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Bildmissbrauch und Keylogger

 Von 
r.gutjahr
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Bildmissbrauch und Keylogger


Hallo zusammen,

leider muss ich mich mit einer äußerst unangenehmen Sache an euch wenden. Folgendes ist geschehen :

Ich / Wir (eine Freundin und ich) hatten einen "Bekannten" in Verdacht im Internet dubiose Dinge zu treiben. Zunächst wollten wir diesbezüglich einfach nur sicher sein, weil wir uns bei Eintreten unserer Befürchtungen mit ihm nicht mehr abgeben wollten. Ich habe daraufhin ein Keylogger Programm an seinem PC installiert, ohne seine Zustimmung / Wissen, ich weiß, grob illegal :( .

Das Programm hat aufgezeichnet und Daten an meine Mail geschickt und ja, es war wie angenommen, eigentlich sogar viel schlimmer. Der bewusste "Bekannte" hatte sich auf div. Sexseiten im Internet angemeldet, mit falschen Identitäten, z.T. auch als Frau. Soweit so gut, wäre jetzt noch nicht sooo schlimm gewesen, aber ich habe dann über diese Profile auf den Seiten die Mailadressen herausgefunden mit denen er sich dort registriert hat. Diese waren offensichtlich mit der Identität einer gemeinsamen Freundin erstellt worden. Die Passworte von den Sexseiten passten ebenfalls für die Mail Adresse. In den Adressen waren dann diverse Korrespondenzen mit irgendwelchen Personen und es wurden auch diverse Bilder dort von der gemeinsamen Freundin verschickt und sich als sie ausgegeben. Woher er die Bilder hatte, keine Ahnung, evtl. irgendwo bei Facebook gefunden oder sonst woher (glücklicherweise nur Portraitaufnahmen), dann aber auch Fotos von nackten Frauen, bei denen nur der Körper zu sehen ist damit es so ausschaut es sei es die bewusste Freundin.

Das kann doch nicht erlaubt sein, bzw. legal? kann man ihn verklagen, ich meine so das man auch eine Chance hat? Die Passworte der mail Adressen sind mittlerweile allerdings geändert oder die Accounts gelöscht. Das einzige was wir noch haben ist ein Bildschirmabdruck mit 2 Mail Korrespondenzen und 2 Bildern als "Beweils". Kann man sowas zu einem Anwalt geben? Oder wäre man da selbst blöd schon wegen der illegalen Keyloggerinstallation? Ich möchte schon das er dafür bestraft wird, aber wenn mir dann ein Strick daraus gedreht werden könnte ...

Ist ein E-Mail Provider dazu verpflichtet so ein E-Mail Postfach zu entsperren, bzw. kann das ein Richter gerichtlich anordnen lassen und man dann gelöschte Mail wiederherstellen? Oder meint ihr es wäre besser nichts zu unternehmen und selbst zu hoffen das wegen dem Keylogger nichts kommt?

Viele Grüße und herzlichen Dank,
Reiner

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Daten legal Anwalt Provider


9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12311.06.2012 09:58:36
Status:
Praktikant
(571 Beiträge, 279x hilfreich)

Wenn es ihnen Spass macht, können sie jeden anzeigen. Nur könnte es nach hinten losgehen. Schließlich haben sie gegen das Gesetz verstoßen und sind illegal an die Daten gekommen.

Die von ihnen gespeicherten Daten wären bei Gericht nicht beweiskräftig - da illegal.

Ich finde es sehr bedenklich, dass sie versuchen das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

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#2
 Von 
r.gutjahr
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)


Vielen Dank für Ihre Antwort,

ja, ich weiß von wegen der Illegalität und ich hatte befürchtet das mir die Beweiskraft dadurch verloren geht.

Jetzt mal angenommen ich hätte den Keylogger nie benutzt und würde eine Anzeige stellen nur mit dem Beweis des E-Mail Ausdrucks (wenn ich ihn als Screenshot an seinem PC gemacht hätte) Hätte ich bei dem Sachverhalt dann irgendeine Chance auf Erfolg? Ich meine würde sowas bis vor Gericht gehen, wo evtl. angeordnet werden würde das der Mail Anbieter das Postfach offen legen muss und der Internetprovider angeben muss von welchem Anschluss aus diese Mails verschickt worden sind? Weil wenn nicht, wie könnte ich sowas sonst beweisen? Oder reichen auch schon 2 Zeugenaussagen?

Mir geht es im Prinzip darum ob das Ganze überhaupt Erfolgsaussichten haben könnte oder es schon gar niht erst zur Anklage kommt. Das mit dem Keylogger war natürlich sehr bescheiden ... :(

Danke und mit freundlichen Grüßen

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#3
 Von 
Lenina Huxley
Status:
Praktikant
(969 Beiträge, 425x hilfreich)

quote:
Die von ihnen gespeicherten Daten wären bei Gericht nicht beweiskräftig - da illegal.

Ganz so einfach ist es nicht; Beweisverwertungsverbote sind durchaus kompliziert, die Rechtsprechung des BVerfG dazu ist umfangreich. Es wäre also im Einzelfall zu prüfen.

quote:
Ist ein E-Mail Provider dazu verpflichtet so ein E-Mail Postfach zu entsperren, bzw. kann das ein Richter gerichtlich anordnen lassen und man dann gelöschte Mail wiederherstellen?

Das Wiederherstellen dürfte in der Regel schon faktisch und technisch nicht mehr möglich sein, weil der Provider nach dem Löschen des Accounts kaum noch Kopien der ursprünglichen Mails speichern wird, wenn er vom Datenschutz auch nur annähernd eine Ahnung hat.

quote:
würde eine Anzeige stellen nur mit dem Beweis des E-Mail Ausdrucks (wenn ich ihn als Screenshot an seinem PC gemacht hätte)

Man weiß es nicht. Screenshots kann man auch beliebig selbst per Photoshop erstellen. Man würde schon erklären müssen, wann und wo und wie man den am fremden Rechner gemacht haben will. Da dürfte das ganze dann spätestens zum Eigentor werden.

quote:
Oder reichen auch schon 2 Zeugenaussagen?

Für was denn? Daß sie etwas auf deinem Rechner gesehen haben wollen, von dem du behauptest, daß es auf dem Rechner des Betroffenen stattgefunden habe? Das ist reines Hörensagen. Die Aussage "der Heinz hat mir erzählt, der Bernd hat seine Frau umgebracht" ist auch keine "Zeugenaussage" darüber, ob der Bernd seine Frau umgebracht hat.

quote:
ob das Ganze überhaupt Erfolgsaussichten haben könnte oder es schon gar niht erst zur Anklage kommt

Zur Anklage IMO sowieso nicht, das dürfte, wenn überhaupt, wohl per Strafbefehl abgehandelt werden.



-----------------
"War mein Rat hilfreich? Freue mich immer über Bewertungen mit 3-5 Sternen. :) "

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#4
 Von 
r.gutjahr
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)


Vieln Dank für Ihre umfangreiche Nachricht, das hat mir wirklich weitergeholfen und ist sehr informativ.

Wenn ich das so richtig verstehe, würde aber sogar durchaus die Möglichkeit bestehen, das Beweise, die durch den Keylogger ausgelesen worden konnten, u.u. zugelassen werden, zumindest in Einzelfällen? Allerdings bin ich dann rechtlich ebenfalls in Schwierigkeiten?

Ist es wirklich so, dass E-Mail die beim Provider gelöscht worden sind auch vom Provider selbst nicht mehr wiederhergestellt werden können?

Wenn ich das jetzt richtig sehe, wäre die höchstmöglich zu erwartende Strafe dann wohl sogar noch relativ gering und damit würde sich kein Staatsanwalt oder Gericht näher befassen?

Vielen Dank !

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#5
 Von 
Lenina Huxley
Status:
Praktikant
(969 Beiträge, 425x hilfreich)

quote:
würde aber sogar durchaus die Möglichkeit bestehen, das Beweise, die durch den Keylogger ausgelesen worden konnten, u.u. zugelassen werden, zumindest in Einzelfällen?

Klar gibt es die Möglichkeit. Im Zweifel geht es dann bis vor das BVerfG, ob die Beweismittel verwertbar sind oder nicht.
Als Anhaltspunkt, heimlich mitgehörte Telefonate sind fast immer nicht verwertbar. Man weiß also nicht, wie streng das BVerfG das hier sehen würde (in der Praxis genügt evtl. schon, daß der StA das für zweifelhaft hält und auf diesen Beweisen gar nicht erst eine Anklage aufbaut).

quote:
Allerdings bin ich dann rechtlich ebenfalls in Schwierigkeiten?

Selbst wenn die Beweise gerichtsverwertbar sind, hat das keinen Einfluß auf die Strafbarkeit der Beweismittelverschaffung. Es gibt kein "verwertbar = Beschaffung nicht strafbar".

quote:
Ist es wirklich so, dass E-Mail die beim Provider gelöscht worden sind auch vom Provider selbst nicht mehr wiederhergestellt werden können?

Der Provider wird den Teufel tun und Daten wiederherstellbar aufheben, die er nach allen Datenschutzerwägungen besser löschen sollte.
Im übrigen hat er auch keinerlei Vorteil von einer Aufbewahrung solcher Daten, aber nur Nachteile (Speicherplatzkosten, Behandlung von Staatsanwalts-Anfragen für Sachen von vor 3 Jahren etc.).

quote:
wäre die höchstmöglich zu erwartende Strafe dann wohl sogar noch relativ gering

Strafrechtlich ist aus so einem "Identitätsdiebstahl", der für keine weitergehenden Straftaten (Betrug etc.) genutzt wurde, wenig zu ziehen. Ins Gefängnis geht dafür jedenfalls niemand.

quote:
damit würde sich kein Staatsanwalt oder Gericht näher befassen

Naja, vielleicht hält der StA die Sache für so gravierend, daß er einen Strafbefehl (Geldstrafe) erläßt. Vielleicht überläßt er aber mangels öffentlichen Interesses das auch der Entscheidung des Geschädigten, den Privatklageweg zu beschreiten.

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#6
 Von 
Gerd aus Berlin
Status:
Lehrling
(1476 Beiträge, 786x hilfreich)

Nach 200 Zeilen ist endlich mal eine Straftat angedeutet (außer dem Keyloggen): Identitätsdiebstahl!

Wo steht das im Strafgesetzbuch? Ist das ein Offizialdelikt? Oder könnte nur die Geschädigte, also die beklaute Freundin, Strafantrag stellen?

Und was könnten hier zivilrechtliche Mittel sein? Klage auf Unterlassung und Schadensersatz? Wäre das nicht naheliegender?

Gruß aus Berlin, Gerd

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"I shot the sheriff,
but I did not shoot the deputy."

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#7
 Von 
Lenina Huxley
Status:
Praktikant
(969 Beiträge, 425x hilfreich)

quote:
Wo steht das im Strafgesetzbuch? Ist das ein Offizialdelikt? Oder könnte nur die Geschädigte, also die beklaute Freundin, Strafantrag stellen?


Nein, per se ist das keine Straftat. Im Einzelfall kann es eine darstellen (ich denke da an mittelbare Falschbeurkundung), aber nicht schon dann, wenn man in einem sozialen Netzwerk als eine andere (existierende) Person auftritt.

quote:
Klage auf Unterlassung und Schadensersatz? Wäre das nicht naheliegender?


Logo. §12 BGB , wenn alles andere nicht zutrifft.

Übrigens, auch dein Spezialgebiet ist hier ggfs. tangiert, Gerd. ;)

quote:
es wurden auch diverse Bilder dort von der gemeinsamen Freundin verschickt und sich als sie ausgegeben


Ggfs. also Urheberrechtsverletzung (wenn der Betreffende nicht selbst der Fotograf war) sowie §22 KunstUrhG .



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#8
 Von 
r.gutjahr
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)


Danke sehr für eure zahlreichen, informativen Antworten. Nochmal kurz zur Info, das Problem ist nicht das sich der Täter auf sozialen Netzwerken, also öffentlich mit den Bildern und Profil dargestellt hat, sondern heimlich still und leise mit einer gefakten E-Mail Adresse und über diese Adresse hat er dann die Bilder an andere mit sexuellen Neigungen verschickt, nochmal, es waren Portraitfotos, keine Nacktbilder, aber eben der Text dann in den Mails war entsprechend sexuellen Hintergrunds. Problem ist eben auch, das die Passworte der E-Mail Adressen mittlerweile nicht mehr funktionieren (hat er wohl geändert) und ggf. auch die beweisfähigen E-Mails.
Deshalb war eben meine Frage ob man den Mail Anbieter dazu verpflichten könnte das E-Mail Postfach preiszugeben und gelöschte Mails wieder herzustellen zur Beweissicherung. WIe verhält sich das eigentlich derzeit mit der Vorratsdatenspeicherung? Ich hab gelesen das es das gar nicht mehr gibt? Das würde ja bedeuten man kann überhaupt nicht nachvollziehen wer sich an dem Mail Account irgendwann mal eingeloggt hat, oder zumindest von welcher IP Adresse aus?

Eine Frage brennt mir noch unter den Nägeln. Wenn sich nun die Freundin dazu entscheidet Anzeige zu erstatten, mit im Prinzip nur 2 Screenshots von Mails als Beweis und der Täter darauf plediert nichts von all dem zu wissen und daraufhinweist das die Beweise und Daten durch das illegale Keloggen hervorkamen, besteht da für uns eine berechtigte Hoffnung das das Gericht den Beweis trotzdem zulässt? (Mal unabhängig davon das er Gegenklage gegen den Keylogger stellen kann)

Und Mail Wiederherstellung und IP Rückverfolgung sieht wohl niemand eine Chance, oder?

Vieln Dank für eure Geduld,
Grüße Reiner

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#9
 Von 
Lenina Huxley
Status:
Praktikant
(969 Beiträge, 425x hilfreich)

quote:
ob man den Mail Anbieter dazu verpflichten könnte das E-Mail Postfach preiszugeben und gelöschte Mails wieder herzustellen zur Beweissicherung

Wenn er die noch hat, sicherlich, dann wäre das möglich. Nur wird er die nicht mehr haben, d.h. nicht wiederherstellbar löschen, s.o.

quote:
WIe verhält sich das eigentlich derzeit mit der Vorratsdatenspeicherung? Ich hab gelesen das es das gar nicht mehr gibt?

So im groben stimmt das, ja.

quote:
Das würde ja bedeuten man kann überhaupt nicht nachvollziehen wer sich an dem Mail Account irgendwann mal eingeloggt hat, oder zumindest von welcher IP Adresse aus?

Richtig. Und wie du schon selbst im letzten Halbsatz sagst, auch das würde nur beweisen, von welchem Anschluß aus jemand die Taten begangen hat, aber nicht, wer vor dem Rechner saß.

quote:
besteht da für uns eine berechtigte Hoffnung das das Gericht den Beweis trotzdem zulässt?

IMO eher nicht. Wenn das Gericht schon Zeugenaussagen, die auf dem heimlichen Mithören von Telefonaten basieren, nicht zulassen darf (so das BVerfG), dann dürften Daten, die im Wege eines derart gezielten "Ausspionierens" erlangt wurden, ebenfalls unzulässig sein.
Man könnte an Stelle der Gegenseite auch argumentieren, wer bereits so eine kriminelle Energie bei der Beschaffung angeblicher Beweismittel an den Tag legt, dem müsse man auch unterstellen dürfen, die so erlangten Daten dann noch verfälscht zu haben, um die Gegenseite fälschlich zu belasten.

quote:
Und Mail Wiederherstellung und IP Rückverfolgung sieht wohl niemand eine Chance, oder?

Nicht, wenn die Mails wirklich gelöscht sind und die Sache mehr als 7 Tage her ist; länger speichert wohl kein Provider IP-Adressen. (Weswegen Abmahner bei Verbreitung von Werken in Tauschbörsen auch immer innert 7 Tagen nach Entdeckung die entsprechenden Daten per Gerichtsbeschluß vom Provider einfordern.)

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