Inkasso: verjährte Forderung | verjährungshemmende Wirkung?

27. Februar 2023 Thema abonnieren
 Von 
HHrecht123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Inkasso: verjährte Forderung | verjährungshemmende Wirkung?

Hallo,

Nach 8-9 Jahren fordert mich das Inkasso-Unternehmen auf einen Betrag von ca. 650 EUR zu bezahlen.Ich weiß nicht mehr, ob ich es bezahlt hatte.
Ein Mahnbescheid oder Titel liegt nicht vor, da sie im Schreiben vom 02/2023 mit Mahnbescheid und Schufa usw. drohen.

09/2012 Umzug in eine neue Wohnung (ordnungsgemäße Anmeldung)
12/2012 offene Forderung vom Energieversorger von ca. 380 EUR
(nicht erhalten, da an die alte Wohnadresse gesendet wurde)
09/2013 offene Forderung vom Energieversorger von ca. 380 EUR
( an die neue Wohnadresse)
„Unsere Forderung für ihre alte Lieferstelle..,
erst jetzt haben wir ihre neue Anschrift erhalten"
04/2014 bis 05/2016 habe ich 2 Jahre bei Freunden gelebt
(ohne Anmeldung, nur Postanschrift)
06/2016 Umgezogen in ein anderes Bundesland
(seit 06/2016 ordnungsgemäße Anmeldung)
10/2022 Erstmals ein Schreiben vom Inkasso-Unternehmen erhalten.
01/2023 Forderungsaufstellung auf Anfrage erhalten.
02/2023 Aufforderung, den Betrag zu bezahlen, ansonsten Mahnbescheid, Schufa usw.

Ich habe im Dezember 2022 das Inkasso-Unternehmen angeschrieben und
wollte zwecks Überprüfung der Forderung eine detaillierte Forderungsaufstellung
sowie eine Gläubigervollmacht/Abtretungsurkunde haben.
Sie haben nur eine Forderungsaufstellung zukommen lassen, keine Abtretungserklärung oder Gläubigervollmacht.

Im Forderungsaufstellung steht ( hab es mal abgekürzt)
11.2012 RG. Versorgungsleistung Ca 380 EUR
09.2014 Gläubiger-Spesen 10,00 EUR
09.2014 Adressermittlung 10,00 EUR
05.2015 Adressermittlung 10,00 EUR
11.2017 Adressermittlung 10,00 EUR
11.2021 Adressermittlung 10,00 EUR
Gesamtforderung ca, 650 EUR

Seit 2016 hatten sie die Möglichkeit, mir die offenen Forderungen zu stellen.
Im November 2017 haben sie eine Adressermittlung durchgeführt, da hätten sie doch meine neue Wohnanschrift herausfinden müssen.

Wenn ich jetzt den November 2017 als Adressermittlungstag und das erste Schreiben 10/2022 nehmen würde, wären es ca. 4 bis 5 Jahre, da hätte das Inkasso-Unternehmen mir schreiben können.
Fragen:
(1) Somit ist die Forderung verjährt oder?
(2) Ich nehme mal an, die Zeit 04/2014 bis 05/2016 hat eine hemmende Wirkung auf die Verjährung, aber nicht ab 06/2016 oder?
(3) Kann das Inkasso-Unternehmen, wenn eine Forderung längst verjährt ist, noch einen negativen Schufa-Eintrag herbeirufen?
( z.B. wenn ich einen Widerspruch einlege / eine Einrede der Verjährung gem. § 214 Abs. 1 BGB erhebe)

Im Schreiben steht: „Wir weisen darauf hin, dass wir Daten über die nicht vertragsgemäße Abwicklung von Forderungen an die Schufa Holding AG übermitteln können, wenn die vorstehend genannte Forderung trotz Fälligkeit nicht ausgeglichen wurde, die Weitergabe der Daten zur Wahrung unserer berechtigten Interessen oder der eines Dritten erforderlich ist und die Forderung durch ein rechtskräftiges Urteil oder einen Schuldtitel nach § 794 Zivilprozessordnung (z.B. Vollstreckungsbescheid) festgelegt worden ist.

(4) Sollte ich, in den Schereiben erwähnen, dass widersprochene Forderungen nicht bei Schufa & Co gemeldet werden dürfen. Einer Datenweitergabe in jeglicher Form widerspreche ich vollumfänglich.
Oder ist das so nicht richtig bzw. gültig?



Wie soll ich das am besten Formulieren, ist mein Beispiel so ok ?

Zitat:


Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Schreiben vom (Datum2023) fordern Sie einen Betrag in Höhe von (xxEURO) von mir. Hiermit widerspreche ich dieser Forderung.

Diese Forderung ist bereits verjährt.
***

Aus diesem Grunde erhebe ich die
Einrede der Verjährung gem. § 214 Abs. 1 BGB.


Rein vorsorglich mache ich Sie darauf aufmerksam, dass eine widersprochene Forderung nicht an die Schufa oder eine andere Auskunftei (Creditreform, Infoscore, Accumio, Bürgel etc.) gemeldet werden darf. Einer Datenweitergabe in jeglicher Form widerspreche ich vollumfänglich.

Ich bitte Sie, mir innerhalb von 10 Tagen ab Erhalt dieses Einschreibens schriftlich mitzuteilen, dass Sie die Forderung nicht weiter verfolgen werden und keine weiteren Ansprüche hieraus mehr gegen mich ableiten werden.

Bitte erlassen Sie keine weiteren Mahnschreiben und verzichten Sie auf die Beantragung eines gerichtlichen Mahnbescheides. Einem solchen würde ich vollständig widersprechen.
.


*** soll ich hier noch erwähnen, dass das Inkasso-Unternehmen genug Zeit hatte, vor dem Ablauf der Verjährung mir zu schreiben?

Ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass ich schuldenfrei bin, dann sowas.

Danke für Tipps und Ratschläge.

Grüße
Hans

-- Editiert von User am 27. Februar 2023 23:04

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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118758 Beiträge, 39625x hilfreich)

Zitat (von HHrecht123):
(1) Somit ist die Forderung verjährt oder?

Nö, denn dazu muss der Schuldner erst mal die Einrede der Verjährung erheben.



Zitat (von HHrecht123):
(2) Ich nehme mal an, die Zeit 04/2014 bis 05/2016 hat eine hemmende Wirkung auf die Verjährung, aber nicht ab 06/2016 oder?

Eher oder ...



Zitat (von HHrecht123):
(3) Kann das Inkasso-Unternehmen, wenn eine Forderung längst verjährt ist, noch einen negativen Schufa-Eintrag herbeirufen?

Eher nicht. Zumindest die mir bekannten Inkassos praktizieren keine Hexerei / Voodoo.
Ist auch nicht nötig, da sie es per elektronischer Übermittlung einfach einmelden können. Und ja, das können sie - also die ganzen Auskunfteien gut im Auge behalten.



Zitat (von HHrecht123):
(4) Sollte ich, in den Schereiben erwähnen, dass widersprochene Forderungen nicht bei Schufa & Co gemeldet werden dürfen.

Würde ich noch hinzufügen ...



Zitat (von HHrecht123):
Wie soll ich das am besten Formulieren, ist mein Beispiel so ok ?

In DE ist die Rechtsberatung in konkreten Einzelfällen per Gesetz den Rechtsanwälten vorbehalten. Da würde ich versuchen einen Anwalt zu finden der das kompetent macht.

Das geht z.B. gleich hier https://www.frag-einen-anwalt.de/
oder hier: https://www.123recht.de/forum_forum.asp?forum_id=79


Ich würde das so nicht absenden...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Student
(2382 Beiträge, 711x hilfreich)

Zitat (von HHrecht123):
Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Schreiben vom (Datum2023) fordern Sie einen Betrag von mir. Hiermit widerspreche ich dieser Forderung.

Ich erhebe die Einrede der Verjährung gem. § 214 Abs. 1 BGB.

Einer Datenweitergabe in jeglicher Form widerspreche ich vollumfänglich.
.


Ich würde es so verkürzt abschicken. Der Rest ist irrelevant. Man muss dir nicht antworten und die Bitte keinen MB zu beantragen ist sinnbefreit.

Zitat (von HHrecht123):
Ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass ich schuldenfrei bin, dann sowas.

Auch nach der Einrede der Verjährung bist du nicht schuldenfrei. Die Forderung bleibt bestehen, kann aber nicht mehr geltend gemacht werden.

0x Hilfreiche Antwort

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