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Produktbezeichnung "veganer Käse"

14.8.2017 Thema abonnieren
 Von 
Han Solo
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Produktbezeichnung "veganer Käse"

Hallo,

kürzlich wurde ja gegen das Unternehmen Tofutown geklagt, weil ein Produkt unter dem Namen „Veggie Cheese" vertrieben wurde.

Zitat aus Artikel aus den Medien:

Zitat:
Hintergrund ist eine Klage gegen das Unternehmen Tofutown aus Wiesbaum in der Eifel im Auftrag von Wettbewerbern. Tofutown stellt rein pflanzliche (vegane) und vegetarische Produkte her und vertreibt sie unter Namen wie „Veggie-Cheese" oder „Cream".

das Zitat stammt aus folgendem Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/urteil-des-europaeischen-gerichtshofes-veganer-kaese-darf-nicht-kaese-heissen/19934368.html

Zu diesem Sachverhalt hätte ich einige Fragen:

1. Wie kann es sein, dass das Unternehmen Tofutown sein Produkt „Veggie-Cheese" umbenennen muss, während Mitbewerber nach wie vor für vegane Käse Alternativen „Cheese" in der Bezeichnung des Produktes verwenden dürfen?

Beispiel:

Das Unternehmen "Happy Cheeze" vertreibt eine vegane Käse Alternative mit dem Namen „Happy Cheeze". Hier muss allerdings angemerkt werden, das Cheeze mit z geschrieben wird. Ist das z der einzige Grund, warum diese Produkt seinen Namen behalten darf oder läuft „Happy Cheeze" ähnlich wie „Veggie-Cheese" auch Gefahr seinen Namen ändern zu müssen?

2. Könnte Tofutown hergehen und sein Produkt von „Veggie-Cheese" in „Veggie-Cheeze" umbenennen und wäre damit rechtlich wieder auf der sicheren Seite?

3. Angenommen das Unternehmen „Tofutown" vertreibt das Produkt mit dem Namen „Veggie-Cheeze". Weitere Annahme, dies ist rechtlich in Ordnung. Dürfte dann ein anderes Unternehmen den Namen „Vegcheeze", der sich ja nur geringfügig vom Namen „Veggie-Cheeze" unterscheidet verwenden oder wäre das ein rechtlicher Verstoß?





-- Editiert von Moderator am 22.08.2017 15:09

-- Thema wurde verschoben am 22.08.2017 15:09

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29 Antworten
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#1
 Von 
hiphappy
Status:
Bachelor
(3519 Beiträge, 1957x hilfreich)

Zitat (von Han Solo):
1. Wie kann es sein, dass das Unternehmen Tofutown sein Produkt „Veggie-Cheese" umbenennen muss, während Mitbewerber nach wie vor für vegane Käse Alternativen „Cheese" in der Bezeichnung des Produktes verwenden dürfen?

Ganz einfach: die Mitbewerber wurden noch nicht verklagt. Wird aber sicherlich in Kürze folgen.

Zitat (von Han Solo):
2. Könnte Tofutown hergehen und sein Produkt von „Veggie-Cheese" in „Veggie-Cheeze" umbenennen und wäre damit rechtlich wieder auf der sicheren Seite?

Vermutlich wird auch das relativ schnell als irreführend angesehen. Das zeigt dann das nächste Urteil.

Zitat (von Han Solo):
3. Angenommen das Unternehmen „Tofutown" vertreibt das Produkt mit dem Namen „Veggie-Cheeze". Weitere Annahme, dies ist rechtlich in Ordnung. Dürfte dann ein anderes Unternehmen den Namen „Vegcheeze", der sich ja nur geringfügig vom Namen „Veggie-Cheeze" unterscheidet verwenden oder wäre das ein rechtlicher Verstoß?

Auch das klärt dann das Gericht. Ich persönlich würde den Markenschutz von Veggie-Cheeze nicht so hoch ansehen,da es sich nur um 2 beschreibende Begriffe handelt. Aber wenn man Pech hat, sieht das der Richter anders.

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#2
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9629 Beiträge, 7142x hilfreich)

Wenn Cheese für Tofu nicht erlaubt ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Cheeze auch nicht mehr erlaubt ist.
Eine Firma, die Cheese verkauft, sollte also nicht auf Cheeze umstellen.
Und wer Cheeze verkauft, sollte schon mal nach einem neuen Produktnamen Ausschau halten.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62888 Beiträge, 30734x hilfreich)

Zitat (von Han Solo):
1. Wie kann es sein, dass das Unternehmen Tofutown sein Produkt „Veggie-Cheese" umbenennen muss, während Mitbewerber nach wie vor für vegane Käse Alternativen „Cheese" in der Bezeichnung des Produktes verwenden dürfen?

A) Weil sie noch nicht verklagt wurden
B) Weil die anderen die besseren Anwälte hatten



Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#4
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6961 Beiträge, 3039x hilfreich)

Alles nur Lobby-Aktionismus.
Ich warte noch darauf bis die Firma VISS ihre "Scheuermilch" umbenennen muss.

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#5
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1539 Beiträge, 633x hilfreich)

Zitat (von HeHe):
Alles nur Lobby-Aktionismus.
Ich warte noch darauf bis die Firma VISS ihre "Scheuermilch" umbenennen muss.

Da "Scheuermilch" anders als "veganer Käse" nicht über die tatsächliche Beschaffenheit der Ware täuscht, wird das nicht passieren.

"Käse" als Lebensmittel wird aus Milch hergestellt. Das ist die grundlegende Definition, und daß ein Produkt, das nicht aus Milch hergestellt wird, nicht "Käse" heißen darf, finde ich absolut richtig.

Es ist übrigens noch nicht so lange her, daß in Deutschland Empörung herrschte, weil die Hersteller von Tiefkühlpizzas u.ä. für ihre Pizzas statt Käse einen sogenannten "Analog-Käse" verwendeten, der nichts mit dem Milchprodukt "Käse" zu tun hatte, außer leichter Ähnlichkeit im Aussehen und Geschmack.

Damals galt das als Höhepunkt der moralischen Verkommenheit der Lebensmittelbranche. Heute kann man jeden Chemie-Müll teuer als Nahrungsmittel an begeisterte Kunden verkaufen, wenn man nur "vegan" draufschreibt...

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#6
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6961 Beiträge, 3039x hilfreich)

Analog-Käse ist auch nur eine Täuschungsformulierung - die meisten Verbraucher wussten überhaupt nicht, dass das tatsächlich KEIN Käse ist. Wenn man den Verbraucher tatsächlich informieren wollte, wäre eine deutliche Deklaration notwendig und möglich.

Zitat:
Heute kann man jeden Chemie-Müll teuer als Nahrungsmittel an begeisterte Kunden verkaufen, wenn man nur "vegan" draufschreibt...

,..........genau, aber das kennen wir ja schon: Wenn die mit viel Chemie veredelte Grausamkeit als "Tierwohl" und "Freilandhaltung" an den Mann gebracht wird. Das hat eine Lobby, die ist nur mit dem Willen zu schlagen, sich als Verbraucher zu informieren.

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#7
 Von 
asd1971
Status:
Student
(2602 Beiträge, 854x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Zitat (von HeHe):
Alles nur Lobby-Aktionismus.
Ich warte noch darauf bis die Firma VISS ihre "Scheuermilch" umbenennen muss.

Da "Scheuermilch" anders als "veganer Käse" nicht über die tatsächliche Beschaffenheit der Ware täuscht, wird das nicht passieren.

"Käse" als Lebensmittel wird aus Milch hergestellt. Das ist die grundlegende Definition, und daß ein Produkt, das nicht aus Milch hergestellt wird, nicht "Käse" heißen darf, finde ich absolut richtig.

Es ist übrigens noch nicht so lange her, daß in Deutschland Empörung herrschte, weil die Hersteller von Tiefkühlpizzas u.ä. für ihre Pizzas statt Käse einen sogenannten "Analog-Käse" verwendeten, der nichts mit dem Milchprodukt "Käse" zu tun hatte, außer leichter Ähnlichkeit im Aussehen und Geschmack.

Damals galt das als Höhepunkt der moralischen Verkommenheit der Lebensmittelbranche. Heute kann man jeden Chemie-Müll teuer als Nahrungsmittel an begeisterte Kunden verkaufen, wenn man nur "vegan" draufschreibt...

Dafür dann Tiere leiden lassen und für 50 cent/liter Milch kaufen.

Macht es natürlich besser.

Veganer Käse wird pflanzlich hergestellt. Vielleicht vorab informieren, wie die Produkte hergestellt werden, statt Mist zu schreiben.

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn eine Umschreibung genutzt wird, damit Kunden wissen, worum es geht.

Denn der Lobbyismus ist woanders. Bauern und Co. wollen die Namen nicht haben, weil dies eine Konkurrenz für alternative Produkte darstellt.

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#8
 Von 
Tiger123
Status:
Praktikant
(984 Beiträge, 558x hilfreich)

Zitat:
Veganer Käse wird pflanzlich hergestellt. Vielleicht vorab informieren, wie die Produkte hergestellt werden, statt Mist zu schreiben.

Soll man da lachen oder weinen?
"veganer Käse" ist allzu oft nichts anderes als der beliebte "Analog-Käse", nur eben ohne Tierische Zutaten.
Aber dafür voll mit Emulgatoren, Stabilisatoren, künstlichen Aromen und Farbstoffen, und allem was der Chmiebaukasten so hergibt und der Tierfreund braucht um zu glauben dies sei sowas wie Käse.

Natürlich gibt es sicher auch Hersteller darauf verzichten. Aber Vegan bdeutet keineswegs frei von Chemie.

"Veganer Käse" und letztlicher nur ein neuer Name für "Analog-Käse", der jedoch für den unbedarften Konsumenten viel freundlicher Klingt ;)



-- Editiert von Tiger123 am 22.08.2017 12:41

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#9
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9629 Beiträge, 7142x hilfreich)

Zitat:
Analog-Käse ist auch nur eine Täuschungsformulierung

Nö. Denn der Begriff "Analog-Käse" wurde erst durch die Medien nach oben gespült, als der angebliche Skandal aufkam. Auf entsprechenden Produkten stand die Bezeichnung "Analog-Käse" nie drauf.
Mir wäre nicht bekannt, dass jemals "Analog-Käse" (= gepresstes Protein + Pflanzenfett) als echter Käse verkauft wurde. Bei Tiefkühlpizzen, die mit "Analog-Käse" bestreut waren, stand wahrheitsgemäß auch kein Käse auf der Zutatenliste.
In meinem damaligen Stamm-Supermarkt konnte man sogar "Analog-Käse" tütenweise kaufen. Lag im Kühlregal neben dem geraspelten Gouda und hieß "Pizza-Mix", sah aus wie geriebener Käse, wurde aber nicht als Käse bezeichnet - und aus der Deklaration war auch ersichtlich, dass es sich um eine Mischung aus gepresstem Protein, Pflanzenfett und wenig echtem Käse handelt. Man musste die Deklaration halt nur lesen ...

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#10
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6961 Beiträge, 3039x hilfreich)

@drkabo: Ja, ich gebe dir recht: Es nicht einmal kennzeichnungspflichtig.....
Die Deklaration solcher Käseersatzmischungen ist für den Verbraucher einfach nicht als solche zu erkennen! Noch besser!

Zitat:

Soll man da lachen oder weinen?
"veganer Käse" ist allzu oft nichts anderes als der beliebte "Analog-Käse", nur eben ohne Tierische Zutaten.
Aber dafür voll mit Emulgatoren, Stabilisatoren, künstlichen Aromen und Farbstoffen, und allem was der Chmiebaukasten so hergibt und der Tierfreund braucht um zu glauben dies sei sowas wie Käse.

@Tiger123:
Stimmt: Wer mit Hilfe von veganen Fertigprodukten gesünder leben will, hat einen Denkfehler oder eine Leseschwäche.
Wer aus ethischen Gründen auf Tierprodukte verzichtet, der wird nie behaupten, dass er auf Fleisch verzichet, weil es nicht schmeckt, sondert nimmt vllt. bewusst die Alternative.

Die Bezeichnung "Chemiebaukasten" macht keinen Unterschied bei vegan und tierisch, das ist sicher!

-- Editiert von HeHe am 22.08.2017 13:20

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#11
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1539 Beiträge, 633x hilfreich)

Zitat (von HeHe):
Analog-Käse ist auch nur eine Täuschungsformulierung - die meisten Verbraucher wussten überhaupt nicht, dass das tatsächlich KEIN Käse ist. Wenn man den Verbraucher tatsächlich informieren wollte, wäre eine deutliche Deklaration notwendig und möglich.

Uneingeschränkte Zustimmung. Zur Verbraucherinformation gehört aber auch "Deklarationswahrheit". Und Käse wird nun mal aus Milch hergestellt, Wurst aus Fleisch, Schinken aus bestimmten Teilen des Tieres usw. Und daran sollte sich auch die Bezeichnung des Produktes halten müssen.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#12
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1539 Beiträge, 633x hilfreich)

Zitat (von asd1971):

Veganer Käse wird pflanzlich hergestellt.

Und genau deshalb ist er kein Käse.
Zitat:

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn eine Umschreibung genutzt wird, damit Kunden wissen, worum es geht.

Ich habe ein großes Problem damit, wenn die Beschaffenheit eines Produktes falsch deklariert wird. Ich möchte auch keinen "Wein", der aus Wasser plus künstlichen Aromastoffen plus Alkohol besteht. Ich möchte auch keinen Kaffee, in dem nicht eine einzige Kaffeebohne verarbeitet wurde.
Zitat:

Denn der Lobbyismus ist woanders. Bauern und Co. wollen die Namen nicht haben, weil dies eine Konkurrenz für alternative Produkte darstellt.

Veganer wollen keine tierischen Produkte essen. Das ist völlig okay.

Nur warum verzichten sie dann nicht als erstes mal darauf, ihre tierproduktfreien Nahrungsmittel mit Bezeichnungen zu versehen, die seit Jahrtausenden für tierische Produkte stehen?

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#13
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62888 Beiträge, 30734x hilfreich)

Zitat (von HeHe):
Die Deklaration solcher Käseersatzmischungen ist für den Verbraucher einfach nicht als solche zu erkennen!

Eigentlich muss man nur die Zutatenliste auf der Verpackung lesen ...



Zitat (von eh1960):
Veganer wollen keine tierischen Produkte essen. Das ist völlig okay.

Nur warum verzichten sie dann nicht als erstes mal darauf, ihre tierproduktfreien Nahrungsmittel mit Bezeichnungen zu versehen, die seit Jahrtausenden für tierische Produkte stehen?

Wie sollten sie das denn können? Die Veganer schreiben die Bezeichnungen ja nicht auf die Produkte ...



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#14
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Wenn veganer Käse kein Käse ist, nimmt man ihn halt mit auf die Ausnahmeliste. Hat doch bei Kokosmilch, Milchbrätling, Fleischkäse, Leberkäse, Butterschnitzel, Butterpilz, Buttersalat und ach was weiß ich noch alles auch wunderbar funktioniert. »Dänische Citronfromage«, komplett ohne jede Spur von Käse? Kein Problem, ab auf die Ausnahmeliste. Aber Sojamilch und Veggie-Käse? Uhm. Lieber nicht.

Die Argumentation mit der Verbrauchertäuschung ist bei einem Produkt, das sich explizit an Veganer richtet und bei dem ca. 500 mal VEGAN und REIN PFLANZLICH und OHNE MILCH und AUS CASHEW auf die Verpackung gedruckt ist, schon irgendwie albern. Das muss man sich schon hinkonstruieren wollen. Der Unterschied zu Analog-Käse ist der, dass hier nicht versucht wird, einem etwas unterzujubeln unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, sondern dass EXTRAGROSS draufgeschrieben wird, was drin ist, mit der Absicht, ganz klar zu verbreiten, dass ein sehr ähnlicher Geschmack eben auch anders hinzubekommen ist. Und dann meinen solche Bezeichnungen wie »Veggie-Cheeze«, »Velami«, »Vleisch«, »Vurst« eben genau das: Dass es ähnlich schmeckt, aber anders gemacht ist. Der eine findet's witzig und kreativ, der andere ist arm und verbittert. Bedauerlich.

Und jetzt mal Tofu bei die Margarine: Wer würde denn bei einem Produkt, das sich »vegane Käse-Alternative« nennt, ernsthaft erwarten, dass da Kuhmilchkäse enthalten ist? Jetzt ganz ohne, dass man im juristischen Sinne fernab der gelebten Wirklichkeit Recht haben will, sondern wie ein normal denkender Mensch mit gesundem Menschenverstand. Hat man jemals einen Menschen beobachtet, der solch ein Produkt in den Warenkorb gelegt hat, ohne zu wissen, was es ist?

Aber worum es bei solchen Urteilen ja wirklich geht, hat das neueste Urteil bezüglich Happy Cheeze, angestoßen von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs (oder genauer: angestoßen von einem, dem angesichts des Erfolgs der veganen Bewegung offenbar gehörig die Muffe geht, ausgeführt von der Wettbewerbszentrale) klar gezeigt:

»Es gehe nicht um den Schutz des Verbrauchers oder eine mögliche Irreführung. Es gehe vielmehr darum, die Milchwirtschaft zu schützen.«

Das ist fast so ein bisschen, als würde man Herstellern von Elektroautos verbieten, Elektroautos als »Autos« zu bezeichnen, weil damit ja die Verbrenner-Industrie gefährdet wird. Ich meine, Entschuldigung, so ein Ersatzauto. Ist das nicht Verbrauchertäuschung?

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#15
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9629 Beiträge, 7142x hilfreich)

Tja, hätte die betroffene Firma mal die Antworten hier gelesen, insbesondere #1 bis #3 - da hätte die betroffene Firma reichlich Geld für Anwalts- und Gerichtskosten gespart.
Ich zitiere mal meinen eigenen Beitrag vom August 2017:
"Wenn Cheese für Tofu nicht erlaubt ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Cheeze auch nicht mehr erlaubt ist. (...) Und wer Cheeze verkauft, sollte schon mal nach einem neuen Produktnamen Ausschau halten."

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#16
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Naja, das Ding ist ja, dass die Gerichtskosten eine einmalige Sache sind, die Publicity bleibt. Du hast vermutlich keine Vorstellung davon, wie dieses Urteil in der veganen Szene gerade die Runde macht, und jedes mal fällt der Name »Happy Cheeze«. Wenn man den Geschäftsführer mal drauf anspricht, wird man heraushören, dass die Geschichte so furchtbar ärgerlich am Ende doch nicht ist.

Und im Grunde braucht‘s ja auch die Leute, die den Finger in die Wunde legen und die ganze Kleingeistigkeit hinter solchen Urteilen mal aufzeigen. Denn, wie ich weiter oben schon geschrieben habe: Das Problem mit der Verbrauchertäuschung ist konstruiert, es existiert in der Realität nicht. Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der versehentlich ein Produkt einsteckt, das sich »vegane Käse-Alternative aus Cashew« nennt, so wie es auch keinen Menschen auf dieser Erde gibt, der unter Sojamilch nicht ein pflanzliches Getränk auf Basis von Sojabohnen versteht oder Rindfleisch in einer Tofuwurst erwarten würde. Einfach deshalb, weil kein einziges dieser Produkte in Täuschungsabsicht hergestellt wird, weil es dem Hersteller wichtig ist, dass klar erkennbar ist, dass garantiert keine tierischen Lebensmittel verarbeitet sind. Die Gesetze hinken da einfach ein bisschen hinterher, das ist ja keine auf das Lebensmittelrecht beschränkte Tatsache. Und irgendwann wird man sich vielleicht kaputtlachen über die Eskapaden, die da heute veranstaltet werden, und freundlich lächelnd die Gesetze an die gelebte Wirklichkeit anpassen. Dafür sind die Gesetze ja schließlich da.

-- Editiert von trombuver am 05.12.2018 01:14

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#17
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Praktikant
(516 Beiträge, 443x hilfreich)

Zitat (von trombuver):
Das Problem mit der Verbrauchertäuschung ist konstruiert, es existiert in der Realität nicht.

Ein "sympathisches Cuxhavener Start-Up" - Unternehmen darf auch keine Cola-Limonade unter der Eigenmarke "Cuxhavener Alternativ-Coca-Cola" vermarkten, auch wenn die Flaschen rundherum mit unübersehbaren, aufklärenden Hinweisen vollgepflastert wären und jeder Verbraucherirrtum über die betriebliche Herkunft definitiv ausgeschlossen wäre.

Die Bezeichnung der Erzeugnisse mit "Käse-Alternative" oder "Cheese" usw. wurde nicht wg. Irreführung als unlauter beurteilt!

Vielmehr wurde es als wettbewerbsrechtlich unlauter betrachtet, entgegen der gesetzlichen Vorschrift, wonach Bezeichnungen für Erzeugnisse die Angaben "Milch", "Käse", "Quark", "Sahne" usw. nur enthalten dürfen, wenn die Erzeugnisse aus "echter" Milch bestehen ( "Der Ausdruck ‚Milch‘ ist ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug, vorbehalten." ) benutzt werden dürfen, vegane Erzeugnisse mit diesen Angaben zu bezeichnen.

( Erlaubt bleibt sicherlich, zur Beschreibung des Geschmacks eines milchfreien Erzeugnisses die Angaben "Käse-Geschmack" usw. zu benutzen. )

Weshalb möchten die Produzenten von Erzeugnissen mit imitiertem GESCHMACK zur Bezeichnung der GESAMTERZEUGNISSE Angaben ( "Käse" ) ausbeuten, bei denen sich ein Vertrauen der Verbraucher herausgebildet hat, daß diese Angaben von ihnen hauptsächlich mit der Natur der Ausgangsstoffe ( tierische Milch ) der Erzeugnisse in Verbindung gebracht werden dürfen, und bloß beiläufig mit ihrem Aussehen, ihrer Konsistenz, Geschmack usw?

RK

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#18
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Der Vergleich zur Cola hinkt a bisserl, aber das weißt du sicher selbst.

Und dass »Sojamilch« ist unlauter wäre... Da hat wohl jemand den Knall nicht gehört.

Das Pochen auf Definitionen ist überflüssig, wenn es eine Ausnahmeliste gibt (siehe oben verlinkt), die bei Bedarf um Begriffe ergänzt wird, die der normal denkende Mensch versteht und nicht mit Milch (oder Käse oder oder) in Verbindung bringt. Das war doch bei Kokosmilch, Liebfrauenmilch, Fischmilch, Milchner, Milchbrätling und Milchmargarine überhaupt gar kein Problem. Wo ist der Unterschied zur Sojamilch?

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#19
 Von 
HeHe
Status:
Senior-Partner
(6961 Beiträge, 3039x hilfreich)

Zitat:
»Es gehe nicht um den Schutz des Verbrauchers oder eine mögliche Irreführung. Es gehe vielmehr darum, die Milchwirtschaft zu schützen.«

Das sehe ich ganz genau so! .........und darauf trinke ich jetzt erstmal eine schöne kühle Scheuermilch, Prost!

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#20
 Von 
Flo Ryan
Status:
Senior-Partner
(6509 Beiträge, 4558x hilfreich)

Zitat (von trombuver):
Das Pochen auf Definitionen ist überflüssig, wenn es eine Ausnahmeliste gibt (siehe oben verlinkt), die bei Bedarf um Begriffe ergänzt wird, die der normal denkende Mensch versteht und nicht mit Milch (oder Käse oder oder) in Verbindung bringt.
Und warum ist das so, dass gewisse Sachen auf der Ausnahmeliste stehen? Weil es sich im Produkte handelt, die mehr oder weniger schon immer so heissen, im allgemeinen Sprachgebrauch so verankert sind und allein dadurch dem Verbraucher klar ist, dass es sich nicht um ein Milchprodukt handelt.

Das heisst aber nicht, dass man die Liste jetzt nur deswegen ergänzen müsste, damit die Hersteller von veganen/vegetarischen Produkten sich selbst oder ihren Produkten Namen geben können, die mit etwas in Verbindung gebracht werden können, was sie gerade nicht verkaufen! Es gibt ganz einfach keinen Grund, etwas z.B. als Käse zu bezeichnen, was kein Käse ist. Dem Kundenkreis, der sich ja sowieso intensiver mit Nahrungsmitteln beschäftigt, ist es zuzumuten, sich auch andere Bezeichnungen anzueignen und der Kunde, der sich nicht dafür interessiert muss nicht erst nachsehen, ob sein Käse auch wirklich Käse oder irgendwas anderes ist.

Signatur:Wo lagert die Post eigentlich die ganzen Briefe, die angeblich nie zugestellt worden sind?
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#21
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Es ist aber nun einmal so, dass die Gesetze für den Menschen da sind und nicht umgekehrt. Im Sprachgebrauch, auf den du ja abstellst, werden sich Sojamilch, Veggie-Käse und Tofuwurst etablieren und haben sich etabliert. An einem realen Frühstückstisch wird niemand nach einem »Pflanzendrink aus Soja« für seinen Kaffee fragen oder sich den »veganen Aufschnitt aus Tofu« reichen lassen. Es gibt bei Sojamilch, Veggie-Käse und Tofuwurst keinen Raum für Missverständnisse. Es gibt nicht die Spur eines Problems – bis auf ein Gesetz, das veraltet und unflexibel ist und nicht mehr die Wirklichkeit abbildet. Wenn sich »Milch« bisher ausschließlich auf ein Eutersekret bezogen hat, dann ist diese Definition ab heute eben falsch.

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#22
 Von 
FareakyThunder
Status:
Praktikant
(736 Beiträge, 482x hilfreich)

Als Fleischfresser und Milchdrinker sage ich: Sojamilch, Veggie-Käse und Tofuwurst soll auf die Ausnahmeliste da meiner Meinung nach die traditionelle sind und/oder die charakteristischen Eigenschaft des Erzeugnisses beschreiben.

Denn gemäß Nummer 5 zweiter Gedankenstrich Teil III Anhang VII der GMO sind Ausnahmen
für Bezeichnungen von Erzeugnissen vorgesehen, deren Art aufgrund ihrer traditionellen
Verwendung genau bekannt ist, und/oder wenn die Bezeichnungen eindeutig zur
Beschreibung einer charakteristischen Eigenschaft des Erzeugnisses verwandt werden.

Gemäss einem der ältesten deutschsprachigen Zeitungsarchiv (Schweizer NYY) ist Sojamilch seit 1982 belegt. Und anders als die angelogener Käse bzw. "Analogkäse" sind Veggie-Käse und Tofuwurst klar und eindeutig.

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#23
 Von 
go277331-83
Status:
Schüler
(218 Beiträge, 100x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
amals galt das als Höhepunkt der moralischen Verkommenheit der Lebensmittelbranche. Heute kann man jeden Chemie-Müll teuer als Nahrungsmittel an begeisterte Kunden verkaufen, wenn man nur "vegan" draufschreibt...

Das wundert mich auch - muss man mal lesen, was da alles an Chemie drin - und die Veganer greifen begeistert zu und glauben noch Sie würden was gutes machen. Respekt.
Die sollten nicht den Namen ändern , das sollte verboten werden.

Der Mensch braucht Fleisch und er isst es auch seit Jahrtausenden.

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#24
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Wir reden hier ja ganz konkret von »Happy Cheeze« - und da darfst du mir gerne mal zeigen, wo die Chemie versteckt ist.

Wenn ich mir dagegen die Zutatenliste eines typischen Fleischsalats anschaue, ist das eher zum Abgewöhnen...

Du siehst, mit selektiver Auswahl kann man die Dinge so aussehen lassen, wie man möchte, dass sie aussehen. Das Chemie-Argument ist Bull****. Du wirst total verpanschten Convenience-Fraß in vegan und nicht-vegan finden, genauso wie du naturbelassene Lebensmittel in vegan und nicht-vegan finden wirst.

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#25
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1539 Beiträge, 633x hilfreich)

Zitat (von asd1971):

Veganer Käse wird pflanzlich hergestellt.

Käse ist ein Milchprodukt, ergo ein tierisches Produkt.

Es mag da irgendwas pflanzlich hergestellt werden, vielleicht schmeckt es sogar, aber es ist definitiv kein Käse...

Zitat:

Vielleicht vorab informieren, wie die Produkte hergestellt werden, statt Mist zu schreiben.

Eben.
Zitat:

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn eine Umschreibung genutzt wird, damit Kunden wissen, worum es geht.

Mag sein, aber das Lebensmittelrecht und die Rechtsprechung haben ein Problem damit. Die möchten auch nicht, daß Hafer drin ist, wo Weizen draufsteht.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#26
 Von 
trombuver
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Du hast es immer noch nicht verstanden. Alle Menschen verstehen den Begriff »pflanzlicher Käse«. Begrifflichkeiten unterliegen einem Wandel (warum heißt der Kotflügel wohl Kotflügel?).

Ergo ist das Gesetz falsch, es hinkt der Realität hinterher.

Ergo braucht es Menschen, die darauf aufmerksam machen und die Gerichte dazu zwingen, sich damit zu beschäftigen.

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#27
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62888 Beiträge, 30734x hilfreich)

Zitat (von trombuver):
Ergo braucht es Menschen, die darauf aufmerksam machen

Stimmt.

Und es bräuchte idealerweise Leute dies das Gesetz anpassen.



Zitat (von trombuver):
und die Gerichte dazu zwingen, sich damit zu beschäftigen.

Das tun die Gerichte doch. Nur halt nicht mit dem Ergebnis das man sich wünscht.
Gerichte sind nämlich an die Gesetze gebunden, Gerichte ändern auch keine Gesetze, das ist dem Gesetzgeber vorbehalten ...


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#28
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9629 Beiträge, 7142x hilfreich)

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in dieser Diskussion nicht um die Sache geht, sondern darum, Aufmerksamkeit auf das Produkt zu lenken und Sympathie für die herstellende Firma zu generieren.

Im Übrigen schließe ich mich Harry an: Die Frage, wie man vegetarische / vegane Ersatzprodukte korrekt bezeichnet, ist eine, die auf politischer Ebene beantwortet werden muss. Juristisch ist da nichts zu diskutieren.
Auf sprachlicher Ebene hier ein Überblick: https://gfds.de/es-geht-um-die-wurst/

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#29
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Praktikant
(516 Beiträge, 443x hilfreich)

Zitat (von trombuver):
Der Vergleich zur Cola hinkt a bisserl ...

Er karrikiert Dein Mißverständnis: es käme darauf an, daß Interessenten an dem Erzeugnis aus mit Bakterienkulturen versetzten, zerkleinerten und eingeweichten Cashewnußkernen über deutliche aufklärende Hinweise trotz der Bezeichnung "-Käse" keine unrichtigen Vorstellungen haben. Auch wenn jeder Verbraucherirrtum ausgeräumt ist, berechtigt dies nicht zur Benennung des Erzeugnisses als XYZ-Käse.

Zitat:
Alle Menschen verstehen den Begriff »pflanzlicher Käse«.

Keinesfalls!

Aber selbst wenn alle Verbraucher unübersehbar darüber aufgeklärt würden, daß ein Erzeugnis aus verarbeiteter Kuhmilch, unter Zusatz/Austausch tierischer Fette durch künstliche/pflanzliche Fette und unter Zusatz/Austausch des Kuhmilcheiweiß durch künstliches/tierisches/planzliches Eiweiß hergestellt wäre, soll für das Erzeugnis eine Bezeichnung als XYZ-Milch ausgeschlossen sein.

RK

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