Ausnutzen eines Fehlers im Shopsystem

9. Mai 2011 Thema abonnieren
 Von 
PatWallaby
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Ausnutzen eines Fehlers im Shopsystem

In einem anderen Forum wird gerade eine hitzige Debatte darüber geführt, ob man sich strafbar macht, wenn man einen Gutschein mit einem Mindestbestellwert durch die Ausnutzung eines Fehlers im Shopsystem bewusst auf einen Warenkorb mit geringerem Wert anwendet.
Da ich keine Forenregeln gefunden habe weiß ich nicht, ob es erlaubt ist, einen link zu setzen.

Edit: Da laut Nutzungsbedingungen externe Links nicht untersagt sind, folgt hier der Link http://hukd.mydealz.de/deals/zavvi-auf-alle-preise-4-pfund-rabatt/23530.

-- Editiert am 09.05.2011 19:12

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10 Antworten
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#1
 Von 
Snoop Pooper Scoop
Status:
Student
(2858 Beiträge, 1123x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>ob man sich strafbar macht, wenn man einen Gutschein mit einem Mindestbestellwert durch die Ausnutzung eines Fehlers im Shopsystem bewusst auf einen Warenkorb mit geringerem Wert anwendet <hr size=1 noshade>


Zunächst mal ist davon auszugehen, daß der Betreiber von diesem Fehler nichts weiß, sonst hätte er ihn ja behoben.

Folglich ist in der Ausnutzung eine Täuschung im Rechtsverkehr zu sehen. Rechtswidrigen Vermögensvorteil hätten wir auch (es wird durch die Täuschung ein Rabatt erzielt, der nach klarer Willensbekundung des VK nicht gewährt werden sollte).

Grundsätzlich haben wir also alle Voraussetzungen für Betrug, §263 StGB .

Jetzt ist allenfalls noch fraglich, ob der Betrugsversuch nicht völlig untauglich ist, weil der VK dies bei Bearbeitung der Bestellung zweifelsfrei hätte merken müssen. Das würde ich persönlich aber nicht so sehen. Solche Prozesse sind hinreichend automatisiert, daß nicht jeder Schritt später noch einmal überprüft wird, ob auch alles zu 100% stimmt.
Und betrügen kann man nun mal auch ein schlampiges System, da gibt es keine "Ausstiegsklausel" nach dem Motto "der Betrug hätte ja nie geklappt, wenn die besser aufgepaßt hätten".

Ergo IMO ganz eindeutig.

(Anders sähe es nur aus, wenn jemand einfach so einer Anleitung wie im Link folgt in der Annahme, es habe alles so seine Richtigkeit. Dann fehlt offenkundig der Vorsatz.)

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#2
 Von 
Igoku
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Zunächst mal ist davon auszugehen, daß der Betreiber von diesem Fehler nichts weiß, sonst hätte er ihn ja behoben. <hr size=1 noshade>

nach spätestens 2-3 Stunden wird er auf den Fehler aufmerksam, da die Bestellraten in die Höhe gehen

die Statusänderung bzw. die ersten Versandmitteilungen erfolgten aber mit mindestens 16h Abstand (inkl. kompletten Arbeitstag) -> genug Zeit, um ein Storno herbeizuführen

quote:<hr size=1 noshade>Folglich ist in der Ausnutzung eine Täuschung im Rechtsverkehr zu sehen. Rechtswidrigen Vermögensvorteil hätten wir auch (es wird durch die Täuschung ein Rabatt erzielt, der nach klarer Willensbekundung des VK nicht gewährt werden sollte).

Grundsätzlich haben wir also alle Voraussetzungen für Betrug, §263 StGB . <hr size=1 noshade>
-> immer noch der Meinung?

bleibt
quote:<hr size=1 noshade>Jetzt ist allenfalls noch fraglich, ob der Betrugsversuch nicht völlig untauglich ist, weil der VK dies bei Bearbeitung der Bestellung zweifelsfrei hätte merken müssen. Das würde ich persönlich aber nicht so sehen. Solche Prozesse sind hinreichend automatisiert, daß nicht jeder Schritt später noch einmal überprüft wird, ob auch alles zu 100% stimmt. <hr size=1 noshade>
-> wenn es vollautomatisiert ist, dann gilt die Aussage von oben (durch die erhöhten VK-Zahlen muss das System Alarm schlagen) wenn nicht, muss es der Mitarbeiter bemerken

quote:<hr size=1 noshade>Und betrügen kann man nun mal auch ein schlampiges System, da gibt es keine "Ausstiegsklausel" nach dem Motto "der Betrug hätte ja nie geklappt, wenn die besser aufgepaßt hätten". <hr size=1 noshade>
-> auch wenn das System schlampig ist, ist auf der Rechnung explizit vermerkt, dass der Gutschein ab 40 Pfund gilt, so dass ein vollautomatisiertes System ein weiteres Mal Alarm schlagen müsste
wenn es nicht vollautomatisiert ist, dann sollte es zumindest die menschliche Kontrollinstanz bei dieser Menge an Bestellungen bemerken

Fazit: du drehst dich im Kreis mit deiner Argumentation

bitte komplett von oben abgrenzen (es interessiert mich nur) und nicht in eine eventuell Bewertung einbringen
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kleine Zwischenfrage: selbst Anwalt? (1) Jura-Student? (2) lässt sich hier irgendwie ein Profil einsehen?
wenn (1) - Anwälte haben die Angewohnheit Ansatzpunkte zu liefern, um einen Prozess zu führen, bei dem aber nie klar ist, ob auch gewonnen wird (damit wird schließlich der Lebensunterhalt bestritten)
wenn (2) - Studenten haben die Angewohnheit Theorie mit Praxis zu vermischen - die entscheidende Instanz wird immer der Richter sein

ist die "du"-Form hier überhaupt erwünscht? - wenn nicht, bitte ich um Entschuldigung


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-- Editiert am 09.05.2011 21:37

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#3
 Von 
guest-12322.08.2012 17:44:40
Status:
Senior-Partner
(6927 Beiträge, 2506x hilfreich)



Betrug i.S. § 263 StGB ist das wohl nicht. Das Ausnutzen eines bereits bestehenden Irrtums ist kein Betrug, es gibt keine Täuschungshandlung.

In Betracht kommt § 263a StGB .

Ein "passendes" Urteil kenne ich nicht.

Wenn man dem OLG Braunschweig folgt, wäre es Computerbetrug, ich glaaube aber, daß der Autor dieser Urteilsbesprechung richtig liegt, 263a ist nicht erfüllt:

http://www.kanzlei-hoenig.info/das-geht-doch-nicht

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#5
 Von 
guest-12322.08.2012 17:44:40
Status:
Senior-Partner
(6927 Beiträge, 2506x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Meines Erachtens ist das ebensowenig zu beanstanden ( und strafbar ) wie in dem Fall, einem Verkäufer ... <hr size=1 noshade>



Sicher, wenn man aber einen Verkäufer = Menschen austrickst, kommt 263 schon grundsätzlich in Betracht. Der erfordert die Täuschung eine Menschen. Die "Täuschung" einer Maschine erfasst 263 nicht.

Genau diese Lücke soll § 263a StGB schliessen.

@Pat

Wieso hast du das verlinkt? Hatte ich übersehen, zur Beantwortung deiner Frage ist das völlig unnötig.

Da könnte man auf die Idee kommen, dich aus § 826 BGB in Anspruch zu nehmen. Bloß meine Meinung.

Versetz dich mal in die Lage des Betreibers.

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#6
 Von 
Rach78
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich seh ehrlich gesagt nicht wo §263a genau zutreffen soll in dem hier vorliegenden Beispiel:

"(1).. das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorgangs durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflußt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

unrichtige Gestaltung des Programms trifft nicht zu, da der Besteller keinerlei Einfluss auf das Programm selbst hat außer er hackt den Server und schleicht sich unautorisierten Zugriff.

durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflußt. Trifft doch auch nicht zu. Man tut bei dem "Trick" ja nichts was nicht vorgesehen ist. Es könnte ebenso jemand rein zufällig diesen Trick angewandt haben.
Bei dem oben vorliegenden Fall ist es soweit ich gesehen hab, wenn man die Währung umstellt und wieder zurück, dass der Preis nicht mehr stimmt. Das stellt aber keine falsche Benutzung des Programms da wie ich das sehe.

Einzig und allein wo man ansetzen könnte, dass der Kunde wo geklickt hat rein mit der Absicht einen wissenden Fehler auszunutzen.

Nur wenn ich im Programm wo hinklicke und mir sagen wir 10euro abgezogen werden, sehe ich keinen Punkt in welchem da §263a zutreffen sollte

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#7
 Von 
guest-12322.08.2012 17:44:40
Status:
Senior-Partner
(6927 Beiträge, 2506x hilfreich)

quote:
Bei dem oben vorliegenden Fall ist es soweit ich gesehen hab, wenn man die Währung umstellt und wieder zurück, dass der Preis nicht mehr stimmt. Das stellt aber keine falsche Benutzung des Programms da wie ich das sehe.



In Betracht kommt schon die 4. Variante des 263a:

"Beeinflussung durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf eines Datenverarbeitungsvorgangs."

Der Shop-Betreiber würde das sicher unterschreiben.

Das OLG (s.o.) hat dafür ausreichend angesehen, daß "... die Angekl. ihr besonderes Wissen eingesetzt und einen Defekt des Tankautomaten ausgenutzt hat".

Wenn man das auf "unseren" Fall überträgt, könnte man durchaus zur Strafbarkeit kommen.

Aber der BGH fordert i.d.F. "... daß jemand mit rechtswidrig erlangtem Wissen den Programmablauf zu Lasten des Automatenbetreibers (Rechtsinhabers), dessen Willen eine maßgebliche Bedeutung zukommt, beeinflusst".

Daran fehlt es wohl. Falls dir das nicht klar ist: Es ist oft so, daß verschiedene Gerichte z.T. die gegenteilige Ansicht vertreten, für Juristen gar kein Problem. vor Strafe schützt das nicht.

Bloß der BGH, der hat (fast) immer recht.

Die zivilrechtliche Problematik folgt anderen Spielregeln, ich würde deshalb solche Fehler von Shopbetreibern nicht verlinken, s.o.

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#8
 Von 
Rach78
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

quote:
"Beeinflussung durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf eines Datenverarbeitungsvorgangs."


Wenn man aber diesen Satz mal hernimmt verstehe ich es nicht. "Unbefugte Einwirkung"

Was ist damit gemeint? In meinen Augen ist das eher hacken.

Wenn ich mir nen Artikel 3mal in den Warenkorb lege der wird aber nur einmal berechnet habe ich nicht unbefugt auf das System eingewirkt, sondern ich darf mir den Artikel ja durchaus mehrmals in den Warenkorb legen und mache dadurch nichts strafbares. Ebenso kann ich die Währung ja umstellen wie ich möchte und zurück, auch das ist ja so vorgesehen sonst würde man die Funktion ja als ganzes sperren, wenn die Software da nun aus dem Takt kommt kann ich ja da nichts für. Interesant wird es doch erst dann wenn ich das ganze mit Absicht mache um weniger zu bezahlen. Aber müsste man mir dann nicht nachweisen dass ich es eben mit der Absicht den Fehler auszunutzen getan habe? Es kann doch auch sein dass ich zufällig mal hier mal da geklickt habe und von dem falschen Preis gar nichts bemerkt habe und gar nichts böses wollte.
Das müsste mir doch erst einmal nachgewiesen werden oder sehe ich das falsch?



Ich bin kein Jurist, vielleicht seh ich es deswegen anders.



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#9
 Von 
guest-12322.08.2012 17:44:40
Status:
Senior-Partner
(6927 Beiträge, 2506x hilfreich)

quote:
Es kann doch auch sein dass ich zufällig mal hier mal da geklickt habe und von dem falschen Preis gar nichts bemerkt habe und gar nichts böses wollte.
Das müsste mir doch erst einmal nachgewiesen werden oder sehe ich das falsch?



Kann schon sein, daß du andere zum Computerbetrug angestiftet hast, hast du aber mit dem thread selbst nachgewiesen. Ausdruck genügt.

Und: Die, die du angestiftet hast können sich schlecht auf "Zufall", "wollte nur spielen" etc. berufen.


quote:
Was ist damit gemeint? In meinen Augen ist das eher hacken.


Nein, s.o. das BGH-Zitat. Dabei soll es maßgeblich auf den Willen des Betreibers ankommen. Dass der das nicht so doll findet ist wohl offensichtlich.

"Unbefugte Einwirkung" ist demnach auch das Ausnutzen einer erkannten, den Betreiberinteressen widersprechenden Fehlfunktion, soweit das wie oben gesagt rechtswidrig ist. Daran fehlt es wohl.

Zu verstehen gibt es da nichts. Auch völlig unverständliche Urteile sind bindend. Der Tenor "Der Angeklagte wird verurteilt zu ..." ist nie missverständlich.

"Auch Osterhasen sind Weihnachtsmänner im Sinne dieses Gesetzes", für Juristen alles kein Problem. Das könnte man endlos fortsetzen.


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