Paypal droht am Telefon mit Inkasso

27. Dezember 2020 Thema abonnieren
 Von 
Petersweg
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)
Paypal droht am Telefon mit Inkasso

Hallo zusammen,

ich hoffe Ihr könnt mir im folgenden Fall weiterhelfen.

Anfang des Monats habe ich über ebaykleinanzeigen einen ferngesteuerten Wagen für ca. 500€ verkauft (gebraucht, technisch einwandfrei). Bezahlt wurde per Paypal. Der Käufer ist nach Erhalt mit dem Wagen gefahren, dabei sind diverse Schäden aufgetreten. Der Käufer hat mir Bilder von den Schäden geschickt und auch selber gesagt, dass er mit dem Wagen gefahren ist. Er ist jedoch der Meinung, dass der Wagen Vorschäden hatte und der Zustand nicht wie beschrieben war. Er hat bei Paypal einen Fall eröffnet und verlangte von mir die Beteiligung an Reparaturkosten. Dies habe ich abgelehnt, da der Wagen zum Zeitpunkt des Verkaufs einwandfrei war und ich diese Schäden nicht verursacht habe. Das war auch deutlich auf den Bildern der Kleinanzeige zu erkennen.
Paypal hat dennoch für den Käufer entschieden. Er darf den (defekten) Wagen an mich zurück schicken. Gleichzeitig wurde mein Konto ins Minus gesetzt.

Ich habe bei Paypal angerufen und nachgefragt. Dort teilte man mir mit, dass meine Bilder (des intakten Wagens) für deren Entscheidung nicht relevant seien. Auch der Umstand, dass der Käufer damit gefahren ist, wäre irrelevant. Als ich sagte, dass ich nicht bereit bin den negativen Kontostand auszugleichen, drohte man mir mit Inkasso. Man gab mir noch eine Emailadresse (webform@paypal.de) an welche ich meinen Widerspruch gegen Paypal´s Entscheidung gerichtet habe. Der Fall ist noch geöffnet und Paypal wartet anscheinend auf die Sendungsinformationen der Rücksendung des Käufers.

Ich bin nicht bereit mein Paypalkonto auszugleichen und auf den Reparaturkosten (ca. 100-150€ ) sitzen zu bleiben. Ich habe alle Informationen (Kleinanzeige, Gesprächsverläufe, Bilder etc.) dokumentiert und kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie Paypal zu dieser Entscheidung kommt.

1. Ich würde gerne wissen wie ich mich nun verhalten soll?
2. Darf ich das Paket mit dem defekten Wagen annehmen oder soll ich die Annahme verweigern?
3. Wird Paypal versuchen den negativen Kontobetrag einzuklagen?

Vielen Dank für eure Antwort!

-- Editiert von Petersweg am 27.12.2020 20:45

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118631 Beiträge, 39611x hilfreich)

Zitat (von Petersweg):
kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie Paypal zu dieser Entscheidung kommt.

Painpal hat mehrere ausgefeilte Methoden zur Entscheidungsfindung entwickelt:
1. Würfel oder Münze
Würfel oder Münze wird geworfen.
Gerade Zahl/Kopf = Käufer bekommt recht
ungerade Zahl/Zahl = Verkäufer bekommt recht

2. Dart-Wurf
Modifizierete Dartscheibe, statt Zahlen stehen dort die Käufer und Verkäufer.

3. Kalender
Gerader Tag = Verkäufer bekommt recht
ungerader Tag = Käufer bekommt recht

4. Mondphasen
Aufsteigende Mondphasen: Käufer bekommt recht
absteigende Mondphasen: Käufer bekommt nicht recht

5. Wetter
Der Verkäufer bekommt recht wenn „Der Winter naht"

Manchmal aber auch umgekehrt …

Das erklärt auch weshalb sich die Vorgänge oft jeglicher menschlichen Logik entziehen.

Da ein Painpal-‚Urteil‘ aber keine Auswirkung auf die Gerichtsbarkeit hat, bleibt dem Käufer/Verkäufer immer noch der normale juristische Weg offen.

Wobei auch die Ansicht, das wenn sich alle Partien den AGB unterworfen hätten, diese auch gelten wenn sie Teilen des BGB und der ZPO entgegenstünden durchaus ernsthaft diskutiert wird.

Zumindest für den Fall des Käuferschutz hat der BGH in 11.2017 entschieden, dass die bisherigen Regelungen sich nicht der deutschen Gerichtsbarkeit entziehen können (AZ. VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16). Und den willkürlichen Käuferschutz kurzerhand für hinfällig erklärt.

Was dann auch für den Rest der AGB ein deutliches Signal ist…



Zitat (von Petersweg):
1. Ich würde gerne wissen wie ich mich nun verhalten soll?

Painpal macht bekanntermaßen was es will, operiert außerhalb der deutschen Rechtssprechnung. BGB und Co. werden nicht einmal als unverbindliche Richtlinien empfunden, sondern derzeit schlichtweg bei der Entscheidungsfindung ignoriert. Die eigenen Richtlinien werden mehr oder weniger als Orientierung gesehen denn als verbindliches Regelwerk.
Konkrete Beweise des Verkäufers werden ignoriert.

Das würde ich auch mit den Drohungen von Painpal machen, ignorieren.


Zitat (von Petersweg):
2. Darf ich das Paket mit dem defekten Wagen annehmen

Darf man. Aber ich sehe keinen Sinn darin, sich unnötige Komplikationen an den Hals zu binden.



Zitat (von Petersweg):
oder soll ich die Annahme verweigern?

Das wäre das beste.



Zitat (von Petersweg):
3. Wird Paypal versuchen den negativen Kontobetrag einzuklagen?

Nein, die werden sich aufs drohen und nerven beschränken. Genau wie das Inkasso das später kommt - wenn die sich melden reicht in der Regel ein deutliches Schreiben.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Petersweg
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo Harry,

hab vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das macht mir Mut.

Das blöde an einer Annahmeverweigerung wäre für mich, dass dann etwa 50€ an Paypal verloren wären. Als Paypal mein Konto ins Minus gesetzt hat, war es 50€ im Plus. Somit wär das Geld weg und der Wagen dann auch. Der Wagen würde vom Versandunternehmen wohl zurück an den Käufer geschickt, sodass er dann sowohl sein Geld als auch den Wagen hätte.

Oder irre ich mich?
Wie hat sich Paypal in der Vergangenheit verhalten, wenn Rücknahmen verweigert wurden?
Habt ihr Erfahrungen diesbezüglich?

Gruß
Peter

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
vundaal76
Status:
Junior-Partner
(5047 Beiträge, 1957x hilfreich)

Ja, die EUR 50 sind weg.
Deshalb ist immer sehr, sehr wichtig, Guthaben auf einem Paypal-Konto sofort auszukehren.

btw: Briefkasten im Auge behalten. Ein gerichtlicher Mahnbescheid wird zur besten Urlaubszeit (Ostern) eintrudeln. Widersprechen und gut ist!

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118631 Beiträge, 39611x hilfreich)

Zitat (von vundaal76):
Ja, die EUR 50 sind weg.

Nö, man verklagt den Käufer einfach auf Zahlung des Kaufpreises - der BHG hat ja den Weg dafür geebnet.



Zitat (von Petersweg):
Wie hat sich Paypal in der Vergangenheit verhalten, wenn Rücknahmen verweigert wurden?

Mal so, mal so. Wie gesagt, die haben da keine nachvollziehbare Entscheidungsstruktur.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Petersweg
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Ich kann mich nicht so richtig mit dem Gedanken anfreunden die 50€ abzuschreiben. Meiner Meinung nach bin ich klar im Recht. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, was ich machen könnte.

A)
Die Annahme des Paketes verweigern und den Käufer auf Erfüllung des Kaufvertrages (Bezahlung des Wagens) verklagen. Dazu wäre wohl ein Anwalt (zusätzliche Kosten & Zeit) nötig, oder? Wie schätzt ihr meine Chancen ein? Ein Vergleich o.Ä. käme für mich nicht in Frage wenn ich dadurch die Anwaltskosten etc. selber tragen müsste. Den kommenden Schreiben von Paypal und Co. würde ich widersprechen. Wahrscheinlich der längste Weg, oder?

B)
Die Annahme verweigern und den kommenden Schreiben von Paypal und Co. widersprechen. Damit sind die 50€ weg. Inwiefern Paypal und Co. weiter nerfen ist unklar aber wahrscheinlich verläuft es im Sande. Ärgern würde mich an der Sache am meisten, dass der Käufer sowohl sein Geld als auch meinen Wagen hätte. Das darf eigentlich nicht angehen.

C)
Den Wagen annehmen, den kommenden Schreiben von Paypal und Co. widersprechen und schauen was passiert. Im besten Fall hab ich den defekten Wagen und ein "totes" Paypalkonto. Den Wagen würde ich reparieren und erneut verkaufen. Wenn, wie ihr schreibt, Paypal nicht vor Gericht geht, dann wäre das wohl die für mich finanziell beste Lösung.

D)
Den Wagen annehmen und den kommenden Schreiben von Paypal und Co. erstmal widersprechen bzw. um Ruhe zu haben das Angebot machen, den negativen Kontostand (natürlich abzüglich meiner Reparaturkosten & Zeit) auszugleichen. Den zusätzlichen Inkassokosten würde ich widersprechen. Hier hätte ich die Hoffnung, das Paypalkonto weiterhin nutzen zu können. Oder ist das ganze unrealistisch?

Was würdet ihr machen?
Würdet ihr mir von einem der vier Wege dringend abraten?
Gibt es andere/ bessere Alternativen?

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Petersweg
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Der Fall wurde heute zu meinen Gunsten geschlossen. Angeblich weil der Käufer keine Informationen zur Rücksendung übermittelt hat. Das fällt mir schwer zu glauben aber okay. Vielleicht hat es sich Paypal auch noch einmal anders überlegt nach meiner Mail an webform@paypal.de.
Für die Zukunft weiß ich nun bescheid!

Vielen Dank für eure schnelle Hilfe!

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118631 Beiträge, 39611x hilfreich)

Zitat (von Petersweg):
Der Fall wurde heute zu meinen Gunsten geschlossen.

Glückwunsch. Du gehörst damit zu den doch recht wenigen Glücklichen.



Zitat (von Petersweg):
Vielleicht hat es sich Paypal auch noch einmal anders überlegt nach meiner Mail an webform@paypal.de.

Und was stand da drin?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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