Vor der Privatinsolvenz

6. Juni 2023 Thema abonnieren
 Von 
Klaschu
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Vor der Privatinsolvenz

Hallo Zusammen,

Ich habe mir jetzt einige Zeit etliche Beiträge durchgelesen und finde einfach nicht die passende Antwort auf meine Fragen.

Zunächst mal zu mir, ich bin 35 Jahre alt, berufstätig, verheiratet und habe eine kleine 3 jährige Tochter.
Wir Wohnen in einer Mietswohnung.

Zur Situation.

Ich habe durch einige Fehlentscheidungen meine finanzielle Lage zur Zeit nichtmehr im Griff und beabsichtige durch anraten meiner Schuldnerberatung der Diakonie eine Privatinsolvenz zu beantragen.

Ich habe Kredite bei meiner Hausbank bei der auch mein Girokonto/Gehaltskonto ist. Das Girokonto ist mitlerweile auch ziemlich hoch im Dispo.

Meine erste Frage wäre,

Da mir meine Beraterin gesagt hat ich müsse nun alle Zahlungen an Gläubiger einstellen beinhaltet das ja auch die Hausbank.

Kann die Hausbank von Heute auf Morgen mein Konto sperren wenn diese von der beabsichtigten Insolvenz erfährt?

Ich habe schon ein anderes Konto bei einer anderen Bank eröffnet.

Sollte ich evtl. Das jetzige (noch) gehaltskonto "leeren", sprich meinen lohn (nicht den max. Dispo) abheben und auf das neue konto einzahlen?

Meine Beraterin hat alle Gläubiger angeschrieben und sie informiert bzw. eine aktuelle Forderungsaufstellung angefordert.

Wielange dauert es im Durchschnitt bis Insolvenzantrag gestellt wird und man in den Pfändungsschutz kommt?

Wie ist es mit den Versicherungen die ich habe (auch bei der Hausbank) wenn ich die jetzt umstelle auf mein neues Konto, weiß die Hausbank ja das neue Konto...

Ich weiß grad nicht so recht weiter....

Ich weiß, viele Fragen.

Ich würde mich rießig über eure Hilfe freuen. Ich würde das ja alles meine Beraterin fragen, aber die sind bekanntermaßen alle so überrannt das ich froh war nach 4 Wochen schon einen Termin bekommen zu haben.

Viele Grüße

-- Editiert von User am 6. Juni 2023 10:29

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
go635783-31
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)

Da mir meine Beraterin gesagt hat ich müsse nun alle Zahlungen an Gläubiger einstellen beinhaltet das ja auch die Hausbank?

Antwort: Ja!!! Da du dort im Dispo bist (Höhe egal) und demnach der Bank Geld schuldest, handelt es sich auch um einen Gläubiger. In der Vorbereitungsphase der Insolvenz müssen alle Gläubiger gleichbehandelt werden. Die Zahlung an einzelne Gläubiger könnte eine Bevorzugung dieser Gläubiger bedeuten und dies kann später u. U. zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.

Kann die Hausbank von Heute auf Morgen mein Konto sperren wenn diese von der beabsichtigten Insolvenz erfährt?

Antwort: Die Bank erfährt erst von der Privatinsolvenz, wenn diese per Gerichtsbeschluss eröffnet wird. Vorher erhält die Bank in der Regel keine Kenntnis darüber. Wie auch, du wirst es ihr ja nicht mitteilen. Auch hat die Bank keine rechtliche Grundlage aufgrund einer "beabsichtigten" Insolvenz das Konto zu sperren.
Aber, es ist absolut wichtig, dass du dir in der sogenannten Vorbereitungsphase der Privatinsolvenz ein neues Konto zulegst, und zwar bei einer Bank, wo du keine Schulden hast. Alle künftigen Zahlungen an dich sollten zeitnah auf dieses neue Konto erfolgen. Dieses Konto unbedingt in ein P-Konto (Pfändungsschutzkon-
to) umwandeln lassen.

Sollte ich evtl. Das jetzige (noch) gehaltskonto "leeren", sprich meinen lohn (nicht den max. Dispo) abheben und auf das neue konto einzahlen?

Antwort: Man muss wissen, dass es nicht erlaubt ist, Vermögen im Insolvenzverfahren zu verschleiern. Bei einer Abhebung kurz vor Beantragung einer Insolvenz wäre diese Maßnahme grenzwertig.

Wielange dauert es im Durchschnitt bis Insolvenzantrag gestellt wird und man in den Pfändungsschutz kommt?

Antwort: Die Vorbereitung der Insolvenz dauert durchschnittlich 3 - 6 Monate.
Beachte: Man kommt nicht in den Pfändungsschutz, sonder muss selbst (evtl. mit Hilfe durch Anwalt, Schuldnerberatungsstelle etc.) dafür Sorge tragen - P-Konto, Anträge bei dem zust. Gericht etc.

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#2
 Von 
Klaschu
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Ok, danke schon mal das ging ja schnell.

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#3
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Student
(2424 Beiträge, 719x hilfreich)

Zitat (von go635783-31):
Auch hat die Bank keine rechtliche Grundlage aufgrund einer "beabsichtigten" Insolvenz das Konto zu sperren.

Das ist schlicht falsch. Meist steht im Vertrag/AGB, dass die Bank berechtigt ist die Geschäftsbeziehung zu beenden wenn sich die finanzielle Situation des Kunden erheblich verschlechtert. Ein Schreiben der SUB mit der Aufforderung eine FA gem. 305 InsO zu übersenden ist eine Verschlechterung und führt regelmäßig zur Kündigung.

Zitat (von Klaschu):
Sollte ich evtl. Das jetzige (noch) gehaltskonto "leeren", sprich meinen lohn (nicht den max. Dispo) abheben und auf das neue konto einzahlen?

Wenn's dumm kommt führt das direkt zur Strafanzeige, da du bereits weißt, dass die Schuld nicht beglichen werden kann. Die Bank kann auch diese Schuld als vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung anmelden zur Inso.

Zitat (von Klaschu):
Wie ist es mit den Versicherungen die ich habe (auch bei der Hausbank) wenn ich die jetzt umstelle auf mein neues Konto, weiß die Hausbank ja das neue Konto...

Und? Die wissen doch wie Schuldner vorgehen. Ob die Versicherungen ebenfalls kündigen wird man abwarten müssen.

Zitat (von go635783-31):
Wielange dauert es im Durchschnitt bis Insolvenzantrag gestellt wird und man in den Pfändungsschutz kommt?

Kommt drauf an ob und was im AEV angeboten wird und ob die SUB evtl direkt im 1. Anschreiben einen (Null)plan anbietet. Mehrere Monate wird's mindestens dauern.

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#4
 Von 
Klaschu
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Ok,

Sprich altes Konto ruhen lassen, kommende Einnahmen auf das neue konto und Lebensnotwendige Dinge umstellen auf das neue Konto. In der Hoffnung die slte Bank sperrt es bis dahin nicht.

Muss ich dann trotzdem ab Anfang Juni alles zurück holen was abgebucht wurde oder wird, auch wenn ALLES noch bezahlt werden würde?

Die Beraterin meinte "das ist rausgeschmissenes Geld, ob ein Monat mehr gezahlt wird oder nicht spielt keine Rolle"

Aber wenn es sowieso auf dem Konto verbleiben muss, spielt es dann eine Rolle (solang JEDER sein monatl. Geld bekommt)?

Sorry, ich muss dazu sagen ich habe bisher gut verdient und es gerade so hinbekommen allerdings muss ich ab Juli einen neuen Job antreten bei dem das nichtmehr machbar ist. (Nur zum Verständnis)
Gruß

-- Editiert von User am 6. Juni 2023 12:18

-- Editiert von User am 6. Juni 2023 12:20

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#5
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Student
(2424 Beiträge, 719x hilfreich)

Zitat (von Klaschu):
Sprich altes Konto ruhen lassen, kommende Einnahmen auf das neue konto und Lebensnotwendige Dinge umstellen auf das neue Konto. In der Hoffnung die slte Bank sperrt es bis dahin nicht.

Jepp genau so. Ein paar Euros würde ich allerdings bar abgeben zur Sicherheit. Je nachdem wie schnell die SUB die Bank anschreibt.

Zitat (von Klaschu):
Muss ich dann trotzdem ab Anfang Juni alles zurück holen was abgebucht wurde oder wird, auch wenn ALLES noch bezahlt werden würde?

Jetzt noch neue Schulden machen führt zu Problemen. Daher lieber "alte" Gläubiger nicht mehr bedienen statt "neue" Schulden bei der Bank.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Klaschu
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Also versteh ich richtig (zur sicherheit)...

Ich hole quasi ab anfang juni alles zurück und belasse es auf meinem alten konto. Bezahle davon alle laufenden lebenswichtigen Dinge. Und ab juli dann mit neuem konto.

Dann sollte es so passen richtig?

Sorry das ich so oft nachfrage...

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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(119980 Beiträge, 39812x hilfreich)

Zitat (von Klaschu):
Ich hole quasi ab anfang juni alles zurück

Falls man strafrechtlich Probleme bekommen will, kann man das machen.
Diese Schulden würden dann auch als vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung von der Insolvenz erfasst werden



Zitat (von go635783-31):
Wie auch, du wirst es ihr ja nicht mitteilen.

Doch, genau schrieb er hja auch ... einfach mal alles lesen ...



Zitat (von Klaschu):
Die Beraterin meinte "das ist rausgeschmissenes Geld, ob ein Monat mehr gezahlt wird oder nicht spielt keine Rolle"

Bei solchen Äußerungen frage ich mich immer, was solche Leute eigentlich beruflich machen. Denn bei Profis sollte so ein Unfug nicht komen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Klaschu
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Na super...

Also im Endeffekt, alles soweit laufen lassen bis Ende Monat.

Neues Lohnkonto ab Juli und von dem nur noch lebenswichtige Sachen zahlen.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Student
(2424 Beiträge, 719x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Falls man strafrechtlich Probleme bekommen will, kann man das machen.
Diese Schulden würden dann auch als vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung von der Insolvenz erfasst werden

Ich sehe das nicht so. Das Konto nicht (weiter) zu überziehen fände ich wichtiger wie eine Ratenzahlung bei XYZ zu zahlen.
Zitat (von Harry van Sell):
Bei solchen Äußerungen frage ich mich immer, was solche Leute eigentlich beruflich machen. Denn bei Profis sollte so ein Unfug nicht komen ...

Das stimmt auch zum nicht unerheblichen Teil. Aber wenn man bedenkt, dass dort meist Sozialarbeiter und Psychologen sitzen, die einen Wochenendlehrgang besuchten, muss man sich nicht wundern.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(119980 Beiträge, 39812x hilfreich)

Zitat (von Ex Inkassomitarbeiter):
Das Konto nicht (weiter) zu überziehen fände ich wichtiger wie eine Ratenzahlung bei XYZ zu zahlen.

Zustimmung, das erreicht man aber durch (rechtzeitigen) Entzug der SEPA-Mandate und nicht durch die Rückbuchung der Abbuchungen der Vergangenheit. Letzteres könnte einem auf die Füße fallen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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