa.
- Gelbe Briefe jeglicher Art habe ich noch keine erhalten. Denen würde ich natürlich widersprechen.

Es ist offensichtlich, dass die Höhe der Inkassogebühren ein reiner Fantasiebetrag ist, selbst deren Vergleichsvorschlag.
Ich möchte diesem Inkasso nun antworten, so dass ich meine Ruhe habe. Wie gehe ich am besten vor?

Lehne ich die Erstattung der Inkassokosten wegen Schadensminderungspflicht gemäß § 254 BGB ab? Verweise ich bezüglich der Schufadrohung auf §28a BDSG? Oder sollte ich eine Vollmacht verlangen?

Vielen Dank schonmal für den Rat










-- Editiert von kingtoe2 am 09.12.2020 20:36

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
fdl_db
Status:
Beginner
(117 Beiträge, 10x hilfreich)

Verzugszinsen hätte ich an deiner Stelle an den Hauptgläubiger gezahlt gehabt, da du ja im Verzug warst.
Wann hattest du die Hauptforderung überwiesen gehabt?
Hattest du bei der Überweisung angegeben gehabt, wofür das überwiesene Geld dient ("Tilgung der Hauptforderung" zum Beispiel)?
Gemäß §367 II BGB kannst du eine andere Anrechnung der Tilgung der Schulden vorschlagen. Wenn also das Geld nicht zurückgebucht wurde, so gilt also §367 II BGB, da die Annahme nicht verweigert wurde. Somit sind alle Kosten durch dich bezahlt.

Beruf dich also auf den §367 BGB.

Signatur:

Bei mir gilt im übrigen §675 Abs. 2 BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(24966 Beiträge, 16074x hilfreich)

Ergänzende frage: Hattest du schon vor dem Einschalten des Inkasso beim Gläubiger gefragt, was das für ein Betrag ist?

Signatur:

Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Sir Berry
Status:
Unparteiischer
(9330 Beiträge, 2982x hilfreich)

Zitat (von kingtoe2):
Ich reagiere nicht, da ich denen diese Gebühren nicht schulde und sie mir nicht in Rechnung gestellt werden dürfen (oder?).


Wie kommst Du zu der Ansicht das Verzugskosten nicht zu den erstattungspflichtigen Kosten gehören?

Allein die Tatsache das Du die Hauptforderung beglichen hast ist schon starkes Indiz für die Berechtigung der Forderung.

Das Prüfschema in einem solchen Fall scheinst Du völlig missachtet zu haben.

Berry

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
radfahrer999
Status:
Unparteiischer
(9020 Beiträge, 4849x hilfreich)

Zitat (von kingtoe2):
Ich möchte diesem Inkasso nun antworten
Falsche Taktik.

Signatur:

Wenn dir die Antwort nicht gefällt, solltest du die Frage nicht stellen... ;-)

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
kingtoe2
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo zusammen,

danke für eure hilfreichen Antworten, es hilft mir schonmal sehr weiter. Ein paar Sachen möchte ich nun noch ergänzen bzw. im einzelnen antworten:

Zitat (von radfahrer999):
Falsche Taktik.


Ist Nichtstun besser? Dies habe ich in der Vergangenheit gemacht. Mit unschönen Konsequenzen.

Zitat (von Sir Berry):

Wie kommst Du zu der Ansicht das Verzugskosten nicht zu den erstattungspflichtigen Kosten gehören?


Zitat (von fdl_db):
Verzugszinsen hätte ich an deiner Stelle an den Hauptgläubiger gezahlt gehabt, da du ja im Verzug warst.


Missverständnis, ich hatte mich nicht klar genug ausgedrückt. Ich habe die Verzugskosten, die mir der Hauptgläubiger in Rechnung gestellt hat, komplett gezahlt. [Chronologie weiter unten im Beitrag]

Mir wurden im Juli, bevor das IK eingeschaltet wurde, Rechnungen bzw Mahnungen vom Hauptgläubiger per Email geschickt. Auf diese reagierte ich nicht sofort, da ich zuerst den Grund nicht wusste und da ich finanziell absolut nicht in der Lage war (Leistungsbezug, arbeitssuchend). In der letzten Rechnung, welche ich vom Hauptgläubiger direkt erhalten habe stand ein Betrag von 100 Euro Hauptforderung + 3 Euro Mahngebühren.

Danach wurde ex-infoscore eingeschaltet, inklusive Drohnugen mit Gericht. Jetzt zahlte ich die 103 (!) Euro an den Hauptgläubiger. Ich erstattete also den Verzug.

Nun kontaktiert mich das Inkasso weiterhin, bedankt sich für die Zahlung, aber erinnert mich daran, dass ich denen angeblich noch 70 Euro schulde. DIESE angebliche Restschuld hat mir das Inkasso noch verzinst, es handelt sich um weniger als 30 Cent. Diesen Betrag meinte ich, als ich schrieb, dass ich deren "Verzugszinsen" nicht gezahlt habe. Ich schulde dem Inkassounternehmen nichts und ganz sicher bin ich bei denen nicht im Verzug. Ich war es bei meinem Hauptgläubiger. Dem wurde alles erstattet.

Zitat (von mepeisen):
Ergänzende frage: Hattest du schon vor dem Einschalten des Inkasso beim Gläubiger gefragt, was das für ein Betrag ist?

Nein. Ich war etwas im Unglauben, da ich bereits mehrfach Rechnungen bekam nach der Kündigung. Diese hatte ich auch unverzüglich bezahlt, da sie für mich online nachvollziehbar waren. Nun kam Monate nach der Kündigung nochmal eine Rechnung, die ich weder nachvollziehen noch begleichen konnte. Etwas eingespannt durch die private Lage, hatte ich es verdrängt. Dass die Forderung letztendlich berechtigt war leuchtete mir ein nachdem das Inkasso eingeschaltet wurde, da in deren Darlegung eine "Warenlieferung" aufgelistet wurde.

Zitat (von fdl_db):
Wann hattest du die Hauptforderung überwiesen gehabt?
Hattest du bei der Überweisung angegeben gehabt, wofür das überwiesene Geld dient ("Tilgung der Hauptforderung" zum Beispiel)?

Zur Verdeutlichung eine kurze Chronologie:
30.07. Forderung vom Hauptgläubiger
19.08. Mahnung vom Hauptgläubiger, Addierung von Mahngebühren
22.09. Inkassoauftrag, erster Brief
28.09. Zahlung der Hauptforderung + Mahngebühren an den Hauptgläubiger
06.10. Zweiter IK-Brief, Drohnung mit Gerichtsverfahren (das IK wusste noch nichts von meiner Zahlung)
08.10. Dritter IK-Brief, IK bedankt sich für die Zahlung, die "diesem Vorgang gutgeschrieben" wurde. Aufforderung zur Begleichung der Restforderung (Inkassokosten)
08.11. Vierter IK-Brief, Vergleichsangebot. Weitere Drohungen, sollte ich diesen nicht annehmen.

Bei meiner Überweisung habe ich, wie vom Hauptgläubiger in der Rechnung vom 19.08. gefordert, meine Kundennummer angegeben. Dieser Verwendungszweck wurde nochmals fettgedruckt in die Mahnung geschrieben, welche ich genauso übernommen habe.
Das Geld wurde nicht zurückgebucht. Für mich und den Hauptgläubiger war die Sache daher erledigt, denke ich. Für das Inkasso anscheinend nicht.

Also, Verweis auf §367 II BGB und ich bin raus?

Tausend Dank




-- Editiert von kingtoe2 am 10.12.2020 18:12

-- Editiert von kingtoe2 am 10.12.2020 18:14

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Lehrling
(1896 Beiträge, 603x hilfreich)

Wie kommst du auf die Idee die IK Gebühr nicht zahlen zu müssen? Du warst eindeutig im Verzug. Ob eine 1,3 Gebühr gerechtfertigt ist darf bezweifelt werden, aber eine min. 0,3 oder 0,5 Gebühr ist gerechtfertigt.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
kingtoe2
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Ex Inkassomitarbeiter):
Wie kommst du auf die Idee die IK Gebühr nicht zahlen zu müssen? Du warst eindeutig im Verzug. Ob eine 1,3 Gebühr gerechtfertigt ist darf bezweifelt werden, aber eine min. 0,3 oder 0,5 Gebühr ist gerechtfertigt.


Wenn diese gerechtfertigt sind, wurden sie mir aber nicht in Rechnung gestellt.

Zudem frage ich mich: War mein Hauptgläubiger nicht verpflichtet mir von selbst aus mitzuteilen, woraus die Forderung bestand, bzw. wie sie entstanden ist? Hätte ich das von Anfang an gewusst, wäre ich niemals in Verzug geraten. In den Erstforderungen und Mahnungen stand nichts. In das Kundenportal konnte ich mich noch einloggen, jedoch konnte auf keine Rechnungen mehr zugegriffen werden, offene Forderungen konnten nicht eingesehen werden, wie zuvor üblich. Erst durch den Inkassobrief konnte ich erkennen, was zur Forderung überhaupt erst führte.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(24966 Beiträge, 16074x hilfreich)

Zitat:
Du warst eindeutig im Verzug.

Nö. Das Entscheidende ist hier ein Detail: Es geht um die Geräte. Hier kürzen Unternehmen gerne ab, was aber IMHO sachlich vollkommener Blödsinn ist.

Denn die 100€ für die Geräte werden nie direkt geschuldet. Das steht in jenem Vertrag jemals so drin. Die Schritte müssen also sein:
A) Geräte zurückfordern
B) Geräterückforderung anmahnen
C) Rechnung stellen als Wertersatz/Schadensersatz
D) Betrag anmahnen.

Die Anbieter fassen aber die Schritte A bis D regelmäßig in einen Schritt zusammen und schalten direkt ein Inkasso ein. Sachlich ist das aber Unfug, da ohne die Einzelschritte gar kein Verzug vorliegen kann.

Zitat:
War mein Hauptgläubiger nicht verpflichtet mir von selbst aus mitzuteilen, woraus die Forderung bestand, bzw. wie sie entstanden ist?

Jein. Er muss wenigstens erkennbar eine Verbindung schaffen, dass es dir möglich ist, das zu erkennen. Womit wir wieder bei den von mir angesprochenen Schritten wären. Wenn er schreibt "Forderung aus Vertrag XYZ" ist die Verbindung zu deinem Vertrag klar. Aber irgendwie muss erkennbar sein, worum es geht. Beispielsweise "Rechnung vom XX.XX." oder "Schadensersatz gemäß Schreiben vom XX.XX." Wenn all dies fehlt, ist es durchaus legitim, das als Unfug abzustempeln.

Es ist schwierig, denn du wusstest ja, dass es mal einen Vertrag gab und theoretisch wusstest du auch, dass du immer noch die Geräte hattest. Man kann also von dir verlangen, nachzuhaken. Oder anders ausgedrückt: Hättest du direkt nachgefragt, was das für eine Forderung ist, wäre die Argumentation gegen das Inkasso ein Selbstläufer.

Zitat:
In das Kundenportal konnte ich mich noch einloggen, jedoch konnte auf keine Rechnungen mehr zugegriffen werden, offene Forderungen konnten nicht eingesehen werden, wie zuvor üblich.

Das ist IMHO ein wichtiges Detail: Denn damit hat er dir die selbstständige Aufklärung verbaut. Du konntest davon ausgehen, dass es eine Fake-Forderung war, zumal ja nicht klar war, wofür eigentlich. Es ist ja anzunehmen, dass du die Rechnungen hättest sehen können, wenn es eine echte Rechnung gewesen wäre. Dieser Denkfehler im System, worin auch immer begründet, hat bei dir einen Irrtum provoziert. So würde ich argumentieren.

Ich würde dem Inkasso schreiben, dass man nicht erkennen kann, wieso man in Verzug gewesen sei, da man nie eine korrekte Rechnung erhielt und dass man die Inkassokosten verweigert. Sie mögen sich doch vertragsgemäß an die Telefonica wenden, die das ganze zu verantworten hat. Ansonsten würden sie eine negative Feststellungsklage via Anwalt riskieren.

Signatur:

Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche

1x Hilfreiche Antwort

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