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Händler verweigert Widerruf nach 1h Ausprobieren

 Von 
tomarse
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Händler verweigert Widerruf nach 1h Ausprobieren

Hallo zusammen,

ich habe kürzlich ein Stand Up Paddle Board plus Paddel online erworben. Nach Erhalt habe ich es ausprobiert (ca 1h im Wasser gewesen) und bin leider aus mehreren Gründen zu dem Schluss gekommen, dass ich es zurückschicken will. Es handelt sich um einen Betrag von etwa EUR 800,--.

Daher habe ich drei Tage nach Erhalt den Widerruf per Widerrufformular via eMail an den Händler erklärt, und ihn auch ehrlicherweise darüber informiert, dass das Board schon einmal im Wasser war. Der Händler meint nun, dass er das Board nicht zurücknimmt, da es schon benutzt ist und er es nicht mehr als neu verkaufen kann. Das ist der jetzige Stand. Ich habe noch nicht geantwortet, da ich mich erst informieren wollte.

Ist das Verhalten des Händlers rechtens? Meinem Verständnis nach müsste er die Artikel zurücknehmen, da ich es nur auf Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise geprüft habe, gemäß: "Sie müssen für einen etwaigen Wertverlust der Waren nur aufkommen, wenn dieser Wertverlust auf einen zur Prüfung der Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise der Waren nicht notwendigen Umgang mit ihnen zurückzuführen ist."

Und wie sieht es mit dem Wertverlust der Ware aus? Der Händler könnte wohl argumentieren, wenn ich das Board im Ladengeschäft gekauft hätte, hätte ich es auch nicht 1h im Wasser ausprobieren können. Aber kann er dadurch den Widerruf komplett verweigern, oder kann er nur Ersatz für eine Wertminderung verlangen? Das wäre für mich - in einem gewissen Rahmen - nachvollziehbar und in Ordnung. Und wenn ja, nach welchem Ermessen kann er diese Wertminderung ansetzen? Denn wenn er mir beispielsweise EUR 400,-- Wertminderung berechnet für 1x ausprobieren bei EUR 800,-- Neuwert, bin ich damit natürlich auch nicht einverstanden. Natürlich kann man, wenn man mit der Lupe sucht, Gebrauchsspuren vom Ausprobieren finden, aber im Prinzip ist es neuwertig.

Danke für Eure Hilfe!

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Händler Widerruf rechtens Ersatz


7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(11113 Beiträge, 4848x hilfreich)

Zitat (von tomarse):
Ist das Verhalten des Händlers rechtens?
Nein. Er gibt, in deinem Fall, ein Widerrufsrecht welches der Händler nicht verweigern darf.

Zitat (von tomarse):
da ich es nur auf Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise geprüft habe,
Das sehe ich anders. Du hast das Gerät in einer Weise benutzt, wie es in einem Ladengschäft nicht möglich gewesen wäre. Das geht also deutlich über eine normale Prüfung hinaus. Du hast dich somit, wenn du diesbezüglich belehrt wurdest, Wertersatzpflichtig gemacht.

Zitat (von tomarse):
Aber kann er dadurch den Widerruf komplett verweigern
Nein.

Zitat (von tomarse):
oder kann er nur Ersatz für eine Wertminderung verlangen?
Ja

Zitat (von tomarse):
Natürlich kann man, wenn man mit der Lupe sucht, Gebrauchsspuren vom Ausprobieren finden,
Gegenfrage: Was wärst du denn bereit für solch ein gebrauchtes Board zu bezahlen? Ich persönlich wäre z.B. nicht bereit mehr als ca. 60% des Neupreises zu zahlen. Meine persönliche Einschätzung wäre daher also 40% Wertersatz. Das ist aber nur meine persönliche Meinung und nicht relevant.

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#2
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Bachelor
(3459 Beiträge, 1386x hilfreich)

Zitat (von tomarse):
und ihn auch ehrlicherweise darüber informiert, dass das Board schon einmal im Wasser war

Ist das denn zu sehen? Ich frage mich gerade, was für eine "Abnutzung" denn dadurch entstanden sein soll. Denn "über die im Laden übliche Prüfung hinaus" ist keine Floskel ohne Sachbezug. Sondern es geht darum, ob ein Nutzungsvorteil ("die Ware X Tage nutzen können") abzuziehen ist und ob evtl. Abnutzung ("man sieht, daß es schon mal benutzt wurde") zu ersetzen ist oder nicht.

Wenn man aber keine Abnutzung erkennen kann und auch aus fachlicher Sicht die Ware nicht dadurch verschlechtert ist, daß sie "schon einmal im Wasser war" (ich gehe davon aus, sowas passiert auch beim Hersteller im Rahmen der Qualitätskontrolle schon), dann ist der Abzug halt Null.
Es gibt hier keine pauschale Wertminderung im Sinne von "weil ich weiß, daß es schon mal so und so genutzt wurde", sind generell 30% abzuziehen.

-- Editiert von BigiBigiBigi am 11.07.2019 10:16

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#3
 Von 
tomarse
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Zitat (von tomarse):
Ist das Verhalten des Händlers rechtens?
Nein. Er gibt, in deinem Fall, ein Widerrufsrecht welches der Händler nicht verweigern darf.

Zitat (von tomarse):
da ich es nur auf Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise geprüft habe,
Das sehe ich anders. Du hast das Gerät in einer Weise benutzt, wie es in einem Ladengschäft nicht möglich gewesen wäre. Das geht also deutlich über eine normale Prüfung hinaus. Du hast dich somit, wenn du diesbezüglich belehrt wurdest, Wertersatzpflichtig gemacht.

Zitat (von tomarse):
Aber kann er dadurch den Widerruf komplett verweigern
Nein.

Zitat (von tomarse):
oder kann er nur Ersatz für eine Wertminderung verlangen?
Ja

Zitat (von tomarse):
Natürlich kann man, wenn man mit der Lupe sucht, Gebrauchsspuren vom Ausprobieren finden,
Gegenfrage: Was wärst du denn bereit für solch ein gebrauchtes Board zu bezahlen? Ich persönlich wäre z.B. nicht bereit mehr als ca. 60% des Neupreises zu zahlen. Meine persönliche Einschätzung wäre daher also 40% Wertersatz. Das ist aber nur meine persönliche Meinung und nicht relevant.

Für ein einmal benutztes Board würde ich sicherlich mehr als 60% des Neuwerts bezahlen. Am Board selbst gibt es absolut keine Benutzungsspuren, an der Finne auf der Unterseite (die auswechselbar ist und ca 20 Euro kostet) kann man minimalste (!) Gebrauchsspuren erkennen.
Ich denke aber, es ist müßig, darüber zu diskutieren, wieviel Wertersatz ich zu leisten habe, das sieht wohl jeder anders.

Mir ging's eigentlich eher darum, den Händler in diese Richtung anzustoßen, dass wir uns auf diesem Wege einigen.

Danke für die Infos!

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#4
 Von 
tomarse
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von BigiBigiBigi):
Zitat (von tomarse):
und ihn auch ehrlicherweise darüber informiert, dass das Board schon einmal im Wasser war

Ist das denn zu sehen? Ich frage mich gerade, was für eine "Abnutzung" denn dadurch entstanden sein soll. Denn "über die im Laden übliche Prüfung hinaus" ist keine Floskel ohne Sachbezug. Sondern es geht darum, ob ein Nutzungsvorteil ("die Ware X Tage nutzen können") abzuziehen ist und ob evtl. Abnutzung ("man sieht, daß es schon mal benutzt wurde") zu ersetzen ist oder nicht.

Wenn man aber keine Abnutzung erkennen kann und auch aus fachlicher Sicht die Ware nicht dadurch verschlechtert ist, daß sie "schon einmal im Wasser war" (ich gehe davon aus, sowas passiert auch beim Hersteller im Rahmen der Qualitätskontrolle schon), dann ist der Abzug halt Null.
Es gibt hier keine pauschale Wertminderung im Sinne von "weil ich weiß, daß es schon mal so und so genutzt wurde", sind generell 30% abzuziehen.

-- Editiert von BigiBigiBigi am 11.07.2019 10:16

Danke für deine Antwort!

Am Board selbst sieht man meiner Meinung nach absolut keine Gebrauchsspuren. An der Finne, die an der Unterseite des Boards ist, sieht man minimale Gebrauchsspuren. Die Finne ist aber auswechselbar und kostet EUR 20,--.

Ob der Händler das Board formal gesehen nochmal als neues Board verkaufen darf (Amazon macht das doch mit Rückläuferartikel auch...), weiß ich natürlich nicht, aber die Frage ist, ob das Risiko zu meinen Lasten geht. Wie gesagt, Gebrauchsspuren am Board gibt es keine, an der Finne minimal. Am Paddel sind ein paar Gebrauchsspuren und darüber kann man reden, aber die ist ein separater Artikel und nicht der große Brocken von dem Betrag.

Danke für die Informationen!

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#5
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(11113 Beiträge, 4848x hilfreich)

Zitat (von tomarse):
Ob der Händler das Board formal gesehen nochmal als neues Board verkaufen darf (Amazon macht das doch mit Rückläuferartikel auch...), weiß ich natürlich nicht, aber die Frage ist, ob das Risiko zu meinen Lasten geht.
Nein, DIESES Risiko geht nicht zu deinen Lasten. Das hat aber nichts mit der Frage nach Wertersatz, wegen Nutzung die über das hinaus geht was in einem Ladengeschäft üblich wäre, zu tun.

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#6
 Von 
arnonym117
Status:
Praktikant
(680 Beiträge, 198x hilfreich)
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#7
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(11113 Beiträge, 4848x hilfreich)

Es spielt keine Rolle, ob das in EINEM Laden möglich gewesen wäre. Es geht um das was üblich ist. Globetrotter hat diesbezüglich einen extrem guten Verkaufsservice, der nicht branchenüblich ist.

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