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Kunde will den Preis drücken für Gestaltung von Webseite, Webshop und Blog

10.6.2021 Thema abonnieren
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Kunde will den Preis drücken für Gestaltung von Webseite, Webshop und Blog

Liebe Leute, eine Freelancerin hat einem Kunden per Email einen Kostenvoranschlag gemacht, der besagt, dass sie für die Gestaltung seiner Webseite (inklusive Webshop und externen Blog) 40€ die Stunde berechnet und sie hat dem Kunden weiterhin erklärt, dass sie mindestens 40 Stunden, vielleicht aber auch 60 Stunden braucht, wozu der Kunde ja gesagt hat.

Da die Freelancerin und der Kunde schon seit 6 Monaten in einem anderen Bereich (Coaching) zusammengearbeitet haben und da der Kunde immer zuverlässig gezahlt hat, hat die Freelancerin seiner formlosen Zusage per Email vertraut und sie hat deshalb keinen offiziellen Vertrag aufgesetzt, sondern sie hat sich auf seine Zusage per Email verlassen.

Die Freelancerin hat dann in einem Zeitraum von 2 Monaten die Webseite, den Webshop und den Blog für den Kunden erstellt und sie hat parallel auch weiterhin im Coaching Bereich mit dem Kunden zusammengearbeitet.

Wie sich bald gezeigt hat, hatte der Kunde gehofft, dass er das Coaching mit der Gestaltung der Webseite vermischen kann, woraufhin die Freelancerin ihm erklärt hat, dass sie die beiden Bereiche getrennt halten will. Der Kunde hat zwar behauptet, dass er das verstehen würde, aber die Freelancerin musste feststellen, dass der Kunde zunehmend enttäuscht zu sein schien, weil er erkennen musste, dass seine Rechnung nicht aufging (Webseite & Webshop erstellt bekommen und nebenbei Coaching Themen mit einfließen lassen).

Als sich die Arbeit an der Webseite dem Ende näherte, suchte der Kunde zusehends nach Ausreden, um den Prozess hinauszuzögern, weil er offenbar gerne länger mit der Freelancerin zusammengearbeitet hätte. Außerdem hatte die Freelancerin dem Kunden erklärt, dass erst mal eine längere Pause in den Coaching Sitzungen stattfinden muss, weil sie festgestellt hat, dass der Kunde zu abhängig von ihr wurde.

Als die Freelancerin dem Kunden dann die Rechnung für die Gestaltung der Webseite, des Webshops und des Blogs präsentiert hat, hat der Kunde auf einmal behauptet, er wüsste nichts von den ganzen Vereinbarungen, die am Anfang getroffen wurden (40-60 Stunden Arbeitszeit, 40€ die Stunde).

Als die Freelancerin dann noch mal auf die Emails verwies, in denen sie ihre Konditionen erklärt hat, denen er zugestimmt hat, hat er auf stur geschaltet und sich geweigert zu zahlen. Er meinte, die Freelancerin würde viel zu viele Stunden berechnen und es könne nicht sein, dass sie 60 1/2 Stunden gebraucht hat.

Er hatte bereits eine Anzahlung von 500€ geleistet. Jetzt will er von 1920€, die noch offen sind, nur 1000€ bezahlen, wie er gestern über seinen Anwalt verlauten ließ.

Die Freelancerin denkt, sie ist im Recht, weil sie ja von vornherein gesagt hat, dass sie mindestens 40, vielleicht aber auch 60 Stunden braucht.

Kann der Kunde also im Nachhinein sagen, dass 60 Stunden ihm zu viel sind, wenn er am Anfang zugesagt hat?

Über Eure Meinungen zum Thema würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße


-- Editiert von Kleo777 am 10.06.2021 22:35

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14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(89052 Beiträge, 35305x hilfreich)

Zitat (von Kleo777):
Jetzt will er von 1920€, die noch offen sind, nur 1000€ bezahlen, wie er gestern über seinen Anwalt verlauten ließ.

Was genau schreibt denn der Anwalt?



Zitat (von Kleo777):
in denen sie ihre Konditionen erklärt hat, denen er zugestimmt hat,

Auch da müsste man mal den Wortlaut der Kommunikation kennen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Auch da müsste man mal den Wortlaut der Kommunikation kennen.


Der genaue Wortlaut der Emailpassage, die sich auf die Zahlungsoptionen bezieht:

"Was die Zeit betrifft, die ich brauche, um die Website und den online Shop zu erstellen, gehe ich von mindestens 40 Stunden aus. 40 Stunden wären dann 1600€. Es kann aber auch sein, dass ich länger brauche, also dass es vielleicht auch 60 Stunden werden. Ich habe an meiner Website noch viel länger als 60 Stunden gearbeitet, aber das ist natürlich noch mal etwas anderes, weil ich ja auch alle Texte selbst schreiben musste. Die Texte kommen ja jetzt von Dir und ich muss sie dann nur noch einfügen, wenn die Website und der Shop stehen.

Du kannst es Dir ja das Wochenende alles noch mal durch den Kopf gehen lassen und mir dann am Montag Bescheid geben. Und vielleicht kannst Du mir dann auch gleich schon ein paar Links von Webseiten schicken, die Dir vom Aufbau / Optik gut gefallen."

Wir hatten vor dieser Email per Zoom in einem Vorgespräch besprochen, dass ich einen Stundenlohn von 40€ berechne, worauf er sagte, dass er das völlig ok findet. Aber der Stundenpreis geht ja aus diesem Satz indirekt auch noch mal hervor.

SEINE ANTWORT:
"Ich habe mich entschieden, ja ist mein Gedanke.

Also definitiv ja, ich mach gleich das mit dem Creator und sonst sehen wir."


PS: ICH bin natürlich die Freelancerin, von der ich spreche. Ich habe da wohl etwas falsch verstanden. Ich ging davon aus, man solle in diesem Forum immer von einer dritten Person sprechen. Das hatte ich anscheinend falsch in Erinnerung, denn nach dem Post gestern habe ich gesehen, dass hier viele in der Ich-Form sprechen.

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#3
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Was genau schreibt denn der Anwalt?


Auszug aus dem Schreiben seines Anwalts:

Die Rechnung Nr. 2021052802 vom 28.05.2021 wird seitens meiner Mandantschaft sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach bestritten.

Meine Mandantin wird daher auch hinkünftig keine Zahlungen mehr leisten, es ergeht hiermit ausdrücklich der Auftragswiderruf, sohin, dass Ihrerseits keine wie immer gearteten Arbeiten bezüglich Gestaltung der Webseite vorzunehmen sind.
Im übrigen bestreitet meine Mandantin die erbrachten Leistungen, jedenfalls in der von Ihnen verrechneten Höhe.

Ungeachtet dessen und unpräjudiziell für die Sach- und Rechtslage kann sich meine Mandantschaft vorstellen, für den Fall der außergerichtlichen Erledigung den in Rechnung gestellten Gesamtbetrag statt mit € 2.420,00 mit € 1.500,00 brutto/netto zu akzeptieren, worauf bereits € 500,00 als Anzahlung geleistet wurden, sodass noch ein Restbetrag von € 1.000,00 zu bezahlen wäre, den meine Mandantin unpräjudiziell für die Sach- und Rechtslage bezahlen würde, wenn damit die Sache außergerichtlich erledigt ist, Sie sohin meiner Mandantin gegenüber keine wie immer gearteten Ansprüche mehr stellen.

Was ich interessant finde, ist, dass ich ein Schreiben von seinem Anwalt erhalte, bevor ich irgendwelche juristischen Schritte gegen ihn eingeleitet habe. Für mein Verständnis geht es darum den Preis zu drücken.

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#4
 Von 
TidoZett
Status:
Schüler
(461 Beiträge, 81x hilfreich)

Gibt es denn Stundenzettel oder ähnliches, so dass man den Stundenumfang darlegen kann? Oder etwaige Zwischenabnahmen? Ansonsten würde man doch an deren Mitarbeit sehen, dass die Gestaltung der Webseite mit Unterstützung erfolgt ist. Der Rechnung dem Grunde nach zu widersprechen halte ich daher recht schwierig.

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#5
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von TidoZett):
Gibt es denn Stundenzettel oder ähnliches, so dass man den Stundenumfang darlegen kann?


Ich habe ihm eine äußerst umfangreiche Liste zugeschickt, in der ich mir - für meine persönliche Übersicht - an den einzelnen Tagen Notizen gemacht hatte.

Zum Beispiel:

14.04.2021 60 Minuten mails, Urherrecht prüfen, webseite testen ob shop verschoben werden kann, prof Beratung zur Gestaltung (amazing grace und google)
sieben Stunden Logo erstellen, Header neu gestalten

Ich habe ihm von Anfang an erklärt, dass ich den Emailverkehr zwischen uns auch berechne, weil die ganzen Absprachen zwischen uns zum Arbeitsprozess gehören.

Darauf hat er wortwörtlich geantwortet: "natürlich bezahle ich die Zeit"

Ich hätte ihm meine Notizen gar nicht zuschicken müssen, denn ein normaler Kunde würde alleine durch den gesamten gemeinsamen Arbeitsprozess verstehen wie viele Stunden ich im Laufe der 2 Monate damit verbracht habe die Seite und den Shop zu erstellen.

Das Problem ist, dass der Kunde psychische Probleme hat, er ist auch seit Jahren in psychiatrischer Behandlung, bekommt Psychopharmaka und trinkt dazu Alkohol, was natürlich absolut kontraproduktiv ist. Meiner Einschätzung nach hatte er einen psychotischen Schub, als ihm klar wurde, dass unsere Zusammenarbeit sich dem Ende neigt.

Von daher nehme ich sein Verhalten auch nicht persönlich, aber trotzdem will ich natürlich mein Geld haben. Und Geld hat er, aufgrund seiner Familie, mehr als genug. Geld ist nicht das Problem.





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#6
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von TidoZett):
Oder etwaige Zwischenabnahmen


Was meinst Du mit Zwischenabnahmen?

Es gibt, wie gesagt, die Anzahlung von 500€, falls Du das damit meinst.

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#7
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von TidoZett):
Ansonsten würde man doch an deren Mitarbeit sehen, dass die Gestaltung der Webseite mit Unterstützung erfolgt ist.


Wir haben über 400 Emails ausgetauscht in den 2 Monaten!!!

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#8
 Von 
cirius32832
Status:
Bachelor
(3358 Beiträge, 941x hilfreich)

Zitat (von Kleo777):
Darauf hat er wortwörtlich geantwortet: "natürlich bezahle ich die Zeit"


Aber eine Zwischeninfo, bei wie viel Stunden man bereits steht gab es nicht?

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

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#9
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cirius32832):
Aber eine Zwischeninfo, bei wie viel Stunden man bereits steht gab es nicht


Nein, eine solche Zwischeninfo gab es nicht. Stimmt, das hätte durchaus sinnvoll sein können. Ich ging jedoch, bis kurz vor Ende der Zusammenarbeit davon aus, dass er ja selbst merken muss, wie intensiv wir an der Seite arbeiten, zumal er zwischendurch immer wieder um ein paar Tage Pausen gebeten hat, weil er nicht mitkam mir die ganzen Infos, Bilder und was ich alles brauchte, zuzuschicken.

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#10
 Von 
The Mentalist
Status:
Praktikant
(911 Beiträge, 269x hilfreich)

M.E. bist du hier im Recht. Daher das Angebot des Anwalts zurückweisen und auf Zahlung bestehen und ansonsten selbst Anwalt einschalten.

N.B.: 40€ Stundensatz im Webdesign sind ein Witz

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#11
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von The Mentalist):
M.E. bist du hier im Recht. Daher das Angebot des Anwalts zurückweisen und auf Zahlung bestehen und ansonsten selbst Anwalt einschalten.


Sehe ich auch so. Ich habe dem Anwalt heute geschrieben, dass ich auf die Zahlung des vollen Honorars bestehe.

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#12
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von The Mentalist):
40€ Stundensatz im Webdesign sind ein Witz


Ja, ich weiß, aber ich bin keine ausgebildete Webdesignerin.

Ich habe mir das alles selbst beigebracht und da ich in den vergangenen Monaten schon mehrere 1000€ für andere Projekte mit dem betreffenden Kunden verdient habe, hatte ich ihm dieses günstige Angebot gemacht.

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#13
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(89052 Beiträge, 35305x hilfreich)

Zitat (von Kleo777):
aber ich bin keine ausgebildete Webdesignerin.

Irrelevant...



Zitat (von Kleo777):
Ich habe dem Anwalt heute geschrieben, dass ich auf die Zahlung des vollen Honorars bestehe.

Da sehe ich sogar ganz gute Erfolgsaussichten, man hat eine nachweisbare vertraglichen Vereinbarung, 400 E-Mails und ein detailliertes Tätigkeitsprotokoll.

Allerdinge sollte man bei weiterer Weigerung ein Anwalt beauftragen, wegen der Waffengleichheit.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB

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#14
 Von 
Kleo777
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Da sehe ich sogar ganz gute Erfolgsaussichten, man hat eine nachweisbare vertraglichen Vereinbarung, 400 E-Mails und ein detailliertes Tätigkeitsprotokoll.


Danke für Deine Einschätzung. Ich denke auch, dass ich juristisch gesehen im Recht bin und zwischenmenschlich gesehen bin ich so und so im Recht. Aber wie sagte Dürrenmatt so treffend: Die Gerechtigkeit wohnt in einer Etage, zu der die Justiz keinen Zugang hat...*&rpar ;) )

Ich werde Euch berichten was sich ergeben hat. Vielleicht hilft es in Zukunft jemandem, der sich in einer ähnlichen Lage befindet.

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