Grundsteuer plötzlich mehr als verdoppelt

29. November 2022 Thema abonnieren
 Von 
katra
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Grundsteuer plötzlich mehr als verdoppelt

Guten Tag.

Ich wohne in Hamburg und bin seit 2008 Mieter einer Wohnung.
Die Grundsteuer in der Betriebskostenabrechnung betrug von 2008 bis 2014 insgesamt 9120€ und ich musste 177€ (Umlage: anteilig) davon übernehmen. Von 2015 bis 2019 waren es dann insgesamt 7805€ und ich musste da 151€ (Umlage: anteilig) übernehmen. Nun ist es so, dass die Grundsteuer für das Jahr 2020 plötzlich von zuvor 7805€ (Jahr 2019) auf 16910€ gestiegen und in der Spalte "Umlage" heißt es auf einmal nicht mehr "anteilig", sondern "Festbetrag". Von den 16910€ muss ich nun 250€ übernehmen. Also 100€ mehr (bzw. 66% mehr) als die letzten Jahre. Mein Vermieter (Verwaltung) hat nun nach drei Email-Kontaktversuchen überhaupt nicht reagiert.
Nun könnte ich gegen die Betriebskostenabrechnung Widerspruch einlegen und um Einsicht in die Grundsteuererklärung bitten, oder? Oder was würdet Ihr mir empfehlen? Bitte um Hilfe und Empfehlungen, was man nun machen könnte/müsste/sollte.

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße

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15 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
cauchy
Status:
Unparteiischer
(9809 Beiträge, 4455x hilfreich)

Zitat (von katra):
Nun könnte ich gegen die Betriebskostenabrechnung Widerspruch einlegen und um Einsicht in die Grundsteuererklärung bitten, oder?
Ersteres nein, zweiteres ja.

Zuerst überprüfe bitte, wer dein Vermieter wirklich ist und insbesondere ob die Verwaltung überhaupt zuständig ist. Manchmal sind Verwaltungen nämlich nur für die Verwaltung des Hauses und nicht der einzelnen Mietwohnung zuständig. Du musst dich auf jeden Fall an deinen Vermieter wenden.

Dem schreibst du dann einen netten Brief, er solle dir bitte Einsicht in alle Unterlagen zur Nebenkostenabrechnung gewähren. Du kannst Terminvorschläge geben. Die Einsicht ist irgendwo in der Umgebung der Mietwohnung zu gewähren. Umgebung heisst nicht gleiche Straße, aber so, dass du dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln in angemessener Zeit hinkommst. Du kannst dazu schreiben, dass du insbesondere auch den Grundsteuerbescheid einsehen möchtest. Aber ich würde die Einsicht nicht darauf beschränken. Wenn du schon den Aufwand betreibst, dann solltest du dir wirklich alles anschauen. Also insbesondere auch die Belege für Versicherungen, Hausmeister, Putzpersonal und sowas.

Um Druck aufzubauen, kannst du dazuschreiben, dass die Einsicht innerhalb von 14 Tagen zu gewähren sei. Wenn in der Zeit keine akzeptablen Termine zur Einsichtnahme genannt werden, würdest du eine eventuelle Nebenkostennachzahlung bis zur Gewährung der Einsichtnahme nicht leisten und dir vorbehalten, auch die Nebenkostenvorauszahlungen solange einzubehalten. Wenn die Einsichtnahme gewährt wurde, musst du natürlich alles sofort nachzahlen können. Also bitte nicht das Geld einfach so ausgeben.

Da die Verwaltung auf emails nicht reagiert hat, würde einen Brief per Einwurfeinschreiben an den Vermieter senden. Dann sieht man weiter.

PS: Du kannst auch den Teil mit dem Einbehalt bis zur Einsichtnahme weglassen. Dann ist das Schreiben weniger konfliktträchtig. Andererseits hat man offenbar bereits drei emails von dir ignoriert. So richtig nett ist das nicht. Vielleicht war es aber auch nur die falsche email Adresse.

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#2
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3441 Beiträge, 544x hilfreich)

Zitat (von cauchy):
Zuerst überprüfe bitte, wer dein Vermieter wirklich ist und insbesondere ob die Verwaltung überhaupt zuständig ist

Sind es mehrere Eigentümer, übernimmt die Verwaltung nicht die Forderung der Grundsteuer. Begründung, die Abrechnungen für die Grundsteuer bekommen die Eigentümer und nicht die Hausverwaltung.
So zumindest wird es in einem Objekt gehandhabt, mit dem ich zu tun habe. Ist halt etwas umständlich, geht aber nicht anders.

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#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47241 Beiträge, 16731x hilfreich)

Ich tippe darauf, dass eine Umwandlung in Eigentumswohnungen erfolgt ist und in der Folge dann die Grundsteuer neu festgesetzt wurde.

Dabei gab es zuvor einen Grundsteuerbescheid für das gesamte Haus und danach gibt es für jede Wohnung einen eigenen Grundsteuerbescheid.

Selbstverständlich hat der Mieter jedoch Anspruch auf Belegeinsicht um zu prüfen, ob die Abrechnung korrekt ist und auch ob meine Vermutung zutreffend ist.

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#4
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31510 Beiträge, 5569x hilfreich)

Zitat (von katra):
Nun ist es so, dass die Grundsteuer für das Jahr 2020
In welcher BK-Jahresabrechnung findet sich denn dieser neue hohe Grundsteuer-Betrag?
Zitat (von katra):
Mein Vermieter (Verwaltung) hat nun nach drei Email-Kontaktversuchen überhaupt nicht reagiert.
Was hast du ihm denn geschrieben?
Einsicht verlangen geht auf jeden Fall.

Wann will der Vermieter denn die Nachzahlung aus BK haben?

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#5
 Von 
katra
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo zusammen,

vielen Dank für die zahlreichen und qualifizierten Antworten.

Zitat:
Zuerst überprüfe bitte, wer dein Vermieter wirklich ist und insbesondere ob die Verwaltung überhaupt zuständig ist.

Wie kann ich das überprüfen? Soll ich die Verwaltung nach dem eigentlichen Vermieter bzw. dem Eigentümer der Wohnung fragen? Vielleicht möchte der Eigentümer nicht, dass die Verwaltung den Namen bekannt gibt und der Eigentürmer/Vermieter von Mietern kontaktiert wird. Oder?

Zitat:
Aber ich würde die Einsicht nicht darauf beschränken. Wenn du schon den Aufwand betreibst, dann solltest du dir wirklich alles anschauen. Also insbesondere auch die Belege für Versicherungen, Hausmeister, Putzpersonal und sowas.

Darf man von den Belegen vor Ort dann auch Kopien bzw. Scans (also Fotos machen) mit dem Smartphone durchführen?

Zitat:
Um Druck aufzubauen, kannst du dazuschreiben, dass die Einsicht innerhalb von 14 Tagen zu gewähren sei. Wenn in der Zeit keine akzeptablen Termine zur Einsichtnahme genannt werden, würdest du eine eventuelle Nebenkostennachzahlung bis zur Gewährung der Einsichtnahme nicht leisten und dir vorbehalten, auch die Nebenkostenvorauszahlungen solange einzubehalten.

Die Nebenkostennachzahlung habe ich bereist vor vielen Monaten getätigt. Nun würde mich nur interessieren warum die Grundsteuer so drastisch gestiegen ist.

Zitat:
Vielleicht war es aber auch nur die falsche email Adresse.

Die E-Mails wurden mit Hilfe eines Kontaktformulars auf der Webseite der Verwaltung abgeschickt. Dieses hat bisher immer funktioniert. Also sollten die Email auch dort angekommen sein.

Zitat:
In welcher BK-Jahresabrechnung findet sich denn dieser neue hohe Grundsteuer-Betrag?

In der BK-Abrechnung für das Jahr 2020. Diese BK-Abrechnung habe ich Ende Dezember 2021 bekommen.

Zitat:
Was hast du ihm denn geschrieben?

Was der Grund für die Steigung der Grundsteuer ist.

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#6
 Von 
cauchy
Status:
Unparteiischer
(9809 Beiträge, 4455x hilfreich)

Zitat (von katra):
Zitat:
Zuerst überprüfe bitte, wer dein Vermieter wirklich ist und insbesondere ob die Verwaltung überhaupt zuständig ist.


Wie kann ich das überprüfen?
Wer steht im schriftlichen Mietvertrag als Vermieter? Wer hat auf Seitend es Vermieters den Mietvertrag unterschrieben?

Zitat (von katra):
Vielleicht möchte der Eigentümer nicht, dass die Verwaltung den Namen bekannt gibt und der Eigentürmer/Vermieter von Mietern kontaktiert wird. Oder?
Ein Mieter hat das Recht, eine zustellfähige Adresse seines Vermieters zu erhalten. Sonst könnte der Mieter sein Recht auf Klage gegen den Vermieter nicht wahrnehmen. Natürlich ist es möglich, dass der Eigentümer selber an eine Verwaltung vermietet und die Verwaltung dann an dich als Mieter. Dann wäre der Eigentümer für dich erstmal auch egal. Relevant ist der, welcher als Vermieter im Mietvertrag genannt ist.

Zitat (von katra):
Darf man von den Belegen vor Ort dann auch Kopien bzw. Scans (also Fotos machen) mit dem Smartphone durchführen?
Ja. Anspruch auf Anfertigung von Kopien durch den Vermieter hast du in der Regel nicht. Aber selber abfotografieren ist erlaubt.

Zitat (von katra):
Die Nebenkostennachzahlung habe ich bereist vor vielen Monaten getätigt.
Dann wird der Vermieter möglicherweise argumentieren, dass du damit die Abrechnung anerkannt und somit kein Recht mehr auf Belege hast. Das höchste deutsche Gericht sieht das aber meines Wissens nach anders, siehe BGH, 12.01.2011 - VIII ZR 296/09. Du hast innerhalb eines Jahres das Recht auf Einsicht in die Belege. So steht's auch im Gesetz, siehe § 556 BGB. Zum Nachteil des Mieters darf davon auch nicht abgewichen werden.

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#7
 Von 
Leo4
Status:
Lehrling
(1712 Beiträge, 272x hilfreich)

Zitat (von cauchy):
a. Anspruch auf Anfertigung von Kopien durch den Vermieter hast du in der Regel nicht. Aber selber abfotografieren ist erlaubt.

Wenn es entfernungsmäßig für den Mieter nicht zumutbar ist, die Belege einzusehen, muß der Vermieter diese in Kopie an den Mieter schicken; natürlich gegen Bezahlung der Kosten.

Signatur:

Meine persönliche Meinung.

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#8
 Von 
Leo4
Status:
Lehrling
(1712 Beiträge, 272x hilfreich)

Zitat (von katra):
Was der Grund für die Steigung der Grundsteuer ist.


"Elster" ist der Grund. Google informiert.

Signatur:

Meine persönliche Meinung.

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#9
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2328 Beiträge, 628x hilfreich)

Zitat (von Leo4):
"Elster" ist der Grund. Google informiert.
Wie kann ein Programm, dass zur elektronischen Übermittlung von Steuererklärungen dient, eine Steigerung der GrSt bewirken?

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

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#10
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von Leo4):
"Elster" ist der Grund. Google informiert.
Welche Elster hat denn eine Erhöhung der Grundsteuer bewirkt? Oder meinst Du die Software "Elster"? Das wäre dann allerdings hochgradiger Unfug.

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#11
 Von 
Solan196
Status:
Master
(4300 Beiträge, 509x hilfreich)

Zitat (von Leo4):
"Elster" ist der Grund.


Ich würde da ja eher auf den zensus tippen

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von katra):
Die Grundsteuer in der Betriebskostenabrechnung betrug von 2008 bis 2014 insgesamt 9120€ und ich musste 177€ (Umlage: anteilig) davon übernehmen. Von 2015 bis 2019 waren es dann insgesamt 7805€ und ich musste da 151€ (Umlage: anteilig) übernehmen. Nun ist es so, dass die Grundsteuer für das Jahr 2020 plötzlich von zuvor 7805€ (Jahr 2019) auf 16910€ gestiegen
Sehr verwunderlich, da der Hebesatz für die Grundsteuer in Hamburg seit 2005 unverändert bei 540 % liegt.

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#13
 Von 
Leo4
Status:
Lehrling
(1712 Beiträge, 272x hilfreich)

Zitat (von bostonxl):
Welche Elster hat denn eine Erhöhung der Grundsteuer bewirkt?


Es betrifft die Grundsteuerreform, die ab dem 1.Jan.2025 in Kraft tritt. Mein Hinweis auf "Elster" war nicht korrrekt, dennoch Google hätte Auskunft gegeben.


Signatur:

Meine persönliche Meinung.

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#14
 Von 
Sunrabbit
Status:
Praktikant
(657 Beiträge, 115x hilfreich)

Kann natürlich sein, das der Vermieter den Bescheid für die Grundsteuerreform ab 1.1.2025 nicht verstanden hat. Denn dieser kann natürlich nicht zu einer Erhöhung der Grundsteuer in 2021 oder 2022 geführt haben.

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#15
 Von 
cauchy
Status:
Unparteiischer
(9809 Beiträge, 4455x hilfreich)

Warum jetzt höhere Nebenkosten gefordert werden, ist ein zweitrangiges Problem. Vielleicht waren auch die bisherigen Abrechnungen fehlerhaft zu niedrig. Das ist aber auch egal. Jetzt müsste der Mieter erstmal Einsicht in die Belege nehmen und diese bestenfalls abfotografieren. Dann wird sich hoffentlich herausstellen, ob die Nebenkostenabrechnung korrekt ist oder nicht.

Pauschales Bestreiten der Nebenkostenabrechnung ohne Einsicht in die Belege ist meines Wissens nach nur bei formalen Fehlern möglich. Inhaltliche Fehler, um die es hier möglicherweise geht, kann der Mieter erst dann bestreiten, wenn er die Belege eingesehen hat.

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