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PayPal Infoscore Inkasso ohne vorherige Mahnung

25. April 2019 Thema abonnieren
 Von 
Herr Müller123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
PayPal Infoscore Inkasso ohne vorherige Mahnung

Einen wunderschönen guten Tag!

Kurz vorweg: Ich habe mich im Vorfeld hier im Forum und auch anderweitig in die Thematik eingelesen und will mir keinesfalls eine Rechtsberatung "erschleichen", sondern lediglich meinen Fall schildern und hoffe dabei auf die ein oder andere Erfahrung eurerseits und vielleicht einen Ratschlag, ob ich auf dem Holzweg bin oder etwas übersehen habe.

Der Fall:

Ich habe eine E-Mail von Infoscore erhalten, in der mir mitgeteilt wird, dass mein PayPal-Konto angeblich einen negativen Saldo aufweisen würde. PayPal hätte mich daraufhin erfolglos angemahnt und nun das Inkassobüro mit der Eintreibung beauftragt. Die Forderung setzt sich wie folgt zusammen:

Haupt- / Restforderung 7,99 EUR
5,00 Prozentpunkte über Basiszins Zinsen bis zum 03.05.2019 0,01 EUR
Vorgerichtliche Mahnauslagen 1,25 EUR
Reduzierte Inkassovergütung - Verzugsschaden §§ 280 , 286 BGB , 0,7 Gebühr
entsprechend § 13 RVG i.V.m. Nr. 2300 VV RVG 31,50 EUR
Post- und Telekommunikationspauschale entsprechend § 13 RVG i.V.m. Nr. 7002 VV RVG 6,30 EUR

Nach einem sehr frustranen Telefonat mit dem Kunden-Nicht-Service von PayPal weiß ich nun immerhin, worauf sich diese Forderung begründet:

Ich habe Mitte März über Ebay einen Verkauf getätigt und anschließend über Ebay ein Versandettikett erworben und mit PayPal bezahlt. Das ist auch korrekt. Anschließend konnte das Geld von meinem Bankkonto nicht eingezogen werden, da die Kontodaten veraltet seien. Auch das ist teilweise korrekt, dazu gleich mehr. Anschließend hätte PayPal mir per E-Mail eine Mahnung geschickt. Das ist NICHT korrekt, zumindest kam keine bei mir an. Nun kam also diese Woche eine E-Mail von Infoscore.

Zu den veralteten Kontodaten: Zum Jahreswechsel hat sich meine Bankverbindung geändert. Dieses habe ich sowohl Ebay als auch PayPal rechtzeitig angezeigt. In der Folge hatte ich mit PayPal-Zahlungen als auch mit monatlichen Daueraufträgen kein Problem mehr. Das Problem: Angeblich soll ich für die Zahlung des Versandettickets einen Gastzugang genutzt haben, das noch mit meinen alten Bankdaten verknüpft war. Dieser Gastzugang soll angeblich die gleiche E-Mail-Adresse wie mein eigenltiches PayPal-Konto haben (ich wusste gar nicht, dass das möglich ist). Alles laut telefonischer Auskunft.

Also: Die Forderung ist rechtens. Dass auf die ursprünglich 4,99 € noch 3,- € Rückbuchungsgebühr, 0,01 € Zinsen und 1,25 € Mahngebühren draufgeschlagen werden: Meinetwegen. Diese 9,25 € wäre ich sofort bereit zu überweisen. Jedoch wüsste ich spontan nicht, wohin. Zwar finde ich eine Bankverbindung bei PayPal, jedoch ist mein eigentliches PayPal-Konto zu keinem Zeitpunkt in den Miesen gewesen und steht somit aktuell bei 0,00 €. Ich befürchte, dass wenn ich nun das Geld direkt an PayPal überweise, es mit der offenen Forderung mit dem angeblichen Gastkonto nicht verknüpft werden kann und es lediglich meinem "normalen" PayPal-Konto gutgeschrieben wird.

Mein Vorgehen wäre jetzt: Noch einmal bei PayPal anrufen und erneut um eine Zusendung der Rechnung/Mahnung zu bitten. Dies wurde beim letzten Anruf verweigert mit der Begründung, die hätte ich vor einem Monat bereits erhalten, was ich aber bestreite (wie sieht es hier mit der Nachweispflicht aus?).

Fall A: Ich bekomme die Mahnung nochmal zugeschickt, überweise daraufhin manuell den Betrag direkt an PayPal und schreibe ein Einwurfeinschreiben an das Infoscore, dass der Betrag beglichen ist und ich den sonstigen Forderungen der Inkassogebühren mit Verweis auf die Schadenminderungspflicht widerspreche.

Fall B: Man verweigert mir erneut das Zusenden der Mahnung. Hier würde ich dann Infoscore ebenfalls ein Einwurfeinschreiben zukommen lassen, in dem ich erkläre, nie eine Zahlungsaufforderung erhalten zu haben, der Forderung von Infoscore daher widerspreche und einen schriftlichen und detaillierten Nachweis der Ausgangs-Forderung einfordere.

Ist das soweit in Ordnung oder übersehe ich dabei etwas? Hatte schon jemand einen ähnlich gelagerten Fall und mag darüber berichten?

Post vom Inkassobüro?

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3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(24966 Beiträge, 16060x hilfreich)

Zitat:
Dieses habe ich sowohl Ebay als auch PayPal rechtzeitig angezeigt.

Schriftlich? Bzw. kannst du das nachweisen, dass die Bescheid wussten? Oder anders: Die Folgezahlungen über das neue Konto kannst du sicher problemlos nachweisen?

Zitat:
Dieser Gastzugang soll angeblich die gleiche E-Mail-Adresse wie mein eigenltiches PayPal-Konto haben (ich wusste gar nicht, dass das möglich ist).

Das klingt nach Schachsinn. Alles, was ich jemals zu PayPal gehört habe ist, dass man über dieselbe eMail-Adresse auch immer ein eindeutiges Konto hat. Niemals zwei.

Zitat:
Also: Die Forderung ist rechtens. Dass auf die ursprünglich 4,99 € noch 3,- € Rückbuchungsgebühr, 0,01 € Zinsen und 1,25 € Mahngebühren draufgeschlagen werden: Meinetwegen.

Sehe ich nicht so. Weder für die Rückbuchung bist du verantwortlich, noch für den Rest. Mahngebühren für eMails gibt es auch keine. Die Sachkosten bei eMails liegen bei 0,00€. Die sind einfach nicht in Euro messbar. Außer den 4,99€ würde ich nichts bezahlen. Diese würde ich ausnahmsweise ans Inkasso bezahlen. Dem Inkasso würde ich aber schreiben: "Wertes Inkasso. Ich weise die Forderung wegen groben Unfugs zurück. Die Hauptforderung wurde soeben ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht überwiesen. Ihre Mandantin hatte die korrekten Bankdaten, was sich auch problemlos beweisen lässt. Dass sie unsinnigerweise für genau diese Zahlung veraltete Daten verwendet hat, ist das Problem ihrer Mandantin und nicht meines. Der Folgeschaden wurde von ihrer Mandantin mutwillig selbst herbei geführt, nicht von mir."

Und damit ist es dann aber auch gut.

Signatur:

Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Herr Müller123
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Lieber mepeisen,

vielen Dank für deine schnelle und ausführliche Antwort.

Zitat (von mepeisen):
Zitat:
Dieses habe ich sowohl Ebay als auch PayPal rechtzeitig angezeigt.

Schriftlich? Bzw. kannst du das nachweisen, dass die Bescheid wussten? Oder anders: Die Folgezahlungen über das neue Konto kannst du sicher problemlos nachweisen?

Ja, 100%ig. Bereits im Dezember 2018 war alles umgestellt, seither gab es eine mittlere zweistellige Anzahl an Zahlungen via PayPal, die allesamt reibungslos funktioniert haben und von meinem neuen Bankkonto abgebucht wurden.

Zitat:
Zitat:
Dieser Gastzugang soll angeblich die gleiche E-Mail-Adresse wie mein eigenltiches PayPal-Konto haben (ich wusste gar nicht, dass das möglich ist).

Das klingt nach Schachsinn. Alles, was ich jemals zu PayPal gehört habe ist, dass man über dieselbe eMail-Adresse auch immer ein eindeutiges Konto hat. Niemals zwei.

Das dachte ich auch und denke es eigentlich noch immer, jedoch habe in den AGB einen Passus gefunden, nachdem man wohl auch mit einem PayPal-Konto zusätzlich als Gast zahlen kann. Jedoch steht nichts dazu, ob das über die selbe E-Mail-Adresse möglich ist.

Zitat:
Zitat:
Also: Die Forderung ist rechtens. Dass auf die ursprünglich 4,99 € noch 3,- € Rückbuchungsgebühr, 0,01 € Zinsen und 1,25 € Mahngebühren draufgeschlagen werden: Meinetwegen.

Sehe ich nicht so. Weder für die Rückbuchung bist du verantwortlich, noch für den Rest. Mahngebühren für eMails gibt es auch keine. Die Sachkosten bei eMails liegen bei 0,00€. Die sind einfach nicht in Euro messbar. Außer den 4,99€ würde ich nichts bezahlen. Diese würde ich ausnahmsweise ans Inkasso bezahlen. Dem Inkasso würde ich aber schreiben: "Wertes Inkasso. Ich weise die Forderung wegen groben Unfugs zurück. Die Hauptforderung wurde soeben ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht überwiesen. Ihre Mandantin hatte die korrekten Bankdaten, was sich auch problemlos beweisen lässt. Dass sie unsinnigerweise für genau diese Zahlung veraltete Daten verwendet hat, ist das Problem ihrer Mandantin und nicht meines. Der Folgeschaden wurde von ihrer Mandantin mutwillig selbst herbei geführt, nicht von mir."

Und damit ist es dann aber auch gut.


Hehe, sauber formuliert. :-)

Dass ich aufgrund veralteter Daten im Browser evtl. eine Mitschuld trage, kann und will ich nicht ausschließen. Mir käme es auf die 1,25 € auch nicht mehr an, da das Thema PayPal sich hiermit nun endgültig für mich erledigt hat und das Konto geschlossen wird. Mich regt der Umgang mit einem Kunden auf, der seit 11 Jahren ohne Probleme für stetigen Umsatz gesorgt hat und nun direkt ein Inkasso-Büro auf den Hals gehetzt bekommt, obwohl eine kurze und knappe Mail mit dem Hinweis auf eine offene Zahlung locker gereicht hätte, dass ich mich rege. Wie gesagt: Ich habe nie einen irgendwie gearteten Hinweis erhalten, dass die Lastschrift zurückgebucht wurde, weder von PayPal, noch von meiner alten Bank oder sonstwem.

Dazu eine Frage noch: Liege ich richtig in der Annahme, dass PayPal eine Beweispflicht hat, dass ich die angebliche Mahnung per E-Mail auch tatsächlich erhalten habe? Oder würde es im juristischen Streitfall ausreichen, wenn die behaupten, die Mail versendet zu haben? Ich habe in sämtlichen Ordnern meines Postfachs nachgeschaut, nirgendwo bin ich fündig geworden, auch nicht im Spam-Ordner oder im Papierkorb, so dass auch keine versehentliche Löschung infrage kommt. Ich würde dann nämlich in dem Schreiben an Infoscore noch die Aufforderung formulieren, dass sie mir einen Nachweis über die Zustellung der Zahlungsaufforderung erbringen sollen, allerdings möchte ich damit ungerne auf die Schnauze fallen...

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
mepeisen
Status:
Unsterblich
(24966 Beiträge, 16060x hilfreich)

Zitat:
Dass ich aufgrund veralteter Daten im Browser evtl. eine Mitschuld trage, kann und will ich nicht ausschließen.

1. Müsste PayPal genau das erst mal beweisen
2. Ist das dann trotzdem noch bis zu einem Gewissen Grad die Schuld PayPals. Die können das so programmieren, dass es mindestens eine Warnung gibt, ob die veralteten Daten richtig sind
3. Hatte PayPal auch die Informationen zum richtigen Bankkonto und hätte ohne Inkasso-Hilfe auch dort mal abbuchen können
4. Hat PayPal ja trotzdem keine Mahnung verschickt.

Die müssen letztendlich beweisen, dass die Mail bei dir ankam. Was sie nicht können.

Zitat:
Ich würde dann nämlich in dem Schreiben an Infoscore noch die Aufforderung formulieren, dass sie mir einen Nachweis über die Zustellung der Zahlungsaufforderung erbringen sollen, allerdings möchte ich damit ungerne auf die Schnauze fallen...
Kann man machen. Auf die Schnauze fallen kann man da sicher nicht. Ich würde das eher knapp formulieren "Eine Mahnung habe ich entgegen Ihrer Behauptung nie erhalten".

Signatur:

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