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erheblicher Sachmangel bei Handykauf, Verkäufer ignoriert Anfragen

11.9.2020 Thema abonnieren Zum Thema: Verkäufer Handy BGB
 Von 
Blackberry_Key2
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
erheblicher Sachmangel bei Handykauf, Verkäufer ignoriert Anfragen

Hallo,

ich habe am 06.09. ein Handy für 219€ zzgl. Versand bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft.

Der Käufer gab bei der Produktbeschreibung folgende Angaben an:

"Absolut wie neu, nur ganz kurz genutzt!
Keine Kratzer, keine Macken, eben wie neu!

Komplett mit Zubehör und OVP, wie auf den Bildern zu sehen!

Versand möglich"

Ich habe die Bilder des Angebots gesichert, unkenntlich gemacht und als Anlage hinzugefügt.
Aufgrund der Zustandsangabe habe ich das Handy bei dem Verkäufer gekauft. Der eigentliche Ablauf war bis dato reibungslos und das Handy kam auch recht zügig bei mir am 09.09. an.
Ich musste jedoch sehr schnell feststellen, dass das Handy auf der linken Seite sehr stark durchgebogen ist, die andere Seite schien in Ordnung zu sein. Die Bilder der Durchbiegung habe ich als Anlage hinzugefügt, die Durchbiegung ist sehr deutlich zu erkennen.
Vermutlich ist die starke Durchbiegung auf der linken Seite auch die Ursache für die hellen Pigmentflecken, die bei dunklen Hintergründen auftreten. Dieses Phänomen kenne ich bereits von verformten Smartphones. Von diesem Defekt habe ich ebenfalls zwei Bilder der Anlage hinzugefügt.
Damit weicht der tatsächliche Zustand der Sache von der in der Artikelbeschreibung angegebenen Beschreibung ab und ist somit nicht "absolut wie neu".

Ich habe unmittelbar danach den Verkäufer angeschrieben und ihm vorgeschlagen, einvernehmlich vom Vertrag zurückzutreten. Dieser antwortet jedoch nicht auf meine Mails, worauf ich ihm ein rechtliches Vorgehen gegen ihn angedroht habe, sollte er nicht mit mir kooperieren.

Nach §433 BGB hat der Verkäufer "dem Käufer die Sache frei von Sach- und Rechtsmängerln zu verschaffen". Sofern die Beschaffenheit nicht vereinbart ist, ist die Sache frei von Sachmängeln (§434 BGB).
In diesem Fall wurde die Beschaffenheit der Sache als "absolut wie neu" deklariert und ich habe ein Handy bekommen, das von der Zustandsbeschreibung abweicht.

Nach §437 hat der Käufer das Recht, beim vorliegen eines Mangels und der entsprechenden Voraussetzungen, entweder eine Nacherfüllung zu verlangen (§439 BGB Abs. 1), vom Vertrag zurücktreten, den Kaufpreis zu mindern (§439 BGB Abs. 2), oder Schadensersatz zu verlangen (§439 BGB Abs. 3).


Wie sieht das ganze strafrechtlich aus? Der Sachmangel ist nicht von der Hand zu weisen. Man könnte dem Verkäufer auch einen Betrug (Unterdrückung wahrer Tatsachen) unterstellen.
Ich würde euch bitten, mir aufzuzeigen, mit welchen Folgen der Käufer zu rechnen hat, sollte ich dies bei der Polizei anzeigen.

Da der Verkäufer weiterhin auf Ebay-Kleinanzeigen aktiv ist, bei anderen Nutzern fleißig Anfragen beantwortet und mich dennoch ignoriert, möchte ich ihm die Konsequenzen mitteilen, mit denen er rechnen kann. Vielleicht lässt sich der Verkäufer so umstimmen, bevor das ganze zur Polizei geht. Das wäre sicherlich die beste Lösung.
Über weitere Tipps zu meinem Vorgehen würde ich mich freuen.

Vielen Dank.

Gruß,
Blackberry

PS: Die Bilder könnt ihr euch hier ansehen:

https://drive.google.com/drive/folders/1S_slrKdU82einVuFXUgvWUbs61xeXEbi?usp=sharing

-- Editiert von Blackberry_Key2 am 11.09.2020 12:15

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Verkäufer Handy BGB


13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
charlyt4
Status:
Student
(2834 Beiträge, 689x hilfreich)

Zitat (von Blackberry_Key2):
Ich würde euch bitten, mir aufzuzeigen, mit welchen Folgen der Käufer zu rechnen hat, sollte ich dies bei der Polizei anzeigen.


Voraussichtlich mit keinen.


Zitat (von Blackberry_Key2):
Vielleicht lässt sich der Verkäufer so umstimmen, bevor das ganze zur Polizei geht.


;)


gruß charly

Signatur: Gruß Charly
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#2
 Von 
Blackberry_Key2
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Charly,

deine Aussage bezieht sich auf die strafrechtliche Sicht?

Und wie kann ich eine Nachbesserung / einen Rücktritt oder einen Schadensersatz bewirken wenn der Verkäufer mich ignoriert?

Gruß,
Blackberry

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#3
 Von 
charlyt4
Status:
Student
(2834 Beiträge, 689x hilfreich)

Zitat (von Blackberry_Key2):
deine Aussage bezieht sich auf die strafrechtliche Sicht?

Ja.


Zitat (von Blackberry_Key2):
Und wie kann ich eine Nachbesserung / einen Rücktritt oder einen Schadensersatz bewirken wenn der Verkäufer mich ignoriert?



Am besten mit den altbewährten Mitteln wie z.B. einem Einwurfeinschreiben.


gruß charly

Signatur: Gruß Charly
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#4
 Von 
Anami
Status:
Wissender
(14829 Beiträge, 2226x hilfreich)

Zitat (von Blackberry_Key2):
Dieser antwortet jedoch nicht auf meine Mails, worauf ich ihm ein rechtliches Vorgehen gegen ihn angedroht habe, sollte er nicht mit mir kooperieren.
Da würde ich zunächst mal die Zeitschiene betrachten.
So, 6.9. gekauft
Mi, 9.9. Artikel erhalten.
ab 9.9. per Mail den Verkäufer mehrmals kontaktiert.
bis 11.9. 12 Uhr hat der Verkäufer noch nicht reagiert.

Meinst du nicht, dass du dem Verkäufer vor Androhung rechtlicher Schritte und einer Mail-Attacke eine angemessene Frist zur Kooperation setzen solltest? Die etwas länger als 2 Tage sein sollte?

Signatur:auch ich verweise auf § 675 (2) BGB.
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#5
 Von 
Mumpel
Status:
Schüler
(382 Beiträge, 83x hilfreich)

Hi,
also laut DEINEM Posting (Bilder des ANGEBOTES, etc.) kann man die Durchbiegung sehen, UND dann auch noch die Pigmentflecken. Da (Angebotsbilder) bestandteil der Auktion sind, ist doch alles OK.
Denn DU hast also "sehen können", das es einen "Schaden" hat.
Gruss

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#6
 Von 
charlyt4
Status:
Student
(2834 Beiträge, 689x hilfreich)

Zitat (von Mumpel):
Hi,
also laut DEINEM Posting (Bilder des ANGEBOTES, etc.) kann man die Durchbiegung sehen, UND dann auch noch die Pigmentflecken.


Ich gehe mal davon aus, das die ersten drei Bilder vom TE angefertigt wurden und die restlichen von der Anzeige stammen.



gruß charly

Signatur: Gruß Charly
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#7
 Von 
JenAn
Status:
Student
(2513 Beiträge, 2514x hilfreich)

Zitat (von Blackberry_Key2):
Ich würde euch bitten, mir aufzuzeigen, mit welchen Folgen der Käufer zu rechnen hat, sollte ich dies bei der Polizei anzeigen.

Die Polizei interessiert sich nicht für zivilrechtliche Streitigkeiten, ein Betrug wäre wohl auch nur schwer nachzuweisen.

Ich frage mal ketzerisch: Was machst du, wenn der VK behauptet, das Handy sei bei Absenden mangelfrei gewesen und den Knick hättest du gemacht?

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#8
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82226 Beiträge, 34129x hilfreich)

Zitat (von Blackberry_Key2):
Ich würde euch bitten, mir aufzuzeigen, mit welchen Folgen der Käufer zu rechnen hat, sollte ich dies bei der Polizei anzeigen.

Mit vermutlich gar keine.
Falls es einem gelingt eine solche Anzeige zu stellen, solche Anzeigen werden auch gerne abgelehnt mit dem Verweis das das ein zivilrechtliches Problem sei.



Zitat (von Blackberry_Key2):
Über weitere Tipps zu meinem Vorgehen würde ich mich freuen.

Man sollte überlegen, wie man seine Behauptung beweist, wenn der Verkäufer argumentiert bzw. beweist, das er §433 BGB / §434 BGB erfüllt habe und § 437 nicht zum tragen käme.
Denn für die Anwendbarkeit der gesetzlichen Sachmängelhaftung trägt man die volle Beweislast.



Zitat (von Blackberry_Key2):
Und wie kann ich eine Nachbesserung / einen Rücktritt oder einen Schadensersatz bewirken wenn der Verkäufer mich ignoriert?

das übliche: man klagt vor Gericht.
Das kann er zwar auch komplett ignorieren, aber dann hat man wenigstens ein vollstreckbares Urteil ...



Zitat (von Anami):
Meinst du nicht, dass du dem Verkäufer vor Androhung rechtlicher Schritte und einer Mail-Attacke eine angemessene Frist zur Kooperation setzen solltest? Die etwas länger als 2 Tage sein sollte?

Richtig, eine angemessene Frist ist in der Regel 14 Tage. Hier gibt es keine Anhaltspunkte, das diese kürzer sein müsste.



Zitat (von Blackberry_Key2):
Dieser antwortet jedoch nicht auf meine Mails,

Dann sollte man davon ausgehen, das diese nicht angekommen sind - und auf eine Kommunikationsform mit Zustellnachweis setzen



Zitat (von charlyt4):
Am besten mit den altbewährten Mitteln wie z.B. einem Einwurfeinschreiben.

Zweifelhaft ob ein Einwurfeinschreiben die Ignoranz beendet.
Verkäufern wird in solchen Fällen ja als erstes geraten "Kommunikation einstellen".
Aber aus taktischen Gründen sollte man etwas gerichtsfestes senden.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#9
 Von 
Droitteur
Status:
Lehrling
(1495 Beiträge, 384x hilfreich)

Nur mal generell, weil es sehr gern beiseite gelassen wird: Zuallererst trägt immer noch der Verkäufer die Beweislast dafür, überhaupt eine vertragsgemäße Sache verschickt zu haben.

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#10
 Von 
Frabato
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 23x hilfreich)

hat mich auch gewundert: man bestellet ein Handy und zahlt, bekommt dann ein Päckchen mit 3 Bananen drin und muss dann beweisen, dass die schon drin waren! (Verkehrte Welt!)

Ich würde mit diesem Problem zu einem Anwalt gehen. Und der wird sagen, wie man vorzugehen hat und was es kostet und wie hoch die Chancen sind. Zumal die Kosten dann wohl der Gegner tragen wird.

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#11
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82226 Beiträge, 34129x hilfreich)

Zitat (von Frabato):
Zumal die Kosten dann wohl der Gegner tragen wird.

Nö, die wird man in dem Fall dann selber tragen.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#12
 Von 
Frabato
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 23x hilfreich)

ok: Sind wahrscheinlich keine 50.-
Wird bei einem 200.- Handy nicht so ins Gewicht fallen ;)

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#13
 Von 
charlyt4
Status:
Student
(2834 Beiträge, 689x hilfreich)

Zitat (von Frabato):
ok: Sind wahrscheinlich keine 50.-


Wie meinen? ;)


gruß charly

Signatur: Gruß Charly
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