In welchem Zustand ist eine Mietwohnung nach über 30 Jahren zu übergeben?

30. Mai 2023 Thema abonnieren
 Von 
Hilfesuchender062021
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)
In welchem Zustand ist eine Mietwohnung nach über 30 Jahren zu übergeben?

Hallo.

Folgender fiktiver Fall:

Eine Wohnung wird Ende der 80er Jahre (nicht frisch renoviert) gemietet. Seitdem hat der Eigentümer mehfach gewechselt.

Angenommen die Decke war bereits vom Vormieter mit Styropor vertäfelt. Muss dieses entfernt werden?

In welchem Zustand ist die Wohnung nach Kündigung zu übergeben? Welche Schönheitsreparaturen sind durchzuführen?

Wäre nach so einer langen Mietdauer ohne Modernisierungen durch den Vermieter nicht eh anzunehmen, dass eine Sanierung notwendig ist? Meiner laienhaften Meinung nach wäre die Wohnung zu übergeben, wie sie in den 80ern übernommen wurde. Eine gewisse Abnutzung würde ich nach 30 Jahren auch als normal ansehen.

Es ist aktuell nicht klar, ob der ursprüngliche Mietvertrag gilt, oder ob zwischenzeitlich neue Verträge bei Eigentümerwechsel unterschrieben wurden.

Grüße

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 12:16

Fragen zur Miete?

Fragen zur Miete?

Ein erfahrener Anwalt im Mietrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Mietrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6372 Beiträge, 2309x hilfreich)

Zitat:
Eine Wohnung wird Ende der 80er Jahre (nicht frisch renoviert) gemietet.


1.) "nicht frisch renoviert" ist nicht das was der BGH in seiner Entschiedung zur Unwirksamkeit genannt hat, vielmehr darf die Wohnung nicht renovierungsbedürftig gewesen ein.
2.) Ob eine Sanierung notwendig ist, spielt auch keine Rolle für Renovierungsansprüche.
3.) Die lange MIetdauer spricht sehr dafür daß die Wohung inzwischen renovierungsbedürftig ist.
4.) Wenn sich der Mieter verpflichtet hat, in der Wohnung die Schönheitsreparatunren durchzuführen
(da dazu nichts geschrieben wurde, kann man nicht beurteilen ob die Vereinbarung wirksam ist)
könnte der MIeter zur Renovierung verpflichtet sein.

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von Hilfesuchender062021):
Meiner laienhaften Meinung nach wäre die Wohnung zu übergeben, wie sie in den 80ern übernommen wurde.
Nein.

Zitat (von Hilfesuchender062021):
Es ist aktuell nicht klar, ob der ursprüngliche Mietvertrag gilt, oder ob zwischenzeitlich neue Verträge bei Eigentümerwechsel unterschrieben wurden.
Dann sollte man das erstmal klären und den tatsächlich gültigen Mietvertrag detailliert lesen.

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Hilfesuchender062021
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke euch beiden!

Zitat (von Spezi-2):
3.) Die lange MIetdauer spricht sehr dafür daß die Wohung inzwischen renovierungsbedürftig ist.


Bedeutet das, dass der Mieter dann idR zur Renovierung verpflichtet ist? Oder gilt dies nur, wenn der Mietvertrag dies explizit vorsieht?

Aktuell wurde uns vom Vermieter der gültige Mietvertrag noch nicht zugeschickt. Ich würde Formulierungen aus diesem dann noch ergänzen, wollte jedoch schon mal fragen, wie es für gewöhnlich ist.

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 13:06

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 13:08

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10564 Beiträge, 4182x hilfreich)

Zitat (von Hilfesuchender062021):
wollte jedoch schon mal fragen, wie es für gewöhnlich ist.


Falls noch der Vertrag aus den 80er gelten sollte, sind für gewöhnlich alle Klausen bezüglich Schönheitereparaturen, Renovierung etc. ungültig, da sie dem aktuellen Rechtsstand nicht mehr entsprechen.
Demnach wäre die Wohnung besenrein zu übergeben.

Kann sich bei neueren Mietverträgen durchaus ändern.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
cauchy
Status:
Unparteiischer
(9809 Beiträge, 4456x hilfreich)

Zitat (von Hilfesuchender062021):
Bedeutet das, dass der Mieter dann idR zur Renovierung verpflichtet ist? Oder gilt dies nur, wenn der Mietvertrag dies explizit vorsieht?
Im Gesetz (in der aktuellen Version) findet sich dazu in § 538 BGB: "Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch herbeigeführt werden, hat der Mieter nicht zu vertreten." Nach dem aktuellen Gesetz und ohne mietvertragliche Vereinbarungen muss der Mieter somit keinerlei Reparaturen oder Schönheitsreparaturen leisten. Alles, was vertragsgemäß abgenutzt wird, ist bereits mit der Miete bezahlt.

Schönheitsreparaturen muss der Mieter nur leisten, wenn er sich vertraglich dazu verpflichtet hat und wenn diese Vereinbarung auch gültig ist. Dazu kommt hier aufgrund der langen Mietzeit, dass man sich eventuell Übergangsregelungen anschauen müsste, weil z.B. im Mietrecht 2001 einiges geändert wurde. Ich glaube zwar nicht, dass das hier relevant ist, aber sicher bin ich mir nicht.

Zitat (von Hilfesuchender062021):
Es ist aktuell nicht klar, ob der ursprüngliche Mietvertrag gilt, oder ob zwischenzeitlich neue Verträge bei Eigentümerwechsel unterschrieben wurden.
Die mietvertraglichen Vereinbarungen muss man sich natürlich anschauen. Generell ist aber der Vermieter in der Beweispflicht, wenn er etwas will. Bei der Verfäfelung z.B. müsste der Vermieter beweisen, dass sich entweder der Mieter irgendwann zu einer Beseitigung bei Auszug verpflichtet hat oder dass diese bei Übergabe Ende der 80ger noch nicht in der Mietsache war.

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 13:58

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Hilfesuchender062021
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cauchy):
Bei der Verfäfelung z.B. müsste der Vermieter beweisen, dass sich entweder der Mieter irgendwann zu einer Beseitigung bei Auszug verpflichtet hat oder dass diese bei Übergabe Ende der 80ger noch nicht in der Mietsache war.


Danke. Das hilft mir schon einmal weiter. :-)

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6372 Beiträge, 2309x hilfreich)

Zitat:
Aktuell wurde uns vom Vermieter der gültige Mietvertrag noch nicht zugeschickt


Wiesoll man dieses verstehen ?
Wurde vor dem Einzug "Ende der 80er Jahre" kein schriflticher Vertrag abgeschlossen ? Oder ist das eigene MIetvertragsformular verloren gegangen ?

Mietverträge ändern sich nicht automatisch sondern Ä'nderungen müssen vereinbart werden.
Ein Mieter muß aber einer Änderung nicht zustimmen.

In den 80er Jahren gab es Mietverträge da stand zu den Schönheitsreparturen nur ein Satz nämlich:
Schönheitsreparaturen trägt der Vermieter (dahinter Kästchen für Kreuz) MIeter (dahinter Kästschen für Kreuz.
Es gab aber auch viele anderen Formulare, da stand dann viel mehr.

Um festzustellen was hier vereinbart wurde, muß man den Mietvertragsinhalt kennen.



-- Editiert von User am 30. Mai 2023 16:40

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Hilfesuchender062021
Status:
Frischling
(48 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Spezi-2):
Wiesoll man dieses verstehen ?
Wurde vor dem Einzug "Ende der 80er Jahre" kein schriflticher Vertrag abgeschlossen ? Oder ist das eigene MIetvertragsformular verloren gegangen ?


Die Erben lösen die Wohnung eines verstorbenen auf. Nur weil ich den Vertrag nicht finde, heißt es nicht, dass nicht doch etwas unterschrieben wurde. Den Vertrag aus den 80ern habe ich, aber ich vermute, dass es aufgrund der Eigentümerwechsel noch aktuellere gibt.

Die Kommunikation mit dem Vermieter gestaltet sich schwierig. Ich überlege daher erst einmal nichts zu machen. Falls es bei der Übergabe zu Problemen kommen sollte, würde ich nach der vertraglichen Grundlage der Forderungen fragen. Die Erläuterung, dass der Vermieter grundsätzlich nachweisen muss, dass die Vertäfelung in den 80ern noch nicht angebracht war, ist auf jeden Fall hilfreich. Erstens war sie es und zweiten stelle ich mir die Beweisführung schwierig vor. Das fachgerechte Entfernen dürfte eine ziemlich miese Arbeit sein, wenn man nicht vom Fach ist.

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 21:07

-- Editiert von User am 30. Mai 2023 21:07

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Kalanndok
Status:
Student
(2221 Beiträge, 346x hilfreich)

Ich würde gegen den Vermieter einfach erstmal mit dem vorliegenden Mietvertrag aus den 80ern argumentieren.
Wenn dieser dann glaubt, dass er seinen Mieter durch eine Vertragsänderung beispielsweise zu Schönheitsreparaturen verpflichtet hat, dann wird er diese Behauptung belegen müssen.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Spezi-2
Status:
Senior-Partner
(6372 Beiträge, 2309x hilfreich)

Zitat:
Den Vertrag aus den 80ern habe ich,

Dann sollte man davon ausgehen daß darin auch etwas zur Durchführung der Schönheitsreparaturen geregelt ist.
Was steht denn dazu im MIetvertrag ? Ob die Vereinbarung der heutigen Rechtssprechung entspricht, kann dann auch jemand beurteilen.

Natürlich könnte der Vertrag seit 1980 geändert worden sein. Einen wirklichen Grund wie Weechsel der Vermieters sehe ich dafür aber nicht.
Daß die Regelungen über die Schönheitsreparturen dadurch aber für den Mieter bessere geworden sind, ist auch eher unwahrscheinlich.
Eher könnten zu drastische Erneuerungen unwirksam sein.

Signatur:

Meine Beiträge sind keine juristischen Ratschläge, sondern sollen dem Erfahrungsaustausch dienen.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.642 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.047 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen