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Verkauf mit PayPal - wie schützt man sich vor

11.1.2019 Thema abonnieren
 Von 
tbooo
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Verkauf mit PayPal - wie schützt man sich vor

Hallo,

ich bin neu hier obwohl ich schon eine Weile "still" mitlese.

Da ich trotz Lesens div. Beiträge zum Thema "Betrug - PayPal Rückbuchungen durch "unbefugtem Kontozugriff" / "Rücklastschrift"" meine Frage(n) leider noch nicht so richtig beantwortet sehe, stelle ich sie hier einfach mal.

Folgendes Szenario:
Ich möchte gern über eBay / eBay Kleinanzeigen div. Artikel verkaufen welche teilw. einige hundert Euro wert sind.
Als Zahlungsmittel möchte ich auch PayPal anbieten. (natürlich bevorzuge ich die persönliche Barzahlung bei Abholung, aber man erreicht eben auch einen größeren Interessentenkreis wenn man PayPal anbietet).
Ich erfülle alle bei PayPal genannten Kriterien zum Thema Verkäuferschutz.

Nun habe ich hier schon einige Betrugsmaschen gelesen (Selbstabholung bei vorheriger PayPal Zahlung, Versand an andere Adresse wie bei PayPal hinterlegt, Versand ohne Sendungsnachweis (Päckchen), Zahlung als "Freunde & Familie" ect.) aber zwei Themen scheinen auch immer gern von Betrügern genutzt zu werden: "unbefugter Kontozugriff" und "Rücklastschrift der Bank". Beides lässt sich ja leider relativ leicht durch Betrüger arrangieren...

Wenn ich nun alle Kriterien der PayPal Verkäuferschutzrichtlinien befolge, wird PayPal dann zu Gunsten des Verkäufers entscheiden oder - wie hier meist zu lesen ist - zu Gunsten des Käufers.

Ich bitte um realistische Einschätzungen und keine allgemeingültigen Aussagen wie "lass das mit PayPal sein".

VG
-tbooo


-- Editiert von tbooo am 11.01.2019 14:58

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(63778 Beiträge, 30912x hilfreich)

Zitat (von tbooo):
Ich erfülle alle bei PayPal genannten Kriterien zum Thema Verkäuferschutz.

Das schöne ist ja, bei den Paypal Methoden zur Entscheidungsfindung hast Du immer eine Chance, selbst wen Du die nicht erfüllst.

Painpal macht bekanntermaßen was es will, operiert außerhalb der deutschen Rechtsprechnung. BGB und Co. werden nicht einmal als unverbindliche Richtlinien empfunden, sondern derzeit schlichtweg bei der Entscheidungsfindung ignoriert. Die eigenen Richtlinien werden mehr oder weniger als Orientierung gesehen denn als verbindliches Regelwerk.

Painpal hat mehrere ausgefeilte Methoden zur Entscheidungsfindung entwickelt:
1. Würfel oder Münze
Würfel oder Münze wird geworfen.
Gerade Zahl/Kopf = Käufer bekommt recht
ungerade Zahl/Zahl = Verkäufer bekommt recht

2. Dart-Wurf
Modifizierete Dartscheibe, statt Zahlen stehen dort die Käufer und Verkäufer.

3. Kalender
Gerader Tag = Verkäufer bekommt recht
ungerader Tag = Käufer bekommt recht

4. Mondphasen
Aufsteigende Mondphasen: Käufer bekommt recht
absteigende Mondphasen: Käufer bekommt nicht recht

5. Wetter
Der Verkäufer bekommt recht wenn „Der Winter naht"

Manchmal aber auch umgekehrt …

Das erklärt auch weshalb sich die Vorgänge oft jeglicher menschlichen Logik entziehen.


Da ein "Painpal-Urteil" aber keine Auswirkung auf die Gerichtsbarkeit hat, bleibt dem Käufer/Verkäufer immer noch der normale juristische Weg offen.

Wobei auch die Ansicht, das wenn sich alle Partien den AGB unterworfen hätten, diese auch gelten wenn sie Teilen des BGB und der ZPO entgegenstünden durchaus ernsthaft diskutiert wird.

Zumindest für den Fall des Käuferschutz hat der BGH in 11.2017 entschieden, dass die bisherigen Regelungen sich nicht der deutschen Gerichtsbarkeit entziehen können (AZ. VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16). Und den Käuferschutz kurzerhand für hinfällig erklärt.

Was dann auch für den Rest der AGB ein deutliches Signal ist…


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
mepeisen
Status:
Heiliger
(21185 Beiträge, 14430x hilfreich)

Ich ergänze mal:

Zitat:
"unbefugter Kontozugriff" und "Rücklastschrift der Bank"

Gegen das Thema Rücklastschrift hilft eine normale Bank-Überweisung (außerhalb PayPal).
Hinsichtlich gehacktem Konto hilft das nicht mehr, ABER:

Gerade bei PayPal tummeln sich extrem viele Betrüger, weil es PayPal diesen extrem leicht macht. bei einer Bank-Überweisung ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld von einem gehackten Konto stammt, deutlich geringer. Zumal eine normale Bank in Deutschland nicht so leichtfertig sofort das Geld dem Kontoinhaber erstattet, wenn er Piep sagt. Normalerweise prüfen Banken das etwas genauer, ob das wirklich ein unberechtigter Zugriff war.

Es bleibt in Summe stehen: PayPal einfach nicht nutzen und ich würde das auch so transparent machen "Wegen zu hoher Zahl an Betrugsfällen biete ich PayPal nicht an."

Signatur:Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche
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#3
 Von 
Guruhu
Status:
Praktikant
(791 Beiträge, 274x hilfreich)

Zitat (von tbooo):
aber man erreicht eben auch einen größeren Interessentenkreis wenn man PayPal anbietet

Dieses Argument kann ich durchaus nachvollziehen!

Entgegen aller hier hervorgebrachter, durchaus zutreffender Argumente, benutze auch ich paypal. Ich mache es wie folgt:

Ich erkläre dem Käufer zunächst, dass der Versand nur an die bei Paypal hinterlegten Daten erfolgen wird. Kauft also Klaus Müller, werder ich nicht nach Lieschen Mayer versenden. Das ist sicher kein allumfassender Schutz, hält aber schonmal das "Gröbste" an Betrügereien ab - ja, ich weiß, dass man durchaus die Daten schnell bei Paypal ändern kann.

Dann habe ich grundsätzlich zwei Accounts dort: Einen benutze ich für private Zahlungen, den anderen für Geldeingänge nach Verkäufen meinerseits.

Das "sicherste" ist in meinen Augen aber folgendes: Ich verkaufe einen Artikel, bekomme das Geld und veranlasse umgehend eine Buchung auf mein Konto. Erst wenn es dort eingegangen ist, denke ich überhaupt daran das Paket zum Versand aufzugeben. Entsprechend biete ich Paypal + Abholung nicht an. Bzw. auch nur mit deutlichem Zeitversatz, aber das ist in meinen Augen auch kein wirklicher Usecase, als dass ich mir damit potenziele Käufer abschrecke.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass auch diese Vorgehensweise keinen 100%igen Schutz bringt. Aber vor allem der letztgenannte Punkt, also mit dem Versand zu warten, bis man das Geld bei der Bank hat, bietet mir insofern Schutz, als dass ich nicht glaube, dass Paypal da jemals gegen mich "klagen" würde. Gegen Inkassobriefe und E-Mail-Terror bin ich aber auch recht immun.
Bliebe noch die Kontosperrung: Klar, das Risiko bleibt bestehen, aber da sage ich mir eben ganz klar: ich mache es, so lange es gut geht und erst wenn es schief läuft, überlege ich mir eine Alternative.

Dabei denke ich ebenfalls, dass das Risiko auf meine Vorgehensweise im Vergleich zur Chance (mehr Kunden) eher gering ist. Aus Sicht meines persönlichen Risk-managements, wäer ich also doof auf PP zu verzichten. Trotz der aller Unsicherheit.

Dann noch zwei wichtige (in meinen Augen) Punkte:
Kann der Interessent nichtmal einen Satz verständlich formulieren, darf er gerne woanders kaufen. Damit meine ich nicht Rechtschreibfehler, Gramatikfehler oder sowas, sondern wirklich diese typischen eBay-Kleinanzeigen Perlen.
Und dann wäre da noch der GMV. Habe ich kein gutes Gefühl, verkaufe ich auch nicht. Große Summen sowieso nicht. Sprich: selbst wenn mal jedes meiner SChutzmechanismen versagt, verliere ich nur soviel, wie ich dann auch mal locker als "Lehrgeld" verkraften kann. Ohne Angst haben zu müssen, morgen nichts mehr für meine Familie auf den Teller bringen zu können.

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#4
 Von 
tbooo
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von mepeisen):
Ich ergänze mal:
Zitat:
"unbefugter Kontozugriff" und "Rücklastschrift der Bank"

Gegen das Thema Rücklastschrift hilft eine normale Bank-Überweisung (außerhalb PayPal).
Hinsichtlich gehacktem Konto hilft das nicht mehr, ABER:

Gerade bei PayPal tummeln sich extrem viele Betrüger, weil es PayPal diesen extrem leicht macht. bei einer Bank-Überweisung ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld von einem gehackten Konto stammt, deutlich geringer. Zumal eine normale Bank in Deutschland nicht so leichtfertig sofort das Geld dem Kontoinhaber erstattet, wenn er Piep sagt. Normalerweise prüfen Banken das etwas genauer, ob das wirklich ein unberechtigter Zugriff war.

Es bleibt in Summe stehen: PayPal einfach nicht nutzen und ich würde das auch so transparent machen "Wegen zu hoher Zahl an Betrugsfällen biete ich PayPal nicht an."

Danke für deine Antwort.

Hier habe ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meine hier die Rückbuchung eines erhaltenen PayPal Betrages auf Grund der Rücklastschrift der Bank welcher der Käufer zum Bezahlen via PayPal genutzt hat (also wenn der Käufer "Lastschrift" genutzt hat zum Bezahlen via PayPal.

VG
-tbooo

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#5
 Von 
spatenklopper
Status:
Junior-Partner
(5659 Beiträge, 2965x hilfreich)

Zitat (von Guruhu):
Das "sicherste" ist in meinen Augen aber folgendes: Ich verkaufe einen Artikel, bekomme das Geld und veranlasse umgehend eine Buchung auf mein Konto. Erst wenn es dort eingegangen ist, denke ich überhaupt daran das Paket zum Versand aufzugeben. Entsprechend biete ich Paypal + Abholung nicht an. Bzw. auch nur mit deutlichem Zeitversatz, aber das ist in meinen Augen auch kein wirklicher Usecase, als dass ich mir damit potenziele Käufer abschrecke.

Das funktioniert, je nach Betrag allerdings nicht.
Paypal sperrt gerne, grade bei größeren Geldeingängen auf dem Konto, dieses auch mal für bis zu 45 Tage, wegen dem "Käuferschutz"....

-- Editiert von spatenklopper am 14.01.2019 15:11

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#6
 Von 
mepeisen
Status:
Heiliger
(21185 Beiträge, 14430x hilfreich)

Zitat:
Hier habe ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meine hier die Rückbuchung eines erhaltenen PayPal Betrages auf Grund der Rücklastschrift der Bank welcher der Käufer zum Bezahlen via PayPal genutzt hat (also wenn der Käufer "Lastschrift" genutzt hat zum Bezahlen via PayPal.

In dem Fall würde ich mich auf die Schizophrenie der PayPal stützen. Dass sie in dem Fall keine Bank sind, sondern sich laut AGB die Forderung abtreten lassen und dann in eigenem Namen geltend machen. Das ist insofern relevant, als dann der Einwand (der hat aber die Ware) gegen PayPal gilt und sie sich diesen Einwand gefallen lassen müssen.

Signatur:Mitglied im AK Inkassowatch. Anfragen per PM. Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Siche
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#7
 Von 
Guruhu
Status:
Praktikant
(791 Beiträge, 274x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Zitat (von Guruhu):
Das "sicherste" ist in meinen Augen aber folgendes: Ich verkaufe einen Artikel, bekomme das Geld und veranlasse umgehend eine Buchung auf mein Konto. Erst wenn es dort eingegangen ist, denke ich überhaupt daran das Paket zum Versand aufzugeben. Entsprechend biete ich Paypal + Abholung nicht an. Bzw. auch nur mit deutlichem Zeitversatz, aber das ist in meinen Augen auch kein wirklicher Usecase, als dass ich mir damit potenziele Käufer abschrecke.

Das funktioniert, je nach Betrag allerdings nicht.
Paypal sperrt gerne, grade bei größeren Geldeingängen auf dem Konto, dieses auch mal für bis zu 45 Tage, wegen dem "Käuferschutz"....

-- Editiert von spatenklopper am 14.01.2019 15:11

Das mag sein, wobei dieses Verfahren vermutlich ebenfalls dem Paypal-Entscheidungs-Würfel unterliegt. Bei mir jedenfalls wurde diesbezüglich noch nie etwas gesperrt. Was ich wohl hin und wieder lese ist, dass ein solches Vorgehen bei ungewöhnlich hohen Geldbeträgen angewandt wird. Da ich Paypal jedoch regelmäßig nutze (Handy kaufen, Flüge buchen, ...) werden eben oft auch ungewöhnlich hohe Geldbeträge über mein Konto verschoben. Aber das ist nur meine persönliche Theorie, die ich nicht mit objektiven Belegen untermauern kann.

Am Ende des Tages, und dessen muss man sich immer bewusst sein, Paypal nur nutzen, wenn man auf das Geld wirklich "verzichten" kann.
Wie gesagt, hätte ich wirklich Paypal nie angeboten, wäre mir mit Sicherheit mehr Verlust (entgangener Gewinn)/Aufwand entstanden, als wenn wirklich mal eine Zahlung von 500,- oder so platzen sollte. Das muss aber jeder für sich selbst abwägen.

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