Ehem. Vermieter behält Kaution ein ohne Höhe d. Kosten nachzuweisen, Haftpflicht zahlt nicht

11. September 2023 Thema abonnieren
 Von 
pstmn
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Ehem. Vermieter behält Kaution ein ohne Höhe d. Kosten nachzuweisen, Haftpflicht zahlt nicht

Hallo zusammen,

ich hoffe, dass ihr mich bei folgender Problematik beraten könnt.

Meine Partnerin und ich sind Anfang 2022 umgezogen. Bei der Wohnungsübergabe ist ein von uns verursachter Schaden an einer Türzarge aufgefallen. Zum Glück handelte es sich um eine ziemliche günstige Zarge, aber laut Vermieter wurde diese erst kurz vor unserem Einzug eingebaut.
Aus diesem Grund wurden von unserer Mietkaution 300€ einbehalten.

Da wir eine Haftpflichtversicherung haben, die Mietschäden abdeckt, habe ich den Schaden fotografiert. Diese haben wir auch direkt kontaktiert, um den Schaden zu regulieren.
Natürlich wollte die Haftpflichtversicherung einen Nachweis über die Höhe des Schadens haben. Rechnungen zu dem laut Vermieter kürzlich erst erfolgten Einbau der Zarge existieren nicht, da dieser jegliche Reparaturen und Arbeiten an den Wohnungen gerne unter der Hand (schwarz) machen lässt.

Nach unserem Auszug sind direkt die Nachmieter eingezogen, wodurch es für uns auch nicht möglich war, einfach mit Handwerkern in die Wohnung zu kommen, um beispielsweise einen Kostenvoranschlag erstellen zu lassen. Also habe ich Handwerker kontaktiert und mir einen Kostenvoranschlag anhand der Fotos erstellen lassen. Dieser belief sich für die Ausbesserung des Lochs und der anschließenden Lackierung auf ungefähr 150€.

Den Kostenvoranschlag habe ich dem Vermieter zukommen lassen, mit dem Vorschlag, dass uns entweder die Differenz zur Kaution erstattet wird und wir uns den restlichen Betrag von der Versicherung erstatten lassen, oder wir den Schaden durch den Handwerker beheben lassen und uns der volle Kautionsbetrag erstattet wird.

Der Vermieter war allerdings der Meinung, dass der Schaden auf diese Weise nicht behoben werden kann, sondern die ganze Zarge ausgetauscht werden muss und sich die Kosten mit Einbau bestimmt auf 300€ belaufen werden.

Nach ein bisschen hin- und her hatten wir die Schnauze voll und haben uns entschlossen, auf den halben Betrag zum Schutz unserer Nerven zu pfeiffen und uns stattdessen nur den Betrag aus dem Kostenvoranschlag bei der Versicherung einzureichen.
Jetzt wirds interessant: Die Versicherung möchte "zur finalen Abwicklung" eine Rechnung über die Behebung des Schadens haben, der Kostenvoranschlag reicht scheinbar nicht.

Wir können nicht in die Wohnung (und ehrlich gesagt möchte ich mir das auch nicht antun), der Vermieter möchte sich selbst auch nicht drum kümmern und die Versicherung möchte so nicht zahlen.

Ich hatte mit dem Thema ehrlich gesagt schon abgeschlossen, bis gerade ein Anruf vom Vermieter zur Nebenkostenabrechnung '22 kam, in dem er auch wieder mit der Zarge anfing. Wenn ich schon Nebenkosten nachzahlen muss (ungefähr 300€, die dem Vermieter natürlich auch zustehen), nervt es mich, dass ungefähr der gleiche Betrag trotz Versicherung einfach futsch gegangen ist.

Wer hat hier welche Rechte und Pflichten? Was kann ich noch tun?

Danke euch im Voraus und wünsche einen schönen Start in die Woche,

PSTMN

Edit: Der Vermieter sah sich selbst nicht in der Pflicht, die genaue Höhe des Schadens nachzuweisen, und hat deswegen auch nicht selbst einen Kostenvoranschlag machen lassen. Er sagte uns, dass wir uns darum kümmern sollen. Eine konkrete Geldforderung kam dementsprechend bis heute nicht, nur die Aussage "Die Zarge kostet schon 120€, mit Einbau ist man da bestimmt bei 300€".


-- Editiert von User am 11. September 2023 15:11

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16312 Beiträge, 9234x hilfreich)

Problem: Der Ball liegt in Ihrem Feld. Wenn Sie die Kaution wieder haben wollen, müssen Sie aktiv werden und den Rechtsweg beschreiten.

Bei Auszug Anfang 2022 wäre es jetzt eigentlich ein Kinderspiel die Kaution einzuklagen, denn die Frist für die Rückzahlung ist abgelaufen, und der Anspruch des Vermieters wegen der Zarge ist verjährt.

Der Fall ist aber vermurkst, da Sie den Schaden mehr oder weniger klar anerkannt haben. Deshalb wird es schwer bis unmöglich sich auf Verjährung des Schadens (normalerweise 6 Monate nach Auszug) zu berufen. Auch die Versicherung wird Probleme machen (wenn man irgendwelche Zusagen gegenüber dem Vermieter macht, ohne Rücksprache mit der Versicherung, führt das im Regelfall dazu, dass die Versicherung nicht mehr zahlen muss).

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
pstmn
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Auch die Versicherung wird Probleme machen (wenn man irgendwelche Zusagen gegenüber dem Vermieter macht, ohne Rücksprache mit der Versicherung, führt das im Regelfall dazu, dass die Versicherung nicht mehr zahlen muss).


Tatsächliche Zusagen haben wir dem Vermieter gegenüber eigentlich nicht gemacht. Und Schriftverkehr existiert ohnehin so gut wie gar keiner (es existiert eine WhatsApp Nachricht, in der ich mitteile, dass wir einen Kostenvoranschlag in Höhe von 154€ vorliegen haben, und die Versicherung entsprechend maximal diesen Betrag zahlen wird, dazu eine PDF des Kostenvoranschlags).
Einen Kostenvoranschlag selbst eingeholt haben wir nur, weil der Vermieter vollkommen unkooperativ war. Die Versicherung hatte auch anfangs angeboten, mit der geschädigten Partei direkt zu kommunizieren. Das hat der Vermieter abgelehnt.

Den Schaden anerkannt haben wir tatsächlich bei der Übergabe, in dem Fall auch schriftlich festgehalten. Ich habe nur das Gefühl, dass uns die Möglichkeit, den Schaden über unsere vorhandene Versicherung zu regulieren, durch den Vermieter bzw. die Steine, die er uns in den Weg gelegt hat, verwehrt wurde. Vermutlich wird sich die Versicherung inzwischen auch auf eine Verjährung berufen.

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#3
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6376 Beiträge, 2309x hilfreich)

Zitat:
Der Vermieter war allerdings der Meinung, dass der Schaden auf diese Weise nicht behoben werden kann, sondern die ganze Zarge ausgetauscht werden muss und sich die Kosten mit Einbau bestimmt auf 300€ belaufen werden.

Also wäre doch die erste Frage, ob denn die Beseitigung des Schadens für die Firma welche diesen Kostenvoranschlag erteilt hat
Zitat:
dass wir einen Kostenvoranschlag in Höhe von 154€ vorliegen haben,

erfolgen sollte.
Ob denn nun eine Zahlung (oder eine Verrechnung) an den Vermieter erfolgt ist, kann ich aus der Schilderung nicht entnehmen. Scheinbar fordert der Vermieter aber nichts mehr oder wie ist dies zuverstehen ?:
Zitat:
Eine konkrete Geldforderung kam dementsprechend bis heute nicht, nur die Aussage "Die Zarge kostet schon 120€, mit Einbau ist man da bestimmt bei 300€".

Wurde denn eine Verrechnung mit der Mietkauton angekündigt oder eine Rückzahlung abgelehnt ?

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

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#4
 Von 
pstmn
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Spezi-2):
Ob denn nun eine Zahlung (oder eine Verrechnung) an den Vermieter erfolgt ist, kann ich aus der Schilderung nicht entnehmen. Scheinbar fordert der Vermieter aber nichts mehr oder wie ist dies zuverstehen ?:


Es ist keine Zahlung erfolgt, da von der Mietkaution 300€ einbehalten wurden. Die Beseitigung durch die Firma, die den Kostenvoranschlag erstellt hat, hat der Vermieter abgelehnt. Die Begründung hierfür war, dass eine Beseitigung des Schadens durch Reparatur nicht möglich sei, sondern nur ein kompletter Tausch der Zarge den Schaden beseitigen würde.

Von einer Verrechnung kann man nicht wirklich sprechen, da der Vermieter meines Wissens das Geld bis heute nicht zur Beseitigung des Schadens genutzt hat (ich weiß, muss er nicht), und stattdessen den Betrag in Höhe von 300€ pauschal einbehalten hat, ohne die tatsächlichen Kosten festzustellen.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118581 Beiträge, 39597x hilfreich)

Die Aussichten sind der Schilderung nach nicht gut, drkabo hat das schon korrekt ausgeführt.
Man hat sich ins Knie geschossen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#6
 Von 
Leo4
Status:
Lehrling
(1712 Beiträge, 272x hilfreich)

Zitat (von pstmn):
Edit: Der Vermieter sah sich selbst nicht in der Pflicht, die genaue Höhe des Schadens nachzuweisen, und hat deswegen auch nicht selbst einen Kostenvoranschlag machen lassen. Er sagte uns, dass wir uns darum kümmern sollen. Eine konkrete Geldforderung kam dementsprechend bis heute nicht, nur die Aussage "Die Zarge kostet schon 120€, mit Einbau ist man da bestimmt bei 300€".


Für Schadensbeseitigung ist grundsätzlich der VM in der Pflicht, die Rechnung bezahlt der Schadensverursacher.
Durch die ständigen Verhandlungen könnte die Verjährung evtl. unterbrochen sein.

Signatur:

Meine persönliche Meinung.

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#7
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6376 Beiträge, 2309x hilfreich)

Zitat:
Für Schadensbeseitigung ist grundsätzlich der VM in der Pflicht, die Rechnung bezahlt der Schadensverursacher.

Nur ist der Vermieter nicht verpflichtet, die Schadensbeseitigung auch durchzuführen.
Es muß aber die Höhe des Schadens nachweisen ! Dies kann er auch mit einem korrekten Kostenvoranschlag.

Die Reaktion der Versicherung versteh ich nicht. Normalerweise erteilt diese eine grundsätzliche Deckungszusage
an den Versicherten und teilt den Geschädigten mit daß dieser die Höhe des Schadens nachweisen möge.

Auf der Baisis der grundsätzlichen Deckungszusage kann/muß der MIeter den vom Vermieter einbehaltenen Betrag einklagen.
Wieso gibt es hier scheinbar keine grundsätzliche Deckungszusage der Versicherung ?

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

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